Soundtrack meines Lebens

  • 1. Dilated Peoples - Worst Comes To Worst

    Eigentlich sagt's der Titel an sich schon: Wenn es so richtig schlimm ist, was soll noch passieren? Klar - frei nach 'Der Teufel sch%$sst immer auf den grössten Haufen' - es wird noch was Übleres drauf gesetzt. Dies war bei mir nicht der Fall, was hätte auch noch kommen sollen? Meine langjährige Freundin verliess unsere Wohnung und mich, um mit einem meiner [damals noch] besten Freunde in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Einige Tage lang hatte ich nur das Gefühl zu fallen, keinerlei Halt mehr zu finden. Nach den ersten Tagen fand ich mich wieder einigermassen zurecht, gestürzt in die Arbeit, gestützt von Freunden und Familie, kam ich langsam zu mir. Musik war nie das Unwichtigste in meinem Leben und so kam es, dass diese wieder stärker in den Mittelpunkt meines Lebens geriet und ich ihr dementsprechend mehr Zeit widmete. 'Worst comes to worst' entdeckte ich dann ein, zwei Monate später, als sich langsam Kontinuität und auch Zufriedenheit in meinem Single-Leben einzustellen begann und ich - mit einem blinzelnden Auge - neben meinem eigenen Zynismus auch wieder mit dem des Schicksals zurecht kam. Seitdem erinnert mich dieses Stück an die Zeit, in der ich das Laufen auf eigenen Beinen neu erlernte. Schmerzen dabei? Klar, aber viel mehr das Gefühl, selber zu sein.

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  • 2. Caramelo Criminal - Por Que Te Vas

    "carlos, hast du die 'caramelo criminal' schon gehört?" "nö. was ist das?" "ich mach's mal an." caramalo criminal, spanischsprachiger dancehall aus deutschen landen, ertönt. saugut und fett produziert. ich selber kann leider kaum spanisch - ausser fluchen, essen bestellen und frauen beschreiben - carlos ist zweisprachig aufgewachsen und freut sich über die texte, die wohl lustig und nachdenklich sind. das fünfte stück beginnt, der gesang setzt ein, carlos erlebt einen regressiven moment und erzählt mir, dass seine familie (>5 geschwister) früher dieses lied immer im auto gehört hat und dass er sich 'emotional' daran erinnern kann. mir selbst kommt der tune auch bekannt vor und es ist eine melodie, die ich seit ewigkeiten kenne: 'por que te vas', 1977 von jeanette gesungen und ähnlich tief in mir drin wie 'the lonely shepherd' von james last, 'waterloo' von abba oder 'yesterday' von, na ja, ihr wisst schon. also 'warum gehst du' würde man auf deutsch sagen und lustig ist, dass carlos' exfreundin seit ein paar wochen wieder in köln ist und meine seit wenigen wochen mit meinem 'nachfolger' schluss hat und in das gleiche haus einzog, das die wg beheimatet. Nun warten wir auf 'nen track, der dann gerne 'warum kommst du her?' heisst, meinetwegen auf kantonesisch. ach ja, fettzo, carlos' jetziger und mein alter mitbewohner ist dann aus dem zimmer gerannt, weil er das stück nicht ertragen konnte - eigentlich wie früher in der wg ;)

  • 3. Fugazi - Waiting Room

    fugazi live im rhenania! die gesamte kölner punk/hc/autonomenszene freute sich auf den gig und harrte der dinge, die da kommen sollten. schnell ausverkauft, gelang es uns dennoch eine eintrittsmöglichkeit zu ergattern (ob wir seinerzeit bezahlt haben oder nicht, habe ich nicht mehr wirklich gewahr) und in die grosse halle einzutreten. die luft war stickig, heiss, alkohol- und schweissgeschwängert, nicht mehr wirklich ertragbar und - für einen 'warteraum' etwas sehr dick - wurde dann noch angereichert durch 'nen typen, der sich an die wand stellte und dort erstmal das revier markierte und ich bestehe darauf, zu meinen, dass währenddessen 'waiting room' lief.

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  • 4. Mano Negra - King Kong Five

    18 jahre jung, mit weichen knien zu einer austauschschülerparty im sportheim des nachbarkaffs unterwegs, dort, wo das lokale gymnasium im klassischen 70er-jahre-plattenbau-stil die gegend verunstaltete und sich - bedingt durch den schulbesuch - ein grossteil meiner jugend abspielen sollte. dort, wo wir - ich hatte leider keinen französischunterricht während meiner schullaufbahn - die netten mädels in ihren naf naf-oberteilen und 501-geformten hintern treffen sollten und 'was reissen' wollten. also, um den unvollständigen einstieg zu komplettieren, also, nervös war ich schon auf dem weg, die südfranzösischen mädels waren auch zu nett und angenehm anzusehen, als dass ich dort den coolen hätte markieren können - ist eh nicht so meine art. nachdem (dank der einnahme von mehr oder minder geringfügigen mengen alkohol) der stocksteife moment mehr und mehr ins hintertreffen geriet, wurde die fete immer lauter und lustiger. wir tanzten ausgiebig und wenn es einen song des abends gab, dann war das 'king kong five' - der auch mindestens fünfmal hintereinander für unsere tanzwut herhalten musste - und der mich seitdem gerne an die zeit erinnern lässt. mit einem mädel habe ich es dann auch noch näher zu tun gehabt, das ist allerdings eine andere geschichte, in der ich dann vielleicht auch erzähle, wie man mit 3km/h einen auffahrunfall mit einem sachwert von 5.000,- dm verursachen kann, daran denke ich allerdings nicht so gerne zurück ;)

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  • 5. Eurythmics - Who's That Girl?

    Ich weiss nicht mehr genau - und die Romantikerfraktion mag mich gerne verdammen - ob 'Who's That Girl?' oder 'Sweet Dreams' der Song war, bei dem ich zum Mann gemacht wurde, aber die Eurythmics liefen in dieser Nacht häufiger. Die Mutter meiner damaligen, ersten richtigen Freundin war bereits in die Nähe von Trier gezogen und hatte ihrer Tochter das Haus und die Gelegenheit, zumindest die mittlere Reife am gleichen Gymnasium (nein, es war nicht die Schule, deren Existenz ich im Mano Negra-Artikel hervor hob - die Schule, von der hier die Rede ist, ist wesentlich schöner. Ein altes Kloster eingebettet in das historische Zentrum Bad Münstereifels) abzuschliessen, hinterlassen. Ich fürchte, meine Mutter hatte auch die Vorahnung, dass Dinge passieren könnten, die mich erwachsener und sie als weniger bedeutungsvoll in ihrem Neben-Unerwerbsjob Mutter machen könnten und befahl mir telefonisch unverzüglichst den Heimweg anzutreten und auf keinen Fall bei S. zu übernachten. Da mir klar war, dass meine Erziehungsberechtigte zwar eine Telefonnummer, allerdings keine Adresse, hatte und das Telefonbuch von Münstereifel zwar nicht die Ausmasse der Bibel, eher die des Wachturms, aufweisen konnte, pfiff ich drauf und blieb bei S. Es wurde eine lange Nacht, wir haben uns gegenseitig näher entdeckt, viel gelacht und wenig geschlafen, ständig lief die Musik und da wir die Eurythmics beide gerne mochten hatten wir den perfekten Soundtrack für unsere erste Nacht. Die Geschichte mit ihr ging zu Ende und fing zwischendurch auch ein ein paar Mal wieder an. Einmal wünschte ich mir für sie 'Wish you were here' von Pink Floyd als Radiosong, sie wohnte bereits in der Nähe von Trier, ich habe ihn gehört, ob sie es tat weiss ich nicht, wir haben nun seit mindestens 13 Jahren nicht mehr miteinander geredet, was hätten wir uns auch zu sagen gehabt?

  • 6. Depeche Mode - Blasphemous Rumours

    was soll ich sagen? Hammersong, hammertext, hammerbescheuerter nachbar von mir, der mir - nachdem er 'rock hard'-leser und heavy metal-hörer wurde - die 'some great reward'-lp nicht verkaufen wollte, sondern, als schiere machdemonstration, das graue vinyl aus der innenschutzhülle nahm und gegen die wand schmetterte. mittlerweile hört der nachbar keine gitarrenmusik mehr, fliegt gerne nach indien, ist tabla-versessen und 4/4-beat-hasser. von dem geld, das ich ihm damals geben wollte, hätte er bestimmt eine woche in indien essen gehen können, aber das indische essen mag er ja auch nicht ;)

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  • 7. the pharcyde - passing me by

    Ich war HipHop gegenüber nie wirklich abgeneigt, kann mich noch daran erinnern, wie ich als 9jähriger den Robot auf'm Schulhof geübt habe - frei nach den Fotos aus der Bravo :) Dann kam 'ne Weile nur Punkrock und Wave für mich in Frage, bis Punk ausschliesslich aus Sauftexten bestand und mir geriet die 'It takes a nation of millions...' von Public Enemy in die Hände. Rhymes, so kraftvoll wie 'ne Uzi, mit politischer Aussage und etwas mehr an Konstruktivität als der ganze Gitarrenkram. Vom Punkrocker zum HipHopper, quasi. Silver Bullet, No Remorze und ähnlich 'harter' Kram war dann für mich erstmal stilbildend. Dann gab mir mein damaliger Plattenhändler des Vertrauens die 'Inner City Griots' von Freestyle Fellowship zum Reinhören. Ich war völlig weg, wie musikalisch, lustig, selbstbewusst HipHop sein kann und habe mir von ihm [dem Händler] dann kurz darauf die 'Bizarre ride 2 the pharcyde' in die Hände drücken lassen. Was soll ich zu der Platte nur sagen? Ok, versuche ich's mal: Durchgeknallt, musikalisch, gesungene Hooks, zwischen Albernheit und tiefer Romantik, ein Habenmüsser. 'Passing me by' hat uns (meine damalige Freundin und die Clique) durch den ganzen Sommer begleitet, mich (neben einigen anderen Bands) dazu gebracht Musik jenseits irgendeiner Härte zu akzeptieren und den Soul zu diggen!

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  • 8. Mr. Bungle - Quote/Unquote

    Quote/Unquote ist nur ein Beispiel für das gesamte Album: Die selbstbetitelte Mr. Bungle habe ich zuerst als Vinyl bei einem Bekannten gesehen, gehört und für bekloppt erklärt[1]. Kurze Zeit danach bin ich für einige Wochen in Flensburg in einem alternativen Wohnprojekt gelandet und habe dort einen Menschen, der Name ist mir leider nicht mehr hängen geblieben, kennengelernt, der genauso heiss auf Musik war, wie ich zu jener Zeit[2] und habe mit ihm Painkiller, Coil, Godflesh und andere musikalische Spezereien genossen. Auf einem Flohmarkt haben wir dann zweimal die original verschweisste Mr. Bungle CD gefunden, ich konnte ihm mit wenigsten Worten klar machen, dass er diese CD unbedingt braucht und habe mir, von meinen letzten neun Märkern[3], das andere Exemplar gesichert. Zurück in dem Haus mussten wir natürlich sofort die Musik testen, uns nach dem ersten Hören anschauen, feststellen, dass wir da so einiges nicht kapiert haben und die CD noch zwei-, dreimal rotieren lassen. Dass ich meine zweite grosse Liebe dann im gleichen Jahr kennenlernte und sie auch Mr. Bungle und John Zorn schon kannte und mochte hat das ganze dann schön abgerundet. Schade, dass sich Mr. Bungle aufgelöst haben, ihr Debüt gebe ich auf jeden Fall nicht mehr her. [1]bekloppt heisst nicht nicht gut. [2]ja, leider wahr, heute habe ich weniger Zeit für die Musik :( [3]mein letztes Hemd soll dann bitte auch teurer sein ;)

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  • 9. Fugees - Vocab

    was geht!? fugees in der live music hall, direkt um die ecke?! hingehen oder nicht, keine frage. aber, moment mal, wer spielt da noch? das efx, ok, ok, die alten tonguetwister sind ja live bestimmt ganz nett, aber: shizzle, rödelheim hartreim, mannomann, wer packt die denn auf die liste und auch noch *nach* den fugees? reihenfolge war klar: fugees sollten den abend eröffnen, danach rhp und schlussendlich das efx. ich hatte dann das vergnügen, nur wenige meter von der bühne einen guten platz zu ergattern und lauryn ist einfach, einfach, aeh, jetzt fehlen mir die worte. aber wieder in die chronologie: das licht wird gedämmt, die fugees betreten (wyclef oder jean, sorry, das gedächtnis, behumpelt in einem ganzbeingips) die bühne und los geht's. als dann vocab gespielt wird spürt man eine publikumskollektive gänsehaut, die mir just in diesem erinnerungsreichen moment den nacken hoch kriecht. grosser song, emotional und hiphop funktioniert auch als akustikgitarrenstück :) was an dem abend mit rhp passierte? keine ahnung, ich war draussen und das efx konnte man aufgrund des beschissenen sounds überhaupt nicht ertragen; einige tage später hörte ich dann, dass da wohl geld geflossen sein soll[tm], damit die rödelheimer am fettesten präsentiert werden.

  • 10. Sharon Jones & The Dap-Kings - How Long Do I Have To Wait

    Einen Tag nach meinem Geburtstag, morgendliches Begrüssungsritual mit einem Freund via icq und direkt danach folgendes: "SHARON JONES AND THE DAP-Kings (New York) ---Stadtgarten // geh da BITTE hin" Ok, bis dato noch nie von der guten Dame einen Ton gehört, begab ich mich auf Recherche ins Netz und war schon recht angetan von den kurzen Song-Schnippseln, die man vorhören konnte. Da mein bester Freund eh nicht gewusst hatte, was er mir zum Geburtstag schenken sollte, wurde sich schnell telefonisch kurz ge- und während des Gesprächs beschlossen, dass wir da hin gehen werden, der Stadtgarten ist in Köln eh einer meiner liebsten Konzerträume. Dann der Knaller: Lange Schlange draussen, halbe Stunde anstehen und drinnen waren wir. Dort blieb uns dann noch die Zeit, um Getränke klar zu machen und ab vor die Bühne. Nach kurzer Wartezeit erschienen dann sieben smart in Anzug gekleidete Musiker auf der Bühne und funkten an. Es ging direkt nach vorne, wir fingen relativ schnell an zu tanzen und als nach dem minutenlangen Intro Mrs. Jones angekündigt wurde, war die Stimmung schon ziemlich gut. Dann diese Frau: In etwa 1,60 Meter gross, über "etwas" Körper verfügend, ehemalige Gefängniswärterin und nunmehr 45 Jahre alt. Was für eine Präsenz! Mit ihrer wunderbaren, warmen Stimme bannte sie das Publikum binnen weniger Takte und beherrschte die Bühne wie eine Grand Dame. Spätestens als sie "How long" spielte, war es dann um mich geschehen, ich musste mir von meinem Kumpel Geld borgen, um möglichst viel der angebotenen 7inches einzustecken, unter anderem auch ebenjener Song. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht diese, mich an die Supremes zu ihren besten Zeiten erinnernde, Nummer höre und beim Auflegen habe ich sie seitdem auch stets im Plattenrucksack. Und, bevor ich es vergesse: Sharon Jones & The Dap-Kings kommen September/Oktober wieder auf Tour, wer das verpasst, hat was verpasst.

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Kleinskis Freunde

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