Soundtrack meines Lebens

  • 1. Celine Dion - My Heart Will Go On

    jedes jahr gibt es an meiner schule einen talent-wettbewerb. jedes jahr ist es die 12. jahrgangsstufe, die alles auf die beine stellt oder besser: die versucht, das allerschlimmste zu verhindern. in besagtem jahr war ich ein teil dieser stufe. drei oder vier tage vor der show befiel mich die fixe idee, das publikum auch von meinem eigenen musischen talent zu überzeugen. ein lied musste her. auf die schnelle war keine andere instrumentalversion als ausgerechnet die von "my heart will go on" aufzutreiben. nun gut, dachte ich, wenigstens verkaufe ich mich nicht unter wert, es wird ein untergang mit wehenden fahnen, mit pauken und trompeten, ganz wie auf der titanic. zum auftritt selbst gibt es nicht viel zu sagen, in meinen ohren klang es nicht allzu falsch. und ich hatte anschließend einen bunten fanclub aus fünftklässlerinnen und diversen elternteilen. das eigentliche schockerlebnis kam, als ich meine darbietung auf video sah: ich hatte aus unerfindlichen gründen die mikrofonschnur in die hand genommen und spielte - nicht gerade lasziv aber doch äußerst unästhetisch - mit ihr herum. dazu wippte ich bedauerlicherweise im takt vor und zurück. (ein kleiner tipp für andere hobbyblameure: das bietet sich bei einem liebeslied einfach nicht an, rein optisch). da ich alte rampensau mich außerdem nicht weit genug auf die bühne getraut hatte, stieß ich bei jedem einzelnen dieser rückwipper an den vorhang, der genüßlich in voller breite und höhe mitschunkelte. ich weiß nicht, ob mein auftritt ein klangerlebnis gewesen ist, aber für die augen gab es einiges zu sehen. ich probiers jetzt mit theaterspielen. und celine dion mag ich immer noch nicht.

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  • 2. Stefan Graf - Uf Leise Füeß

    Ich in klein ziere das Cover dieser Schallplatte. Versonnen in die Ferne blickend, mit den Fingern eine Gitarre liebkosend, die mich um mehrere Zentimeter überragt. Meine Füße stecken in riesigen schwarzen Lackschuhen. Sie gehören Brigitte, der Frau von Martin, dem Bruder von Stefan. Die Sonne spricht aus meinem Haar, spielt mit meinem Kleid und spiegelt sich auf meiner Nase. Mein Blick verrät mir, dass ich laut singe und dass an diesem Tag die ganze Kindergartenwelt ein einziger langer Sommer war. Wäre dieser Moment doch nie verstrichen.

  • 3. Red Hot Chili Peppers - Otherside

    ich hatte gerade gerade abi gemacht und was ich mal werden wollte, wusste ich noch nicht. alle meine freunde waren vorübergehend emigriert. zufällig stieß ich auf eine internetseite, über die man an jobs in england kam, und schon war ich da. in einem wunderschönen landhotel, umgeben von einem überbordenden park und eleganten alten jaguars auf dem parkplatz. in meiner erinnerung war es die ganze zeit frühling und gelbe narzissen leuchteten überall. nicht nur ich kam aus dem ausland, wir wohnten zusammen auf einem weißen landsitz und deckten alle kontinente ab. in der ersten woche freundete ich mich mit brigitte aus kanada an, wir spielten auf ihrem bett karten und sangen unablässig red hot chili peppers. sie mit französischem akzent. auch mit den anderen kam ich wundersamerweise gut zurecht, ich fühlte mich aufgehoben wie in einer großen familie. es waren einige gutaussehende männer darunter, groß, maskulin und musklig. am sympathischsten war jedoch dave, ein kleiner, schmächtiger südafrikaner, dem die natur wenig schönheit mitgegeben hatte. sein kopf neigte sich immer ein wenig zu weit nach vorne, die wässrigen blauen augen standen ebenfalls heraus und er hatte ein fliehendes kinn - im grunde sah er aus wie eine schildkröte. wir verbrachten einen langen abend miteinander, an dem wir uns näher kennenlernten. er erklärte mir den text von "otherside" und wir unterhielten uns über das leben. und bei mir machte es klick. leider war unser timing miserabel, es war sein letzter abend, das flugticket nach neuseeland gebucht. ich war unendlich unsicher und konnte ihm nicht signalisieren, wie sehr er mich beeindruckt hatte, und so blieben die worte ungesagt und der kuss im kopf. am nächsten morgen fand ich eine rose und einen brief vor meiner tür. ich schrieb ihm eine lange email und er antwortete mit wärmenden worten: "i really do miss you, i thought you were a very beautiful person, i loved your mind, body and soul." ich ließ den kontakt abreißen, andere männer kamen zwischen uns. aber immer dachte ich an ihn und überlegte, in welchem land er gerade sein könnte, was er gerade tat, ob er angefangen hatte musik zu studieren. vor einigen monaten überwand ich mich und schrieb ihm eine lange email, nach genau 5 jahren. sie kam zurück, seine adresse existiert nicht mehr. dave the porter.

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