Soundtrack meines Lebens

  • 1. Eric Clapton - Tears in Heaven

    Als mein Vater gestorben ist, hat meine Mutter abends immer mit mir noch Karten gespielt, ich glaube, zu etwas anderem war sie nicht fähig. Und immer machte sie dieses Lied dazu an; auf Repeat. Immer und immer und immer wieder. Die Melodie fand ich schon immer traurig. Auch, was meine Mutter darüber erzählte. Der Eric hatte dieses Lied über seinen Sohn geschrieben, der als kleiner Junge aus einem Hochhaus in New York abgestürzt war und dabei starb. Das fand ich noch trauriger. Wäre mein Leben ein Film, würde dieses Lied an einigen Stellen als Reprise erscheinen. Im Laufe der Zeit konnte ich es auf neuen Ebenen wahrnehmen, beispielsweise als ich durch den Englischunterricht endlich den Text verstand, den meine Mutter mir nie übersetzt hatte. Auch er trug dazu bei, das Lied noch mehr zu verstehen, und warum sie es nach dem Tod nur gehört hatte. Mittlerweile kann ich es auch auf der Gitarre spielen. Ich tue es jedoch nur selten, da ich nicht möchte, dass es abgenutzt wird. Es ist einfach zu schön, um wie "Sweet Home Alabama" oder "Eisgekühlter Bommerlunder" auf jeder Grillparty vorgetragen zu werden. Wenn man es hört, oder selbst spielt, sollte man sich nämlich schon darüber im Klaren sein, dass es darin um mehr geht als um ein belegtes Brot mit Schinken und ein belegtes Brot mit Ei.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 2. Silverchair - Ana´s Song (open Fire)

    Früher dachte ich immer, dass dieses Lied von einem Mädchen namens Ana handelt, in das der Sänger verliebt ist bzw. von dem er regelrecht besessen ist. Deshalb singt er ja auch: And I need you now somehow Open Fire, on my knees designed on my knees for you Open Fire, on my knees desire´s what I need from you einige Zeilen verstand ich weniger, wie: Imagine pageant In my head, the flesh seems thicker Sandpaper tears corrode the film And I need you now somehow Aber so ist das halt oft, wenn Musiker ihre privaten Erlebnisse verarbeiten! Dachte ich mir. Das ist dann halt unverständlich. Das ist Kunst. Nicht zu hinterfragen. Als ich für ein Jahr in Amerika war, bekam das Lied für mich neue Dimensionen. Ich hatte Probleme. "Probleme mit dem Essen" nannte ich sie. Essstörung traf es meiner Meinung nach nicht. Das wäre zuviel. Dennoch surfte ich in meiner freien Zeit, von der ich viel zu viel besaß, auf erfolgsversprechenden Diätseiten rum. Von dort aus bekam ich das Ticket in sogenannte Ana-und-Mia-communities. Ich erfuhr, dass Essgestörte ihre Krankheit wie eine Freundin betrachten. Ana- das ist Magersucht- abgeleitet vom Wort Anorexia. Mia- das ist Bulimie- abgeleitet vom Wort Bulimia. Die Mädchen auf diesen Seiten redeten von dieser Ana und dieser Mia, als seien sie ihre besten Freundinnen. Die sie brauchten, und ohne die das Leben keinen Sinn hatte. Ich wollte auch eine beste Freundin! Die fehlte mir in diesem Haus in der Pampa in Upstate NY wirklich. Ana und ich freundeten uns immer besser an. Solange ich machte, was sie wollte, war sie zufrieden mit mir. Jedoch nie für lange Zeit- eigentlich forderte sie immer mehr und mehr- bzw. eigentlich immer weniger und weniger. Ana hetzte mich sogar gegen meine Gastfamilie auf, die ich durch ihr Übergewicht von nun an ziemlich verurteilte. Wer mich zum Essen bringen wollte, konnte nur mein Todfeind sein. Als ich irgendwann einmal meine alten CDs hörte, kam wieder Silverchairs "Ana´s song" Auf einmal wusste ich, was der Sänger wirklich meinte. Auch er hatte sich Ana zur besten Freundin genommen- und kam nun nicht mehr von ihr los. Ein zwiespältiges Verhältnis; eine heimliche Abhängigkeit. Klar, auf einmal war alles klar: Imagine pageant in my head the flesh seems thicker In seinem Kopf verglich sich der Sänger, wie ich, ständig mit den anderen, und in seinem Kopf sah er immer dicker aus als in Wirklichkeit. So ist das mit Ana. Falsche Freundin. Gebrauchte Freundin. Verdammte Freundin. Außerdem wurde mir durch dieses Lied klar, dass es eigentlich egal ist, ob man jetzt von einem Mädchen namens Anna oder einer Essstörung, der man einen Namen gibt, besessen ist, der Effekt ist doch immer der gleiche: Faszination, Rausch, Persönlichkeitsaufgabe und innerer Verfall zur gleichen Zeit.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •