Soundtrack meines Lebens

  • 1. Whitney Houston - I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)

    Wir hatten damals kein Zugang zum West-Fernsehen. Aber einmal pro Woche, immer sonntags gab es diese Sendung im polnischen Fernsehen, die die interessantesten und neuesten Sachen aus dem Westfernsehen zusammenfasste. Dabei wurde auch immer ein "frisches" Video gezeigt. In Wirklichkeit war es dann schon ein paar Monate alt. Aber für uns war es brandneu. Dieses Lied ist das erste amerikanische Lied das ich bewusst zur Kenntnis genommen habe. War auch nicht schwer, denn es hat auch jeder den Montag darauf in der Schule gesungen, ohne auch nur ein Wort englisch zu können. Aber wir Polen sind erfinderisch.

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  • 2. Kylie Minogue & Jason Donovan - Especially For You

    Meine Familie und ich sind frisch nach Deutschland gezogen und haben uns auf gut Glück in Horneburg im Landkreis Stade niedergelassen. Wir rangen nach Perspektiven und vergossen Tränen der Angst und der Frustration. Meine Eltern liefen sich die Hacken ab von Behörde zu Behörde um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Und da diese Zeit so hoffnungslos aussah, was macht man als 11-jähriger dann? Man sucht Trost in der Popmusik: Jason und Kylie, das Traumpaar, die Liebe schlechthin. Ich war Fan von beiden und mir fehlten vor Begeisterung natürlich die Worte als ich erfuhr, daß sie einen Song gemeinsam aufgenommen haben. Selbstverständlich schäme ich mich dafür sehr heute. Aber ihr dürft es wissen.

  • 3. Nelly Furtado - Scared Of You

    Die Liebe meines Lebens, Stéphane, ein Franzose brach mir mein Herz. Er entfernte sich immer weiter von mir und ein liebendes Herz spürt das. Und erwischt ihn in flagranti. Ein halbes Jahr später, nach sämtlichen schmerzhaften Versuchen des Neustarts gibt es endlich ein endgültiges Adieu, was meinerseits mit einer Frankreichreise besiegelt wird. Mein Freund Marc bringt mich zum Zug und spielt dieses Lied. Der Sound im Auto ist bombastisch und die Melancholie füllt den Raum, so wie die Tränen meine Augen füllen. Ich begreife: es wird eine schwierige Reise, denn so wirklich vorbei ist es nicht. Und da drüben heißt jeder zweite Stéphane und alle sprechen französisch...nur die große Sehnsucht spricht portugiesisch: eu tenho medo desto amor...

  • 4. The Mamas & The Papas - Dream A Little Dream Of Me

    Ich kam in die siebte Klasse an ein Gymnasium und lernte Tina kennen. Meine erste Freundin. Dauerte zwei wochen und wir haben uns nicht einmal geküsst. Ich weiß jetzt warum das so war uns sie weiß es auch. Unwissend darüber, trotz ihres grandiosen und wahrlich unvergesslichen Einsatzes in dieser kurzen Zeit, bleiben nur The Mamas & The Papas. Aber ich halte sie dennoch in Ehren, denn trotz des misslungenen Versuchs eine Heterobeziehung musisch zu untermalen, triumphierten sie später in 1998 mit dem Soudtrack des allerschönsten Coming-Out-Films aller Zeiten: "Beautiful Thing". Tina zieht heute in England mit einem Wanderzirkus umher.

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  • 5. Snap - Rhythm Is A Dancer

    Was soll ich sagen? Ist ein Generations-Klassiker.

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  • 6. Die Fantastischen Vier - Millionen Legionen

    Die Scheibe hatte ich schon zwei Jahre im Regal und hörte sie mir auch an gelegentlich. Aber als die die große Katharsis kam und ich viel über mich erfuhr, so viel daß professionelle Hilfe von Nöten war, änderte sich auch meine innere Stimmgabel: plötzlich resonnierte sie auf diesen Song. Und ich sagte mir, auch ich werde die Tests bestehen, die mir das Leben stellt, weitergehen, suchen, nach dem was mich am Leben hält. Es ist die schönste Affirmation, die ich je gehört habe. Aber man muß reifen, um sie annehmen zu können.

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  • 7. Phats & Small - Turn Around

    Meine Freundin Gesche und ich beschlossen für eine Woche aus dem Großstadtchaos auszubrechen und flohen in die tiefste Wallachei Frankreichs. Mit 21 macht man auch noch nicht so eine genaue Urlaubsplanung. Wir dachten in der Champagne sind überall Weinreben und man könne richtig billig Champagner kaufen. Die Realität sah aber so aus, daß das Kaff in dem wir gelandet sind tatsächlich mitten im Nichts war. Als verwöhnte Großstädter waren wir empört, daß da nur einmal pro Tag ein Bus in die Stadt fuhr. Und der Pool war zu klein. Ausserdem badeten dort auch die Kinder der Hotelbesitzer, sowie amerikanische Rentnerehepaare. Unser Budget wurde durch das eine Abendessen im Hotelrestaurant eindeutig gesprengt. Ohne Geld und etwas angekekst von dem einen Regentag, verbrchten wir den Tag auf dem Bett und hörten Radio. Dann übersetzten wir simultan die Texte der Lieder die dort liefen ins Deutsche. Und zwar Wort für Wort. Nur mit den französischen Liedern war das zu dem Zeitpunkt etwas schwierig. Aber dennoch wurde dieser Tag zum Highlight des Urlaubs. Wieder in Hamburg, erlitt unsere Freundschaft einen Knacks, weil wir die extreme nähe nicht vertragen haben. Heute lachen wir herzlich darüber.

  • 8. Adamski - Killer

    Im Landkreis Stade war einfach nicht viel los. Die neue Heimat geizte etwas mit Reizen, aber es gab auch noch vieles zu entdecken. Zum Beispiel die Strassenfeste in Horneburg. So etwas gab's in Polen nicht. War schon seltsam, wenn vor dem Bäcker jetzt plötzlich ein Kettenkarusell stand. Und beim Autoscooter lief immer Killer von Adamski. Ich erinnere mich an die Kleinstadtjugend: Jungs mit Goldkettchen und die Mädels mit dauergewelltem, blondierten und hochtoupierten Haar. Schlau bin weder aus der damaligen Mode noch aus dem Titel des Liedes geworden, aber der Zeitgeist, oh Mann, da war alles noch so unamerikanisch hier!

  • 9. The Cranberries - Linger

    dolores heißt schmerz. die sängerin von den cranberries auch. wer weiß, vielleicht wußten ihre eltern nicht was sie tun bei der taufe, aber vielleicht war es auch eine eingebung. ihre stimme ist voller sehnsucht. ja, sie kann auch nerven. aber dieser song macht aus sehnsucht ein liebevolles gebet. es ist ein funkelndes licht, das in der schwärzesten nacht auftaucht und denjenigen die zu ihm hinaufschauen eine träne und etwas feenstaub als seelendünger mitgibt. ich war immer davon überzeugt, daß wer so schön singt, nur schmerz heißen kann. der beweis, daß aus schmerz auch schönheit erwachsen kann. "linger" klingt ja schon wie "lindern" das album "everybody else is doing it, so why can't we" untermalt seit jahren schon meine badewannenstunden.

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  • 10. Pet Shop Boys - Being Boring

    Ich wusste schon immer, daß ich schwul bin. Im nachhinein betrachtet, ist mir klar, wusste ich es. Ein Grund dafür ist, daß ich Pet Shop Boys schon immer instinktiv toll fand, und als sie dieses Video zu "Being Boring" herausbrachten, da dachte ich: ja, dieses Leben möchte ich auch. Grosse Parties in einer palastähnlichen Residenz mit lauter gutaussehender Menschen, mit denen man zusammen in der Badewanne herumtollen kann. Ich war überzeugt, daß ich den hübschesten aller Jungs dort haben könnte, wenn ich auch auf dieser Party wäre. Draußen machen Menschen im Regen Liebe und danach schlafen alle eingekuschelt ineinander auf der Treppe ein. Boah! Der Traum! Freiheit und Schönheit gepaart. Das war meine emotionale Erektion. Ich warte immer noch auf den Liebesakt. Und beim Orgasmus werde ich garantiert den Löffel abgeben. Mal sehen, vielleicht ist diese Sucht ja therapierbar.

  • 11. Maanam - Lucciola

    Ein großer Klassiker aus meiner Heimat. Ich hatte noch keine Ahnung von NDW und was Popmusik überhaupt bedeutete. Aber da war dieser geheimnisvolle Song, dessen Text man auch als Pole nicht ganz verstand. Später stellte ich fest, daß die Sängerin Cora die Exzentrik in Person war und dachte: "wie cool! wenn ich mal groß bin, dann mache ich auch nur Dinge, die keiner versteht." Heute weiß ich, daß der Song einzig und allein von Coolness lebt und der Text ein gefährliches Millieu beschreibt. Er hat mich aber geprägt und gelehrt wie man Coolness erzeugt, auch wenn die 80'er vorbei sind und jetzt andere Werte zählen.

  • 12. R.E.M. - Find The River

    Der Grund für diesen Ohrwurm ist übersinnlich. Dieser Song klebt schon seit Jahren in meinem Kopf, ohne daß ich ihn bewußt bennenen konnte welcher Song das ist. Dann fand ich das Album Automatic For the People im Cd- Regal meiner Mitbewohnerin. Dann überraschte mich das letzte Lied. Das war es. Ich erschrak fast, als ich es hörte. Dann fühlte es sich an, als ob einem das Herz aufgeht und man ewig nur noch heulen könnte. Ich bin selten so von einem Lied berührt worden. Was mag es wohl bedeuten?

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