Soundtrack meines Lebens

  • 1. Nirvana - Lithium

    Ich war elf. Mein Musikgeschmack liess zu wünschen übrig. Die Highlights waren Roxette, Michael Jackson, The Cure und die Fine Young Cannibals. Meine beste Freundin Meri hatte Kassetten von ihrem älteren Bruder, die sie mir kopierte. So wurde ich eingeführt in die Welt von Nirvana, Sepultura und Rage Against The Machine. Bei der ersten Klassenfete forderte uns Lithium geradezu dazu auf, die Sache mit dem Haare schütteln zu versuchen. Dass man die Tage darauf den Kopf nicht mehr bewegen kann und das Abschreiben beim Banknachbar dadurch arg erschwert würde, hat uns ihr Bruder nicht gesagt. Deshalb hab ich meine Karriere im Headbanging nicht weiter verfolgt. Nur manchmal überkommt es mich noch, zu Hause beim Luftgitarre spielen, wenn mich niemand sieht ...

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  • 2. Bill Janovitz - Mary Kay

    Da stand er nun, mein neuer Mitarbeiter. Als Kundin in diesem Plattenladen hatte ich ihn zuvor fast wöchentlich gesehen und das hat bei mir also nicht gerade Hitzewallungen ausgelöst. Im Gegenteil. Und dann, erster Arbeitstag, der Chef stellte mich allen vor. Bei ihm angelangt reichte ein Blick und ein Lächeln und mein Verstand hatte sich aus dem Staub gemacht. Nicht unbedingt die ideale Voraussetzung beim Antritt einer neuen Stelle ... zudem wollte ich mir endlich mal Zeit nehmen für mich und die Sache mit der Liebe stand auf meiner Prioritätenliste etwa auf Seite 3. Ich nahm mir also vor, mich da nicht weiter irritieren zu lassen. Nachdem es aber mit jedem Tag und jeder Woche schlimmer wurde und ich das Gefühl hatte, vor lauter Liebe platzen zu müssen, setzte ich mir eine Halbjahreslimite. Wenn sich meine Gefühle in sechs Monaten nicht verändert haben sollten und ich mir sicher sein konnte, dass ich mir da nichts einbildete, würde ich die Karten auf den Tisch legen. Schliesslich wollte ich auch nicht leichtfertig das Arbeitsklima verkomplizieren. Ein Monat vor Ablauf der Frist fand ich ein Geschenk in meiner Tasche - ein Mixtape, von ihm. Das war mein Zeichen. Nach einem gemeinsamen Abendessen rückte ich raus mit der Sprache. Er meinte völlig überrascht, dass er nicht im Traum daran gedacht hätte, dass ich etwas für ihn empfinden könnte. Ob ich denn nicht gemerkt hätte, dass er auch ... Nein, wir waren beide so damit beschäftigt gewesen, uns in Gegenwart des Anderen nicht wie die Deppen aufzuführen (was uns natürlich nicht gelungen ist), dass wir überhaupt nichts mehr gemerkt haben. Zum ersten Mal hatte ich das gefühl, wirklich mich selbst zu sein in einer Beziehung - und angekommen zu sein. Es war diese Nähe, vom allerersten Tag an, die alles so leicht machte. Und es war die Jobsituation, die alles so schwierig machte. Als müsste man morgens und abends einen Hebel umschalten, um die Professionalität nicht zu verlieren. Wider der Natur zweier Verliebten, hat uns dies aus der Bahn geworfen. Jetzt sehe ich ihn jeden Tag und doch fehlt er mir unglaublich. Seine Lieder höre ich wieder und wieder. Sie werden mich immer an den Mann erinnern, der mir gezeigt hat, wie sich eine Beziehung anfühlen sollte.

  • 3. The Beatles - Here Comes The Sun

    Die Beatles-Platten liefen zuhause auf unserem alten Plattenspieler, nebst Pink Floyd, Dire Straits, CCR, The Who und Cream. Da mein Dad lange Haare hatte und zudem Schlagzeug spielte, war ich der festen Überzeugung, er sei der Drummer der Beatles. Für mich bestand da kein Zweifel, die Kombination aus Frisur, Bart und musikalischen Talent war eindeutig. Die Freunde im Kindergarten fanden die Story auch völlig nachvollziehbar, bis mich meine Mutter dann eines Tages aufklärte. Mit zwölf wollte ich den wahren Ringo Starr dann heiraten (was auf allgemeine Empörung stiess) und schrieb heimliche Hassbriefe an seine Barbara. Mittlerweile bin ich zur Vernunft gekommen - aus dieser Zeit zurückgeblieben sind der Plattenspieler und meine Bewunderung für die Gründer des Pop.

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  • 4. Phoenix - Everything is everything

    Wenn ich mit Leuten darüber rede, wie es ist, in einer neuen Stadt Freunde zu finden, merke ich, dass ich nie suchen musste. Unsere Wege haben sich gekreuzt und hier sind wir nun. Ich weiss nicht mehr, wieviele Stunden wir in den letzten vier Jahren schon zusammen getrunken, diskutiert, getanzt und rumgealbert haben. Und ich weiss schon gar nicht mehr, wie es ohne diese Weiberbande war. Wir haben es uns zum Ritual gemacht, einmal im Jahr gemeinsam die Koffer zu packen. Die erste Reise führte nach Barcelona. Insgeheim haben wir wohl alle mit Zickenalarm gerechnet - fünf Frauen mit unterschiedlichen Interessen ... Doch wir hatten uns geirrt. Die furztrockenen Kommentare unserer selbsternannten Kunstbanausin sorgten im Museum für allgemeine Unterhaltung und gelegentlichen Shoppingfrust haben wir mit einem doppelten Waffeleis schnell aus der Welt geschafft. Wir wissen jetzt auch, dass es in Barcelona viele Tauben gibt und dass die mit Vorliebe auf Hornbrillen kacken. Zudem haben wir gelernt, dass ein echter Cuba Libre aus drei Vierteln Rum und einem Schuss Cola besteht und dass man davon vor dem Abendessen nicht zuviele trinken sollte ... Diese Erinnerungen lassen uns grinsen, wenn wir wieder irgendwo Phoenix hören.

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  • 5. Radiohead - Creep

    Nachdem ich meinen Freunden immer wieder in den Ohren lag mit meinem Wunsch, irgendwann mal Karaoke zu singen, ergab sich letztes Jahr die Gelegenheit. Mein Stolz liess es nicht zu, den Schwanz einzuziehen und so übte ich zwei Wochen lang jeden Tag meine drei Lieder (Fräulein hat Entscheidungsschwierigkeiten) - Radiohead "Creep", Nirvana "Smells Like Teen Spirit" und Iggy Pop "The Passenger". Am Tag X war meine Stimme dem entsprechend lädiert und meine Nervosität zwang mich in Zehn-Minuten-Intervallen auf's Klo. Was vielleicht auch ein wenig damit zusammenhängen könnte, dass ich mich mit einigen Cuba Libre zu beruhigen versuchte. Als ich dann endlich auf der Bühne stand konnte ich mich weder an den Text erinnern (und den kannte ich mittlerweile ja wirklich auswenig), noch hatten meine kurzsichtigen Augen die Fähigkeit die Zeilen auf der Grossleinwand zu erkennen. Von den Monitoren schlug mir der Sound dieser eingespielten Band entgegen, die sich um mich herum abmühte, ich selbst konnte mich aber nicht hören. Das Desaster fand seinen Höhepunkt, als ich nach dem letzten Takt fluchtartig die Bühne verliess und auf der biergetränkten Treppe ausrutschte. Von Freunden kamen dann so aufmunternde Kommentare wie "Ach, sooo schlimm war's doch gar nicht" bis zu "Du klangst wie eine alte Alkoholikerin". Was sich die andern 500 Leute im Saal gedacht haben, möchte ich gar nicht wissen. Aber für mich war's schon fast eine Grenzerfahrung und es ist gut zu wissen, dass man auch das überlebt.

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  • 6. Madrugada - Vocal

    An diesem frühen Morgen, es war noch nicht ganz hell, gingen wir nicht nach Hause. Er brachte mich heim. Obwohl das sonst nie eine Frage war, spürte ich, dass ich mir diesmal der Antwort nicht sicher sein konnte. "Schläfst du bei mir?" Ich weiss nicht, was mich mehr zittern liess: der frühe Februarmorgen in einem Auto älteren Baujahrs oder das folgende "Ich bin noch nicht so weit ...". Von jungfräulicher Zurückhaltung meilenweit entfernt, war mir klar, was er damit meinte. Begriffen hab ich das erst Stunden später, in einer Sturzflut von Tränen. Aus dem Wohnzimmer drang Musik in den Flur, als eine Freundin mit Survival-Kit (Taschentücher, Schokolade, Schnaps) bewaffnet in der Tür stand. Mit einem Blick auf meine verquollenen Augen meinte sie lakonisch: "Madrugada!? Ja klar, und das Schwert noch so richtig reinbohren!" Manchmal ist es halt genau das, was man braucht - das Jahrhundertalbum schmerztriefender Seelen. Diese Lieder geben dir die Legitimation, in Selbstmitleid zu baden bis du wieder zu Atem kommst und deine Tränendrüsen so leer sind wie die linke Seite deines Bettes.

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  • 7. The Raveonettes - Love In A Trashcan

    In der ganzen Reiseeuphorie hab ich mir in LA haufenweise Musik gekauft (das Paradies hierfür: Amoeba, 6400 Sunset Blvd.) - das meiste davon hab ich mir später kaum mehr angehört. Mit Ausnahme der Raveonettes, deren zweites Album "Pretty In Black" für mich die Platte des Jahres '05 wurde.

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  • 8. Undertones - Teenage Kicks

    Vier Freunde mit dem Auto unterwegs nach Budapest - nachts um Zwei irgendwo in Österreich in einem Diner Fritten essen und Jukebox testen - weiterfahren - frühmorgens nach der ungarischen Grenze im feuchten Gras aufwachen und 'ne Runde Frisbee spielen. War das schön! Und was passt da besser als immer wieder Teenage Kicks?!

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