Soundtrack meines Lebens

  • 1. Freundeskreis - A-N-N-A

    Es gab da dieses Mädchen in meiner klasse, in die ich bestimmt schon seit geraumer zeit verknallt war - ich sage verknallt, weil es ja schließlich nur ein Schwarm war. Ich war mir zu dieser Zeit sicher, dass wahre Liebe noch unerreichbar sei. Unsere klasse war damals ziemlich von Gruppen durchzogen, die nur wenig miteinander redeten, noch viel voneinander wussten. Wahrscheinlich das typische Klassenbild - ich habe es zumindest noch nicht anders erlebt. Doch wie es dann so ist, fährt man auf Klassenfahrt. Plötzlich scheinen alle Mauern niedergerissen zu sein. Jeder kooperierte mit jedem, um irgendwie an Spaß und Alkohol zu kommen. Wir hatten einfach damals, die 100%-alkohol-hasser-lehrer, deshalb war eine Flasche Bier das höchste der Gefühle. Eines Abends dann kam es zum Gespräch zwischen uns, als sie und einige ihrer Mädels bei uns waren. Sicher war es nicht das Schlechteste das größte Zimmer mit nur drei Mann zu haben. Die Wörter flossen nur so, dass mir bange wurde, schließlich war ich "mister shy guy" überhaupt. Niemanden schien es aufzufallen. Alle amüsierten sich gut. Am nächsten Tag machten wir, natürlich nicht allein einen Spaziergang, durch die Stadt zum See. Ohne einen Augenkontakt oder ein Wort stand sie plötzlich neben mir und plötzlich gab ein Gespräch Teil 2. Im laufe des Tages erreichte ein weiterer Schulbus mit grölenden, sturzbetrunken Hauptschülern unser Jugendhotel. All unsere Mädels wurden sofort von ihnen inspiziert und natürlich kopflos angemacht. Trotzdem waren sie alle erstmal hinfort – „die anderen Typen auschecken“. Für mich schien alles gelaufen, zumindest für eine stunde. Ich wollte schließlich die Fremdkörper auch mal auskundschaften, also bewegte ich mich das eine Stockwerk runter. Kurz bevor ich die letzte ecke umschritten hatte, flog mir dieses prachtvolle Mädchenkörper in die Arme. Sie war es. Bevor ich reagieren konnte flüsterte sie mir ins Ohr: “Tue so, als ob du mein Freund bist. Die Typen sind schrecklich“. Schon gingen wir Hand in Hand zurück in unser Stockwerk. Aus dem Hintergrund hörte ich nur „viel Spaß mit der Zicke“ gebrüllt. Ich war zu diesem Zeitpunkt ein Glücksbärchie, das die böse Macht von da unten einfach wegstrahlte. Abends waren sie und die anderen wieder bei uns. Doch diesen Abend verließen sie uns nicht. Sie ließen sich dort nieder wo es gerade bequem war und neben mir schlief sie. Natürlich war das das für mich bis dato die beste Klassenfahrt. Und auch die weiteren Tage ging das so weiter. Zeitsprung (wieder zu Hause, nächster Abend Dorffest im Nachbarörtchen, sie hatte mich eingeladen). Irgendwie kamen wir natürlich wieder ins Gespräch, diesmal mit Alkohol Einfluss und allem was dazugehört. Wir fanden es nicht besonders angebracht, umrungen von unseren Freunden zu reden, da die meisten sich sowieso schon eine Meinung über uns gebildet haben. Man kann sagen, obwohl nichts Offensichtliches geschehen war, hatten wir bereits sämtliche Lästermäuler und Neidbrocken gegen uns, warum auch immer. Also ging ich zu einem Freund von mir und bat ihn um eine Kippe. Ich und sie, wir beide rauchten nicht, höchstens wenn der Alkohol unsere Willenskraft einzuschränken schien. Aber es war zu diesem Zeitpunkt einfach zu verlockend. Wir gingen ein Stück. Sie zündete die Zigarette an und zog genüsslich davon. Ich rauchte nur auf Backe. Der Geschmack war mir egal, ich fand diesen Rauch in meinem Rausch einfach zu faszinierend. Schließlich erzählte ich ihr, wie sehr ich die Klassenfahrt genossen hatte, vor allem die Zeit mir ihr. Ich dachte ich würde Hohn kassieren, dass sie mich auslachen würde. Aber sie fing an zu lächeln, als hätte ich etwas Besonderes gesagt. Vielleicht war das was ich gesagt hatte auch nur zu sonderlich. Wir gingen noch ein Stück. Auf einmal fühlte ich ihre Hand an meiner. Sie lächelte mich an und sagte, mir geht es nicht anders. Dann sprachen wir von unseren Ängsten. Schließlich waren wir in einer Klasse – eine Beziehung undenkbar. Genauso wie wir uns eben noch die Worte um die Mund schmierten, ließen wir uns wieder in eine Hölle fallen. Für mich schien es zumindest so. Als wir nach zahlreichen Umarmungen wieder auf dem Dorfplatz standen – die Zigarette war lange schon verglüht – schaute sie mich an, so verliebt und so gedrückt zugleich. Ich konnte damit überhaupt nicht umgehen. Plötzlich schien sie loszulassen. Unsere Lippen berührten sich, wir küssten uns innig. Genau dort wo wir vor einer stunde noch nicht einmal redeten wollten, standen wir nun umschlungen, inmitten der Leute die dieses Bild schon lange heraufbeschwört hatten. Pfiffe ertönten. Als ob das ein Startschuss gewesen sei, flüchtete sie, ließ mich allein stehen. Nach einiger Zeit – vielmehr aber nach all diesen Blicken – ging ich zu meinen Leuten. Ich erntete Jubel, aber das war mir egal. Alles was ich wollte schien plötzlich unnahbar zu sein. Das einzige, das mich bei klarem Kopf hielt, war ihr Geständnis. Sie mochte mich auch, ja und auch mehr als das. Während des Abends gab ich mich völlig dem Rausch hin. Ich fühlte mich gebrochen, doch mit jedem Schluck wurde ich nur weinerlicher. Da spürte ich mein Handy vibrieren. Zuerst schaffte ich es nicht in meine Tasche zu greifen. Viel zu verschwommen war meine sicht in dieser dunklen Nacht. Doch als ich die Zeilen entziffert hatte, war mein Blick gestochen scharf, wie den ganzen Abend noch nicht. „Ich muss heut noch durch den Wald nach Hause, allerdings allein. Wäre schön wenn du mich begleiten könntest. Ich warte in einer viertel stunde am Dorfausgang.“ Ohne mich zu verabschieden, hetzte ich los, mein Fahrrad holen. Die anderen lachten nur, wahrscheinlich weil sie dachten, dass die Abend nun von mir einen Tribut fordert. Ich fuhr einen kleinen Umweg. Ich wollte den anderen einfach nicht erklären müssen, warum ich schon den Heimweg antrat. Nach ersten stürmischen Metern bremste ich ab und fuhr langsam weiter. Ich konnte nur ahnen, wie es ihr gehen mochte. Vor allem wollte ich aber nicht wie ein aufgegeilter Junge wirken, der Blut geleckt hat und nun mehr will. Im seichten Licht der Laterne stand sie und drehte sich in meine Richtung. Für mich schien es wie ein Zuspruch, doch versuchte ich abgeklärt genug zu sein, um nicht sofort wieder die ganze Hand zu nehmen, sondern nur den kleinen Finger. Der Wald schien trotz ihrer Begleitung dunkel und gefährlich. Ich legte meine Hand um sie und konnte dabei ihren Mundwinkeln von der Seite zuschauen, wie sie sich leicht hebten. Das Knistern der Bäume schallte über unseren Stimmen. Mein Pedale schlugen mir alle paar Meter in die Waden, doch es war mir egal – meine Lieblingshose, der Schmerz. Wir redeten die ganze Zeit über uns, aber eher visionär und fiktiv, was ich bei dieser Gruselstimmung sehr schön fand. Was wäre wenn, ein Spiel, dass mir endlich mal Hoffnung machte. Der ehemals helle Himmel, der uns bis hierher geleitet hatte, verdunkelte sich. Man konnte den schmalen Weg nur noch durch das Gefühl dieser Vertiefung erahnen. Dann fing es auch noch an zu tropfen, bis es schließlich in Strömen regnete. Die Regentropfen schienen ohrenbetäubend. Wir gingen weiterhin langsam. Es war eh sinnlos, wir würden so oder so völlig durchnässt zu Hause ankommen. Vielleicht störte sie der Regen genauso wenig wie mich, jedenfalls hoffte ich das. Als wir die ersten kleinen Lichter der Stadt erblickten, bekroch mich ein mulmiges Gefühl. Ich wollte nicht, dass es hier endet. Es hatte ja noch nicht mal richtig angefangen. Da sagte sie leise, dass wir lieber zur Tribüne beim Sportplatz gehen sollten, bis das Unwetter aufgehört hat. Ich nickte nur. Der Sportplatz lag gleich hinterm Wald. Die Türen standen offen wie eine Einladung. Wir setzten uns so hin, dass uns von der Straße aus niemand sehen konnte - ich wusste nämlich wie sie reagieren würde, wenn unsere Leute vorbeifahren und uns sehen würden. Wir saßen breitbeinig auf den dünnen Bänken. Sie sah wunderschön aus mit ihrem nassen lockigen Haar. Der Regen war noch immer laut, obwohl es schon weniger geworden war. Vielleicht lag das aber auch am Blechdach, das uns Schutz bot. Sie erzählte wie sich zu Hause betrunken hatte, allein und geweint hat, dass sie sich dumm fühlte und dass das alles ein Fehler war. Ihre Worte trafen mich. Allerdings nur im ersten Augenblick, weil unsere Blicke sich trafen wie festgebunden. Ich fragte sie, wie sie so was sagen könne, obwohl sie mich ganz anders anschaut. Sie schüttelte den Kopf. Ihr Augen versunken in ihrem Schoß. Ich streichte mit meiner hand über ihre Wange und hob ihren Kopf. Dabei sah ich ihren Schmerz und wünschte mir, dass sie auch meinen sehen könnte. Ich führte ihr Gesicht zu meinem. Ich musste sie einfach küssen. Doch sie drückte ich langsam und kraftlos weg. Sie sagte, es könne eh nichts werden. Das was war, ist gut so, aber eine Beziehung würde nicht funktionieren. Darauf erwiderte ich. „Das ist alles wovon ich die letzte Zeit geträumt habe. Kannst du nicht auch mal träumen?“ Da blickte sie mich an, als hätte sie endlich meinen Schmerz gesehen. Wir küssten uns. Ihre Lippen waren wie ich sie mir vorgestellt hatte. Viel schöner als vorhin. Wir rutschen immer dichter zusammen, verschränkten die Beine, sahen uns an, und küssten uns weiter. Der Regen hatte mit der Zeit aufgehört. Unsere Sachen waren auch so gut wie trocken. Der Mond schien auf uns und es hätte schöner nicht sein können. Uns Beiden war allerdings klar, dass die Dunkelheit uns nicht ewig schützen würde. Als ob wir uns einig waren, erhoben wir uns nach einem sanften Kuss. Auf den weiteren Weg nach Hause sprachen wir kein einziges Wort, aber lächelten uns gegenseitig an, bis das Lächeln beim Einzug in ihre Straße plötzlich nachließ. Wir wussten beide nicht wie es weitergehen würde. Vor ihrer Tür küssten wir uns, so leidenschaftlich als würden wir uns nie wieder sehen. Als ob ich in den Krieg ziehen würde und alles hinter mir lassen müsste. Sie sagte, ich müsse jetzt gehen, bevor ihre Mutter aufwacht. Langsam sah ich die Tür zugehen. Doch ich konnte noch nicht auf Wiedersehen sagen. Es wäre lächerlich gewesen. Ich drückte die Tür wieder einen kleinen Spalt auf, küsste sie noch mal und flüsterte ihr ins Ohr: „Das war der schönste Traum meines Lebens. Ich hab dich lieb.“ Sie küsste mich und sagte mit bitter-glücklichen Blick: „Ich hab dich auch lieb.“ Dann fiel die Tür ins Schloss.

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  • 2. Heaven Shall Burn - No One Will Shed A Tear

    Ein paar Freunde und ich waren damals in Hamburg auf dem Hell On Earth Festival. Everygreen Terrace waren gerade mir ihrem Auftritt fertig und nun wartete ich sehnsüchtig auf Heaven Shall Burn. Ich hatte bereits ein, zwei CDs von denen, aber wollte mal gucken was die Live so draufhaben. Ihre Show hat richtig Spaß gemacht. Zum letzten Song wollte der Sänger, dass alle auf die Bühne kommen und stagediven. Als ich nun da am Rand stand und auf meine Chance hoffte auf die Bühne zu kommen, bemerkte mich wohl die Sänger wie ich mitgröhlte. Jedenfalls kam er zu mir und wir sangen zusammen die zweite Strophe und den Refrain. Das war für mich das Erlebnis überhaupt, weil ich mich auch danach verzehre auf solch einer Bühne zu stehen. Jedenfalls zog er mich auf die Bühne. Nun hatte ich meine Chance. Das erste Mal in die Crowd springen. Ich wartete noch kurz bis genügend Leute die Arme hoben und schmiss mich ins Glück. Bis zum Songende schwebte ich über allen und kassierte vom Sänger noch einen Daumen.

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