Soundtrack meines Lebens

  • 1. Hanson - MMMBop [Single Version]

    Sommer, Mitte der Neunziger, im rasenden Falken auf dem Weg zum Bizarre Festival. Neben mir Sonja, beste Freundin, liebenswerter Schreihals, kleiner tasmanischer Teufel. Kaum liegt die fränkische Heimat ein Stück weit hinter uns, entsteht das Verlangen nach Kaugummis und Zigaretten. Also an der nächsten Autobahnraststätte rausgesurft, Einkäufe getätigt, zurück zum Auto gerannt. Radio an: „Mmmbop“ läuft. Ein kurzer verständigender Blick, der sich zu einem gesichtsübergreifenden Grinsen ausweitet. Lautstärkeregler aufgedreht bis zum Anschlag, mitgesungen, losgeheizt: Beck wartet. Dann der Stau und die Vollbremsung. Zumindest der Versuch einer solchen. Irgendwie ging’s, irgendwie auch nicht. Verwunderung. An der nächsten Tankstelle rausgefahren. Angehalten. Handbremse gezogen. Immer noch. Denn seit der Mmmbop-Rast hatte ich sie nicht gelöst. Deswegen glitschte die Bremsflüssigkeit jetzt an den Hinterreifen, statt… sich sonst wo im Auto zu befinden. Glück im Unglück: Trotz Feiertag wurde le petit Golf abgeschleppt und wieder fahrtüchtig gemacht. Erleichterung. Und schallendes Gelächter. Schnell weiter, denn Beck wartet nicht. Auch nicht auf uns. Im Endeffekt haben wir ihn verpasst. Aber nicht das Leben. Ist ja auch was wert.

  • 2. The Smiths - There Is A Light That Never Goes Out

    Du dachtest immer, unser Lied sei „Home“ von Depeche Mode. Wahlweise auch „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve. In meinen Augen war unser Lied „There Is A Light That Never Goes Out“ von den Smiths. Jene Zeilen, die so viele Verliebte für sich beanspruchen, sang ich dir einmal vor. Playback natürlich, denn wenn ich wirklich singe, rollen sich Zehennägel nach oben. And if a double-decker bus Crashes into us To die by your side Is such a heavenly way to die Danach sagte ich dir, dass DAS unser Lied sei. Und lachte im Anschluss so schallend und herzhaft, wie ich es immer getan habe. Weil ich nun mal so bin. Weil ich damals glücklich war. Aber vielleicht hast du mich deswegen nicht ernst genommen. Oder mir einfach nur nicht zugehört. Denn es war ja laut um uns herum. Und du mochtest diesen Ort nicht. Das alles ist jetzt schon eine Weile her. Seitdem hat sich einiges geändert. Unter anderem die Zeilen, die ich leise mitsinge, wenn ich dieses Lied höre. (Driving in your car) I never never want to go home Because I haven’t got one Anymore Mag schon sein, dass ich das Licht gedimmt habe. Aber ausgeknipst hast du es. Irgendwo leuchtet es bestimmt noch. Aber an diesem Ort ist es gerade sehr dunkel. Viel zu dunkel, als dass eine schwache Flamme sich bemerkbar machen könnte.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 3. Funny van Dannen - Jan Ulrich

    Meine Nummer 1 ist eine Lüge. Denn eigentlich müsste hier „Schimmliges Brot“ von Foyer des Arts gelistet sein. Ist aber nicht in der NEON-Liste. Schande auch. Jedenfalls mache ich diesen glorreichen NDW-Unsinn für meine manchmal nicht auf Anhieb nachvollziehbaren Gedankengänge verantwortlich. Educated by Max Goldt. Kann auch nicht jeder von sich behaupten. Ein ums andere Mal hat mir der Gute seine wirren Textbausteine via Walkman-Kopfhörer ins Ohr gesungen. Damals, als ich die zehn Kilometer zur Schule immer öfter mit dem Fahrrad statt mit dem Bus zurücklegte. Weil mir die Frischluft lieber war als der in Sitzreihen gepresste Dorfmief. Letztgenanntes schmälert das Vergnügen nämlich immens. Genauso wie schimmliges Brot.

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