Soundtrack meines Lebens

  • 1. Travis - Writing To Reach You

    Ich wachte früh auf. So gegen fünf. Weil ich nicht wieder einschlafen konnte oder wollte, da die Schule mich rief, kein Buch zur Hand hatte und mit dem Fernseher über eine Art Beziehungspause einig geworden war, suchte ich im CD-Schrank meiner Eltern nach einer Platte, die man im Morgengrauen hören kann, ohne das gesamte Haus aufzuwecken. In meiner Stereoanlage befand sich die geliehene Platte einer Freundin (Nickelback), die ich in einem Anfall post-pubertären Wahnsinns tagsüber sehr gern gehört hatte, nun, des Morgens, aber ganz plötzlich verabscheute, da sich über Nacht wohl etwas in mir geregt hatte. ein Verlangen nach Gesetztheit, nach Erwachsensein, nach einer innigen Beziehung zu Musik. Daher also der Ausflug in elterliche Gefilde. Ich fand 'The Man Who' und hörte lange, sehr lange Zeit nichts anderes mehr. 'Everyday i wake up and it's sunday'. Wie könnte ein desillusionierter Teenager sich um fünf uhr in der Früh' besser verstanden fühlen.

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  • 2. Beck - Loser

    Soy un perdedor, sangen wir vor uns hin. In der einen Hand den Erdbeerdaiquiri und in der anderen die Hand des Anderen. Ha, schön war das. Man erwies dem guten Herrn Hansen die Ehre und kaufte sich die Single im nächsten Mediamarkt. Aber trotzdem sollte es nicht lange währen. Der Chart-Erfolg eines Künstlers, der später in meinem Leben erst richtig an Bedeutung gewann, tangierte mich nur so lange wie die Rankliste es zulies. Es war ein Ausrutscher in die Indie-Welt. Teil eines wilden Nymphendaseins, das sich kurze Zeit später wieder in heiße Latinogefilde verlagerte. Dennoch ein wichtiger Teil, den ich nicht missen möchte. Einmal, zweimal, dreimal. Und noch ein Erdbeerdaiquiri: I'm a loser baby, so why don't you kill me?

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  • 3. Modest Mouse - Tiny Cities Made Of Ashes

    Gemeinsam können wir alles und die Welt ist unser Aschenbecher. Kurzfristig ist dieses Stück unser Stück geworden, denn du hast es so entschieden. Ich für meinen Teil vergöttere Modest Mouse, somit zählt meine Meinung eh nicht. Aber das war schon toll da. Mit Häll Bäll. Und Claas. Und 'Wir sind blöd, blöd, blöd, blöd, blöd.' Bald geht es weiter. The Moon & Antarctica gehört unumstoßen zu meinen liebsten zehn und wenn ich bei den ersten Sekunden dieses Liedes noch an Tarzan denke, wie er sich an Lianen durch den Dschungel schwingt, hüpft mein Herz.

  • 4. The Beatles - Come Together

    Wir spielten Pool im kleinen verstaubten Pub oben an der Great Western Road. Und wir verloren regelmäßig, weil die Jungs einfach geübter waren. Hin und Wieder griffen wir zu den Darts, denn das konntest du wirklich gut, oder setzten uns an die Bar und suchten nach unserem 'Surfer-Guy' oder seinem gutaussehenden Kollegen, den du gar nicht so liebtest, wie ich. Oft fütterten wir die Jukebox mit unseren lächerlichen Pfünden, die uns nach drei Gläsern Double Morgan's und zwei half pints noch übrig geblieben waren. Und dann hörten wir R.E.M. und Jamiroquai. Aber vor allem die Beatles. Lustig war, dass wir unseres Körpers kaum noch Herr waren und trotzdem noch die richtigen Nummern eingeben konnten. In jede unserer Lied-Zusammenstellungen gehörte 'Come Together', denn damit und mit noch zwei Gläsern Single Malt konnten wir die Jungs beim Pool schlagen. JA!

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  • 5. Barbra Streisand - Don't Rain On My Parade

    Don't tell me not to live, just sit and putter. Life's candy and the sun's a ball of butter. So und nicht anders ist es auch. Und wenn wir da so stehen, wie Giganten, unsere Arme bei 'one shot, one gunshot and BANG!' in die Luft reißen und so viel lauter als notwendig aus unseren Kehlen schreien, weiß ich, dass ich nur das brauche, um mich groß zu fühlen. Das Lied endet so glamourös, wie es anfing. Es packt und verlässt mich jedes Mal mit einem Stromschlag, aber da, damals, das erste mal brachte mich fast um den Verstand und bleibt unvergesslich.

  • 6. Janis Joplin - Piece Of My Heart

    TAKE IT! In 'the gardenshed' neben dem 'scaffolding'. Und wir waren dann meistens allein inmitten einer Menschenmenge. Wir standen da und haben getanzt, sogar auf dem Tisch, zur Belustigung der anderen. Und ganz besonders wegen des grauenvollen Hüttenflairs, den wir somit erfolgreich verbannen konnten, entwickelte ich eine so innige Beziehung zu diesem Lied.

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  • 7. Billy Bragg & Wilco - Blood Of The Lamb

    Mit Rotwein haben wir gespielt. Du hast ihn mir beim Eingießen meistens so über meine Hose geschüttet, dass ich diese nach unseren Gitarrenspiel-, Sitz- und Trinkabenden wegschmeißen konnte. Und dabei hast du ganz laut gelacht, dich entschuldigt und fast das Singen vergessen, denn immer wenn dieses Lied aus deinen Boxen tönte, hast du deine Augen geschlossen und angefangen zu singen. Weil ich den Gedanken daran so schön finde und dein Gesicht, die schwarzen Haare mit den Bandanas, die Gitarre in deinen Händen, deine Geschichten aus der amerikanischen Heimat, der markante Akzent beim Singen dieses Liedes nicht aus meinem Gedächtnis herausfinden, schließe ich alles in mein Herz und lass' es nie heraus.

  • 8. Bright Eyes - Pull My Hair

    Im Erdboden verankert, kauernd, mit dem Gesicht im Schoß. Die Kopfhörer an die Ohren gepresst, so dass kein Laut entweicht. Ein Foto in der linken Hand, der rechte Arm taub. Die Zehen verkrampft, die Lippen fast blutig gebissen, die Schulter verrenkt und das Foto, jetzt reliefartig verformt, immernoch da. Im Kopf nur diese verrückte Idee: Es ist alles ein großer Scherz. Und so zog ich mir selbst an den Haaren bis es schließlich abend wurde und ich mir sicher war, dass er nicht ins Zimmer zurückstürmen, mich aufheben und küssen würde.

  • 9. Myslovitz - I'd Like To Die Of Love

    Ein wahrhaftig unpolnisch-polnisches Geschenk. Es musste schließlich die internationale Version sein, denn S. kann die echte nicht verstehen. Bei mir war es trotzdem Liebe auf den ersten Blick und nach langem Hin und Her akzeptierte mich die Platte. Wir lieben uns so sehr, dass ich beim letzten Lied in Angsttränen darüber ausbreche, dass die Dinge nicht so kommen mögen wie sie der Song schildert. Die Zuversicht bleibt.

  • 10. Slint - Washer

    Noch mit schottischem Blut in den Adern befand ich mich wieder zwischen grauen Kuben aus Stahl. Mit Slint konnte ich die Augen schließen und mir vorstellen wie die Welt untergeht. Jetzt, zu Hause, vorm Schlafzimmerfenster. Ich würde heulend Omas Eve-Zigaretten rauchen, mit dir am Telefon schweigen und Washer in die Endlosschleife bannen, um mir zu beweisen, dass 'Untergang' nur anderes Wort für 'Neuanfang' ist.

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