Soundtrack meines Lebens

  • 1. Peter Schilling - Major Tom (Völlig Losgelöst)

    Meine erste Platte! Mein letztes Jahr im Kindergarten. Es war der Siegertitel in der ZDF- Hitparade (damals natürlich mit Dieter Thomas Heck) und ich war begeistert: Weltraum, Raumschiff! Nach einigen Tagen des Bettelns haben meine Eltern mir die Single dann gekauft. Ich wollte damals auch Astronaut werden. Und Cowboy natürlich. Daraus ist dann leider außer einer Umfangreichen Lego- und Playmobilsammlung doch nichts geworden, aber einige Monate später habe ich mich dann über die Pattensammlung meiner Eltern hergemacht. Beatles, Queen und Pink Floyd. Ach ja, in der nächsten Sendung hat dann Nena mit 99 Luftballons gewonnen, waren aber halt nur so unspektakuläre Flugobjekte wie Luftballons oder Düsenjäger. Close, but no spaceship!

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  • 2. Nirvana - Lithium

    Wenn es in meiner Schulzeit ein "Konsensalbum" (häßliches Wort) gab, dann "Nevermind". Vom Nerd bis zum Punk stand das bei jedem im Regal, oder wo immer man seine CDs aufbewahrte. Die Hälfte der Jungen in meiner Klasse hatte damals auch lange Haare, was im Nachhinein betrachtet in den meißten Fällen (mich eingeschlossen) ganz böse ins Auge ging. Aber wenigstens "moshen" konnte man damit ganz ordentlich. Auch noch 1994 auf dem Frankreichaustausch, als das Album immerhin schon über 2 Jahre alt war. Auf einer Party in einem Dorf in der nähe von Nantes wurde es dann auf halber Strecke eingelegt und kollektiv zelebriert. Bis "Lithium" sind wir gekommen, haben nocheinmal alles gegeben, dann schmerzte der Nacken zu sehr. Ich bin in den nächsten Jahren zu etwas weniger gesundheitsschädlichen Tanzstilen und vorteilhafteren Frisuren gewechselt. Spaß gemacht hat es damals trotzdem, nur gut das keiner davon ein Video gemacht hat, es würde die Erinnerung an diesen Moment doch wohl arg relativieren.

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  • 3. Air - New Star In The Sky

    ich sitze an diesem nicht-ort zwischen zwei abschnitten meines lebens. im juni hatte ich mein abitur bestanden, jetzt war der sommer fast vorüber, meine damalige freundin zwei tage zuvor als au-pair nach florida aufgebrochen und mir standen vier monate buenos aires bevor. dazwischen aber dieser transit: startende und landende flugzeuge vor dem sonnenuntergang, ich warte auf meinen anschlußflug. es ist der letzte der den flughafen an diesem tag verläßt. 3 stunden zwischen zwei welten, jenseits dieser welt. zeit um dreimal "moon safari" durchzuhören und in der raygun pop50 ausgabe zu lesen. (fußnote: im nachhinein betrachtet viel blabla, aber auch viele schöne pop-momente: sean lennon interviewt brian wilson! meine lieblingszeitschriftenausgabe aller zeiten!) ich war selten in meinem leben so losgelöst von allem, so sehr nur in den texten die mich umgaben. bevor ich mich dann in die warteschlange am flieger angestellt habe, schrieb ich noch eine postkarte nach florida. "my baby blue is a new star in the sky". wenigstens der blieb uns ja schließlich noch bis zum wiedersehen.

  • 4. Radiohead - Street Spirit (Fade Out)

    Avenida 9 Julio in Buenos Aires im November. 20:00. Die Sonne geht gerade unter, aber man sieht sie nicht. Auf einer Verkehrsinsel dieser breitesten Straße der Welt (weiß nicht, ob das immer noch stimmt) blicke ich auf die roten und weißen Lichter der Autokollonen, die wie zwei entgegengesetzte Flüsse links und rechts an mir vorbei fließen. Die Ampeln springen in Reihe geschaltet auf rot um, der Fluß kommt zum erliegen und setzt sich kurz darauf langsam wieder in Bewegung...ja, ich war ein wenig melancholisch zu der Zeit, bin es immer mal wieder. Die CD hatte ich kurz zuvor in einem Laden namens "Crimson King" (sic) gekauft. Es war der bislang einzige mir untergekommene Plattenladen, der sich auf "Progressive Rock" spezialisiert hatte...gut, es ist nicht so, daß ich jemals gezielt nach so einem Laden gesucht hätte.

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  • 5. The Prodigy - Skylined

    Mein amerikanisches Austauschjahr durfte ich am Lake of the Woods in Minnesota verbringen, allertiefste Provinz, so tief, daß viele der Klischees die es so über amerikanische Provinz gibt daran abperlten wie von einer Teflonpfanne (einige blieben natürlich trotzdem haften). Nach einem halben Jahr mußte ich mich schließlich irgendwie abgrenzen von alldem, meinen eigenen Blick auf diese beinahe menschenleere Sumpflandschaft entwicklen die mich umgab wenn ich morgens 45 minuten im Schulbus saß. Von The Prodigy hatte dort 1995 natürlich noch niemand gehört, der "Firestarter" war ja auch noch nicht gezündet worden. Das ich ausgerechnet einen Stück namens "Skylined" zu einem meiner Lieblingssoundtracks zu diesem Szenario auserkoren hatte ist mir allerdings erst jetzt bewußt geworden. Gegen die Langeweile und Hinterwäldleratmosphäre jedenfalls hat es geholfen, die Sümpfe wirkten so viel geheimnisvoller und auf eine mir nicht ganz erklärbare Art bedrohlich. Nur auf dem School Dance wollte das alles dann doch niemand hören.

  • 6. 10cc - I'm not in Love

    Meine Erinnerungen an diesen Song gehen zurück bis in die Italienurlaube mit meiner Familie zu Grundschulzeiten. Er muß auf irgendeiner Kassette meines Vaters gewesen sein, im Plattenregal meiner Eltern war er jedenfalls nicht zu finden. So dauerte es einige Jahre bis ich in einer Fernsehsendung endlich Titel und Bandnamen erfuhr. Dann blieb dieses Kleinod jahrelang in vergessenheit, bis ich durch etliche Homagen in anderen Songs ("Star me Kitten", Daft Punks "Nightvision", etc.) wieder darauf gebracht wurde und es mir besorgte. Beim hören lief einmal zufällig eine Voicemail, die mir ein guter Freund ein paar Monate zuvor vom Flughafen in Toronto als Attachment hatte zukommen lassen. Er jammert darin über verspätete Flüge, liegengebliebenes Gepäck und "Air France ist Scheiße, nie wieder Paris". Er hat eine sehr coole Stimme, um die ich ihn schon manches mal beneidet habe. Es paßte perfekt zu der Stimmung des Songs. Ich fügte diesen Schnippsel so hinein, daß er genau an der Stelle endet, wo im Hintergrund das "Big boys don't cry" ertönt. Zu hören auf dem Mixtape Norway 2k. Wiederum später, Sommerurlaub mit zwei Freunden, natürlich ist auch der Kanadier dabei. Irgendwo zwischen Göteborg und Oslo. Das Mixtape hinter der Norwegischen grenze eingeworfen. Das Gesicht bis heute nicht vergessen.

  • 7. Bob Dylan - 4th Time Around

    Cinemaxx am Potsdamer Platz, Januar 2002. Es sind die Wochen in denen ich häufig nach der Uni in die 17-Uhr-Vorstellung allein ins Kino gegangen bin. Jedenfalls geht das aus den Eintrittskarten hervor, die ich vor kurzen wiedergefunden habe, und ich meine mich auch vage daran erinnern zu können. Einer der Filme war "Vanilla Sky" von Cameron Crowe. Kein Meilenstein der Filmgeschichte und das Original war, mit etwas Distanz betrachtet, besser, aber er hat damals einen Nerv bei mir getroffen (auch wenn ich Tom Cruise nicht sonderlich viel abgewinnen kann und Penelope Cruz besser aussieht als sie schauspielert). Besonders "4th Time Around", der in der nackt-im-Bett-herumwälzen-Szene zu hören ist, hat mich dann auch die nächsten Wochen weiterhin begleitet, neben den Restlichen Stücken aus "Blonde on Blonde" die an dem Abend nach dem Film nach langer Zeit mal wieder in meinen CD-Player wanderte. Trennung, Verwirrtheit, verletzte Gefühle...ich habe immer noch nicht vollkommen verstanden, worum es in Dylans Texten geht, aber um diese Themen kreiste mein Leben während der nächsten paar Monate.

  • 8. Elvis Costello - This House is Empty Now

    Diese ganzen Songs, die Elvis Costello mit Burt Bacharach zusammen aufgenommen hat sind natürlich schmalzig, aber von allerhöchster Qualität. Klischeebeladen? Klar! Denkt man jedenfalls, bis plötzlich die große Liebe des eigenen Lebens in die Brüche geht und in sich zusammenfällt. Dann steht man da und kann nicht mal zustimmend nicken, das würde ja auch nichts mehr ändern. Ob diese Musik dabei hilft, sich nicht ganz so allein zu fühlen oder ob sie den Schmerz nicht doch unnötig verlängert kann ich bis heute nicht genau sagen. Von "I Want You" sollt man allerdings in diesen Situationen lieber die Finger lassen, vor allem wenn man alleine ist und weiß: die/der andere ist es nicht! Das tut sonst einfach nur weh, am ganzen Körper! Glaubt mir!

  • 9. Al Green - Tired of Being Alone

    Neujahrstag 2004 in Amsterdam, schönes Café, guter Kaffee. Steht hier repräsentativ für all die Momente, an denen ich in Kneipen saß, im Auto, im Kino nach dem Film, in meinem Zimmer beim Radiohören. Und plötzlich spielt jemand einen Song und Du bist glücklich. Während das Hören der eigenen Alben, daß zusammenstellen eigener Mixtapes und -CDs schön sein kann, sind diese Momente (jedenfalls was Musik angeht)kaum zu überbieten. Ersteres ist Selbstbefriedigung, letzteres manchmal besser als Sex!

  • 10. phoenix - too young

    Albernes Herumgehopse in einem viel zu kleinen Hotelzimmer in Madrid, es ist erst ein paar Wochen her. Ich hatte erst 2 Tage vorher "Lost in Translation" gesehen, da war der Song mir aber gar nicht so bewußt aufgefallen, auch Phoenix waren damals mit ihrem ersten Album unbemerkt an mir vorbeigezogen. Was verpaßt? Mag sein, aber so "gehört" der Song weder einer Kritik in einer Musikzeitschrift, noch einem (zugegebenermaßen ziemlich guten) Film, sondern diesem Moment, und somit ein wenig mehr mir selbst.

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