Soundtrack meines Lebens

  • 1. Pink Floyd - Shine On You Crazy Diamond (Part 1)

    1988 oder '89 machte ich mit 2 guten Freunden eine Interrail-Tour durch Skandinavien. Gepäck musste geschleppt werden, außerdem wollten wir uns ja schließlich unterhalten, also blieb der Walkman zuhause. Schön und gut und richtig, aber nach knapp 3 Wochen wurde es ohne Musik schon ein bisschen schwer. In Stockholm gab es das "Kulturhuset", eine Art multimediale Bibliothek - unter anderem mit einem LP-Archiv, aus dem man eine Platte auswählen und auf einem mit Kopfhörer versehenen Sitzplatz anhören konnte. Wegen des üblicherweise großen Andrangs aber nur 1 Seite. Nach einer Weile grübeln entschied ich mich für "Wish You Were Here", vor allem wegen "Shine On ..." Ich kenne wenige Stücke, in deren Klangmeer man so tief und weit tauchen kann ... Ich glaube, so intensiv war vorher und nachher kein Musikerlebnis mehr. Hinzu kommt, dass derjenige, der mich mit Pink Floyd (und so manchen anderen großen Bands) bekannt gemacht hat (einer der beiden, mit denen ich damals unterwegs war) - der wohl engste und wichtigste Freund, den ich je hatte - mir vor knapp 10 Jahren die Freundschaft aufgekündigt hat und seitdem "incommunicado" ist, und die Erinnerungen mir bei "Shine On" und "Wish You Were Here" immer noch die Tränen in die Augen treiben können.

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  • 2. Element of Crime - Ofen aus Glas

    Weil er meine Stimmung in den 4 Wochen zwischen Kennenlernen meiner Freundin (und bald Frau) und Zusammenkommen am besten widerspiegelt: "Kauf dir einen Ofen aus Glas / Heize ihn ein / Und leg mich hinein / In das Feuer deines Zornes / Und sieh zu, wie ich´s ertrag / Verbring dann den Tag / Mit dem Reiben deiner Augen / Doch warte nicht / Warte nicht zu lang." Hat sie zum Glück nicht, auch wenn die 4 Wochen noch längst nicht zu lang gewesen wären - aber das muss sie ja nicht wissen ...

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  • 3. U2 - Sunday Bloody Sunday

    Zum einen, weil er der erste Anstoß für meine Auseinandersetzung mit dem Thema (Nord-)Irland war. Zum anderen aber auch, weil ich in meiner pietistisch geprägten Jugend eine Zeitlang sehr unreflektiert die "Wir wollen nur deine Seele"-Propaganda übernommen hatte und auf einer Jugenddisco die Nachfrage eines älteren Jungen nach diesem Lied - das ich damals noch gar nicht kannte - nur aufgrund der Assoziationen durch den Titel barsch und selbstherrlich mit einem "Wir spielen hier kein Heavy Metal!" abschmetterte. Die peinliche Berührtheit, als ich mich aufklären lassen musste, war ein erster Schritt dahin, diese Propaganda ein bisschen mehr zu hinterfragen. Hätte ich das nicht getan, wäre mir eine Menge guter Musik versagt geblieben.

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  • 4. Wir sind Helden - Ist das so?

    Weil er schön auf den Punkt bringt, wie höflich und trotzdem wirksam ein "Protestsong" (und damit Protest an sich) sein kann: "Wer hat das abgestimmt, wer hat das vorgeschlagen? Ich glaub, es stimmt bestimmt, doch ich wollte nur mal fragen: Ist das so - ich meine: muss das so?"

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  • 5. Frankie Goes to Hollywood - The Power of Love

    14 Jahre, das erste Mal so richtig verknallt; Geburtstagsparty der Schwester eines Kumpels, die eine Freundin von IHR war; das erste Mal "schwofen" - und dann auch noch mit IHR ... - muss ich noch mehr sagen? OK: Trotz (oder vielleicht gerade wegen) des hohen Pathos-Levels eines der eindringlichsten Liebeslieder, die ich kenne.

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  • 6. Alan Parsons Project - The Raven

    Weil er (bzw. die ganze "Tales of Mystery and Imagination) meine erste Berührung mit Edgar Alan Poe war, und damit mit zwei wesentlichen Bereichen, die mich bis heute begleiten: englisch(sprachig)e Literatur/Lyrik und Phantastik/Fantasy. Und weil er in Sachen atmosphärische Dichte immer noch sehr weit oben auf meiner ewigen Bestenliste steht.

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  • 7. Reinhard Mey - Die Heiße Schlacht am Kalten Büffet

    Weil er mich schonend darauf vorbereitet hat, wie sich "feine Herrschaften" benehmen können, wenn es etwas umsonst (oder 'all you can eat') gibt und wie verlogen man sein kann ("und von dem vereinnahmten Geld / gehn 10%, welch noble Idee / als Spende an Brot für die Welt") - und weil er mir relativ früh (ich schätze, ich war so 12 oder 13, als ich ihn zum ersten Mal gehört habe) die Satire als Kritikmittel nahe gebracht hat.

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  • 8. ABBA - Chiquitita

    Mein Onkel hatte ein Wochenendhaus samt Pferden, zu dem meine Schwester und ich als Kinder (als er es verkauft hat, war ich etwa 10) oft mitdurften. Es war eine ca. 1/2-stündige Autofahrt bis dorthin, und im Tapedeck steckte fast immer derselbe Sampler, von dem einige meiner ersten bewussten Begegnungen mit Popmusik stammen: Ma Baker von Boney M, ein Instrumentalstück namens "Magic Fly" - und eben Chiquitita. Warum das auf meinem Soundtrack steht und die anderen beiden nicht? - Weil es am Ende diesen instrumentalen Ausklang mit den Drums hat, bei denen mein Onkel immer abrupt 4-5 Einheiten lauter drehte, um uns zu erschrecken - uns aber im Gegenteil regelmäßig in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen ließ. Ich kann heute noch den Finger nicht vom Lautstärkeregler lassen, wenn es im Radio läuft ... Seit damals weiß ich, dass man manche Lieder (oder zumindest manche Stellen) einfach laut hören muss.

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  • 9. Lou Reed - Perfect Day

    Weil er in etwa 8 Wochen mein Brautwalzer sein wird.

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  • 10. Bots - Sieben Tage Lang

    Weil die Kreistänze und das gemeinsame "Was wollen wir trinken"-Gegröhle auf verschiedenen Feten in der Mittelstufe die Standesunterschiede zwischen hip und nicht hip vorübergehend verschwinden ließen. Weil ich zu den Nichthippen zählte, lernte ich das zu schätzen - obwohl mich (bzw. meine Eltern) allein dieses Lied im Laufe der Jahre bestimmt ein halbes Dutzend Brillengläser gekostet hat.

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