Soundtrack meines Lebens

  • 1. Blur - Girls & Boys

    Es war der Sommer der WM '94, Schweden belegte einen grandiosen dritten Platz. Es sollte der beste Urlaub werden, den ich je hatte. Vielleicht liegt das daran, dass die Vorzeichen auf alles andere standen als auf "perfekt". Schließlich war Mimizan Plage nur unsere Notlösung. Eigentlich wollten wir mit unserer Rover-Stufe, quasi zum Abschluss dieser Pfadfinder-Phase, einen spektakulären Trip nach Korsika machen. musste der Trip also nur noch organisiert werden, jetzt, wo das Ziel festgelegt. Wie mensch aber häufig so ist, verpeilten wir die ganze Angelegenheit, keiner wollte das Heft in die Hand nehmen. EIn Rover nach dem anderen sprang ab, hatte nun Besseres vor für den Sommer. Frust machte sich breit. Von wegen - allzeit bereit! Die Geschichte hätte jetzt nur noch böse ausgehen können, hätte nicht Edgar MzG sich seiner niederländischen Wurzeln besonnen und sich an seinen Onkel erinnert, der zufälligerweise über ein Reiseunternehmen verfügt. Also fuhren wir kurzerhand nach Südfrankreich. Zu fünft Deutschen unter dreißig Niederländern. Mir war mulmig zumute. Auch wenn ich nicht ein Verfechter der deutsch-niederländischen Rivalität bin, so war es doch ein komisches Gefühl mit einer orangen Übermacht auf so kleinem Raume zusammen gepferscht zu sein. Und das für die nächsten zwei Wochen! Meine Ängste waren vollkommen unbegründet. Es waren die liebsten und lustigsten Menschen, die wir da kennen lernen sollten. Es folgten die zwei geilsten Wochen, die man als Urlaub haben kann! Das Wetter stimmte, die Windrichtung (am letzten Tag sollten wir einen olfaktorischen Schlag ins Gesicht bekommen, was auch hätte sein können: bestialischer Gestank aus der nahen Papierfabrik!), die WM. Und das Lied? Ich bin seit jeher ein ausgemachter Blur-Fan. Hier nahm die Liebe zu dieser abwechslungsreichen Ohrwurm-Fabrik (ich habe es wohl mit Fabriken!) ihren Anfang: Ich hatte gerade im ansässigen Spiel-Casino (falls man die Automatenansammlung überhaupt schon als soche bezeichnen darf) meinen zuvor erworbenen Gewinn und darüber hinaus anders eingeplantes Geld verprasst, was zu einem emotionalen Taumel hin zur Wut und Depression führen wollte, als wir in diese Disko einkehrten (ein Freund bezahlte mir den Eintritt), die für ihren Schaumeinsatz berüchtigt war. Wieder einmal drohte ich im Schaummeer abzunippeln (das letzte Mal lag gerade mal zwei Tage zurück), da wurde das Lied gespielt. Sofort war ich ergriffen vom Sound, vom Beat von allem. Der Rythmus trug mich über die Schaumkronen; ich war gerettet! Wieviel an dieser Erzählung halluziniert ist oder der Wahrheit entspricht, spielt im Nachhinein nur eine untergeordnete Rolle. Was bleibt ist ein klasse Song.

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  • 2. polyphonic spree - Light & Day/Reach for the Sun

    Dieser Song hat indirekt mit meiner Ex-Freundin Rafi zu tun. Denn sie hatte damals so von "Eternal sunshine of the spotless mind" von Michel Gondry geschwärmt, dass ich nicht umhin kam, mir diesen Film anzuschauen. Es ist eine versponnene Liebesgeschichte mit Jim Carrey und Kate Winslet in den Hauptrollen. Ich habe mir den Film mehr aus einer sentimentalen Laune heraus neulich auf DVD zugelegt. Ich betone die Launenhaftigkeit meiner Wahl, denn toll fand ich den Film damals wirklich nicht. Vielleicht, weil ich ihn damals nicht verstand. Vielleicht war er mir zu abgedreht und ich widmete ihm nicht alle Aufmerksamkeit, die er verdient. Und jetzt bei abermaliger Betrachtung im richtigen Rahmen (abgedunkelter Raum, allein, volle Konzentration, mit Original-Tonspur)? Eine cineastische Offenbarung! Ein filmisches Juwel. Zum Heulen schön! Und dem Ganzen wird musikalisch die Krone aufgesetzt durch Light & Day/Reach for the sun. Zum Bonus-Material zählt ein Musik-Video zum Film, in welchem der Text des Liedes auf alle Personen und Gegenstände gelegt wird, so dass selbst ein Haus mit einstimmt in den zu Herzen gehenden Gesang. Ein Lichtblick in all der musikalischen Monotonie!

  • 3. Michael Andrews - Mad World

    Ich bin ein film-buff - nur, dass ihr es wisst. Das heißt nicht, dass ich auch Filme vergöttere, die ich nur halbwegs verstehe. Donnie Darko gehört sicher auch dazu. Aber es geht eben nicht immer darum, alles erklären zu können, damit ein guter Film entsteht. Der Film hat es einfach: gute Schauspieler, eine interessante Ästhetik, einen herrlichen Soundtrack. Tears for Fears mochte ich eindeutig schon vor dem Film, auch wenn ich "Head over heels" zuvor aus unerfindlichen Gründen verschmäht hatte. Und "Mad World" ist einer meiner All-time Favourites. Aber die Version von Michael Andrews featuring Gary Jules ist einfach emotionaler, dadurch dass sie noch Tempo aus dem ohnehin nicht schnell vorgetragenen Lied herausnimmt. So wird die Stimmung des Songs noch eindrücklicher, kommt der Text noch mehr zum Tragen. Letztens wühlte ich in YouTube nach weiteren Pretiosen Michel Gondrys. Und fand das Viedo zu eben jener Version von "Mad World". Das Video ist eine klasse für sich! Es kommt ohne CGI-Effekte aus und lädt doch zum Träumen ein. Ich will nicht die so kreierten Bilder nacherzählen - schaut euch einfach das Video an, staunt, und lasst euch zu Tränen rühren!

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  • 4. The Police - Deathwish

    10er-Abschlussfahrt. Immer noch gehöre ich nicht zu den Coolen in meiner Klasse, habe aber mittlerweile für meinen Ruf günstige Kontakte geknüpft. Ich weiß Rene C. auf meiner Seite, lasse mir wissbegierig Tipps aus seinem Erfahrungsschatz zukommen. Ich schnüffel gierig an einer Sambuca-Flasche (die nach wie vor staubbesetzt in meinem Besitz altert) und träume von Sonja Fischer. Und ich habe einen Walkman dabei. Und wenn ich nicht wieder mal Marc D. beim Armdrücken schlage (aber auch nur, weil er vor Anstrengung einen fahren lässt, dass es ihm neben der Kraft induzierten Gesichtsbefärbung die Schamesröte in den Kopf treibt), so höre ich vornehmlich Police, ihre "Regatta de Blanc", um genau zu sein. Natürlich sind auf diesem Album Klassiker wie "Message in a bottle" oder auch "Walking on the moon". Aber eben auch das Meisterstück "Deathwish", auf dem Sting spielfreudig beweisen kann, was ein Bass leisten kann. Die Rythmus-Führung über den Bass und das einmalige Schlagzeug-Spiel eines Stewart Copeland ist phänomenal. Ich kriege das Wummern nicht mehr aus dem Kopf. Und will es auch nicht. Danke Sting, danke Police für diese klasse Klassenfahrt!

  • 5. mike oldfield - Part One

    Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Jean-Michel Jarre den ihm gehörigen Tribut zollen - aber die Datenbank weiß erstaunlicherweise nichts mit diesem Künstler noch mit seinem Werk anzufangen! Mike Oldfield tut es jedoch auch - so kann ich nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen (und auch das ist schon schwer, reicht es natürlich nicht an des tapferen Schneiderleins Leistung heran). Mit diesen beiden Vertretern der elektrischen bis gitarro-elektrischen Musik bin ich quasi schon im Mutterleib groß geworden, auch wenn ich wahrscheinlich im Morula-Stadium wenig mit der Musik anfangen konnte. Berechtigterweise. Dennoch hat mich diese Musik in nicht geringem Maße geprägt. Diese Musik war immer zugegen und ist zurecht mit viel Emotion aufgeladen. Mein Vater hat uns Kinder damit gleichsam indoktriniert, was ich aber durchaus als von Vorteil ansehe. 1999 waren wir in der Toskana auf einer christlichen Freizeit. Selbst hier durfte "Oxygene" nicht fehlen, wenn wir uns zu spharischen Klängen auf der Dachterasse in der lauen Sommernacht eine Tüte rauchten, die dadurch nur noch an Qualität gewann. Ich bin sicher kein Anhänger von Drogen - aber hier stimmte eben alles: Ambiente, Stimmung, musikalische Unterfütterung. Natürlich könnte ich sagen: mehr davon! Aber weder will ich in eine Abhängigkeit verfallen noch kann man den Reiz des erlesenen Moment wiederholen, ohne dass er an Wert verliere. Das war eine dieser kleinen Dosen Glückes, die mehr war als die Summe ihrer EInzelteile. Während ich nunmehr nicht mehr quarze (wenn ich es denn jemals tat), höre ich immer wieder diese Synthesizer-Musik, um mich von ihr in fremde Traumwelten willig geleiten zu lassen. Darauf einen Moog!

  • 6. Trent Reznor - Interview

    Jürgen fragte mich, ob ich an seiner Freundin statt, die aufgrund neu angefangener Stelle noch keinen Urlaub bekam, ihn mit nach New York begleiten wolle. Es war die zu Beginn letzten Jahres stattfindende Lidl-Aktion. Ich sagte freudestrahlend: "Ja, was denkst du denn?!" So kam ich erstmalig in den Genuss eines transatlantischen Interkontinentalfluges. Einige Sachen hatte ich mir vorgenommen. Unter anderem: Auf den Spuren Dustin Hoffmans durch den Centarl Park zu joggen war ein Muss. Auf die Simulation der Zahnattacke durch einen alten Nazi-Arzt verzichtete ich hingegen. Und da war eben diese kleine Karaok-Bar gleich um die Ecke unserer Unterkunft. Ich musste dort hinein. EIn kleiner, unscheinbarer Laden, schummriges Licht, nur wenig Besuch. Ich blätterte im Song-Buch und staunte nicht schlecht, als ich tatsächlich auch einige Songs von Nine Inch Nails fand. Und eben auch "Closer". Ein Klassiker der EBM-Szene. Den musste ich singen, ob Jürgen wollte oder nicht. Noch ein Mutmacher-Bier getrunken. Und noch eins, weil es trotz der wenigen Anwesenden so erstaunlich lang dauerte, bis ich endlich dran kam. Aber dann legte ich los. Mit einer angedeutet stampfenden Tanzeinlage. Das Lied hat eben nicht nur Gesang, sondern auch Atmosphäre. Und die galt es gekonnt zu überbrücken. Oder eben weniger gekonnt. Das Lied zieht mich immer wieder in seinen Bann. Wie gesagt - ein Klassiker. Doch tilgen wir lieber alle meine Interpretation aus dem kollektiven Gedächtnis.

  • 7. The Ark - It Takes A Fool To Remain Sane

    Eigentlich ist es nicht fair, diesen Song herauszupicken. Denn mein Semester in Schweden hat einen kompletten Soundtrack hervorgebracht, und mindestens ein Doppe-Album. Das war die größte Zeit meines Lebens! Definitiv. Mögen andere große Zeiten folgen, sie werden sich mit der Erhabenheit dieses halben Jahres nicht messen können. Abgesehen von der hohen emotionalen Aufgeladenheit, die all diese Songs leisten, war die Zeit nun einmal auch eine Zeit der musikalischen Offenbarung. Einem Füllhorn gleich spuckten die Radiosender Heimproduktionen aus, die - jedes für sich genommen - ein erstklassiger Repräsentant schwedischer Popmusik waren. The Ark, The Plan, Kent, Eskobar, The Motorhomes - wie schaffen das die Schweden nur, eingängige wunderschöne Popperlen aus den Tiefen der Klangmeere hervorzuholen? Jag vill aldrig glöm dig, Sverige. Jag älska dig, mina kära!

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