Soundtrack meines Lebens

  • 1. Donovan - Catch The Wind

    Mit diesem Song wurde ich schlagartig in die Pubertät katapulitiert. Immerhin hatte es sich unsere neue Musiklehrerin auferlegt, uns im neuen 5. Schuljahr einmal pro Woche die Möglichkeit zu geben, unsere Lieblingsplatten der Klasse vorzustellen. Dummerweise hatte igar keine. Und noch dümmer war es, mir ganz unbedarft eine meiner Mutter auszuleihen. Nicht, weil diese dann von den zittrigen Händen meiner Lehrerin zerkratzt wurde, sondern weil es mein Image war, daß erhebliche Kratzer abbekam. Denn ausser meiner plötzlich aufblühenden Lehrerin kannte keiner diesen Donovan. Aber alle erkannten, daß ich es auch nicht tat. Denn wie wäre ich sonst auf die Idee gekommen, er hätte neben UKW, Nena und Yazoo bestehen können. Seit diesem Tag jedenfalls verfolge ich die Charts...

  • 2. Howard Jones - What Is Love

    Nachdem meine Eltern irgendwann von mir erwarteten, das, was ich da samstags nachmittags auf der Mattscheibe aktiviert hatte, auch anzuschauen und nicht nur kopfnickend durch das Haus zu turnen, sah ich ihn: den Gott aller Keyboarder - Howard Jones - der zu jedem seiner Auftritte die Lagerhausmenge Keyboards aufbaute, die heute wohl von einem polyphonen Handy ersetzt werden könnte. Umrahmt vom neonfarbenen Schein, die blondgefärbten Strähnen lässig unter einer Boxer-Tiara über die Augen ragend, umfasst von einer Empore aus Reglern und Tasten, die fingerspitzfreien Handschuhe behende über die HighTech-Reliquien streichelnd, war ich missioniert. Das war meine Religion, das war meine Vorstellung von einem Altar und er das religiöse Vorbild für einen neugewonnen Novizen. Eine Woche später hatte ich meine erste Keyboardstunde - und dass er eigentlich gar nicht richtig spielen konnte, längst verdrängt.

  • 3. einstürzende neubauten - Trinklied

    Nächtens ward ich trunken In einem selten Loch Bin gleich darin versunken Weiland, trink ich wohl immer noch Beider Arme Kraft wollt` stemmen Mich aus des Loches Rund Wollten trotzig Händ nicht fallen sehen Lust`gen Becher in den Grund Aus Loches Schmutz kroch bös Getier Und eh ichs mir recht beseh Nagts weg derweil all Fleisch von mir Blieb nur der blanke Knochen stehen Anstelle eines Anreizes mal übers Trinken nachzudenken, ein toller unverstandener Text als Alibi für die ersten Dosenbier-Sessions in Marios Zimmer. Un ddas über Wochen...

  • 4. The Sharks - Take A Razor To Your Head

    War das erste und letzte Mal, dass ich mit einem Plattencover zum Friseur ging. Glücklicherweise verstand der Friseur auch so, was ich wollte - ein Psychobilly werden. Unglücklicherweise saß ne Arbeitskollegin meiner Mutter drei Stühle weiter. So konnte meine Mom mich abends überraschen, statt ich sie - mit Ärger und extremem Taschengeldentzug.

  • 5. Lucky Dube - War And Crime

    Hab seitdem selten eine Zeit erlebt, in der es so einen Spaß gemacht hat von seinen Nachbarn morgens durch laute Musik geweckt zu werden. Und ich weiß gar nicht, ob es am Reggae lag oder daran, daß mein Zimmernachbar im Studentenwohnheim Nigerianer und Frühaufsteher war. Wie auch immer, seine beiden nigerianischen Freunde, die schon um ACHT bei ihm im Zimmer hockten und Lucky Dube lauthals unterstützen, haben mich oft trotz Kater und Prüfungsstress mit dem Augenaufschlag lächeln lassen.

  • 6. Lamb - Gorecki

    Das erste Mal in Berlin, der erste nächtliche Blick vom Bahnhof Zoo zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche - umarmt, umschlungen. Die erste Nacht in Kreuzberg.

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  • 7. Midnight Choir - October 8

    Nach sechs Jahren intensivster Freundschaft versuchte er mir mit einer Abschieds-CD nochmal alles zu sagen. Ich konnte es hören - auch in diesem Lied. Und in dieser Stimmung teilnahmslos vorbeiziehender Landschaften und nebeliger Melancholie formten die darin auftachenden Erinnerungen so manches zuversichtliches Lächeln, wie auch starre nach innen gekehrte Blicke in mein Gesicht - auf dem Weg in ein anderes Leben.

  • 8. Massive Attack - Teardrop

    Gänsehaut, Sprachlosigkeit, Entspannung: einfach bei Oktupussgulasch und Rotwein in der Dunkelheit sitzen und in der schweigsamen Runde in die riesengroß an die Häuserwand gebeamten Bilder eintauchen, die man tagsüber Unterwasser gefilmt hat. Dazu das Rauschen des Meeres und Massive Attack. Bitte nicht wecken...

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  • 9. De Räuber - Op Dem Maat

    Ich geb's ja zu - ich bin Rheinländer. Allerdings hab ich gedacht, dass 25 Jahre Fastelovend genug sind und mich in diesem Alter dem Karneval entzogen. Bis ich mich auf einmal heimatverloren in München wiederfand. Vier unbesetzte Arbeitsplätze, ein entlegener Raum und ich am Altweiberdonnerstag alleine mittendrin. Einziger Trost waren die SMS meiner rheinländischen Freunde - „11:11 Uhr - Hey Oller, Alaaf."“ - und die mir zur Vorsorge geschickte Karnevalslieder-Compilation. Also na gut, ab damit in die Anlage... und kaum zu glauben, es häuften sich die Köpfe, die im Vorbeigehen in mein Office eintauchten und fragten: Hey, bist du etwa auch aus dem Rheinland? So sehr, dass wir in unserer über 400 Mann großen zentralbavaristischen Agentur spontan beschlossen diesen Tag angemessen zu begehen. un dwir haben es geschafft: Früh-Kölsch-Fässcken mit Zapfanlage und Stängchen aus dem Großhandel, Brötchen, Mett und Käse aus dem Supermarkt und Stimmung von der in diesem Moment wohl einzig erklingenden Karbevals-Compilation in ganz München. Aber nicht nur, dass die rheinländische Fraktion ihren Spass hatte, nein, die mitgelieferten Songtexte begeisterten auch den letzten Niederbayern. Und jetzt stellt Euch diesen singend bei folgendem Text vor: Op dem Maat, op dem Maat, Stonn die Buure, Decke Eier, fuhle Prumme, Lange Muhre. Un die Lück, un die Lück, Sin am luure, Op die Eier, op die Prumme, Op die Muhre. En Colonia, en Colonia En Currywoosch, Für zweschedurch, Schmeckt he noch Jung un Alt, Denn dofür sorch dr Curry-Jupp Vum schöne Westerwald. Un för die Woosch em Plastikdarm Jewürz met vill Phosphat, Do stonn sujar de Jröne An dr Frittebud parat. Kein Wunder, dass mich das beeindruckt hat...

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