Soundtrack meines Lebens

  • 1. tocotronic - Free Hospital

    2002. erasmusjahr. jahrhundertsommer in italien. wm-finale. strandfestivals. häuserdächer. durchwachte nächte. alkohol. freundschaften vor dem point of no return. grenzwertige belastungen in jeder hinsicht, roter bereich, anschlag, übersteuert. unwirklich. und dieses summen. ein lied wie in trance... und immer wenn ich diese zeilen höre, habe ich ein leises summen im ohr, ein echo des dröhnens, das dieser sommer war. es erinnert mich daran, dass zwischen starkem fühlen und emotionaler taubheit nur ein schmaler grat besteht.

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  • 2. led zeppelin - Thank You

    dank an meine 68er-eltern, an denen so gar keine klischees haften wollen. idealisten, ja. aber vor allem: ausgezeichneter musikgeschmack. und so kann man schon als fünfzehnjähriger die vorherrschende kuschelrockpampe mit einigen interessanten "alternativen" auflockern: zu diesem lied wurde das erste mal geknutscht. und das zweite. und das dritte... und nichts schien wahrer zu sein als robert plants ewigkeitsversprechen: "when mountains crunmble to the sea... there will still be you and me."

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  • 3. Tomte - Die Bastarde, Die Dich Jetzt Nach Hause Bringen

    zäsur, mal wieder in vieler hinsicht. komischerweise bleiben lieder, die änderungen der lebensumstände begleiten, immer am meisten haften und schaffen es leicher als andere, veregessene gefühle wieder wachzurufen. trennung nach acht jahren und fast-schon-verheiratet-sein in eigentlich aller augen. alle besten freunde in berlin (und das lied von angelika express schien mich zu verhöhnen, die band ist mir seitdem grundunsympathisch). eine frau, die ich nur ein mal in meinem leben gesehen habe. neuanfang. provisorien. und dazu thees ullmans wehklagende, suchende stimme, die alles was mir fehlte und womit ich unzufrieden war auszudrücken schien. und die nicht mal den umweg übers ohr nötig zu haben scheint.

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  • 4. Peter Schilling - Major Tom (Völlig Losgelöst)

    meine erste bewusst wahrgenommene langspielplatte: 'fehler im system' von peter schilling. die bertelsmann-club edition. ich erinnere mich immer noch an dieses lange, intensive glücksgefühl als ich die platte - an meinem fünften geburtstag - endlich in den händen hielt. den zugehörigen plattenspieler (ein koffergerät von telefunken) hatte ich schon zu weihnachten bekommen, auf ihm drehten sich bislang aber nur märchenschallplatten und die eine oder andere skurrilität vom flohmarkt. auf dem foto umarme ich die platte, die im verhältnis zu mir sehr gross erscheint. ich weiss nicht wie oft ich sie gehört hab, sie hat sichtlich gelitten, aber sie staht noch immer in meinem schrank und ist nicht eine unter vielen. manchmal denke ich, es ist ein bisschen schade, dass herr schilling nur ein one-hit-wonder geblieben ist. dann höre ich mir die platte an und denke, na, ist vielleicht auch ganz gut so.

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  • 5. del amitri - Nothing Ever Happens

    endlich habe ich eine geschichte zu diesem lied. das interessiert hier zwar nicht, aber mein vorheriger text dazu wurde abgelehnt, weil er keine geschichte erzählte. das an sich ist ja auch schon eine geschichte. aber wie der zufall es so wollte, ging ich letzten samstag gegen vier durch die fussgängerzone unserer mittelstadt, es war voll und sehr warm, ich überlegte ob ich noch irgendwas brauchte und hatte es diffus eilig. ein strassensänger stand da, ich kannte ihn schon, er ist öfter da und immer angenehm, und als ich in hörweite kam, fing er an dieses lied zu spielen. er spielte es sehr gut, und er sang fast noch besser als justin currie im original, die fussgängerzone war voll und ich blieb als einziger mit meinem fahrrad stehen. dann bin ich nach hause gegangen und hab mich ins bett gelegt. er hat mir den tag ruiniert, aber ich war ihm immens dankbar dafür.

  • 6. lou reed - Romeo Had Juliette

    1994 war ich das erste mal in new york. vorher kannte ich es nur aus schlechten hollywoodfilmen und der new york trilogy von paul auster. und, oh, natürlich von lou reeds 'new york'. die stadt, die reed damals besungen hat und die ich suchte und besuchte war kraftvoll, roh, und doch freundlich, hinterlistig, aber liebenswürdig, das youth hostel hatte eine hochglanzpolierten fitnessraum aber unter meinem fenster stanken die abfälle. eigentlich überfordernd für einen sechzehnjährigen, aber die platte gab mir eine richtung, ich wollte die geschichten sehen, die gegensätze spüren, mit inhalt füllen. die stadt, die lou reed besingt, anmault, ankrächzt, ihr zärtlich zumurmelt, und die ich erlebt habe, gibt es heute nicht mehr. irgendwas anderes steht da, aber mich zieht es nicht mehr hin, ich gehe lieber nochmal die platte auflegen. eine der wenigen die ich auch nach über 10 jahren noch höre.

  • 7. the who - Overture

    meine geschichte beginnt so: deeeeeemmmm deeemmm demmmm demmm dumdemmm dumdemm dem dep demmm demmm. hey, das ist der soundtrack meines lebens. und dies ist, noch vor peter schilling, einer der wirklich einschneidenden momente. tatsächlich war die erste platte, die ich in meiner frühen kindheit hörte, 'tommy' von the who. es gibt eine ganze reihe von fotos, holger mit zehn monaten, holger mit eins, mit zwei, drei jahren: immer mit kopfhörern auf und auf dem plattenteller dreht sich 'die blaue platte' (wegen des covers). meine lieblingsstellen damals: die ouverture (s.o.)und 'smash the mirror', wegen des zerberstenden spiegelgeräuschs, das besser klang als auf den hörspielkassetten. mein vater drängte schon ziemlich früh auf eine gewisse musiksozialisation und zumindest in diesem fall hatte er unweigerlich erfolg: ich habe das gefühl, die platte ist inzwischen fest verdrahtet mit meinem hirn, jeder ton spricht ein bestimmtes neuron an, und wenn ich oft etwas vor mich hinsumme oder an einen song denke, bemerke ich - oh, nein, schon wieder 'tommy'. das werde ich nie mehr los. und falls ich mal kinder haben sollte, weiss ich auch schon, was die zu hören bekommen.

  • 8. nada surf - Blonde On Blonde

    schau ich so auf meine liste, so sind es ja doch meist traurige songs, mit denen man am meisten verbindet. wie nick hornby schon sagt, "...the unhappiest people I know, romantically speaking, are the ones who like pop music the most; and I don't know whether pop music has caused this unhappiness, but I do know that they've been listening to the sad songs longer than they've been living the unhappy lives" Was soll man machen, hat man nunmal so ein 'unhappy life' verstärkt sich die sucht nach musik noch mehr, sie kann auch einer flucht gleichen. bei mir war es 2003 so weit: nach tomte kam nada surf, kam ein viermonatiges praktikum im wintrigen düsseldorf, wo ich niemanden kannte, morgens um 8 mit der bahn zur arbeit fuhr und abends um acht den selben weg zurück, dazwischen viel langeweile, nichtwissen, überflüssigsein und auf anzugträger blicken. mein wohnheimzimmer, das exakt soviel kostete wie meine 'aufwandsentschädigung' (die geizhälse), war kalt, mies und dreckig: 16 qm grauer linoleum inklusive kochnische und - treffender geht es nicht - 'nasszelle' (mit stinkendem abfluss). am dritten tag wurden mir meine besten hemden (die ich mir in erster linie fürs praktkum gekauft hatte) aus dem trockenkeller geklaut, später noch einige postsendungen. insgesamt himmlisch. meine neue freundin war für die selbe zeit in bolivien und konnte von da ca. einmal die woche eine e-mail schreiben. und ich durfte mich mit arroganten untermnehmensberatern rumschlagen. ich glaube das reicht als einführung. ich war recht verzweifelt. und dann war da nada surf. 'i've got blonde on blonde on my portable stereo...' ich hatte nada surf auf meinem portable stereo, und ich wollte mich in dieses lied verkriechen, glauben, dass die musik alles besser macht, das alles bald vorbei ist, that everything will be alright. es ist mit der erinnerung an diesen winter untrennbar verbunden, aber ob er vielleicht durch dieses lied erst so melancholisch wurde... wer weiss.

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  • 9. fettes brot - Sonntag

    zu meinen ersten begegnungen mit hip-hop gehörte neben den ersten beiden (gab es überhaupt mehr?) tone-loc-singles unter anderem diese truppe : fettes brot. das spricht nicht gerade für derbe street-credibilty, aber ich war sechzehn und wollte anfangen cool zu werden, also liess ich mir die haare in die augen hängen und färbte sie blond, fing an cordhose und hippe t-shirts zu tragen. das war wegen meiner damaligen flamme, die war nämlich super cool und selbstständig und wohnte sogar schon in einer WG. bei ihr hörte ich auch zum ersten mal dieses lied und kaufte mir natürlich sofort die lp. sonntage mochte ich damals schon nicht, da war die ganze familie zuhause (eltern + 2 geschwister) und nervte! kein wunder, dass das mit dem cool werden irgendwie nicht so wie bei ihr geklappt hat. das merkte besagte dame dann auch relativ schnell (nach so ca. 4 wochen) und machte auf ziemlich dämliche weise schluss: erzählte, sie führe für drei wochen nach amerika und lag nach vier tagen mit wem anders am kanal. daraufhin fand ich so ziemlich gar nichts mehr cool und hab mich den rest der ferien in dieses lied verkrochen, und jeder tag war wie sonntag. vor schreck hat meine nächste beziehung dann acht jahre gedauert. da gab es auch viele sonntage.

  • 10. Elio e le storie tese - La Terra Dei Cachi

    aktueller Anlass: neulich im Zug sitzend, schuffelte mir mein Musikdateien abspielender Reisebegleiter dieses Kleinod meiner Italienzeit ans Ohr, und schon nach wenigen Takten überzog ein breites Grinsen mein Gesicht. Dies erfreute nicht nur mich, sondern auch die neben mir sitzenden – endlich mal jemand, der gute Laune hat! Später musste ich darüber nachdenken, warum mir dieses Lied immer wieder gute Laune bereitet. Sicher, da sind die Erinnerungen, aber Erinnerungen habe ich an viele Lieder… Es ist schon etwas verwegen, von den vielen italienischen Liedern aus diesem Jahr ausgerechnet dieses als das Wichtigste in Erinnerung zu behalten, aber es ist es und bleibt es, unumstößlich. Und das hat viele Gründe: Wer das Lied zunächst hört, muss sich wohl erstmal die Ohren zu halten: Hier wurden die schlimmsten Momente aus 20 Jahren Italo-Pop gefleddert. Mindestens 18 Tempiwechsel, Pathos pur, Chöre und Streicher, Keyboards und jaulende Gitarren, mehr geht nun wirklich nicht in ein Lied. Dann hört man den Text und kriegt die Kinnlade nicht mehr runter, auch hier ein Parforce-Ritt durch die schlimmsten Stellen der letzten 20 Jahre Italiens: von ungesühnten Mordanschlägen ist da die Rede, verseuchtem Blutplasma, eingenähtem Operationsbesteck und ähnlich appetitlichem: Pizza und Spaghetti und anderen unsäglichen Klischees. Allerdings witzig und fast schon dadaistisch, nie ideologisch verbohrt (wie z.B. bei der 99 Posse oder den Modena City Ramblers). Man muss lachen, obwohl es eigentlich zum Heulen ist - so ist es ja heute noch, wenn man die italienische Regierung betrachtet. Es mag vielleicht etwas unfair erscheinen, gerade dieses Lied als typisch italienisch zu bezeichnen, aber eins sei gesagt: ein Land, in dem solch ein zynisches, Gift und Galle speiendes Lied in die Spitze der Charts kommt und sogar beim Festival von San Remo aufgeführt wird, kann so schlimm nicht sein, ach was, mögen muss man es! Bedingungslos.

  • 11. Subsonica - Nuvole Rapide

    ‚Se fosse facile fare così poterti dire già quello che so frantumazioni di un attimo che… passerà’ Gott weiß warum ich Subsonica gerade jetzt wieder entdeckt habe. Ersetze Gott durch Zufall und man hat die Antwort. Vorher hatte ich es als etwas anspruchsvollere Discomucke abgehakt – nun hat ein Lied gereicht, und es hat, wie bei Klaus Lage, ZOOM gemacht, zwar nicht in zwischenmenschlicher Form, sondern , klick, meine Sicht verändert. Mir werden so viele Dinge klar, ich finde so viele Analogien zu meiner Situation, meinen Beziehungen, zu meinen Plänen... Rudimente, wie flüchtig überteerte Strassenbahnschienen. Wolken ziehen schnell, das Wetter changiert zwischen blendender Sonne und tiefsten Schneewehen. Ich setze mich extremem Stress und purer Langeweile aus, Nähe und Distanz, hüpfe zwischen ausgelatschten und nie betretenen Pfaden hin und her… Die Musik ist wie ein Schlüssel: sie kann sich auch nicht entscheiden: will sie nun Indiepop sein oder pure Elektronik, gefällig oder garstig, überfrachtet oder simpel… die Rhythmen wechseln zwischen four to the floor und vertracktesten Phrasierungen, die Texte handeln – wenigstens hier eine Konstante – von Unsicherheiten, Ängsten, Vergänglichem... Es ist eine Phase. Es ist bald vorbei. Ich kann die neuen Sicherheiten, vorgefertigten Wege und Übereinkünfte schon spüren. Sie lauern. Der Asphalt wird brüchig. Die Schienen glänzen schon durch. Aber dieses Gefühl wird bleiben. Wenn die Wolken schnell vorbeiziehen. Oder wenn ich Subsonica höre.

  • 12. Rufus Wainwright - Agnus Dei

    'Agnus dei qui tollis peccata mundi dona nobis pacem' Ich glaube nicht an Gott. Ich bezweifle, dass Rufus Wainwright das tut. Und dennoch kann ich verstehen, warum er diese Anbetung vornimmt, sie reisst mich mit, ich möchte mich dem hingeben, willenlos, bis alle Dämme brechen. Irgendetwas muss doch kommen, um uns zu erlösen. Nach grauen Tagen, nach Nächten des Irrsinns, in denen die Augen gross werden vor namenloser Not. Irgendetwas. Nicht bloss Regengewölk und Wind. Oder irgendjemand. Die Vorstellung bietet Trost. Auch wenn ich nicht daran glaube.

  • 13. Soulwax - NY Excuse

    dieses lied ist mein ausgehlied. es verbindet einen sehr stumpfen beat mit einem sehr dämlichen text, der auch noch von einer frau mehr gekrächzt als sonstwas wird. so weit, so retro 80s. und dennoch vermittelt es dieses einzigartige gefühl, das man in clubs, zumal in berlin braucht: leck mich doch, hauptsache wir tanzen als ob es kein morgen gibt. zeigefinger in die luft und ab dafür. und ich verbinde es mit der person die mir gezeigt hat, wie und wo man hier den zeigefinger und alles andere mal sowas von schütteln kann, aber hallo.

  • 14. astra kid - Es Beginnt An Ort Und Stelle

    …und es hört hier auf. Ich glaube es war mit diesem Lied. Mit diesem Lied haben sie mich endgültig rumgekriegt. Bekehrt. So eine leise Sehnsucht, wie sie mich auch immer beschleicht, durchweht dieses Lied, das aber, genau wie die Heimatstadt der Band, aber so jenseits von prätentiös und aufgesetzt ist, dass es fast schon weh tut. Zehn Jahre gab es astra kid, mehr als die Hälfte davon waren Sie für mich da. Ich gebe zu, am Anfang fand ich das irgendwie doof, uncool, längst nicht so abgeklärt wie Tocotronic oder die Sterne, zu powerrockig und Jungsmässig. Aber nach meinem ersten Livekonzert war ich eines besseren belehrt, nach dem zweiten begeistert. Das war so gut, so tight, und vor allem, so wenig aufgesetzt dass man einfach nicht widerstehen konnte. Hier sind vier, die meinen’s ernst. Und hauten dabei sehr sehr schöne Songs zum Alltag raus, wie ich sie bei keiner anderen Band gefunden habe. Leider teilten nicht viele meine Passion. Trotz Touren mit den Helden und Stereophonics, trotz Majorplattenvertrag und Dauerairplay bei EinsLive, trotz Festivals und zuletzt sogar positiver Besprechungen bei Intro und Spex, die sich jahrelang naserümpfend abwanden, haben sich astra kid aufgelöst, ‚wegen finanzieller Erfolglosigkeit’. Das letzte Album verkaufte sich noch schlechter als der Vorgänger, wenn zu Virginia Jetzt!, die mal als ihre Vorband angefangen haben, 2000 Leute kamen, waren’s bei ihnen noch 200. Wenn man nicht wie VJ! der unerklärliche Intro-Liebling ist oder wie Hund am Strand mit Tim Renner schläft, scheint in Deutschland momentan einfach nichts zu gehen. Nach zehn Jahren, mit Ende zwanzig, mit der Musik immer noch nicht genug zu verdienen, um davon leben zu können, ist bitter, und daher gehen astra kid jetzt getrennte Wege. Für mich auch deswegen ein ziemlicher Niederschlag, weil wenn Sie es nicht schaffen, wer dann? Soll die Welt doch in Revolverhelden und AK4711s ersticken, ich hör mir noch mal die alten Alben an, und denke ganz in nostalgischer Alter-Sack-Attitüde, dass Rock’n’Roll doch irgendwann siegen wird. Mindestens.

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