Soundtrack meines Lebens

  • 1. Radiohead - Pyramid Song

    Kälter wurde es in diesen letzten Tagen des Sommers 2oo1, langärmelige Shirts kleideten uns warm gegen die abkühlende Dämmerung, zwei meiner Freunde nahmen mich auf einen verlassenen Schulhof, wo wir uns niederließen, um Musik zu hören. Einer der beiden hatte Radioheads Amnesiac dabei und wollte uns ein Lied zeigen, bei dem, wie er sagte, das einsetzende Schlagzeug Gänsehaut trommelte. Dies war meine erste Begegnung mit Pyramid Song und Radiohead. Später, als sich die Platte in meinem eigenen Besitz befand, ging ich mit einem Diskman bewaffnet zu einem See in meiner Heimatstadt. Dicht ans Ufer ging ich und wie mich die angeschlagenen Klaviertasten über das Wasser trugen, begriff ich zum ersten Mal, welche Tiefe sich diesem Songtext entschälte. Später fand ich heraus, dass dieser von Hesses Roman Siddartha inspiriert worden ist, genau genommen an der Stelle, an der Siddartha in den Fluss sieht und die Einheit aller Dinge begreift. Der Fluss, das stetig fließende Wasser als Metapher für die stete Veränderung innerhalb des Lebens, als Metapher für das Leben an sich. Es ist dieser Augenblick, der einen Menschen überzeugt davon macht, dass es nichts mehr gibt, wessen er sich fürchten müsste. Der Zweifel weicht einer inneren Gewissheit - alle Ereignisse greifen ineinander wie Zahnräder in einem Uhrwerk, Kategorien wie falsch oder richtig haben keine Bedeutung mehr, es fließt, es fließt. Nicht dieses Lied war es, dass mir selbst einen solchen bisher unwiderbringlichen Augenblick bescherte, aber es ist wie eine in Töne gefasste Malerei dieses Gefühles.

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