sternenkind

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"entschuldigen SIE, fahren hier noch mehr punker mit dem zug?"

Soundtrack meines Lebens

  • 1. Pale - Hello, Lucky Thing

    Mit diesem Song verbinde ich wirklich eines der wichtigsten Erlebnisse in meinem Leben mit der Musik. Es war eine Zeit in welcher ich gefrustet war, dass ich keine Band fand mit meinem Saxophon. Ich wollte mein Instrument verkaufen, ließ mir ein Lippenpiercing stechen, weil es für mich keinen Sinn zu machen schien. Doch dann schlug ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf, verkaufte mein Instrument nicht sondern packte es wieder aus. Ich durfte 12 Tage die von Rauch und Alkohol geschwängerte Luft in den Clubs atmen, jeden abend Adrenaline und tanzende Menschen vor meinen Augen. Morgens das Auto satteln und weiterreiten. On the road mit Jungs, Schweißfüße, Schweißflecken unter den Achseln, mit dem Hintern wackeln und jede Menge Spaß und Musik. Seitdem betrachte ich Musik aus einem anderen Blickwinkel. Sie ist noch intensiver, noch wichtiger noch existentieller in meinem Leben geworden. 12 Tage drückte dieser Song jeden Abend das aus, was ich gerade 24 Stunden fühlte. Auch wenn ich vielleicht nie wieder eine solche Band finden werde, werde ich meinem Saxophon treu bleiben und der Musik erst recht. „Cuz in every small chance there is a small beginning.“

  • 2. Cat Stevens - Katmandu

    Wir waren gerade erst in dem Dorf in der Nähe von Kathmandu angekommen, in welchem wir die nächsten 5 Wochen wohnen, essen, schlafen und arbeiten sollten. 18 Stunden Flug lagen hinter uns. Die Dorfbewohner hatten uns mit einer Riesenportion Dhal Bath, welches aus Reis und einer sehr scharfen Linsensoße besteht, gesättigt. Den ganzen Abend waren wir umringt gewesen von den Leprakranken, die es nicht fassen konnten, dass gesunde Menschen aus dem Westen in einem Dorf mit ihnen Leben sollten und ihnen einen Kindergarten bauen wollten. Der Monsun hatte eingesetzt und es war dunkel. Wir kannten nichts hier und waren gespannt darauf, was die nächsten Wochen bringen würden. Wir saßen dort am Rande des Kathmandutals auf einer kleinen Anhöhe. Ein Bambuspavillon bot uns Schutz vor dem Regen, unter uns die große Stadt, welche sich nur durch die spärliche Beleuchtung der Straßen und Häuser zu erkennen gab. Wir saßen dort und rauchten und schwiegen. Bis eine Freundin anfing ganz leise diesen Song zu summen. Wir kannten ihn und setzten leise ein, bis wir ihn schließlich gemeinsam vor uns hinsangen. „ Kathmandu I´ll soon be seeing you“. Im Laufe unseres Aufenthalts wurde Kathmandu unsere neue Heimat. Wir lernten die Stadt kennen, gossen das Fundament für den Kindergarten, erlebten eine Menge Abenteuer und saßen abends oft in dem Pavillon über den Dächern der Stadt und immer wieder stimmte irgendwer diesen Song an. Ich bin seit dem nicht mehr da gewesen, aber immer wenn ich diesen Song höre, würde ich am liebsten sofort wieder meinen Rucksack packen.

  • 3. Grand Voyage - Million Spotlights

    Das war mein Sommer mit „meinen Jungs“. Es waren meine Jungs. Warum? Ich glaube ich hatte meinem besten Freund einen guten Zivijob besorgt und er nahm seine kompletten Kumpels mit dorthin. Auch einige neue Gesichter lernten sie dort kennen. Unter anderem Mathias. Der spielte in einer Band und irgendwann liefen wir alle auf dem nächstbesten Konzert auf. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten sollte. Ich kam mit, weil die anderen gingen. Umso größer mein Erstaunen als Johannes auf der Bühne hinter dem Keyboard auftauchte, hatten wir doch schon einige Jazzduette gemeinsam bestritten. Das Konzert war wunderbar. Die Demo- CD nahm ich mit nach Hause. Darauf: Million Spotlights. Sofort mein absoluter Lieblingssong. Eine sparsame Textzeile ummantelt von unglaublich ergreifender Musik. Wir liebten diesen Song alle und für mich ist er zum Inbegriff der Zeit mit „meinen Jungs“ geworden. Heute sind sie in alle Himmelsrichtungen verstreut. Doch immer wenn ich diesen Song höre denke ich an kühles Bier, viel Lachen und Eurythmie. „Million Spotlights ´way from hope“ hatte ich lange verstanden, bis mich Mathias eines besseren belehrte: „ Million spotlights ´way from home! Wir sind doch keine Emoband!“ Und manchmal schaffen auch kleine Bands etwas ganz großes.

  • 4. Life Of Agony - Weeds

    Ich war das erste Mal in meinem Leben richtig verliebt. Mir hatte es das Gehirn komplett weggeschossen und es sah so aus, als ob sich in meinem Leben endlich die Wende ankündigte. Da war ein Mann, der scheinbar an mehr als 1. nur einer Bettgeschichte oder 2. an mir als Kumpel interessiert war. Es war unglaublich und ich auf Wolke 129. Er wohnte drei Autostunden von mir entfernt, aber das machte ja nichts. Ich hatte Semesterferien und wir genossen unsere Zeit in vollen Zügen. Seine Lieblingsband: Life Of Agony. Sein Lieblingsclub: das MTC in Köln. Er ging gerne sehr früh dort hin, weil er sich da sicher sein konnte, dass 1. die Tanzfläche noch leer war und 2. der DJ auch mal Life Of Agony spielte. Ich mochte es am Rand zu sitzen, Bier zu trinken und ihm beim Tanzen zuzuschauen. Ich glaube es gibt nicht viele Männer die 1. auf eine leere Tanzfläche gehen und 2. auch noch so gut tanzen können. Danach war er immer vollkommen ausser Atem und total aufgedreht. Aber ich mochte das. Er kam zu mir, gab mir einen Kuss und schob mir die Zitronenscheibe aus seinem leeren Wasserglas in den Mund. Meistens fuhren wir mit dem Auto nachts nach Hause, oft lief dann abermals die CD mit diesem Song drauf. Er mochte sie beide: die alten Life Of Agony mit Keith Caputo, die mittleren mit Whitfield Crane und die neuen wieder mit Keith Caputo. Ich mochte nur „Soul Searching Sun“, aber da hat er sich drauf eingestellt. Obwohl der Song „Weeds“ so einen hoffnungslosen Text hatte, war er für mich ein Zeichen dafür, dass es doch anders werden kann. Ende August fuhr ich für drei Wochen weg. Als ich wiederkam zerfetzte er mir das Herz. Es gab kein zurück mehr. Er strich mich komplett von einem Tag auf den anderen aus seinem Leben. Da hatte ich mich endlich so weit geöffnet und das war dann wohl die Strafe dafür. Es ist nicht gut, sich sein Gehirn vom Herz wegschießen zu lassen und man sollte darauf hören, was andere einem vorsingen. Aber ich denke man muss seine Erfahrungen selber machen. Vielleicht reicht die Zeit auch nie um die Lücke zwischen zwei Menschen zu schließen. „And although I've heard your lies/ And I don't know why/ I keep searching for something that I never found/ While these weeds get deeper as I turn around/ And time growns older and I've grown colder/ So long has passed that I forgot to count“

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