Soundtrack meines Lebens
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1. DJ Shadow - Midnight In A Perfect World
Nach 36 (sic!) Stunden Flug (San Jose, Houston, Los Angeles, Seoul, Bangkok) und sechs Monaten Backpacking in Mittelamerika kam ich in Bangkok an. Ich habe lang gesucht nach allem Möglichen – in April 2000 in Bangkok hab ich damit aufgehört und nur noch gefunden. Ich begann zu meditieren, hörte auf nachzudenken und war glücklich, buddha-glücklich. „Endtroducing“ von DJ Shadow gab‘s als Raubkopie auf der Khao San (damals noch als Tape). Eigentlich ist die Platte ein Gesamtkunstwerk: aufbrausend, gewaltig, dunkel, leicht, meditativ, entspannend. Es fällt schwer einen Song heraus zu nehmen. Aber in „Midnight in Perfect World“ ist vieles von dem vereint. Heute hat mich die Industriegesellschaft längst wieder und das ist auch gut so. Trotzdem shanti!
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2. Paolo Conte - Aguaplano
Niemand fängt meine Stimmung besser ein als Paolo Conte – vor allem, wenn ich betrunken bin. Versöhnlich mit der Welt ein bisschen melancholisch, ein bisschen altklug, vor allem aber sieht er die Schönheit im Hässlichen und den Humor im Absurden. Was gibt es besseres als mit einem guten Freund rotzevoll über den Tresen zu hängen und „Aguaplano“ zu hören? Nicht viel...
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3. Dalida & Alain Delon - Paroles, Paroles
„Tu es comme le vent qui porte la parfum des roses“ – kitschiger geht’s fast nicht mehr. Die Arbeit in der „Schlauchbar“ war ein kurzes Vergnügen – nachdem unser koksender und hoch cholerischer Geschäftsführer gefeuert worden war, stand die Bar sozusagen unter Selbstverwaltung. Nach drei Monaten ging sie pleite und musste schließen. Vielleicht weil die Kellner oft besoffener waren als die Gäste. Und irgendwann lief dann immer dieses Lied.
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4. Thievery Corporation - A Warning (Dub)
Juni 2000 in Phnom Penh, Kambodscha. Haschisch in kulinarischer Form zu sich nehmen, kann überraschend anders sein. Die Happy Pizza brauchte vier Stunden, um zu fahren, was Patrick und ich natürlich vorher nicht wussten. Wir folgten der Empfehlung von Lonely Planet und fuhren nach diesem Abendessen erstmal ins „Martini“. Das Mann-/Frau-Verhältnis betrug dort 1 zu 20 und wir hatten schnell das Gefühl, hier am falschen Platz zu sein. Details wären jetzt unschön. Jedenfalls fuhren wir zurück in unser Hostel „Cloud No. 9“, legten uns in die Hängematte und schauten auf die im Tonle Sap dahintreibenden Schlingpflanzen. Thievery Corporation lief auf Repeat und dann fuhr die Happy Pizza...
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5. Dr. Dre - Nothing But A G-Thing
Sommer 1994 – „Jetzt“ titelte „Der Sommer der Kiffer“. Felix vertickte Gras im E-Garten und wir spielten Gangster, die Bong immer im Eastpack-Rucksack. Das war alles sehr pubertär, aber wir hatten verdammt viel Spaß. Die meisten meiner Kumpels von damals sind nach und nach ins Kleinkriminelle Milieu abgerutscht und ein paar blieben tatsächlich auf der Strecke. Alles in allem eine sehr intensive Zeit und in Sachen Gangster-Rap geht nichts über dieses Lied.
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6. The Streets - Turn The Page
Im Winter 2002 hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, irgendwie alt zu sein. Das machte sich an der Tatsache fest, dass es musikalisch für mich nichts mehr Neues gab oder musikalische Innovationen irgendwie an mir vorbei liefen. Unschönes Gefühl. Und dann kam „The Streets“. Als ich das Video zum ersten Mal sah, klebte ich fast vor der Glotze. The Streets war neu, innovativ, energetisch – eben genau das, was ich seit zwei Jahren nicht mehr gehört hatte. „Turn the Page“ ist das Intro, gut sind fast alle Lieder. In diesem Sinne: Let’s push things forward!
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7. Sergio Mendez & Brazil 66 - Mas Que Nada
Mit 20 meinte ich, Portugiesisch wäre das richtige Studium für mich. Warum, weiß ich nicht mehr so genau. Ich glaube, weil ich einfach die Sprache so schön fand. Find ich immer noch, aber nach einem Semester habe ich die Sache wieder sein gelassen. Für "Mas que nada" aber reichen meine Kenntnisse gerade noch aus. Frei übersetzt: Wenn alles schief geht, kann man immer noch Samba tanzen. Irgendwie beruhigend...
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8. Torch - Kapitel 1
"Ich weiß noch, wie das alles begann. Die Message von Melle Mel war für mich wie ein Telegramm." HipHop gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. Von 1995 bis etwa 1999 trainierte ich mindestens fünf Mal die Woche Breakdance. Von den vielen Headspins fehlen mir heute noch ein paar Haare auf dem Kopf. "Kapitel 1" war eines der besten Songs mit Gänsehaut-Faktor auf dem legendären Sampler "Alte Schule". Den Text kann ich heute noch auswendig. Danach kam der Hype und die Szene veränderte sich stark. HipHop heute hat mit der damaligen Underground-Kultur nicht mehr viel gemeinsam und ich hab mit HipHop auch nicht mehr viel am Hut.
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9. Gerhard Polt - Der Nobelpreisträger
Ich bin eigentlich kein Wiesn-Fan. Besaufen kann ich mich auch anderswo und das billiger. Überhaupt ist das Oktoberfest nüchtern eine einzige Katastrophe. Man sollte auf jeden Fall schon angetrunken sein, wenn man das Bierzelt - sofern da noch Platz ist - betritt. Und sich vorher den "Nobelpreisträger" von Gerhard Polt anhören. Der kriegt vom Metzger und Protagonisten Adi "den Bierkrug lediglich leicht an Schädel aufgsetzt und dann is a Ruah." Gerhard Polt ist meiner Meinung nach der genialste, tiefgründigste und bissigste Kabaretist in Deutschland, auch wenn sein jüngster Film "Germanicus" ziemlich in die Hosen ging. Leider verstehen ihn die meisten Nicht-Bayern nicht.




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