Soundtrack meines Lebens

  • 1. Tocotronic - Michael Ende, Du Hast Mein Leben Zerstört

    durch diesen song habe ich die hamburger schule für mich entdeckt - und später eines der besten konzerte meines lebens genießen dürfen (braunschweig - jolly joker). im grunde fand ich das album beim ersten hören ziemlich überflüssig - elendiges gitarrengeschrabbel und ein gewöhnungsbedürftiger gesang. das konnte ich selbst auch. mein musikalische talente reichte vom cd-player bis zum tuner der kompaktanlage. aber vielleicht gab gerade das den ausschlag. drei akkorde, das konnte ich auch noch raushören - und los ging's. ein großer gitarrero bin ich nicht geworden, dafür aber ein riesiger musikfan. auch wenn ich den letzten alben der tocos wenig abgewinnen kann, die platte hat mein horizont in einer prägenden phase stark beeinflusst. dankeschön!

  • 2. Peter Schilling - Major Tom (Völlig Losgelöst)

    "major tom" war unser abi-song und zementiert zugleich den untergang der männlichen dominanz - falls es die je gab. wie gemeinhin üblich wird zum abitur ordentlich gefeiert: eine vorabiparty, eine normale abiparty und ein abiball. die krönung der schöpfung war (und ist) aber der abiumzug mit inkludierter erstürmung des schulgeländes, entsprechender beschallung und alkoholkonsum. und das ganze unter einem motto. die jungs waren sich schnell einig: blau auf'm bau - kann man viel zu machen und die umsetzung des mottos war eh erste bürgerpflicht. aber die mädels dachten eher an "schöne erinnerungen" und "stilvoll". so mussten wir jungs uns letzten endes der eloquenz der mädels geschlagen geben, was auch damit zusammenhängen mag, dass es zahlreiche jahrgangspärchen gab. statt "blau auf'm bau" gab es "das überirdische abi", statt slayers "reign in blood" dem schilling sein "major tom". niederlage auf der ganzen linie. und so muss ich - in der gegenwart angekommen - stets auf die tanzfläche eilen und "das ist unser abi-song" gröllen, wenn der song gespielt wird. was für ein vermächtnis.

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  • 3. Air - How Does It Make You Feel

    es wird im oktober 2000 gewesen sein. nach vier jahren als erwerbstätiger hatte ich mich entschieden, die kommenden monate und jahre als student zu verbringen. die wahl lag zwischen der heimat hannover und dem zvs-abenteuer halle an der saale. da man nur das bereut, was man nicht getan hat, entschied ich mich für halle. und der start war spitzenmässig. Über eine kollegin bekam ich schnell eine topsanierte wohnung im studentenviertel. tage bevor der eigentliche umzug starten sollte, installierte ich bereits die musikanlage und konnte so zu den sphärischen klängen von air grundlegende streicharbeiten verrichten. die akkustik des raumes war gnadenlos gut, so dass ich mich endorphin-geschwängert auf das kommende freute. Ähnlich positive moment habe ich in halle leider nur noch vier, fünf mal erleben dürfen. und so gab es bereits fünf monate später den rückzug, nachdem der bahnhof die wichtigste lokalität in meinem hallensischen leben geworden war.

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  • 4. Blümchen - Nur Für Euch

    es mag seltsam wirken, wenn man sich zu nachtschlafender zeit vor die tür der nachbarwohnung positioniert, die klingel drückt und sich innerlich auf hasstriaden wegen zu lauter musik vorbereitet - und der türspalt den blick auf einen flur geschmückt mit zahlreichen blümchen-plakaten freigibt. dazu grind core als hintergrundmusik. so mag es den ein oder anderen nachbarn ergangen sein, der uns zu später stunde aufsuchte. doch innerhalb unserer wg gab es nicht nur eine übereinstimmende vorliebe für laut, schnell und dreckig, sondern ebenfalls für ein zartes pflänzchen, das von uns mittels cd- und plakatkäufen gehegt wurde. doch warum genau dieser song? ich glaube 1998 wird es gewesen sein, als blümchen zur finalen tournee auch nach hannover kam. die letzte tour unseres schützlings stellte für uns eine besondere verantwortung dar, vor ort nach dem rechten zu sehen. die hoffnungsvollen vorbands stockelten ihr programm runter und bereiteten den weg für unsere blossom. wir hatten bis zu diesem zeitpunkt an der bar ausgeharrt, um nun unsere gestählten körper elegant und heimlich in richtung bühne zu bewegen. die eleganz wird uns aufgrund des getränkekonsums ein wenig abhanden gekommen sein; um die heimlichkeit unseres vorpirschen war es dagegen ganz und gar schlecht bestellt - zwei kerle á 1,90m und selbst ein mädel mit normaler körpergröße fallen in einer horde 8 bis 13jähriger einfach auf. aber, verdammt, das war blümchens letzter gig und so verhallte das gezetter der eltern gebrochen im konzertraum. doch zum wesentlichen: blümchen kam, sah und playbackte wie eine große. jede zeile wurde vom publikum zelebriert und nach anderthalb stunden neigte sich ein großer konzertabend dem ende. wir drei forderten zugabe - und in bester kindermanier stimmten tausend kinderkehlen ein. es folgten zwei zugaben einer sichtlich gerührten blümchen. doch was zweimal klappt, das sollte auch für ein drittes mal reichen: erst wir, dann die kids postulierten den ruf nach "nur für euch". kurzerhand überbrückte blümchen die zeit, die für das rückspulen des playbacks benötigt wurde, weinend vor rührung auf der bühne. so entliessen wir die raupe in ihre verpuppung.

  • 5. Weezer - Tired Of Sex

    Ach ja, das Leben in meiner ersten WG bietet genug Material, um eines Tages zufrieden und saturiert zurückblicken zu können. Weezer steht für ein ungewöhnliches Hobby, dass unsere Zweier-WG mit wechselnden Gästen vollzog. Wie bereits an andere Stelle erwähnt, gefiel und gefällt uns das, was Spaß macht. Mütterlicherseits bestand überraschend die Möglichkeit, eine als Werbegeschenk getarnte Dartscheibe samt Zubehör zu erhalten. Obwohl das Darten als Inbegriff konservativen Freizeitkonsums gelten kann, gab es für mich kein Zögern. Als Student üben Gegenstände mit der Normierung "kostenlos" ganz andere Reize aus. Und so wurde die Beute unter (widererwarteten) großen „Hallo“ in das WG-Interieur aufgenommen. Ein Nagel in die Badtür („Das merkt der Vermieter eh nicht“) und los ging es. Da bei uns jegliche Tätigkeit mit musikalischer Untermalung der feinsten Art einherging, entscheiden wir uns für Weezers Blaue Album respektive Pinkerton. Kraftvoll, dynamisch, treibend & hinterfotzige Lyrik - all das, was man mit Darten sicherlich nicht assoziiert. Die eigentliche Kunst bestand jedoch darin, die Scheibe zu treffen. Schnell merkten wir, dass eine weiß lackierte Holztür und über Schulter geworfene Pfeile nur temporär einen lustigen Anblick generierten. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir einigten uns auf eine behutsame Art des Spieles, um irreparable Schäden an der Mietkaution zu vermeiden. Klappte auch gut. Bis zwei Dinge ins Spiel kamen: Alkohol und Frauen. Das eine sorgte indirekt dafür, dass die gefühlte Treffsicherheit mit der wirklichen divergierte. Die andere, grundsätzlich wunderbare Schöpfung, vermied diesen Umweg und entschied sich - nüchtern, angeheitert oder strunzbesoffen - für die großzügig offerierte Peripherie. Nach mehreren Wochen, in den großzügig über die deutlich sichtbaren Folgen hinweggesehen wurde, verlagerte sich das Freizeitgeschehen zusehends nach draußen. Der Sommer kam in großen Schritten und unser Indoor-Sport sollte nur einen Frühling erlebt haben. Weezer ist uns allerdings erhalten geblieben. So zeichnet uns ein Song der Band noch heute ein schnelles Lächeln auf die Lippen, wohl wissend, dass bei der Wohnungsübergabe die Tür nicht ohne Grund während der kompletten Begehung an die Wand angelehnt war…

  • 6. Nashville Pussy - Milk Cow Blues

    Bis zu dem Konzert waren mir ich die zwei jungen Damen und zwei weniger jungen Herren auch nicht bekannt. Es handelte es sich um einen „Die musst du unbedingt sehen“-Tipp meines besten Freundes. Wie gehabt versuchte er mich mit einer kurzen, euphemistisch-geprägten Beschreibung des Musikstils zu überzeugen. Und in der Regel hatte er noch einen Ass im Ärmel, sollte die Beschreibung inkl. Hörprobe nicht reichen. Nun gut, warum sollte ich mitten in der Woche meinen Hintern für eine Band aus dem Mittleren Westen der USA hoch bewegen, deren Musik mich nicht sonderlich begeisterte und die scheinbar jegliches Klischee aus 200 Jahre Inzucht bestätigte. Doch da war das Ass auch schon ausgespielt: 50 Prozent der Band neigt dazu, während der Show sich seiner Kleidung zu entledigen, wohlgemerkt künstlerisch-subtil. Das parallel dazu gereichte Inlay der CD, die Versicherung, dass es sich bei den 50 Prozent um die weiblichen Bandmitglieder (jung & hübsch) und nicht um das männliche Beiwerk handelt, ließen atavistische Gefühle kochen und die Zusage zur reinen Formsache werden. An dieser Stelle sie angemerkt, dass der einzige Bühnenstrip, der sich vor meinen Augen abspielte, von Wolle Wendtland vollzogen wurde. Der Kassierer-Frontmann betrat die Bühne, sprach: „Ich habe was gegen billige Showeffekte“ und entledigte sich seiner Klamotten. Komplett. Herr Wendtland zeichnet sich durch einen ausgeprägten Getränkebauch und einem dazu in unglaublicher Missrelation stehenden Geschlecht aus. Diesen Anblick, der mich nächtelang des Schlafs beraubte, sollte nun durch o.g. Bild ersetzt werden. Also ein rein psychologischer Konzertbesuch. So fanden wir uns frühzeitig in der Lokalität Glocksee ein, um das versiffte Ambiente bei ein, zwei Bier genießen zu können und - natürlich - strategisch günstige Plätze einzunehmen. Scheinbar hatte sich die Band-Präferenz rum gesprochen, da binnen kürzester Zeit der Laden gerappelt voll war. Doch das Warten hatte sich gelohnt: Nashville Pussy spielte ein gepflegtes Rockbrett und brachte die Menge problemlos zum Kochen. Mag auch daran gelegen haben, dass die Abluftanlage wohl eher für eine gemütliche Beamten-Zweiraumwohnung konzipiert war. Wie dem auch sei: Es wurde gerockt wie selten, die Menge war in Bewegung und zur Halbzeit des Konzertes streifte eine Bierflasche meinen Schädel. Glück gehabt und weiter ging’s. Kurze Zeit später traf ich meinen Kumpel wieder, der von ganz vorn kam und sich ohne Zögern auf mein Bier stürzte. Seins sei ihm einfach aus der Hand geflogen. So schließt sich der Kreis. Um zum Ende zu kommen: Das Konzert war großartig, dank fehlender Ohrenstöpsel schaute Herr Tinitus für zwei Tage vorbei. Die beiden hübschen weiblichen Bandmitglieder hatten sich natürlich dann nackig gemacht, als ich das Bier entsorgte. Aber von solchen Nebensächlichkeiten lässt man sich doch so ein Konzerterlebnis nicht vermiesen…schnief.

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