Soundtrack meines Lebens

  • 1. Air - La Femme D´argent

    als ich aufwache, dämmert es schon auf allen seiten. was man noch erkennen kann, sieht nach purer natur aus. wir scheinen an der berühmten stelle angelangt zu sein, wo fuchs und has sich gute nacht sagen. ich sitze in einem alten, blassroten passat mit ganz viel camping im stauraum und ganz wenig stauraum vor meinen füßen. all das kommt mir bekannt vor - bis auf die musik aus den sinnvoll aufgerüsteten autolautsprechern: die ist so unglaublich leicht und flockig und berieselt einen von oben und unten - nicht wie kaufhausberieselung, eher wie pladderregen oder eine sprinkleranlage, aber ohne dass einem vom wasser kalt wird. in diesem moment habe ich dieses lied in meine persönliche top fünf der stimmungslieder aufgenommen, tendenz steigend. der nieselregen des franzosenduos hat all meine frauenprobleme, die an der innenseite von meinem kopf klebten, einfach fortgespült. man glaubt gar nicht, wie leicht es sich anfühlt, wenn an der innenseite des kopfes nichts mehr klebt. später hat mir mein freund, der damals gefahren ist, erzählt, dass er nach seiner knieoperation nachts allein in einem krankenhauszimmer gelegen ist. vor schmerzen konnte er nicht schlafen. jemand hat ihm diese platte gebracht und im walkman hat er lied nummer eins gehört. la femme d'argent muss eine ganz ähnliche wirkung bei ihm gehabt haben. das, also das ist doch ziemlich, ziemlich bemerkenswert.

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  • 2. Red Hot Chili Peppers - Apache Rose Peacock

    Sláinte, zu gälisch "Prost", war der Name dieser unglaublich talentierten Band. Wir absolvierten in vier Jahren ungefähr zehn Auftritte, gewann mindestens einen Wettbewerb und eine überschaubare Fangemeinde. Das muss der ungefähr dritte Auftritt gewesen sein, auf einem U&D-Festival in einer Grillhütte im Wald eines Ortsteils eines Städtchens zwischen Basel und Freiburg. Weit, weit draußen also. Wir haben das Festival eröffnet, unser Sänger kam - das war zu erwarten - zu spät und tauchte auf im Outfit seiner Baseballmannschaft, von deren Training er kam. Die fünf eigenen Songs, die es da schon gab, wurden performet und wirklich mehr als heruntergesäbelt. "Apache Rose Peacock" war das einzige Coverlied. Unser Sänger litt an einer langfristigen Gedächtnisschwäche und hat den Text abgelesen, das war, so glaube ich, deutlich zu erkennen. Für diesen Song gibt es leider keine Pianostimme und aus einer gewissen Entfernung habe ich mir meine Bandkollegen angehört. Wow, habe ich gedacht. So gut hatte ich uns nicht eingeschätzt. Diese Band macht echt Spaß. Hat es dann auch für die nächsten Jahre dann... Aber wie das so ist, das Leben treibt einen auseinander, unweigerlich. An diesem Abend aber, da waren die Red Hot Chili Peppers auch da. Ich hab ihn gesehen, Flea saß auf dem Ast von diesem großen Baum und hat so nervös am Stamm herum geklopft. Aber ich glaube, das ist ganz normal bei ihm.

  • 3. John Lennon - Jealous Guy

    Wenn man 16 ist, enorm stark verliebt und Pläne für eine jahrelange Beziehung schmiedet, dann sucht man irgendwann gezwungenermaßen nach dem so genannten "Unser Lied". Zur Erklärung: Das taucht dann immer auf bei Gelegenheiten wie "Sie spielen unser Lied, lass uns tanzen" oder auch "Sam, spiel noch einmal unser Lied" oder auch in Extremfällen "Ich kann nur bei unserem Lied Sex haben" - aber das führt zu weit. Wir waren also 16 und suchten nach dem geeigneten Lied für uns. Wir fanden John Lennons "Jealous Guy". Es handelt glaube ich von einem eifersüchtigen Jungen. Gut, das passte nicht ganz, aber dafür war und ist es wunderschön. John Lennon soll ja bei so was immer auf einer Wolke vorbeischweben und auf einem weißen Flügel dazu Klavier spielen. Manchmal, bisweilen war das wirklich so. Ohne Scheiß.

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  • 4. Beck - E-Pro

    Als Gott einmal zu dem Menschen hinabsah, da beklagte sich der Mensch bitterlich. "Gott", klagte der Mensch sein Leid, "wenn beim Autofahren im Sommer die Scheiben heruntergekurbelt sind und man über keine gewalttätige Musikanlage verfügt, wenn da nun ein Lied gehört werden soll und dabei der Text verstanden, gar mitgesungen werden soll.." "Was dann?", fragte Gott, leicht ungeduldig ob der Fülle noch zu erledigender Aufgaben. "Nun, man versteht den Text nicht mehr", erklärte der Mensch, "akustisch. Das ist quasi unmöglich, des Fahrtwindes wegen." Gott sinnierte einen Moment und sprach dann: "Mensch, ich habe eine Idee." Und er sandte den Musikant Beck aus, um das Lied "E-Pro" zu komponieren. "Das Tolle an seiner, beziehungsweise um genau zu sein, an meiner Erfindung ist die Tatsache, dass der Text so einfach ist, dass man ihn auch noch bei einem überaus fahrigen Fahrtwind verstehen kann", freute sich Gott wie ein kleines Kind über seine gelungene Idee. Der Mensch aber dankte ihm auf Knien, schob "E-Pro" in die Musikanlage und betätigte den Repeat-Knopf. Und er sang, inbrünstig und voll Überzeugung: "Nanananananö!"

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