Soundtrack meines Lebens

  • 1. Louise Attaque - Je T'emmène Au Vent

    Paris, Maison Heinrich Heine, année universitaire 1997/98. Wie bloß Zugang zur lokalen Musikszene finden? Nach ein paar Tagen hatten wir zwei, drei hörbare Sender aus dutzenden von Frequenzen rausgefiltert. Oui FM spielte dieses Lied von den gerade in Frankreich groß werdenden Louise Attaque rauf und runter. Zack, in den nächsten Plattenladen, CD angeschafft. Sie sollte der Soundtrack zum Erasmus-Jahr werden, Einsatz auf jeder Wohnheim-Party garantiert.

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  • 2. Cake - Open Book

    Die Bielefelder Stapenhorst-WG, in der Küche. "Fashion Nugget" von Cake rotiert im Hintergrund. Gespräche, Lachen, irgendwann eine kurze Themenpause. "She's riding, she's riding", nölt John McCrea mit Ami-Akzent zu Cakes großartiger Instrumentalmischung mit schleppend trabendem Schlagzeug. "She's riding, she's riding... she's writing a novel". Was hab ich gelacht.

  • 3. Pixies - Velouria

    Elternhaus, nach Schulschluss, liege auf dem Bett, mit Kopfhörer. Aufgrund einer Musikkritik "Bossanova" von den Pixies angeschafft. Ein neues Universum in voller Lautstärke, sowas hatte ich noch nie gehört. Energie, Krach, völlig durchgedrehte Gitarren, Taktmaß und Harmonielehre anscheinend scheißegal, trotzdem unglaubliche Melodik - offensichtlich eine komplett wahnsinnige Band. Ein Erdbeben, ich mittendrin, mein musikalisches Epizentrum fürs nächste Jahrzehnt.

  • 4. The Smiths - There Is A Light That Never Goes Out

    Ende der 80er drangen in Zeitlupe Gitarren in meinen immer noch ziemlich versynthiefizierten Musikkosmos. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir eine Smiths-Scheibe angeschafft, die, anfangs kaum gehört, immer wichtiger wurde. Eine zweite kam dazu, und Anfang der 90er drängelte sich dann die gesamte britische Indieszene in meinen musikalischen Kosmos: House of Love, Stone Roses, Charlatans, die versammelte Manchester-Rave-Szene fand sich nach und nach in Form von Schallplatten oder Kassetten in meinem Zimmer ein. Das war nicht ganz einfach, denn derart unmainstreamige Tonträger waren in holsteinischen Kleinstädten (und sogar in den größeren) schwierig zu bekommen. Ab 1991 wurde es etwas besser, Ausbildung in Hamburg, endlich echte Plattenläden. Die Stadt und ich wurden damals zwar nicht so richtig warm miteinander, aber das war immerhin schon mal was. Aber dort gab's dann endlich auch ein paar Leute, die die gleiche Musik wie ich hörten. Und nebenbei ist das Lied natürlich eines der schönsten Liebeslieder, die je vinylisiert wurden. Nachtrag: Wenn es einmal soweit sein sollte - bitte diesen Song auf meiner Beerdigung spielen. Und gleich danach "Monkey gone to Heaven" von den Pixies. Merci!

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  • 5. Depeche Mode - Master And Servant

    Eine meiner ersten selbstgekauften Platten. Eine Maxisingle. Es sollte einige Zeit dauern, bis ich mich von diesem musikalischen Formatirrtum erholte - eine ganze Geschmacksära. Den kompletten Rest der Achtziger verbrachte ich fast ausschließlich mit Synthiepop im LP- und eben im Maxisingleformat, von Depeche Mode über Yazoo, Alphaville bis hin zu den Pet Shop Boys und Erasure. Als einer der größten Depeche-Mode-Anhänger nördlich der Elbe organisierte ich sogar Konzertfahrten zu Auftritten nach Kiel und Hamburg mit lokalen Busunternehmen, die sowas zuvor noch nie gemacht hatten. Meine Freunde hörten derweil fiesesten 80er-Heavy-Metal und nannten meine Musik "Tingeltangel". Musikalisch sowie in den Disziplinen Frisuren und Klamotten spielten unsere Geschmäcker allerdings in der gleichen Fürchterlichkeitsliga. "Master and Servant" ist was Text und Musik angeht sicherlich einer der schwächeren Depeche-Mode-Songs, ein paar gute Lieder aber blieben aus dieser Zeit. "Stripped" nötigt mir beispielsweise immer noch einigen Respekt ab.

  • 6. Die Sterne - Trrrmmer

    Uni Bielefeld, Studium, Erstsemester, Fachschaft, die erste Soziologenparty seit Menschengedenken organisiert. "Trrrmer" ist zwar nicht unbedingt mein Lieblings-Sternesong, aber damit konnte man jede Audiminparty zum Überkochen bringen, ein großartiges Gefühl. Danke, Tobi, für die perfekten Abende. Lass uns bei Gelegenheit mal wieder gemeinsam auflegen.

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  • 7. tool - Schism

    Roskilde-Festival 2001, nachmittags, gerade auf dem Weg quer übers Festivalgelände zur grünen Bühne. Auf der immensen, orangen Hauptbühne spielen Tool. Die kannte ich bislang nur von ein, zwei zugegebenermaßen ziemlich beeindruckenden Videos, zum Zuhausehören waren sie mir aber in Sachen Instrumentierung und Gesang eindeutig zu Heavy-Metal-attitüdig. Doch dann dieses Konzert. Ein unglaublicher Sound, die Band versteckt sich und ist kaum zu sehen, während auf den riesigen Bildschirmen links und rechts der Bühne die düsteren Videos laufen. Zu jedem Lied, in unfassbar präziser Abstimmung mit der Musik, eine unglaubliche Show. Ich: Mund auf. Großartig. Gie besten Konzerte auf Festivals sind oft die, von denen man eigentlich nichts erwartet.

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  • 8. 22 Pistepirkko - Onion Soup

    November 1998. Ich sitze auf der Diele unseres frisch gemieteten WG-Domizils und puzzle ein altes, riesiges Faltbootgerüst zusammen. Schnell noch Lichterketten drangetackert, ab an die Decke damit, verkabelt - fertig ist das Symbol der WG mit dem Boot. Dazu läuft die zwiebelsuppenverherrlichende Weise der finnischen 22 Pistepirkko: "Are we gonna have tonight some onion soup? - YEAH, she said YEAH, she said YEAH, and she said yeah." Die Vorbereitung auf drei tolle Jahre, yeah.

  • 9. Deus - Let's Get Lost

    Zwei Erlebnisse in einem Lied. Zuerst Kiel, Winter 1994. Ein Treffen mit meiner Exfreundin. Zum Abschied ein paar Deus-Lieder im Auto, um ihr zu sagen, wie fürchterlich weh mir das alles immer noch tut. "Let's get lost, alright. Let's get out, hold me some more. It's crazy, crazy. It's crazy, crazy, in my own words." Es nützt nichts, hilft mir aber ein bisschen. Dann, später, Paris, Spätherbst 1997. Deus sollen in kleiner Besetzung und akustisch spielen, Quai François Mauriac, Péniche Makara. Mit Anders, dem Dänen, hin. Am kalten und dunklen Quai ist aber kein Laden, der Péniche Makara heißt, sondern nur die riesenhaften Gebäude der neuen Staatsbibliothek, einem von Mitterrands Architekturprojekten zum Gedächtnis an ihn selbst (TGB, la très grande bibliothèque, wird das Literaturungetüm auch genannt). Ein einsamer Wachmann tappt übers verlassene Gelände. Gefragt: "Wo ist denn Péniche Makara?" - "Une péniche? Mais, là-bas, il y en a." Une péniche, ein Seine-Kahn. Großartiges Konzert, Gänsehaut. Let's get lost. Alright.

  • 10. The Wedding Present - Interstate 5

    19. Januar 2005. Wegen einer alten britischen Blindgängerbombe aus dem zweiten Weltkrieg ist der Post-Mittagspausen-Rückweg ins Büro leider versperrt. Hm. Was tun? Zackzack, aufs Rad und zu Michelle, dem Musikdealer meines Vertrauens gedüst, Platten hören. Die ersten zwei sind eher im mittleren Ganznettbereich. Oh, kuck, da steht ja die Promoversion des neuen Werks von The Wedding Present, den alten Schrammelgöttern. Rein damit in das Abspielgerät. Der erste Song hat ein langes Intro. Nein, er ist ein langes Intro. Dann der zweite: das Intro setzt sich fort. Da, schrattschrattschratt, die Weddoes-Gitarre. Hach. Danke, David Gedge, dass du das Ding noch nicht in die Altinstrumentensammlung gegeben hast. Dann das Schlagzeug. Bummbummpatsch. Bummbummpatsch. Mein Innen wird warm. Mr Gedge singt, wie immer leicht abgeschrägt. Eine simple Melodie. Eine Armee von Gänsen haut meinen Körper runter. Schrattschrattschratt, bummbummpatsch, but I need to stay near in case you suddenly remember that I'm alive. Diese Ärsche kriegen mich doch immer wieder.

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