Soundtrack meines Lebens

  • 1. dEUS - Suds & Soda

    Mittwoch für Mittwoch und Freitag für Freitag gab es nur eine Möglichkeit: Stundenlang im Badezimmer stehen – meistens zu dritt, trinkend, rauchend, laut Musik hörend, lästernd, lachend, falsch mitsingend –, um dann in "Uniform" – welches weibliche Wesen dort hat(te) NICHT kurze schwarze Haare und war vorteilhaft nach Vorbild Tocotronic gekleidet? – das FLEX zu stürmen. "London Calling (Special)" oder "P.A.N.I.C." standen dann auf dem Programm. – Und Geli, Michi und ich immer an vorderster Front. Nächte durchtanzen, ständig verliebt sein und seinem Musikfanatismus freien Lauf lassen. Das war die Zeit, in der man Nick Hornbys High Fidelity in Endlosschleife gelesen hat und ein eigener Plattenshop das Größte gewesen wäre – neben einer eigenen Band natürlich, die wir gemeinsam gründen wollten. DJs wollten wir sein und haben uns wieder Plattenspieler nach Hause geschleppt – das galt plötzlich wieder als cool. Und neue Musik hat man einander ähnlich Nerd-ig erklärt wie Dick in High Fidelity. Einfach wundervoll: Tapes aufnehmen, die ganze Geschichten erzählen oder unter seltsamen Mottos liefen. Ich weiß noch, wie ich mit Michi bei der VIENNALE im Gartenbaukino sitze, die ersten Bilder von The Virgin Suicides auf der Leinwand aufflackern und sie bei den ersten Takten Musik laut quiekt: "Das ist doch AIR! Diesen Film liebe ich jetzt schon." dEUS mit Suds & Soda ist der Inbegriff dieser Zeit – neben Take a Picture von Filter, der uns als "Rausschmeißersong" regelmäßig um etwa 5:30 Uhr in der Früh aus dem FLEX zur ersten U-Bahn katapultiert hat ...

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  • 2. David Hasselhoff - Looking for Freedom

    Es gibt Dinge, die die Alphatierchen im Kopf besser in einer verstaubten Ecke aufbewahren und niemals hervorkramen, erst gar nicht in die Öffentlichkeit zerren sollten. Dazu gehört etwa, dass das allererste Konzert, auf dem man je war, von David Hasselhoff gegeben wurde. Wieso sollte man sich auch freiwillig und selber durch den Dreck ziehen ... Vielleicht rettet die Tatsache etwas, dass mein "großer Bruder" und ich – in händchenhaltender Begleitung unserer Mutter natürlich – nur deswegen dort waren, weil wir wussten, dass es K.I.T.T. "in ferngesteuert" zu erstehen gab – und das galt einfach als fürchterlich cool. Es gibt Dinge, die man haben MUSS – wie K.I.T.T. eben. Oder auch Schweizer Taschenmesser, weil Mac Gyver (die erklärte erste große Liebe: Richard Dean Anderson, damals spielten Äußerlichkeiten wie Haarschnitte noch keine Rolle; er war einfach ein Held. Ja, das war pure Liebe ...) eines hatte. Aber ich schweife ab. Um K.I.T.T. haben uns übrigens alle Nachbarskinder beneidet. Von David Hasselhoff haben wir beim Konzert wenig gesehen.

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  • 3. Bonnie 'Prince' Billy - I See a Darkness

    Tindersticks, Divine Comedy, Bonnie 'Prince' Billy – die täglichen stundenlangen Telefonate mit Roland drehten sich einzig um Musik. Das waren richtiggehende Schlachten: Wer kann noch ein Stück aus dem Nähkästchen zaubern, das der andere nicht kennt? Roland hat I See a Darkness hervor gekramt. Bonnie 'Prince' Billys wunderbares, todtrauriges Lied habe ich zum ersten Mal an einem kalten Dienstagabend im Dezember 2000 gehört – durch eine knackende Telefonleitung. Unvergesslich.

  • 4. Sigur Rós - Svefn-g-englar

    "Eigentlich verteile ich schon seit einiger Zeit keine Geburtstagsgeschenke mehr an meine Freunde, weil ich den Brauch – zwanghaft etwas an einem bestimmten Tag zu verschenken – völlig uncool finde." – So mein bester Freund Paolo ... ... während er mir ein Geschenk in die Hand drückte. Auf der CD fand ich das Musikvideo zu Sigur Rós' Svefn-g-englar und Paolos Zeilen: "Als ich dieses Video zum ersten Mal auf Viva2 gesehen habe, habe ich Gänsehaut bekommen – außerdem musste ich sofort an Dich denken." Was er damit meinte, wusste ich, als ich die in Engelskostüme gehüllte Schauspielgruppe gesehen habe – bestehend aus mongoloiden Kindern und Erwachsenen. Mein kleiner Bruder Lucas könnte zwischen ihnen herum hüpfen. "Svefn-g-englar" ist isländisch für Schlafwandler, darin enthalten auch das Wort "englar" – die Bezeichnung für Engel – und das trifft den Nagel auf den Kopf. Vor etlichen Jahren posierten behinderte Kinder für eine Strecke von Benetton. Bei einem Bild stand: "Ich glaube, dass die behinderten Menschen in Wirklichkeit Engel sind. Denn sie kennen keine Bosheit, keine Lügen, keine Falschheit." – Wie wahr. Als ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, habe ich angefangen zu weinen, so schön und wahrhaftig fand ich es. Es ist das schönste Geschenk, das ich mir überhaupt vorstellen kann. Letzten Sommer habe ich mit Lucas das Video nachgestellt. Göttlich! Ich sollte Paolo die Bilder bei Gelegenheit schenken. Er wüsste, was damit gemeint ist.

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  • 5. Goldfrapp - Black Cherry

    Frühjahr/Sommer 2003. Frisch gebackener Single. Seine Ruhe genießen. Zufrieden sein. Eigentlich mit "den beiden Christians" geplant haben, sich gegenseitig zu Diplomarbeiten und Dissertationen zu motivieren. Daraus werden tägliche Telefonate mit der immer gleichen Frage: "Baden gehen/Ausgehen oder brav sein?" Folglich: Abend für Abend mit einer Flasche Wein im Museumsquartier verbringen und sich von den herrlichen, latent aggressiven Securities entertainen lassen. Ins Ramien essen gehen. Viel zu oft. Stundenlange "Beautykuren". Schwarze FlipFlops spazieren tragen. Samstags den Naschmarkt stürmen und mit ganzen Paletten an Obst und Tulpen nach Hause kommen. Klassiker bei Open Air Kinos sehen. Bei DIESEL das 100%ige Kleid finden. Per Fahrrad baden "gehen". Frisch verliebt sein. Geplatzte Urlaube, dafür unübertrefflich komische Abende mit Stuart, Adriane und Robert. Eis essen. Über gute Bücher stolpern. Strange Spontan-Partys in Friseursalons. Abende im "Volksgarten Pavillon" ver-plaudern. Leute kennen lernen. Viele. Steak mit Christian – und einer grob geschätzten Tonne Kräuterbutter. Nächte im FLEX durchtanzen; so wie "früher". Die Vormittage in kühlen Kinosälen verbringen. Das Palmenhaus aus Vogelperspektive mit Robert. Den "heißesten Sommer seit es überhaupt meteorologische Aufzeichnungen gibt" (© ORF) einfach nur: GENIESSEN. Glücklich sein. Spaß haben. Grinsen. Ständig. Der Soundtrack des Sommers besteht einerseits aus Wir sind Helden. Andererseits, schwelgerisch im Hinterkopf: Ein klebrig süßes Album von Goldfrapp: Black Cherry. Genauso süß und klebrig, triefend, dampfend und wunderbar wie die rosaroten Erinnerungsfetzen an diesen besten Sommer jemals.

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  • 6. Britney Spears - Toxic

    Es wäre eigentlich ein guter Abend, um wegzugehen, beschließen wir um 00:13, worüber wir stuart um 00:16 aufklären. Raus aus den "Jogging"hosen, rein ins Badezimmer, wo unsere Augen schwarz umrandet werden (was schwierig ist, weil wir gleichzeitig zu We are your friends von Simian herum hüpfen und Gleichgewicht halten müssen) und wir erproben, was die hellgrünen Fructis-Dosen wirklich mit unseren Haaren anstellen können. Um 00:34 holen wir Stuart ab und landen – als hätten wir’s geahnt – im Keller eines Pubs, bei einer völligen Freakshow. Einer wahnsinniger als der andere, aber wer hat sich am meisten daneben benommen und einfach furchtbar und hemmungslos Spaß gehabt? Über wen werden die Freaks am nächsten Tag tuscheln und sagen "die hättet ihr sehen müssen – die waren wahnsinnig"? Richtig! Über Margit, Stuart und mich. Zwischen einem würdigen "Jason Donovan"-Verschnitt, der direkt aus den Achtzigern zu uns auf die "Tanzfläche" getrabt kam, 20 spaßigen RumänInnen und schlechter Musik: trinkend, lachend, tanzend, gesprächig: WIR. Bis zur "After Hour" in der überfüllten "Gräfin am Naschmarkt", wo wir uns frühstückend neue "Feinde" einhandeln. Am nächsten Morgen: heiser vom vielen Rumschreien und wochenlang dieses furchtbare Lied von diesem furchtbaren Popsternchen im Kopf. Trotz erschreckendem Ohrwurm die besten Erinnerungen an diesen höllisch lustigen Abend, der tosend den Frühling eingeläutet hat. Außerdem hat's Margit viel schlimmer erwischt. Die musste nämlich wochenlang "I don't know what it is / that makes me feel like this / I don't know who you are / but you must – be – some – kind – of – superstar – coz you got all eyes on you no matter where you are / hey oh / hey oh / hey oh" in ihrem hübschen Köpfchen herumschleppen.

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  • 7. robbie williams - sexed up

    Wenn er sich Deo unter die Achseln sprüht und man ihn am liebsten mit der Dose erschlagen würde; wenn er ein vitaminreiches Frühstück zubereitet und man ihm die gesunden Vollkornflocken über den Kopf leeren könnte; wenn man stundenlang in den Wirtschafts-Teil der Zeitung starrt, um sich nicht mit ihm unterhalten zu müssen, weil einfach alles schon gesagt oder besser: ausdiskutiert, zu Tode diskutiert wurde; wenn man jeden Morgen Sexed Up in voller Lautstärke einlegt, damit man nicht durchdrehen und schreien und streiten und toben und wüten und stampfen und beißen und kratzen und Vorwürfe machen und anhören muss (oder so ähnlich); wenn man unsinnige Überstunden einlegt, um noch nicht nach Hause zu müssen, monatelang. Dann sollte man langsam aber sicher wissen, dass die Luft so was von draußen ist und die Geschichte auch nicht mehr aufgepumpt und aufgeblasen werden kann. Und dass es vielleicht besser ist, Schluss zu machen.

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  • 8. Münchener Freiheit - Ohne Dich

    Unzählige (herzeigbare!!!) Lieder katapultieren mich zurück in diese Zeit, zu diesem fabelhaften Mann. Dennoch landet Ohne dich.... in meinem Soundtrack. Wenn man schon David Hasselhoff ausgepackt hat – was hat man dann noch zu verlieren?! Ein unsterblicher Moment. Ein Taxi in der Pampa, in dem ein Lokalsender "stilsicher" die Münchner Freiheit dudeln lässt. Fünf Menschen. Bereten-verlegenes Schweigen. Zwei davon beschließen in aller Stille und mit einem breiten Grinsen, in dieser Nacht nicht ohne einander heim zu gehen.

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  • 9. dEUS - Secret Hell

    Das "Zehentheater" wird mir am meisten abgehen, Lieblingsmensch. Und die ausgedehnten Samstagnachmittage trotz "geographischer Differenzen". "Bleib' weg von offenen Fenstern", das wusste schon Irving. Auch wenn Du ihn nicht mochtest.

  • 10. Otto Europa - Knietief Im Zitronengras

    Gib' mir ein T-Shirt mit "romy schneider" drauf "Linke Emanze" nehm’ ich im Notfall auch Ich trag 'ne Tasche aus Lastkrafwagenplanen Aber die hab' ich schon ewig, da hat die noch keiner gekannt. Knietief im Zitronengras, BOBO will ich sein, Bourgeois Bohemien, das ist der letzte Schrei-Schrei-Schrei. Da gibt's nen Nachtclub, der "Icke Micke" heißt. Diesen Namen find ich ziemlich dreist. Ich treff dich dort – und den Rest der Szene, "Urcool", diese Location, quasi im öffentlichen Raum. Knietief im Zitronengras, BOBO will ich sein, Bourgeois Bohemien, das ist der letzte Schrei-Schrei-Schrei. "Knietief im Zitronengras" – der Falter hat "uns" treffend beschrieben, was den wunderbaren "Otto Europa" zur schwer inoffiziellen BOBO-Hymne verleitet hat (Hallo O.!), die stellvertretend für diesen Sommer steht (es hätte auch Elevator Suite mit Backaround und Man in a Towel sein können, die hab’ ich nämlich gerade wieder ausgegraben und finde sie besser denn je). Heuer sind die MQ-Wannen rosarot, nicht mehr himmelblau. Die Abende weniger dampfend, aber sie lassen sich genauso gut dort verbringen, fast noch lustiger als im Vorjahr, möchte man fast sagen. Freitags wankt man anschließend ins "Icke Micke". Und führt sensationell nette Gespräche (Hallo S.!!!!) – Was wären wir "V-Girls" zurzeit bloß ohne die Tiroler Jungs??! Der sagenumwoben grindige "Siebensternpark" wäre bestimmt noch immer unentdeckt ...

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