Soundtrack meines Lebens

  • 1. Max Bruch - Konzert Für Violine Und Orchester Nr. 1 G-moll Op. 26

    Meine Eltern sind beide klassische Musiker und ich wollte natürlich - eigentlich seit ich mich erinnern kann - auch ein Instrument lernen, die Geige ist es dann geworden. Ich habe Unterricht seit ich sechs bin und um sozusagen den Ernst der ganzen Geschichte zu unterstützen haben mir meine Eltern damals eine Klassik-Kinderkassette geschenkt, auf der einen Seite Mendelssohn, auf der anderen Seite eben dieses Violinkonzert von Bruch. Eigentlich ist Bruch ganz schön harte Kost für eine Sechsjährige, das fällt mir aber gerade erst auf - das war also mein allererstes Lieblingsstück in meinem Leben und obwohl seit damals einige andere Stücke dazugekommen sind - die meisten nicht-klassischer Art - so ist dieses Konzert noch immer mein absolutes Favoritenviolinkonzert! Tja, und die Kassette gibt es auch immer noch... und ab und zu wird sie sogar angeschmissen... ;-)

  • 2. John Denver - Country Roads

    1996 war ich in der siebten Klasse und ausserdem verliebt in den Markus. Markus wiederum ging einmal die Woche zu den Gruppenstunden der Pfadfinder. Also ging ich da zwangsläufig auch irgendwann mal mit, denn was tut man nicht alles, um seine große Liebe zu beeindrucken! :-) Seitdem habe ich mich durch alle Altersstufen gewurschtelt und bin inzwischen selbst Leiter und wenn es EIN Lied gibt, das für mich hundertprozentig gleich Lagerfeuer und Sternenhimmel ist, dann ist das Country Roads. Das ist mir insofern peinlich, weil es nun mal auch das Lied ist, was man klischeehafterweise immer als erstes mit den Pfadfindern in Verbindung bringen würde (direkt nach der guten Tat und Fähnlein Fieselschweif), aber was soll ich sagen... manchmal stimmen halt auch Klischees! Und das Lied gehört natürlich auch nicht zu dem Soundtrack meines Lebens, weil es so besonders gut ist, sondern weil ich es mich eben an alles erinnert, was ich an den Pfadfindern so liebe... Lagerfeuerabende, Gesang und Gitarre, dunkle rauschende Wälder, Sternenhimmel, der Geruch von Rauch der sich in jeder Faser der Klamotten festsetzt, gesellige Abende mit vielen meiner Freunde, ein bisschen Rotwein...

  • 3. Dvorak - Aus Der Neuen Welt

    Diese Geschichte ist ein bisschen die Fortführung von Nr. 1 (Bruch): Nachdem ich also viele Jahre Geige gelernt hatte kam ich dann auch mal irgendwann in die Pupertät und wie zu erwarten hatte ich alles Mögliche im Kopf, aber ganz sicher nicht Geige üben. Ich hatte schon monatelänge Kämpfe mit meinen Eltern hinter mir, deren Argumentation ungefähr so klang: "Du kannst mit allem aufhören, aber nicht mit Geigenunterricht!" und infolgedessen wurde ich in das Jugendsymphonieorchester (JSO) gesteckt, in der Hoffnung, ich fände den Spaß am Geigespielen wieder. - Kurzer Einschub: Ganz schön mieser Trick eigentlich. Hat nämlich funktioniert. Aber dazu komme ich jetzt. - Da wurde also gerade Dvorák gespielt, hatte ich noch nie was von gehört. Und eine Symphonie über Amerika? So ein Quatsch. Und ich muss doch dafür nicht etwa üben, oder?!? Tja, was dann kam, ist Geschichte: das Orchesterspielen hat mich gepackt, ich habe mir sämtliches Zeug von Dvorák zum Geburtstag gewünscht, Eltern erleichtert, ich begeistert... so einfach kann das manchmal sein. Was ich eigentlich sagen will: Ich hab ne Menge Musik in verschiedenen Orchestern gespielt seitdem, aber wenn ich die Symphonie heute höre, kann ich immer noch spüren, was mich damals so gepackt hat. Die Kraft der Komposition. Die Neugierde und Faszination Dvoráks an der neuen Welt. Die wunderschönen Themen und Melodien, die einen mitreißen wie eine große Welle, besonders wenn man mittendrin sitzt...

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  • 4. Fatman Scoop feat. Faith Evans - Be Faithful (Put Ya Hands Up)

    Tja, irgendwann bin auch ich dann aus der pupertären Phase raus und in die ich-werde-erwachsen-Phase reingeschlittert und ich bin abends zum tanzen ausgegangen, zusammen mit meinem damaligen besten Freund Tim (mit dem ich auch irgendwann danach oder vielleicht auch währenddessen mal zwei Wochen zusammen war, dann aber wieder gemerkt habe, dass ich ihn doch nur freundschaftlich mag, aber mit 15 weiß man das alles noch nicht so genau - aber das ist eine andere Geschichte!). Wir waren beide 17, und das weiß ich deswegen noch so genau, weil unser Hauptproblem darin bestand, überhaupt in das La Rocca reinzukommen! :-) Wir waren immer extra-früh da, weil dann noch nicht nach dem Ausweis gefragt wurde... Wenn wir dann aber endlich drin waren, dann war es jedes Mal wie ein Rausch, mit tanzen bis in den Morgen und unsere absolute Hymne war also dieses Lied, auch bekannt unter "love like this", weil der Refrain halt so geht, ist eigentlich von Faith Evans, glaube ich. Auch ganz groß war "Got your money" von Ol' Dirty Bastard... alles die gleiche Schiene: laut zum mitrocken. Finde ich beides auch heute noch gut, wenn man feiern will - brauche ich mich auch nicht unbedingt für zu schämen, glaube ich... ;-)

  • 5. Herbie Hancock - Watermelon Man

    Ich hatte das Glück, in einer relativ großen Stufe zu sein - so 140 Leute - so dass auch kleine Leistungskurse genemigt werden konnten, und so landete ich in der 12. Klasse mit neun anderen Leuten also im Musik-Lk. Eins unserer ersten Projekte war ein kleiner Auftritt auf dem alljährlichen Konzert der schuleigenen Jazz-Ag und unser Lehrer (Marke alter Jazzer, Musik und Philosophie, immer unpünktlich und unorganisiert - man kann es sich vorstellen, oder?) meinte also, Watermelon Man von Altmeister Herbie Hancock sei nun das richtige Stück um uns der Welt vozustellen. Wer das Stück kennt, weiß: es fängt mit Panflöten an. Was man vielleicht nicht weiß: die kann man auch hervorragend mit alten Kulihülsen imitieren, die auf die richtige Länge und somit den richtigen Ton abgeschnitten werden... Abgesehen davon, dass diese ganze Performance einfach zum brüllen war und ich mich deswegen gerne daran erinner und auch abgesehen davon, dass meine jetzigen besten Freunde aus diesem Musik-Lk stammen und das so ein bisschen "unser Stück" ist, gehört Watermelon Man in diese Liste, weil es auch einen für mich wichtigen Schritt markiert, nämlich den zum Jazz, der meiner Meinung nach nicht nur ohrtechnisch was her macht sondern auch auf der Entwicklungs- und für-sich-selbst-weiterkommen-Schiene ganz oben rangiert. Jawoll.

  • 6. Kate Ryan - Libertine

    Der sicherlich grottenschlechteste Song dieses Soundtracks, deswegen mache ich es kurz: Nach-Abi-urlaub. Zwei Wochen pauschal auf Mallorca. Acht Mädels. Sonne, Strand, Kokosnüsse, feiern. Leider zu diesem Lied. PS: DIESER SOUNDTRACK SPIEGELT NICHT MEINEN ALLGEMEINEN MUSIKGESCHMACK WIDER!!!!

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  • 7. Dianne Reeves - Suzanne

    Manchmal im Leben gibt es einen Song, bei dem macht es einfach klick. "Suzanne" von Dianne Reeves, einer der bekanntesten lebenden Jazzsängerinnen, ist so einer. Drauf gebracht hat mich mein letzter Freund, der da Jazzpianist ist. Suzanne beginnt leise und still und steigert sich wie ein Sturm, die Stimme von Dianne Reeves nimmt einen gefangen, wie sie die Geschichte von Suzanne erzählt... die Geschichte habe ich zwar, um hier mal ganz ehrlich zu sein, immernoch noch nicht ganz verstanden, aber das nimmt dem song nichts - im Gegenteil, Suzanne selbst ist, glaube ich, auch nicht so ganz "verstehbar", da macht es nichts, wenn der Text eher wie ein Gedicht als ein bloßer Liedtext klingt. Geheimnisvoll ist eigentlich ein ganz gutes Wort für das ganze Lied. Einfach mal anhören und verzaubern lassen.

  • 8. Jamelia - Superstar

    Nach meinem Abi bin ich ein Jahr als au-pair nach England gegangen, in eine kleines Dorf namens Besthorpe in der Nähe von Newark-On-Trent, zwei Kinder, ein Hund, vier Hühner, großes Haus mit Swimmingpool. Obwohl ich au-pair an sich ziemlich scheiße fand (tatsache), so habe ich doch insgesamt glückliche Erinnerungen an meine Zeit in England: Superstar war gerade draußen, September ungefähr, und das erste Lied, das ich so richtig mitgekriegt habe in England. Wenn ich es heute höre, sitze ich sofort wieder in meiner rappeligen Kiste und düse durch die East Midlands, Hügel rauf, Hügel runter, die Sonne scheint, ich singe laut mit und bin einfach... ja, glücklich.

  • 9. Joy Denalane - Vier Frauen

    Tja, da stand ich also tatsächlich endlich vor dem Hauptgebäude der Uni Köln, frisch eingeschrieben, nach anderthalb Jarhren was-studiere-ich-und-wo. Ging fast wie ein bisschen benebelt zur Haltestelle Bahnhof Süd und in einen Second-Hand-Cd-Laden. Kaufte da Joy Denalane live. Und war ihr von dem Augenblick an verfallen, besonders dem sensiblen "Vier Frauen". Und warum jetzt Soundtrack of my live? Weil diese Cd einen ziemlich neuen Lebensabschnitt für mich einleitend-begleitend markiert. Klingt schwülstig, ist aber so. Und weil ich mich jetzt irgendwie so erwachsen fühle.

  • 10. Höhner - Viva Colonia

    Ich fand Karneval immer scheiße. Obwohl, oder wahrscheinlich gerade weil ich aus Düsseldorf komme. 21 Jahre lang zugucken müssen, wie die Altstadt zugekotzt wird, das macht keinen Spaß. Ja, aber dann im Januar dieses Jahres lernte ich zwei Briten kennen, die wiederum kannten zehn andere und auf einmal stand ich da an Altweiber mit fünfzehn durchdrehenden Engländern / Schotten / Iren: "It's fucking unbelievable!! Where do all these people come from? Everybody is out on the street! It's bloody amazing!!!" Und wißt ihr was? Sie haben recht! Karneval ist trotz allem Scheiß eine unglaubliche Sache und ich kann verdammt froh sein, es vor der Tür zu haben. Das ist mir aber est klar geworden, als ich sechs Tage lang mit Leuten unterwegs war, für die Karneval nicht selbstverständlich ist! Klar haben neben mir immer noch Leute gekotzt. Aber ich habe mit zehnmal so viel Leuten verdammt gut gefeiert, und das ist viel wichtiger. "Viva Colonia" erklärt sich wohl von selbst.

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