Soundtrack meines Lebens

  • 1. jimmy eat world - My Sundown

    Songs sind ein Spiegel unserer Seele. Sie spiegeln unsere momentane Gefühlslage wieder oder versetzen uns in eine Bestimmte, an die wir uns mit ihrer Hilfe erinnern wollen. Was ich jedoch mit diesem Lied verbinde, war keine Erinnerung sondern eher eine Verheißung. An jenem Abend im Herbst 2004 fuhr ich durch einen McDrive mit meinem Ex-Freund, mit dem ich kurz zuvor wieder Kontakt aufgenommen hatte. Er hatte eine Jimmy eat World CD drin und als das Lied ertönte, die sanften aber starken Bässe am Anfang erklangen, war es als würde eine leise Stimme aus den tiefen meiner Magengrube zu mir sprechen, die sagte: "Lass dich nach Hause fahren. Lösch seine Nummer. Vergiss seinen Namen und dass du jeh was mit ihm zu tun hattest!" Wie in einem Film habe ich mir dieses Gefühl in Bild und Ton vor meinem geistigen Auge ausgemahlt- es konnte und sollte nicht gut gehen. Es war zwar seltsam, dass mich ein Lied, was ich nie zuvor gehört hatte, in solch eine melancholische Stimmung versetzen konnte, doch das scheinbar neu gewonnene Glück wollte ich mir nicht durch ein "Gefühl aus dem Bauch heraus" verderben lassen. Doch wie so oft wenn man vor so einer Entscheidung steht, wählt man den falschen Weg... Und nun nach einem gebrochenen Herz und einem langen, peinlichen Hin und Her ist endlich seine Nummer gelöscht und sein Name vergessen und "My Sundown" reiht sich schließlich ein in eine lange Liste von Liedern, die uns zu unseren längst vergessenen emotionalen Höhepunkten führen, die jedoch wie so oft (endlich) Vergangenheit sind...

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  • 2. Shout Out Louds - Seagull

    Mal langsam, mal unter Zeitdruck rasend schnell schlendere oder hetze ich die Rolltreppe in die U (und S-)-Bahn Station runter... Die zweite Station nach der halbstündigen Zugfahrt zur Uni. Ein Hoch auf die öffentlichen Verkehrsmittel! Müde Gesichter, lachende und quatschende Jugendliche. Ein paar Rentner und einige Angestellte stehn auch noch da und erwarten auf Gleis 2 die Linie 4. Meistens bin ich jedoch alleine dort unten und habe wie viele um mich herum die weisen, grauen oder schwarzen Knöpfchen in meinen Ohren stecken. Aus der kleinen weisen Wunderbüchse MP3-Player erklingt "Seagull" und dieses triste Bild zwischen Punk-Pennern, ausländischen alleinerziehenden Müttern mit Kinderwagen und einen großen Anteil Schüler und Studenten verwandelt sich in eine grüne, irische Wiese, auf der ein Flöte-spielender Satyr auf und ab hüpft... Eine sehr abstrakte Assoziation, jedoch durchaus tröstlich und vor allem gute Laune verbreitend! Linie 4 kommt aus ihrem schwarzen Tunnelloch gefahren und wir steigen alle ein und unsere Wege trennen sich... die Grashalme verschwinden, aber meine gute Laune bleibt...

  • 3. Green Day - Boulevard Of Broken Dreams

    Die kalten Monate sind vorbei. Die Sonne steht - noch in mildem orange - am Himmel und strahlt ihre Wärme auf die Dächer der Häuser in meiner Straße. Mein alter, neuer grauer Opel Kadett - ein Opa-Auto - steht bereit am Straßenrand. Er frisst so wenig, dass ich jeden Morgen damit zur Schule fahren kann. Ich schmeiße meine Schultasche auf den Beifahrersitz und steige in den leicht aufgeheizten Wagen. Das erste was ich tue - ich drücke auf den Play-Knopf des Autoradios MIT Kasettendeck(!). Das klappernde, 15-jährige, kleine Monster fährt los. Ich habe es für 300 Euro erworben - das erste eigene Auto. Ein Ticket in die Freiheit und Unbeschwertheit - welches leider ab und auch auch gefüttert werden muss. Der Weg ist schon fast mechanisch einstudiert. Nur auf die anderen Autos im Straßenverkehr muss ich noch achten. Noch wenige Monate lang werde ich diese Strecke jeden Morgen zurücklegen. Dann habe ich mein Abitur geschafft und ein sehr langer Lebensabschnitt geht zu Ende. Und damit werden Erinnerungen, Gefühle und Menschen verschwinden... Meinen Kadett werde ich auch abgeben müssen - es ist klar, dass er den TÜV nicht überleben wird... Doch ich denke jetzt noch nicht daran. Ich blick aus dem Seitenfenster auf die schimmernden, goldenen Weizenfelder am Straßenrand. Es wird ein schöner Tag.

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  • 4. Oasis - Stop Crying Your Heart Out

    Viele Songs erinnern mich an die Zeit in der Oberstufe. Die Songs, die auf unseren Abi-Feten gespielt wurden. Die, die zu der Zeit in den Charts waren. Lieder, die mich an bestimmte Personen und Ereignisse erinnern. Songs, die man aktuell auf seinem MP3-Player rauf und runter gehört hat... Viele haben das Ende dieses Lebensabschnitts herbeigesehnt und machen heute immer noch drei Kreuze, dass sie es geschafft haben. Wenn ich ab und an diese "Playlist" auf volle Lautstärke drehe und mich zurückträume in die Zeit vom Januar 2005 bis zum letzten Schultag und darüber hinaus, komme ich in einen Zustand tiefster Melancholie wie in einem langen, fast epischen Film mit einem offenen Ende. Und der Zuschauer kann nur erahnen und seiner eigenen Fantasie freien Lauf lassen, wie es mit den Protagonisten nun weiter geht... Am Ende bleibt mir immer nur ein Lied: "Stop crying your heart out" von Oasis. Zum ersten Mal gehört in "Butterfly Effekt". Gehört selbst - meiner Meinung nach - zu einigen der melancholischsten Lieder überhaupt, die am Ende jedoch mit hohen, doch fröhlichen Tönen und postitiv gestimmten Textzeilen doch hoffnungsvoll stimmen. Ein Akt des Abschieds von Freunden, die wir tief ins Herz geschlossen haben und die uns fasziniert haben. Menschen, die wir nicht ausstehen konnten und den wir heute nur noch flüchtig im Supermarkt begegnen. Lehrern, die uns fasziniert haben und mit ihrem Wissen angesteckt haben - obwohl dies eher seltener der Fall war. Es ist aber auch ein Abschied von einer Jahre lang gewohnten und "be"-wohnten Umgebung. Das Gebäude, die KLassenzimmer und ihre unterschiedlichen Gerüche. Die Lieblingsecken, der Kiosk und andere Sammelpunkte. All die Liebesgeschichten, die Parties, Tragödien und Komödien, Intrigen und Verschwörungen, die den Umfang einer Seigenoper bei weitem sprengen würden. Wir haben versucht, das alles nach der Schulzeit noch weiterzuführen. Mit mäßigem Erfolg... Viele sind weggezogen, mit den anderen hat man sich auseinandergelebt und wiederum andere will man in seinem Leben nie wieder sehen. An unseren alten Plätzen stehen nun neue Abiturienten, die ihren Abschluss planen und in voller Erwartung und Vorfreude die Zeit genießen. Das Einzige, was bleibt ist Abschied zu nehmen von einer schmerzhaften, anstrengenden aber vor allem spannenden, glücklichen und wundervollen Zeit als man sich noch zwei Schulstunden lang im Deutsch-Leistungskurs gelangweilt hat und in den Freistunden danach mit Freunden zu McDoof gefahren ist... Adieu, schöne Zeit! (Das Lied wird lauter, Kamera zoomt von der Schule weg in den Himmel, Überblende zu den Credits)

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