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Soundtrack meines Lebens

  • 1. Yann Tiersen - Comptine D'Un Autre Été : L'après-midi

    Zum ersten Mal schaue ich 'Die fabelhafte Welt der Amélie'. Minutenlang baut der Film meine Glückstimmung auf, nur um sie in Bruchteilen von Sekunden wieder vollständig einzuebnen. Das kann er so gut wie kaum ein anderer, er spielt mit den Gefühlen. Kaum bin ich auf dem Nullpunkt, der vielleicht schönste Moment des gesamten Streifens: Steine werfen auf dem Kanal. Unterlegt mit Musik, die tiefste Trauer mit vollendeter Glückseligkeit verbindet. Und, was mir noch nie bei einem Film passiert ist: Kleine Tränen laufen mir über die Wange. Unfaßbar schön.

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  • 2. Die Toten Hosen - Regen

    Ein Sturm. Leise zuerst, dann setzt Campino ein. Auch er zunächst verhalten, in fast beschwörendem Tonfall: "Ein Riesenmeer von Dächern in einer Wüste ganz aus Stein, in der man leben oder sterben kann und ein bisschen glücklich sein." Der 'Regen' beginnt zu fallen, mit einem großen Schlag ist das Gewitter um uns herum. "Ich warte nur auf den Regen, der die Flüsse überlaufen lässt und den Müll aus dieser Stadt endlich wegspült." Nach dem Ausbruch der Naturgewalt beruhigt sich der Sturm wieder, nur noch ein leises Tröpfeln ist in der Ferne auszumachen. "Warten auf den Regen, der den ganzen Dreck wegspritzt, der in meiner Strasse und meiner Wohnung und in meiner Seele sitzt." Aus.

  • 3. Sentenced - Aika Multaa Moistot (Everything Is Nothing)

    Ruhe geht von diesem Song aus - eine tödliche Stille. Einer ausgewachsenen Depression ähnelnd ziehen sich die Texte langsam voran. Jeder schlechte Gedanke, all der Zynismus der Existenz kommt auf. Langsam aber beginnt sich etwas zu ändern. Nicht mehr Trauer steht an erster Stelle, nicht mehr die Unfähigkeit zu leben. Es ist Wut, teils gar Hass - ein unerbittlicher Zorn, der die Nacht des Geistes erhellt, der einem Blitz gleich durch die Seele fegt und sie aus dem Abgrund reißt. Rettet Leben.

  • 4. Placebo - Where Is My Mind?

    Was habe ich mit mir gekämpft, denn schließlich ist dieser Song zunächst mal von den Pixies. Und Coverversionen sind doch eigentlich gar nicht mein Ding. Irgendwie aber kann mich Brian auch hier wieder derartig verzaubern, dass ich fast schon der Blasphemie erliegen könnte, der Placebo-Version die Absolution zu erteilen und - schlimmer noch - sie als höherwertig einzustufen, als das Original. Das werde ich aber nicht tun. Ich belasse es bei der Einschätzung, beide Fassungen seien gleichwertig. Die birgt schließlich schon genug Zündstoff. Was man aber allgemein sagen kann: Die dezenten hochtonigen Schreie im Hintergrund, der charismatische Gesang, perfekt angedeutete Schizophrenie transportierend, die schräg-versetzte Hookline - ein Lied für einen ganzen Abend. Und den Morgen danach.

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  • 5. Pixies - Cecilia Ann

    Die Pixies, bei 'Where is my Mind' gerade von mir um ihr Recht auf einen Platz in meinem Soundtrack betrogen - jetzt sollen sie endlich den Platz einnehmen, der ihnen gebührt. Schwer genug war es, ein einzelnes Lied zu wählen, denn es sind so viele, die ich hier auflisten möchte. Warum dann ausgerechnet 'Cecilia Ann'? Vielleicht weil der Song es schafft, mich mit knappen zwei Minuten und unglaublich simplem Aufbau derart zu verzaubern, dass ich noch Stunden danach die Melodie in meinem Kopf habe. Vielleicht, weil er für mich die perfekte Dosis Uptempo für grenzenlosen Optimismus darstellt. Vielleicht auch einfach, weil er rein instrumental ist und es so leicht fällt, dazu abzuschalten und die Welt zu vergessen. Und weil er selbst auf Endlosschleife nicht so schnell anfängt zu nerven. Schlicht unglaublich.

  • 6. Katatonia - Criminals

    Wie so häufig bin ich über diesen Glücksgriff musikalischer Natur rein zufällig gestolpert. Irgendwer meinte zwar, es sei Gothic - gewöhnlich nicht mein Ding - aber reingehört habe ich trotzdem, in das Album 'Viva Emptiness'. Und der Titel spricht schon Bände: Die Leere in uns und die Leere in der Welt. Immer beherrscht ein explosives Gemisch aus Anspannung und Resignation die Stimmung. Nicht niedergeschlagen, optimistisch möchte man fast sagen, vergisst man die Thematik für eine Sekunde. Wirklich erstaunlich aber ist, dass, bei aller Negativität, die die Scheibe eigentlich transportiert, nie ein Hauch von Depression bleibt. Auf ihre eigene Art ziehen Katatonia aus den vermeintlich dunklen Gedanken die Energie, um den Zuhörer aufzubauen oder manchmal einfach nur zu verzaubern. Ambivalenz war nie schöner.

  • 7. Disillusion - Back To The Times Of Splendor

    Ein Glücksgriff - ohne Frage. Wie genau ich zu dem Album gekommen bin, ist weniger interessant. Was es für mich geworden ist, umso mehr. Nicht weniger nämlich, als mein Album des Jahres. Und irgendwie war es immer dabei - im Sommer, als ich auf der Couch unseres gemieteten Ferienhauses in Spanien lag und die Hitze zu vergessen suchte. Während ich den Blättern zuschaute, die sich dem Wind zum Trotz vereinzelt an den Ästen vor meinem Balkon festklammerten. Zu jeder Zeit, die mir aus diesem Jahr im Gedächtnis geblieben ist, höre ich auch eben jenes Lied. Ein Soundtrack eben - meines Lebens, auf alle Fälle aber von 2004.

  • 8. Annie Lennox - Don't Let It Bring You Down

    Nein, allgemein bin ich kein übermäßiger Freund von Miss Lennox' Musik. Die Frage ist vielmehr, wo ich dieses Lied gehört habe. In 'American Beauty' nämlich, auch wenn der Titel auf dem OST nicht auftaucht. Der eine oder andere wird sich erinnern: Angela zieht sich ins Wohnzimmer der Burnhams zurück, nachdem sie sich mit Jane und Ricky gestritten hat. Lester, der während des ganzen Films von ihr phantasiert, tritt ein und es entwickelt sich einer der schönsten Dialoge. Im Hintergrund läuft eben "Don't Let It Bring You Down". Gut, ich liebe den Film abgöttisch und bin daher vorbelastet. Aber dieser ruhende Pol in dem emotionalen Chaos, das bis dorthin entfesselt wurde, überträgt sich jedesmal vollends auf mich. Mehr noch, wenn ich heute das Lied höre, sehe ich die Szenen vor mir, die zu einem der schönsten und glücklichsten Filmenden führen, die je geschaffen wurden. Ich höre Lester sagen: "You have no idea what I'm talking about, I'm sure. But don't worry - you will, someday."

  • 9. In Flames - Metaphor

    Der erste Tag in der neuen, eigenen Wohnung. Schnell die Boxen aufgestellt, Anlage angeschlossen. Als erstes lief 'Metaphor'. Drei Minuten und 39 Sekunden genügten, mir die Nachbarn vor die Tür zu bringen. Ob denn die Musik nicht auch leiser ginge. Dazu gereizter Gesichtsausdruck. So schnell lernt man die Leute kennen. Der Abend war damit trotzdem irgendwie gelaufen. "...you bend me and you shake me..."

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