Soundtrack meines Lebens

  • 1. Danzig - Blood And Tears

    Irgendein längst vergessenes Internetforum und dieser Mann, mit dem ich mich jedes Mal in die Haare gekriegt habe, wenn wir zum gleichen Thema was zu sagen hatten. Wir hatten zu jedem Thema was zu sagen. Alle beide. Wir haben uns quer durchs Forum und zurück gejagt, getobt, gewütet, geflucht. Bis wir uns ganz aus Versehen beide über die gleiche Sache aufgeregt haben. Und auf einmal war alles anders. Tage und Nächte im ICQ verbracht, drei Wochen später stand er vor meiner Tür, mit einer Reisetasche und einem Rückflugticket für in 14 Tagen. Gestritten haben wir uns immer noch und heftiger denn je, zusammen waren wir trotzdem, ein heftiges, schönes halbes Jahr zwischen Trennungsschmerz und Höhenflügen. Geblieben ist dieses Lied, das ziemlich erste, was er mir vorgespielt hat. Immer noch das Lieblingslied für die Momente, in denen man sich hingebungsvoll und genüsslich in Einsamkeit und Weltschmerz vergräbt.

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  • 2. r.e.m. - walk unafraid

    Meine Schwester hat das Album angeschleppt. R.E.M. hatte mich bis zu dem Zeitpunkt nicht wirklich interessiert, okay, losing my religion war toll, aber das fand eh jeder. Und dann eben dieses Album und in diesem Album dieses Lied. Ich glaube, nie wieder vorher und nie wieder nachher hat ein Liedtext eine solche Bedeutung für mich gehabt. Ich weiß nicht, durch wie viele mutlose bis verzweifelte Momente es mir geholfen hat (und immer noch hilft), aber es waren verdammt viele. Später hab ich dann noch in irgend einer irgendwo rumliegenden Musikzeitschrift (meine wars sicher nicht) die Geschichte zum Album gelesen. "Up" ist das erste R.E.M.-Album mit Texten. Alles, was der gute Herr Stipe (nach eigener Aussage) vorher von sich gegeben hat, war mehr oder weniger sinnloses Zeug, das ihm eben beim Aufnehmen so in den Kopf gekommen ist, mit Absicht genuschelt und immer mal wieder variiert, damit niemand auf die Idee kommt, die Texte seien wichtig. Hat nicht funktioniert. Auf jeden Fall sollte das bei "Up" anders werden, und eigentlich hat er sich nicht rangetraut, wusste aber, dass es nötig ist und hat sich ins Studio, da wo er es immer sehen konnte, ein Riesenplakat angebracht: "fearless". Hat funktioniert. das Album ist fertig geworden und gut geworden und die Geschichte zum Lied macht es für mich noch wichtiger.

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  • 3. qntal - Palästinalied [Palestine Song]

    Ich weiß noch genau, wie die Straße aussah, die wir entlang gefahren sind, damals, mit dem Auto seiner Mutter, als er angefangen hat, dieses Lied zu singen. Ich war verliebt. Ihn ihn, in den Tag, in die großen satt grünen Bäume, die Schattenornamente auf die Straße warfen, die dichten Grasteppiche am Straßenrand, die alten Bauernhäuser, in dieses Lied. Ich hab es eigentlich nie gemocht, ihn singen zu hören, weil er dabei die Stimme verstellt hat, aber bei diesem Lied war es echt. Sonderlich textsicher war er nie, aber das hat mich auch nicht gestört und er hat mir das Lied immer wieder vorgesungen. Und dem kleinen Wesen in meinem Bauch, das sein und mein und unser kleines Wesen war. Und als das kleine Wesen auf die Welt gekommen ist, nach zweieinhalb Tagen Kampf und viel zu erschöpft, um zu schreien, da hat er es wieder gesungen und das kleine Wesen hat gelächelt. Irgendwann haben er und ich aufgehört, "wir" zu sein, wir haben aufgehört, das Lied für die inzwischen zwei kleinen Wesen zu singen, haben uns neue Lieder ausgedacht und als ich schon längst sicher war, dass das Lied irgendwo in der Trennung gestorben war, kam es wieder, Jahre später, auf dem Camino de Santiago, in einer kleinen, leeren Kirche, nach einem der anstrengendsten Tage des gesamten Weges, nach 32 Kilometern und dem Gefühl, völlig am Ende meiner Kräfte zu sein. Und auf einmal war es wieder da, mein Körper kannte es noch, es sang sich von alleine und die ganze Kirche war voll von diesem Lied und das, was dann passierte, war eines der wichtigsten Erlebnisse der letzten Jahre.

  • 4. Portishead - Roads

    Ich mag keine Filme. Ich hab mich nie für Filme interessiert, war nie im Kino, habe nie aus eigenem Antrieb einen Film bis zu ende geschaut. Und dann war das Tank Girl. Die erste mir bekannte Comic-Verfilmung, mein erster Lieblingsfilm, der erste Film, den ich auch drei mal nacheinander sehen konnte. Und das erste Mal, dass ich ein und die selbste Szene auf dem Videorecorder immer und immer wieder zurückgespult habe, um sie noch mal zu sehen: Tankgirl, gebrochen, resigniert, kaputt, schleppt sich nach der Arbeit im Bergwerk unter die Dusche. Und während ihr Wasser statt Sand übers Gesicht strömt, in ihren Wimpern hängen bleibt, sich in den Furchen ihrer aufgesprungenen Lippen sammelt, läuft dieses Lied. Schönste, allerschönste Einsamkeit, die Musik gewordene Hoffnungslosigkeit, absolute Zerbrechlichkeit. Irgendwann war das Video kaputt vor lauter hin - und herspulen. Ich hab die Szene und das Lied nie vergessen, hab aber nie rausfinden können, von wem es ist und hab es im Endeffekt knapp 10 Jahre nicht gehört. Bis ich es bei dem Mann, in den ich absolut und völlig hoffnungslos verliebt war, und der nebenbei mein bester Freund und Mitbewohner war, irgendwann durch Zufall wieder gehört habe. Und auf einmal war es wieder da und noch schöner und wichtiger als früher. Inzwischen ist der Mann nicht mehr mein bester Freund und nicht mehr mein Mitbewohner und ich bin auch fast nicht mehr verliebt, aber das Lied ist immer noch der ideale Soundtrack für Zeiten, in denen der einzige mögliche Umgang mit dem Schmerz (mit welchem auch immer) ist, sich in ihm einzurichten und ihn zu genießen. Und dann: Endlosschleife bitte.

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  • 5. Nine Inch Nails - The Great Below

    Es gab da mal eine Frau in meinem Bekanntenkreis, die ich aus diverstesten Gründen einfach nur gehasst habe, auch wenn ich sonst nicht jemand bin, der dazu neigt, Menschen zu hassen. Alles, was sie toll fand, fand ich automatisch scheiße. Und sie fand Nine Inch Nails toller als alles andere. Sie wollte Trent Reznor in einen Käfig sperren, diesen Käfig bei sich im Schlafzimmer an die Decke hängen und ihm (Trent, nicht den Käfig) immer, wenn sie ins Zimmer kam, befehlen, zu singen. Also fand ich Trent Reznor (und damit logischerweise auch NIN) furchtbar. Das war zugegebenermaßen recht einfach, weil ich exakt ein Lied von ihm kannte. Irgendwann viele Jahre später war diese Frau aus meinem Leben verschwunden, aber NIN fand ich immer noch furchtbar, Ich habe einen Bekannten, der neben allerlei anderen seltsamen Dingen, die er so tut, auch mitunter Parties in einem wunderschönen, abgewrackten, halblegalen Kellerclub gibt. Dieser Club befindet sich mehr oder weniger zufällig in dem Haus, in dem ich auch knapp 2 Jahre gewohnt habe, und in diesem Keller und dem zugehörigen Hof habe ich die seltsamsten und schönsten Parties meines Lebens gefeiert. Auf jeden Fall ist dieser Bekannte ein begnadeter DJ und als er irgendwann mal irgendwo im Internet sagte, dass "The Great Below" eines seiner Lieblingslieder sei, war ich dann doch neugierig und habe es mir mal angehört. Und noch mal. Und noch mal. Und immer wieder. Und es erinnert mich nicht nur an diese wunderschönen Parties, die inzwischen wahrscheinlich leider der Vergangenheit angehören, es ist auch nach wie vor das absolute Herzklopfenlied. Und ja, inzwischen verstehe ich diese Frau, die ich ansonsten so sehr hasse. Es gibt niemanden, der so toll jammern kann, die Trent und ich hätte definitiv nichts dagegen, ihn in meinem Schlafzimmer zu haben.

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  • 6. Jeff Buckley - Hallelujah

    Das Internet mal wieder. Irgend ein dummes Forum mit "ich find dich toll"-Funktion. Du hast sie angeklickt, ich hab sie angeklickt, und wir hatten noch kein Wort miteinander geredet. Dann PNs "und nu? was machen wir nu?" - "Treffen. Wann und wo?" - "Heut abend bei mir, Rotwein und ein bisschen was zu essen" - "okay" Und dann warst du da. Der Mitbewohner hatte dir aufgemacht und du standest in der Tür, ohne angeklopft oder geklingelt zu haben, den Kopf schief gelegt, mit dem unglaublich genialsten Grinsen aller Zeiten und in Klamotten, die es alleine schon wert gewesen wären, sie dir vom Leib zu reißen. Irgendwann spät, spät abends hast du dir die Gitarre vom Mitbewohner geschnappt und mir was vorgespielt, dein Lieblingslied. Und ich hab dir zu Füßen gesessen und gelacht vor Glück. Wir haben uns nie wiedergesehen, aber dieser eine, seltsame Abend war Auslöser für große Veränderungen, wichtige Veränderungen, gute Veränderungen. Und das Lied ist immer noch da und immer noch wunderschön. Danke dafür an dieser Stelle

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