Soundtrack meines Lebens

  • 1. Roxette - Spending my time

    Ich war noch ganz jung und schon schrecklich verliebt. Aber so schüchtern. Liebesbriefe habe ich geschrieben, so viele, dass man damit Wände hätte tapezieren können. So viele Zeilen. So wichtig. Und so für die Katz. Also habe ich tagelang am Fenster gesessen und von der Liebe geträumt. Roxette hat mich derweil besungen und ich habe geweint, weil ich sie doch so gerne gehabt hätte, die Liebe. Spending my time traf ins Schwarze, wenn auch Queen of rain oder never is a long time mich mehr zum Weinen brachten, aber das ist eine andere Geschichte.

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  • 2. Faith no more - Midlife Crisis

    Es ist mir schon fast peinlich, aber für Faith no More ist es noch peinlicher: den Song entdeckte ich auf der Doppel-MC »Sahnestücke '92«, und zwar auf der B-Seite, wo er so gar nicht hinpasste. Aber mich hat er gepackt, mit 12, und so kam es, dass ich wenig später »Angel Dust« besaß. Das war eine tolle Zeit! Ich kenne jeden Song auswendig, seitdem, und meinen Ohren haben geblutet, im Schulbus, weil ich wollte, dass jeder hört, was ich für harte Musik höre. Und mich dann in Ruhe lässt, weil ich ihm sonst eine reinhaue. Leider hat es nicht geklappt, die innen-außen Wirkung war leider nicht kompatibel, aber ich habe mich gut gefühlt. »Be Agressive« hat mich auch gekickt, und ich war froh, woanders zu sein, als die böse, graue Schulbusmasse.

  • 3. Die fantastischen Vier - Sieh Dich Im Spiegel An

    Da saß ich nun, allein an meinem Platz, und habe mich sinnlos betrunken zur vierten Dimension. Ein jeder Song ein Goldstück fast, auf jeden Fall treffend, bohrend, wahr und klar. Ich wollte nur raus (»Genug ist genug«) und aufbrechen, andere Ufer erleben, weitergehen, alles hinter mir lassen (»Alles ist neu«), vor allem: mich selbst. »Sieh dich im Spiegel an« hat mir den Weg geebnet. Und irgendwann, ja irgendwann war ich dann soweit, ihn auch zu gehen.

  • 4. The Prodigy - 3 Kilos (narcotic Suite)

    Wir waren in der 11 und unglaublich cool, weil wir ab und zu auf eine Party mit 13ern eingeladen wurden. Im Grunde war es nur der Gastgeber, der meinen Hintern toll fand, und mich deswegen einlud, was aber nicht die Chance schwächte, andere 13ern kennenzulernen. Wir tranken entfesselt Tequila und Bier, benahmen uns wie mondäne, erwachsene Frauen mit einer gehörigen Portion Schlampe dazu, und feierten bis tief in die Nacht. Wie oft endeten diese Nächte frierend und kotzend auf dem Feld, aber eben auch cool und erwachsen auf der Tanzfläche, zu diesem Song.

  • 5. Aphex Twin - Alberto Balsam

    Eigentlich heißt das Stück bei uns nur noch »Der Stuhl«, weil darin ein Sample vorkommt, welches sich anhört, als ob ein Holzstuhl über Holzdielen geschoben würde. Eigentlich verbinde ich mit diesem Song aber vor allem eine Liebe, die keine sein durfte, weil ich es nicht zuließ und vor allem, weil ich darum wußte, wie tragisch mein Geliebter war. Noch nie zuvor hatte ich einen Menschen so gewollt, und noch nie zuvor gleichzeitig so abgeleht. Ich hatte Angst, nie genug zu sein. Ich hätte seine Prinzessin sein können, aber nie seine Königin, denn diese saß schon auf ihrem Thron. Eine Schneekönigin, mit einem Herz aus Eis. Aber eine Königin.

  • 6. Dzian & Kamien - Homebase

    Es ist Nacht. Auf der Flucht brause ich mit überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn, der Regen prasselt an meine Scheibe und rinnt links und rechts an den Scheiben hinunter. Wie der Regen aus meinen Augen meine Wangen herunter rinnt. Auf der Flucht vor einer Liebe, die gerade mit einem leisen, kaum spürbaren Klirren endgültig in mir zerbrach. Ich löste mich, weinend, aus seiner komatösen Umarmung, und machte mich davon. Davon aus seinem Leben.

  • 7. Radiohead - High & Dry

    Es ist 6 Uhr morgens. Draußen ist Sommer, und die Fenster lassen laue Morgenluft herein, zusammen mit dem Gesumm des immerfort währenden Verkehrs, aber noch ist er leise. Ich arbeite, allein, mit mir selbst und meinem Kopf. Das ist die beste Zeit dazu, jetzt kann ich das, weil der Tag noch so rein ist. Mein Konzept, meine Arbeit liegt vor mir und wirkt unglaublich klar. Alles macht Sinn, zu dieser Zeit, und macht mich trotzdem traurig. Ich werde das vermissen, bald, sehr bald. Don't leave me high, don't leave me dry....

  • 8. Muse - Bliss

    Es gibt keine Band auf der Welt, die mich je so ganz und gar besessen hat wie Muse. Langsam haben sie sich angeschlichen, weil ein guter Freund sie mir ans Herz legte. Und dann auf einmal, auf einmal waren sie da. Und haben mich gefressen, mit Haut und Haaren. Ich liebe diese Musik, Matthews Stimme und dazu das Klavier. Ich liebe diese Texte, die so klingen, wie ich gerne Texte schreiben würde, falls ich sänge. Tue ich aber nicht, höchstens mit. Irgendwann war es soweit, das Konzert stand vor der Tür und ich für Karten an. Und was für ein Konzert das war. Noch nie in meinem Leben habe ich mir so die Seele aus dem Leib getanzt und gesungen. Das war wie beten, meine eigene persönliche Religion, die Religion der melancholischen Seele, des zweifelnden Herzens und des lebendigen Schmerzes. Herrlich.

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  • 9. Beth Orton - Stars All Seem To Weep (mixed And Compiled By Everything But The Girl)

    Am anderen Ende der Welt stand ich nun, an der Kreuzung der Oxford und Riley, wo sich Leute aller Länder und Farben tummeln. Inmitten dieses bunten Treibens, an einem heißen Tag, hörte ich über diese CD (back to mine: everything but the girl). Als ich die Straße in der gleißenden Sommerhitze entlang sah und dieser Track begann, begriff ich. Ich begriff in dem Moment vieles, was ich vorher nicht verstanden hatte. Dass das Leben um mich herum pulsiert. Und ich bin mittendrin. Was für ein Gefühl.

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  • 10. R.E.M. - It's The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)

    Es war das große Konzert, und es war furchtbar heiß. Wir waren noch Kinder, aber auch nicht mehr ganz, und sonnten uns in der Menge, verwirrt von Nudisten und den vielen Menschen. Es spielten Belly, Oasis und die Cranberries als Support, und nun war klar: jetzt kommen die ganz Großen. REM waren damals genau das, was wir auch verkörperten, knatschige Melancholie mit intelligentem Hintergrund. Wir waren jung und genossen es. Über dem See ging die brütende Sonne unter und sie sangen: »It's the end of the world as we know it...«

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  • 11. Tori Amos - Pretty Good Year

    Ich wollte immer sein wie Tori. Rothaarig, lyrisch, verlockend und eine Pianistin. Nichts davon ist je so geworden, aber ich habe mir alles schöngeträumt, als ich im goldenen Käfig saß, damals, zu Hause. Ich träumte von mir, Tori hörend, in meinem neuen Zuhause, Bilder malend und Klavier spielend. Das hielt mich warm, lange, und wärmt mich heute noch.

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  • 12. Kings of Convenience - Homesick

    2004 kam ich in diese neue Stadt. Neu war sie eigentlich nicht, denn ich war fast jeden Monat dort gewesen, über viele Jahre lang; aber eben nicht um der Stadt Willen, sondern um der Liebe willen. Also habe ich sie nie angesehen, die Stadt, die so groß und dreckig ist, so kalt und garstig. Auf einmal wohnte ich dann selber in der Stadt, die nur die Hülle meiner Liebe war. Ich sehnte mich nach meinem alten, kleinen, überschaubaren Zuhause, aber diese Zeit war nun vorbei. Es hieß, sich kennenlernen. Wir beschnüffelten einander eine sehr, sehr lange Zeit mißmutig, bevor soetwas wie Freundschaft keimte. Und es dauert noch.

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