Soundtrack meines Lebens

  • 1. elbow - Powder Blue

    Es ist traurige Musik. Der Song endet mit Glassplittern. Als das Album 2001 Frühsommer rauskam wurde es im Kultkomplex von 1live verrissen und ich dachte die spinnen! Auf meine Stimmung passte es. Der Song ist der 4., 6 folgen noch. Das war die hoffnungsvollste Musik die ich zu der Zeit kriegen konnte. Die Trauer war schön! Das weinen tat gut.

  • 2. Loreena McKennitt - Dante's Prayer

    The books of sekret lief im Radio. Ich hörte es bei der Arbeit und konnte mich kaum konzentrieren. Eine Kundin fragte immer wieder was. Ich brabbelte irgendwas. Diese Musik, russische Weisen, orientalische Gesänge, irische Sopranstimme, Gregorianik, dass alles passte nicht zusammen, aber hörte sich faszinierend an. Die Kundin war sauer, egal. Ich kroch in den Lautsprecher, kritzelte den Namen der Interpretin aufs Fahrtenbuch vom Firmenwagen. Wenige Tage später brachte mein Mann die CD von einem Einkaufsbummel mit und präsentierte sie mir stolz. Wir hatten kein Wort vorher drüber gesprochen!

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 3. Various Artists / Hair - One World One Voice

    Der Track lief spät abends im TV als riesiges Video. Eigendlich wollte ich nur Sting sehen, der da mitgearbeitet hat. Also blieb ich auf bis morgens früh, bzw. bis zum Dienst im KH. Das hatte ich mir immer gewünscht, eine Musik die die Welt versteht, die alle Welt singt. Dabei war mir nicht nach singen zumute. Die Ausbildung lief rattenschlecht. Die Kollegen, naja. ALlein, 600 unüberbrückbare Kilometer von Zuhause, in einer neuen Welt, die ich nur aus dem TV kannte. Übergesiedelt aus dem grauen Käfig in den goldenen Käfig. Die ganze Welt könnte ich jetzt sehen und saß doch hier fest. Dann diese Musik, immer das gleiche Motiv, und immer wieder schöner. Über Afrika, Amerika, Europa in vielen kleinen Stationen, Hiphop, Folklore, Songs - einfach total bunt und wunderschön. Schließlich Kodotrommler in Japan, die mit ganzem Körpereinsatz, mit aller Kraft die mannshohen Trommeln schlugen. Metrum! Takt!Herzschlag!! Wach auf, Mensch wach auf! Als wollten sie mich anschreien. Immer lauter und dann ... Streichorchester, groß, voluminös, energisch, Pauken dazu, Becken dazu ... ich dachte mich zerreist es im nächsten Augenblick. Die da spielten waren Russen! Das Leningrader Philharmonieorchester spielte, kein Zweifel, die Bilder, die Intensität, die Größe - kein Zweifel. Der Abspann verriet meine Vermutung. Es waren die Leningrader, die Besatzer, die Herrscher über sein oder nicht sein. Nun hatte ich begriffen, das es jetzt vorbei ist. Sie spielten mit der ganzen Welt wunderbare Musik. Es war vorbei. Ich war frei.

  • 4. Herbert Grönemeyer - Männer

    Männer ist nur einer der Songs, die für mich Schlüsseltrack sind. Die Beschreibung von Bochum passte so schön auf das dreckige Leipzig. Das Liedchen über die Parkplatzsuche fand ich drollig, weils bei uns keine Autos gab. (Na zumindest so wenige, dass die Straßen nicht zum parken genutzt wurden) Currywurst - keine Vorstellung ;o). Aber die Liebeslieder! Damit war viel anzufangen. Sie wurden nicht gesungen. +Sie wurden gebetet+

  • 5. Johann Sebastian Bach - Air

    Wenn ich in irgend einer unverfälschten Weise Musik hören wollte, war es Bach. Niemand, auch nicht der letzte Atheist, wagte es in der Stadt seines größten Schaffens, das Erbe dieses Kirchenmusikers zu verfälschen. Das tat gut, in einer Zeit und einem Land, in dem so ziemlich alles gefälscht war. Es ist Musik die in die Knie zwingt. Die Liebe so unendlich weit weg zu wissen. Nicht in Kilometer gemessen, sondern wegen der Deutschen Grenze, die für mich unüberwindlich war. Alle halbe Jahre reiste er ein. Ein Wochenende Glückseligkeit, dann wieder nur Briefe. Die wenigen die ankamen, obwohl er so viele geschrieben hatte. Schließlich sein Entschluss ins Kloster zu gehen. Ich war so tief berührt. Es hatte nichts mit mir zu tun. Ich freute mich so sehr für ihn. "Im Gebet verbunden" schrieb ich. Er schrieb zurück, ein letztes Mal. Dann ging er in die Sille. Ein ganzes Jahr lang. Er kam wieder. Ein letztes Mal, wegen der Armut, die er schon gelobt hatte. Beim Spaziergang durch das Abendrot von Leipzig verriet er mir seinen Termin für die ewige Profeß. Ich werde da sein, sagte ich, ich bin da. Auf dem Thomaskirchhof stand eine Schlange Leute an der Abendkasse. Matthäuspassion von Bach mit dem Thomanerchor und dem Gewandhausorchester, Solist (Jesus) Christof Biller und Dirigent Kurt Masur. Irgendwie ergatterten wir zwei Karten. Das geht 3 Stunden lang. Er war nach der kurzen Pause eingeschlafen. Den Schlusschor kann ich seit dem singen. "Wir setzen uns in Trauer nieder". Pfingsten 1990 war ich in Würzburg! Er war ausgetreten aus der Brudergemeinschaft, egal, ich war da. Wir hatten ein geistreiches Pfingstfest, 1990 in Würzburg.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 6. Green Day - Wake Me Up When September Ends

    Mein Urlaub war seit Weihnachten geplant. Und dann: Wagen reparieren, Kohle futsch und Urlaub Zuhause. Als ich nach 2 1/2 Wochen wieder in die Firma kam dachte ich eigentlich, dass ich gut erholt bin. Aber dann das! Mein Dienstplan sah durcharbeiten vor. Die spinnen! Grad mal ein WE frei, sonst arbeiten bis 27.09. Und wäre das nicht genug, kam danach noch 8 Tage Bereitschaft hintendran. Womit hatte ich das nur verdient! Schließlich das gequälte Gesicht meines Chefs. "Ok, ich mach den Dienst", sagte ich schließlich. Draußen in meinem Auto hätte ich mich für meine Zusage prügeln können. Mich so einspannen zu lassen. Noch dazu, weil ich derzeit eine aufwendige Weiterbildungsmaßnahme nebenbei mache. Mein Autoradio spielte Green Day, Wak my up when september ends. Also drehte ich bis Anschlag auf. So laut wie ich konnte, sang ich mit. Sang mir den Frust vom Hals. Egal was die Leute draußen auf der Straße von mir dachten. Es musste sein! Das war meine Musiktherapie.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 7. Terry Riley - In C

    Im Nachbarort gibt es einen kleinen Musikladen. Ich hab ihn schon lange entdeckt, aber reingehen würde ich da niemals. Im Radio, Klassiksender-WDR3, hatte ich auf der Heimfahrt von der Arbeit eine unglaubliche Musik gehört. Sie schien wie von einem anderen Stern. Leicht war sie, fordernd im Metrum auch, undurchsichtig in der Struktur und faszinierend schön, alles in wenigen Sekunden Musik zugleich. Nach solchen Klängen hatte ich immer gesucht. Mit einem Ausdruck der WDR-HP bat ich meinen Buchladen die CD zu besorgen. Absage. Dann ging ich in die nächst grössere Stadt um die CD dort zu bestellen. Sinnlos, weil ja längst vergriffen. Schließlich rollte ich einen Abend über die Landstraßen heimwärts, weil mal wieder die A1 total zu war. In dem kleinen Musikladen war noch Licht. Ein paar Typen mit Bierflaschen hockten auf der Eingangsschwelle. Sie grinsten, als ich, schick im kleinen Kostümchen, mich an ihnen vorbeiquetschte. Der Chef, ein Mitfünfziger, lange Haare und schlapprigen Klamotten musterte mich nicht so abwertend. Nein, der fragte nach meinen Wünschen ohne mich überhaupt anzuschauen! Ich wollte hier raus. Sofort. Da vernahm mein Ohr den klingelnden Satz: "Ja, klar, kommen Sie mal nächste Woche, dann hab ichs da." Und mit einem gewinnenden Grinsen schickte er nach: "Kost aber schon bisschen mehr, ist Klassik, ja." Ich bin stolzer Besitzer der wohl schärfsten Klassikmusik der 60ziger Jahre und gern auch werbender Kunde eines der besten Musikläden auf dem Lande.

  • 8. Freundeskreis - A-N-N-A

    Wir hatten sehr gut in unserem Lieblingsrestaurant gegessen und gingen zurück ins Hotel. Es war schon spät, fing leicht an zu regnen. A. trieb uns wie immer etwas zur Eile an. Da fing ich an den Song zu singen, dachte an meine Lieben zuhause und ließ mich auch durch die belustigten Blicke der Einheimischen nicht stören. "Der Song hat was!" meinte meine Freundin Maria begeistert und ich erzählte ihr die Geschichte von ANNA. Sie hatte nur immer den Refrain mitgekriegt durch den Großstadttrubel. Und dann erzählte ich ihr, was ich vorher noch nie erzählt hatte! Meine Verbindung zu einem Mann, der mir teilweise ganz nah und dann wieder so fremd und fern ist. Eben so wie in dem Song. Immer wieder heftige Begegnungen und dann wieder so weit entfernt, dass es schmerzt. Nicht irgendwo sondern im Herz, ganz tief und sehr schön zugleich. Und das diese Verbindung nie abreist, eben wie Regen, der immer wieder fällt, einfach so. Aus den Wolken die da ziehen, einfach so. Und den Wind, den man auf der Haut spürt. Der die Wolken treibt, einfach so. Ich liebe Regen!

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Uschi_fischs Freunde

Seite: 1 2 3 4 5 ... 6