Soundtrack meines Lebens

  • 1. The Beatles - Strawberry Fields Forever

    Zum Soundtrack meines Lebens gehören die Beatles einfach dazu, ohne Frage. Obwohl meine Eltern als bekennende Stones-Fans jenes "Gewoisel" (tiroler Ausdruck für jaulendes/heulendes Sich-Artikulieren) für unzumutbar hielten, konnten sie mich nicht davon abbringen, die insgesamt vier Kassetten (die Blaue und die Rote) rauf und runter zu hören. Wenngleich mir auch ziemlich bald dann Kopfhörer verpasst wurden, wo ich fröhlich alle Lieder mitträllerte. Stellvertretend dafür ist Strawberry Fields Forever, welches ich schon auswendig konnte, bevor ich überhaupt wusste, was Englisch ist. Musste ich mich in der Volksschule noch vor Bon Jovi-Fans für meinen „altmodischen“ Musikgeschmack rechtfertigen, fand ich später schnell Gleichgesinnte mit einer Vorliebe für die Sechziger Jahre, wir hörten nur mehr neben Hendrix und den Doors hauptsächlich die Sgt. Peppers, hüllten uns in bunte Farben und experimentierten nicht nur musiktechnisch herum. Wir hatten viele Träume und Pläne, die bis heute nur zum Teil verwirklicht worden sind. Ich weiß aber dass das gar nicht schlimm ist, denn auch das Scheitern verbindet mich mit meinen Freunden aus dieser Zeit und ist stellvertretend für diese rastlose, sinnsuchende Jugendbewegung, deren Teil man schlussendlich in irgendeiner Form immer ist. Ein geplanter Einbruch ins Erdbeerland wurde dennoch nie vollzogen. Noch nicht.

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  • 2. Beach Boys - Sloop John B

    Wenn ich dieses Lied höre, denke ich an durch Polizeikontrollen unterbrochene Mofafahrten durch die sternenklare Nacht, kulturelle Großveranstaltungen und den lustigsten, schlechtbezahltesten Ferialjob meines Lebens... So oft wie in jenem Sommer bekamen wir nie das wienerisch-genervte "Aus jetz - oooarbeitn!" um die Ohren geklatscht, als wir zu zweit für die Festspielzeitung eines jungen klassischen Festivals schrieben. Ohne jegliche Begeisterung für dieses Genre zu empfinden wurden wir allabendlich genötigt, uns sterbenslangweilige Klavierkonzerte in der Pfarrkirche anzuhören, welche wir uns mit Briefchen und Skizzen über unseren musikalisch-pädagogischen Leiter verkürzten, um uns nachher noch dem Versuch hinzugeben, uns zu berauschen. Der Name Michi K. ist seither zum Synonym für unser Unvermögen geworden, erste Erfahrungen in halblegalen Bereichen zu machen und das ist wahrscheinlich auch gut so. In unseren Redaktionsräumen, durch die wir mit Blumen in den Haaren herumhüpften schallte zu dieser Zeit ständig der Soundtrack zu Forrest Gump, den ich damals zum Geburtstag geschenkt bekam, vor allem auch Sloop John B. und Aquarius. Nie mehr danach war das Leben SO unbeschwert wie damals, nie war es hippieesker. Der Sommer der Liebe zum Leben.

  • 3. Roxette - Spending my time

    Am Ende unseres Auslandssemesters in Uppsala unternahm der eiserne Kern noch einen Kurzausflug nach Tallinn mit der Billigfähre. Somit traten wir zu viert an, tauschten unsere Kronen auf der Fähre gleich in 500g-Gummibären-Päckchen und massig Alkohol um und zogen uns auf das verglaste, mit besudelten Stoffbezügen versehene Sonnendeck zurück. Der Soundtrack dazu war zwar mehr als bescheiden, tat aber unserer fabelhaften Laune keinen Abbruch, im Gegenteil. Zwischen Panflöten-Bryan-Adams-Coverversionen (allein der Gedanke daran...brrr) und einer gruselig-grinsenden „Live“-Extasty-Tanztruppe namens "The Euro Boys" (Willkommen in der EU, juhu) wurden sämtliche Hits von Roxette rauf und runter gespielt. Die wir nach dem dritten Mal durchhören bzw. dem fünften Malibu natürlich auswendig konnten. Keiner trällerte "Spending my time" so enthusiastisch wie wir und nie mehr werde ich an etwas anderes als ans mittelalterliche Tallinn und diese Fähre denken können, wenn ich Roxette höre.

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  • 4. The Smiths - Bigmouth Strikes Again

    Es war gerade der Festtag des heiligen Joan und ich war mit einem ebenso benannten Freund in Barcelona unterwegs. Wir schauten uns José Gonzales an, ich war hochgradig ergriffen und fand die ganzen winzigen blonden Schwedinnen um mich rum ziemlich nervig. Nach dem herrlichen Konzert gingen meine Begleitung und ich noch in die Fantastico-Bar, hörten tolle Musik, küssten viel rum und kehrten schlussendlich in die erste Bar zurück, als plötzlich The Smiths durch die Boxen schrammelten. Ich war wie gelähmt, wusste ich doch schon seit Jahren von deren Existenz, welche ich jedoch schamlos ignoriert hatte. Trotzdem mir How soon is now durchaus bekannt war! Schnell traten wir den Heimweg an, ich bekam seine Smiths-CDs am nächsten Morgen gebrannt und auch wenn die Liebe zu dem Jungen nur von kurzer Dauer war, die zu den Smiths hält immer noch an und dafür bin ich dem guten Joan doch sehr dankbar...

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  • 5. Interpol - Say Hello To The Angels

    Täglich musste ich bei meiner Arbeit als Au-Pair die kleine Maia vom Kindergarten abholen, eine halbe Stunde hin und retour, ziemlich langweilig ohne passenden Soundtrack. Bevor ich von einem lustigen Franzosen die "Antics" geschenkt bekam, hörte ich als Einstimmung auf das am 24. April stattfindende Konzert ständig die "Turn On The Bright Lights". Und immer wenn ich heute "Say Hello To The Angels" höre, denke ich an die langen Autofahrten, die ich der gleissenden Sonne wegen mit zusammengekniffenen Augen absolvieren musste, an die Zypressen, die Sonnenblumen und den wolkenlos blauen Himmel, da diese vom Tramuntana verjagt wurden. Eine herrlich sorgenlose Zeit mit viel Obst und Spaziergängen in sternenklarer Nacht. Maia fand Interpol im übrigen gar nicht toll. Sie stand mehr auf Xylophon-Musik als auf new-wave-post-punk-gitarrenrock.

  • 6. And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Another Morning Stoner

    Das erste Mal so richtig verliebt, dazu ein alter VW-Bus namens Paulchen und von übler bis leckerer Musik alles dabei bei diesem Festival im Jahre 2001. Neben Erdbeer-Daiquiris, Kloschlangen und China-Nudeln blieb mir vor allem die Nacht in Erinnerung, in der wir den Muse-Auftritt im Dienste der Liebe sausen ließen und uns stattdessen mit schamerröteten Wangen zu 4Lyn schlichen. Die Band war zwar grottenschlecht (All the chicks, put your hands in tha aiiiiiir!), der Abend jedoch wunderbar. Die vor dem Paulchen aufgestellten Teekerzen wurden ziemlich bald vom strömenden Regen gelöscht, während wir uns zu sechst in kuschelige Decken hüllten, unsere Köpfe auf nette Männerbäuche legten und versuchten, die Regentropfen mit Musik zu übertönen. Another Morning Stoner ist eines der Lieder, bei dem mir die Gefühle von damals wie auf einen Schlag wieder in den Sinn kommen, ich schlucken muss, weil dann doch alles irgendwann endete und der verrückte Kerl jetzt heiratet.

  • 7. Miranda! - Don

    Quiero saber qué me pasa te pregunto qué me pasa y no sabes... unser soundtrack fuer die dunklen strassen mexicos...egal wie muede wir sind, ob gruenes raupenblut an unseren sohlen klebt, wir uns die schienbeine der mosquitos wegen zerkratzen, unsere haare vom wind zerzaust sind, wir die zahnbuerste gegen kaugummi tauschen, die sonne uns den schweiss in die t-shirts treibt oder wir unsere baeuche mit riesen-quesadillas bis zum erbrechen fuellen, dieses lied zaubert uns immer ein fettes grinsen in die backen und somit imitieren wir immer noch den charmanten argentinischen akzent mit groesstmoeglichem enthusiasmus... Yo creo que tienes el DON de curar este mal!

  • 8. Depeche Mode - Never Let Me Down Again

    Eigentlich sollte hier Personal Jesus stehen. Mein ultimatives Depeche Mode lied. Das ich an einem seltsamen Tag, an dem ich es seit Langem mal wieder im Kopf hatte und so vor mich hindüdelte, eine Minute später im Taxi gehört habe und nochmal später an dem Tag sogar im Fernsehen gesehn hab. die message, die mir das Universum damit geben wollte, hab ich bis heut zwar noch nicht entschlüsselt, aber das Lied taucht immer wieder mal gern an schönen Momenten in meinem Leben auf. Warum hier trotzdem Never Let Me Down Again steht, hat folgenden Grund: gibt es doch nichts Schöneres, als Musik über andere Menschen zu entdecken und diese auch mit denen zu verbinden. und weil meine Mädels und ich den Kiez gerockt haben, den Hamburger Berg rauf und runter getigert sind und die letzte Nacht dort oben mit einer leckeren Tasse Milch mit einem Schuss Kaffee und mit herzhaft wundgeküssten Lippen endete, widme ich dieses Lied mal eben einem freundlichen Jungen von dort oben. Seid wild und unersättlich!

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  • 9. Nine Inch Nails - Every Day Is Exactly The Same

    eigentlich schade. eigentlich sollte was aufregendes passieren. ein großes konzert, mit wahnsinnig bunten lichtern, ohrenbetäubenden bässen und wochenlangem pfeifen in den ohren. eine nacht, an die man noch tage später mit breitem grinsen und roten wangen zurückdenkt. oder eine reise, von der man mit einem sack bunter dinge und neuer erfahrungen glücklich zurückkehrt. jene erlebnisse eben, die an und für sich schon wunderbar sind und die mit der passenden musik noch besser werden. schließlich bleiben sie so besser in der erinnerung kleben, da man sich nach neuerlichem hören bestimmter musikstücke wieder in die gefühlswelt jener tage zurückkatapultieren kann. so gesehen also schade. schließlich gibt es in diesen tagen gerade nichts aufregendes, an das es sich zu erinnern lohnt. abgesehen von meinem großen drang nach white russian (der anfang einer abhängigkeit teil I?), alten wiederholungen von sex & the city (schuhe! mehr schuhe! - der anfang einer abhängigkeit teil II?) und stundenlangen nächtlichen streifzügen durch die vollmondbeschienenen wälder, von denen man am nächsten tag nackt, blutverschmiert und ohne erinnerung zurückkehrt (grübel)…aber lassen wir das. also ist wohl das einzig wirklich spannende dieser tage, von denen man manchmal nicht wahrhaben will, dass sie einfach zum leben gehören, wahrscheinlich, dass ich trent reznor für mich entdeckt habe. und dass seine musik mein soundtrack für diese nichtigen, sich ewig gleich wiederholenden tage ist. denn wenn jeder tag derselbe ist, dann braucht man schließlich auch die passende musik dazu. also haben diese tage zumindest etwas gutes. wer weiß, ob ich je die „with teeth“ an einem sonnigen tag, an dem ich gerade eine tolle liebesnacht nach einem konzert in, sagen wir, spanien gehabt hätte, in die hand genommen hätte. wohl eher nicht. eigentlich also doch in ordnung, diese musik genau dann entdeckt zu haben, als ich sie brauchte. und ich bin wieder glücklich. (wenn auch auf eine morbide, von elbstzweifeln zerfressene art und weise, begleitet von träumen, die von animalischem sex und langen, harten schwänzen handeln. tja. spätestens in zwei wochen, wenn alles vorbei ist, sollte ich wieder etwas anderes hören.) anm.: der letzte absatz ist nur zum teil autobiografisch bzw. ernst zu nehmen. morbid bin ich nun wirklich nicht.

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