Soundtrack meines Lebens
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1. Metallica - Nothing Else Matters
e-g-h-e-h-g... alles leersaiten - die könnte ein kleines kind spielen. nun ja, ich konnte es auch und viel mehr war es auch nicht, was ich zu spielen hatte. auf meiner 400-dm-peavey, für die ich meinen schweiß vergossen hab, um beton wegzuschlagen. mein erstes verdientes geld. mit dem ich mir meinen einstieg in die welt der - selbst gemachten(!) - rockmusik verschafft habe. als zweite gitarre in einer schülerband, welche die metallballade demnächst zugunsten des grunge der 90'er fallen ließ. e-g-h-e-h-g... "du spielst metallica?!" "naja, ist doch nur 'ne ballade." hat man als 14jähriger nicht eine mehrdimensionale gefühlskälte? nein, natürlich nicht. aber - was soll man da antworten? man schämt sich ja fast dafür, daß einem gerade das lied, in welchem statt den coolen rhythmen die klänge dominieren, gefällt, während man sich an die härteren songs erst gewöhnen muß. heute gefallen sie mir alle. e-g-h-e-h-g... wie kann soviel kraft in diesen einfachen akkorden stecken? ist es der text, von dem man damals schon ahnte, daß tiefe empfindungen, die ein rocker nie zugibt, dahinterstecken? auch das weiß ich heute: james hetfield's liebeslied - so intim, weil es den trotz dessen, der die trennende wirklichkeit der welt nicht einsieht, erst flüstert, dann herausschreit. die sprachlosigkeit nach dem schrei. diesen höhepunkt kann, - darf, - soll wiederum nur die gitarre machen, die schreiende, weinende, aufbegehrende gitarre: es gibt trotz allem eine welt, in der wir sein können, wie wir uns fühlen, mit dem menschen, den wir lieben! e-g-h-e-h-g... es ist ein liebeslied. ich kenne menschen, die mit konventionen brechen wollten. familienstreit über traditionelle hochzeit und - disko. auch diese beiden kamen beim - in der form selbst gewählten - trubel erst beim "ersten tanz" endlich zu sich selbst: kein walzer... e-g-h-e-h-g... diese klänge sind ein bolero meiner zeit. mögen wir auch mit überkommenen formen brechen - nicht aber mit ihren archetypen. soviel kraft, die sich in soviel ruhe in soviel gelassener zeit aufbaut! diese abfolge ist die kunst des zeitlassens. die kunst der liebe. e-g-h-e-h-g... ich spüre james' trotzige liebe bis in mein hier und jetzt.
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2. Bryan Adams - Summer Of '69
Habe irgendwann vor '96 diese Best-of vom Bryan geschenkt bekommen, ja, die mit dem Reifen vorn drauf. Gefiel mir auch ganz gut, eher die rockigeren Songs als die Balladen. Ansonsten nicht herausragend. Sehe ich jetzt aber an mein Jahr 1996 zurück, dann denke ich: Hat der gute alte Adams nicht eigentlich von mir gesungen und bloß die Zahlen vertauscht? Eine still und tief wachsende Liebe ... Ein Freundeskreis um drei bis vier Bands, wo es neben Musik mehr um Lebensfreude, Ausprobieren und Spaß ging ... Ein ziemlich assozialer Polen-Urlaub mit allen Pannen, die dazu gehören... Ach ja, Abi, fast hätt' ich's vergessen... Jedenfalls eine wundervoll-leichtfüßige Zeit, in der das Herz halt intensiver und ungestümer schlägt. Sommer '96 ist meine adäquate Übersetzung, Bryan wird's verkraften.
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3. Europe - The Final Countdown
eigentlich keine so wichtige beziehung zu dem lied und schon gar nicht zu europe... wenn man aber schon ständig am aquirieren ist, welche lieder man mit e-gitarre, keyboard und akkordeon zu 'nem jugendgottesdienst als instrumentalstück spielen kann, kommt man halt auf einiges... neben wind of change und streets of london also eine wichtige erinnerung an kreatives arrangieren von thematisch etwas bis überhaupt nicht passenden liedern mit den instrumenten, die man halt hat. wir lachen uns noch heute über unsere aufnahmen kaputt, die mit allem möglichen schwachsinn und unzähligen versionen der gleichen lieder gefüllt sind: fast-version, müll-version, crash-version... ein mischpult von nem schulfreund im keller war als "heller-im-keller-studio" unser probe-, aufnahme-, skat- und saufort, wo die "tapes" für unsere (arme) nachwelt entstanden sind. coole zeit damals!
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4. Roxette - Spending my time
1997 fing's eigentlich erst an. Mit dem Zivildienst. Daß man sich nur noch an den Wochenenden sah. Trotzdem lagen die Roxette-Alben bei mir ne Weile rum, bis mir einmal einfiel, sie wieder zu hören - und mich erinnerte, daß wir sie auf unseren Autofahrten halt oft gehört hatten. Auf den Fahrten in der Zeit, in der "wir" uns kennen und lieben lernten. Und wenn man gerade an "sie" denkt und in der richtigen, eher nicht gerade kreativen, Stimmung ist, kann "Spending my time" schon reinhauen. Man merkt, daß Nähe nicht ersetzt werden kann "I tried to call, but I don't know what to tell you..." Eine Gänsehaut hatte ich, als ich sie nach langen Wochen einmal wiedersah. Sie holte mich vom Bahnhof ab und summte - kaum hörbar: ...
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5. Guns N' Roses - Civil War
"look at your young men fighting, look at your women crying, look at your young men dying the way they've always done before" seit "im westen nichts neues" bin ich emotional anfällig für diese art von literatur und musik. die ohnmacht angesichts des mordens und hasses in der welt holt einen immer wieder vom traumtanz zurück in die rauhe wirklichkeit und macht zutiefst traurig. "my hands are tied" axls "stimme" und slashs gitarre bringen in einem bewegenden arrangement die kriegsverachtung und das aufbegehren auf den höhepunkt. die sinnlosigkeit gegenseitigen abschlachtens in der ironie des schlußsatzes: "what's so civil on war anyway?"
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6. Nirvana - Come As You Are
Eigentlich waren es 80% von Nevermind, die wir damals in der Schülerband "Anodyne" ("Gegenmittel") nachgespielt haben. Prägende Erinnerung - weil mein Einstieg ins Gitarren-Geschäft. Schwer beeindruckt haben wir beim Unplugged-Konzert in der Aula zu irgendeinem wichtigen Schulereignis... wir sollten, weil Konzerte unsere Auflage für Probeerlaubnis waren. Na ja. Mit mehr Spaß verbunden waren dann doch Plugged-Auftritte, auch wenn sie recht selten waren. Wie der im Rautenkranz, wo ursprünglich drei Bands angesagt waren: eine Schülerband, wir und ein Tanzmusik-Duo. Zweiteres kam wegen unserer Zugaben gar nicht mehr zum Einsatz. Doch, das war schon gut damals...
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7. Pink Floyd - High Hopes
ich meine hier das ganze album "the division bells" als ein großartiges gesamtkunstwerk. wenn man wissen will, was "musikalisches arrangement" bedeutet, muß man sich unbedingt mit pink floyd beschäftigen. ich sehe dieses werk als ergebnis ihrer jahrezehnzelangen entwicklung, in der sie sich von gängigen musikvorstellungen frei gemacht und mit sounds experimentiert haben. so sauber präzisiert werden hier die stimmungen durch geräusch- und instrumentalkulisse plaziert, daß man bei vielen liedern gänsehaut bekommt. man krabbelt aus einem phantasiewald mit geistern in eine mondbeschienene lichtung (cluster one), um plötzlich auf der bühne zu stehen (what do you want from me?). alte erinnerungen (Poles apart) und neuanfänge (coming back to life) werden durchlebt. einfühlsam das lied "wearing the inside out", bei dem man irgendwie die eigene verletztlichkeit spürt, und ein dramatischer blick auf die grundfesten des menschseins (keep talking). man durchgeht und durchfliegt räume, die hell oder dunkel sind, weit oder tief... oder auch frei - bis man auf weitem feld steht und den wind der vergangenen, aber dennoch unbegrenzten möglichkeiten in sich spürt (high hopes), eine erinnerung, die so stark ist, daß sie, zumindest im "lied-traum" greifbar scheint und sehnsucht weckt. nach einer heimat, die man nie hatte: "the grass was greener - the light was brighter - with friends surround us - forever and ever"
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8. R.E.M. - I've Been High
ein lied, das dem geheimnis des glaubensgeschenks ziemlich nahe kommt. "have i missed the big reveal?" am anfang die frage, warum ich nicht "high" bin, ob ich die gnade, vertrauen haben zu können, verpaßt habe. "have you been? have done, will travel. i felt down on my knees. was i wrong? i don't know, don't answer. i've forgotten how this feels." ein sensibler ausdruck des heimkehrens, ohne etwas dafür getan haben zu können. keine antwort auf die frage, die immer wieder die menschen bewegt: schuld oder nichtschuld. gott ist anders. "ich habe es vergessen, wie sich das anfühlt." ist kein schuldbekenntnis, wie wir es verstehen, aber trotzdem klingt so etwas wie reue durch - und traurigkeit über die verflossene, leblose zeit. "i've been high. i've climbed so high. but life sometimes washes over me." dann das bild des tauchens, in dem man unbewußt/bewußt doch durch kleine überwindung (von ressentiment? von nichtvertrauen? von einer überdosis skepsis?) sich öffnen kann für ein anderes leben. die eigene anstrengung bleibt gering, wenn man die möglichkeiten bedenkt: sinken oder fliegen: "when i dive into a pool so cool and deep that if i sink, i sink, and when i swim, i fly - so high" "what i really want is, is to live my life on high. and i know, i know you want the same: i can see it in your eyes" hier wird das lebensgefühl deutlich, welches hinter der glaubenserfahrung steckt: nie wieder davon wegzukommen! einfach zu wissen, daß es gut ist. zu wissen, daß diese liebe das ist, was jeder mensch braucht. aus reue wird fürsorge. die trauer um die eigene glaubenslosigkeit wird zur trauer um die nichtglaubenden. letztendlich noch einmal die überwindung, die in einem selbst steckt, sich einlassen zu können, um heimkehren zu können, um glauben und vertrauen zu können. der glaube, zum glauben kommen zu können, als voraussetzung des glaubens: "close my eyes, so i can see: make my make-believe believe in me" gott ist so tief mit uns verbunden, daß bei der tiefen frage nach dem glauben indifferent wird, ob glaube sich aufgrund unserer initiative bildet oder geschenkt wird. ich will michael stipe keine gedanken in den kopf legen, aber für mich bedeutet sein lied eben das hier beschriebene.
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9. Jethro Tull - Locomotive Breath
Erstmal ist die Truppe kult. Über den brasilianischen Fußball hieß es mal, "sie haben ihren Zirkus organisiert." Genau das gilt auch für Ian Anderson & Kollegen: extrem virtuous, rockig, einfallsreich - und doch so präzise... man rafft es einfach nicht, wie die immer wieder auf einen Punkt kommen. Die reinsten Energiebündel... Locomotive breath - einmal erarbeitet, ist für mich immer wieder ein highlight zum Hören und Spielen. Auf der party meines bruders hab ich's zusammen mit einem seiner freunde, den ich vorher noch nicht kannte, an Klavier und Gitarre gemacht. Was für ne geile Stimmung!!! Besonders der Improvisationsteil ging richtig ab - und hat stimmungsmäßig so betäubt, daß ich in der Lage war, zu späterem Zeitpunkt auch zu halbguter Musik abzutanzen. Also einfach alles nur toll zu finden.
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10. U2 - Sunday Bloody Sunday
Dieser Song wird mich immer wieder an einen irre kreativen Typen an meiner Uni erinnern. Groß und dürr, schwarzer Lockenkopf, schwarzer langer Mantel - Architektur, was sonst? - hat er im Großraumatelier genervt und begeistert. Man stelle sich eine friedlich bis, wegen drohender Abgaben, angespannte Arbeitssituation vor - irgendwo läuft leise Depeche Mode - Konzentriertheit aller Orten. Und dann singt einer laut los, als wenn er gerade beim Superstar-Casting wäre... Im Gegensatz zu anderen brachte er dann aber seine Entwürfe auf den Punkt. Kennengelernt hab ich ihn, als ich, mich selber ablenkend, das allbekannte Intro vor mich hintrommelte - und es von der anderen Ecke des Raumes auf einmal laut rief "Sunday bloody Sunday!"
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11. The Beatles - A Hard Day's Night
Meine erste Begegnung mit Popmusik, während ich vorher nur zuhause Klassisches oder so etwas wie "Goldene..." (Gitarre, Panflöte, Melodien) (mit)gehört hatte. Habe die Platte "Please Please me" auch gleich geschenkt bekommen, was der Startpunkt für meine eigene Beatle-Manie war. Auf meinem ersten Monokassettendeck, ein "Müll mal wieder meine Bude aus"-Geschenk, von unserer ersten Fahrt in den Westen mitgebracht, dudelten fortan Love me do, Hard Day's Night, Help, Yesterday und Let it be... Später dann auch Bücher über die Beatles und die Lieder, erste Gitarre - die sogenannte zweite Eroberung: nach dem Hören das Singen. Vorläufiger Höhepunkt war das Nachsingen von All my loving im Musikunterricht, während sich die Kameraden an den Standards (Hoch auf dem gelben Wagen) abmühten. Heute liegen Kassetten und Songbook irgendwo rum - die Klänge von Eight Days a Week & co. werden mich im Innern begleiten und mich wieder und wieder an meine Kindheit-Teil 2 erinnern.
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12. Fiddler's Green - Folk Raider
"irish speedfolk im rautenkranz", ein kleiner club der benachbarten kleinstadt, in dem regelmäßig auch keimzeit, aber auch schonmal schülerbands wie die unsere spielten. das lockte uns, ohne eine vorstellung davon zu haben. der weg zum saal ging durch den kleinen kneipenraum, einen tisch mit fünf männern und gläsern, von dem es schon lustig herüberklang, beachteten wir kaum. erwartungsvolle blicke auf schlagzeug, baß, violine, akkordeon, e-, a-gitarren und diverse andere zupfinstrumente... bis sie kamen. sie - das waren natürlich die trinkfreunde von nebenan. dann legten sie los: virtuosität, tempo, vielseitigkeit, gute stimmen und einfach nur gute laune pur! sei es albis stakkatogesang, sei es tobis geigensolo, sei es die bodhrantrommel - einfach nur mitreissend! Übrigens das erste konzert, wo wir gemeinsam tanzten - ähm, abtanzten. die scheiben von den fränkischen musikern (king shepherd, on and on, another sky, folk raider) werden uns beide ein leben lang begleiten.
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13. Les Choristes - Vois Sur Ton Chemin
ein soundtrack zum film "die kinder des monsieur mathieu", der mich sehr bewegt hat. in meiner kindheit und auch jetzt noch hatte ich viel kontakt mit heimkindern. es ist immer wieder faszinierend und bewegend, wie mit etwas entgegengebrachter freundlichkeit und liebe kinder, die manchmal wie wilde tiere wirken, sich so entwickeln und aus ihrer isolation befreien können, daß man sie einfach lieben muß. oft handelt es sich um "ausgestoßene" - kinder, denen eine zukunft abgesprochen wird. vorverurteilt. nicht für sich, sondern für ihr milieu, ihre eltern, ihr ghetto... meine liebe zu kindern "am rand" des lebens hat sich dadurch entwickelt. deren lebensfreude, wenn man ihnen eine chance gibt, strahlt eine starke dankbarkeit aus. im film kommt musiker und lehrer monsieur mathieu in ein heim, wo solch "kreaturen" untergebracht sind. geltende devise: aktion-reaktion. es herrscht so etwas wie krieg. mathieu bringt menschlichkeit in diese umgebung und schafft außerordentliches: er bringt den kindern die musik und arrangiert mit ihnen einen chor. diese kurze zeit bedeuten für die kinder eine wendung zu einem hoffnungsvollem leben. dieses erlebnis voller klang, französischem kindlichem humor und viel wärme erinnert mich an außenseiterkinder und das loch, in das sie fallen - wenn ihnen keiner die hand gibt, aber auch an das leuchten in ihren augen, wenn man in ihnen gerade mal keine kleinen monster sieht. "vois sur ton chemin gamis oubliés égarés donne leur la main por les mener vers d'autres lendemains sens au coeur de la nuit l'onde d'espoir ardeur de la vie sentier de gloire" (schau auf deinen weg der vergessenen, verirrten kleinen jungen. reich ihnen die hand, um sie anderen tagen entgegenzuführen. fühl im herzen der nacht die welle der hoffnung, die glut des lebens, die empfindung des glücks)
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14. Cake - End Of The Movie
Ich hätte nie behauptet, daß ich es könnte: Nein-Sagen im äußersten Moment. Die Situation lief darauf hinaus, auf einer Matte zu schlafen, was ja im Prinzip nichts Besonderes ist. Mit ihr, die ich an diesem Abend erst zum zweiten Mal überhaupt sah. Die Besonderheit bestand vielleicht darin, daß ich das Gefühl eines besonderen, liebevollen Drahtes zu ihr hatte, daß wir vorher zu viert einen schönen Abend mit Tanz in der WG-Küche hatten, daß ordentlich Wodka-Cola im Spiel war und daß sie eine gewisse Liebesbedürftigkeit schon ausstrahlte. Die sich u.a. darin äußerte, daß sie sich partout weder im Zimmer meiner Schwester, bei der ich zu Besuch war, einquartieren, noch nachhause bringen lassen wollte, während sich schon, um vier Uhr morgens, eine allgemeine Müdigkeit breitmachte. Meine Schwester gab dann auf. Ihr Freund, mit dem ich ursprünglich nach dem Abgang der Mädels noch auf ein Glas Wein sitzen wollte, verlagerte diesen Ausklang mit mir kurzerhand auf die Küche. Nachdem ich ihm mein Herz über meine derzeitige Problematik ausgeschüttetet habe, stellten wir fest, daß sie sich schließlich doch einfach hingelegt hat, und waren gewissermaßen beruhigt. Bis ich zu Bett ging. Das Cake-Album "Pressure Chief" lief leise in Dauerwiederholung und bildete einen Soundtrack der Nacht und des Morgens. Kaum lag ich, begannen Streicheleinheiten auf Gesicht und Bauch. Ihrem Drang nach der Berührung von Lippen widerstand ich - nicht ohne Zwiespalt. Zwischen einigen heftigen Anstürmen fand ich die Worte "Ich hab eine Freundin." "Zu spät," hörte ich. Diese Worte belasten noch jetzt meine Reflektionen, ob mein Umgang mit Mädchen, die ich prinzipiell liebenswert finde, der richtige ist. Mache ich zu viel Hoffnung? Aber sie spürte dann sicherlich doch die Grenzen meiner Zuneigung, die eigentlich lediglich darin bestanden, daß ich meinem Mädchen, welches ich viel zu wenig und oft unter ungünstigen Umständen sehe, wehtun könnte. Gerade der Tag vorher war schwer gewesen, gerade vorher hatten wir unter äußeren trennenden Einflüssen gelitten. Da ich dieses Mädchen hier aber dennoch wirklich mochte, streichelte ich über ihr Haar und wir kuschelten uns an uns. Ich finde, daß die Würde beider Menschen in diesem Moment nicht verloren ging. Letztendlich war doch ein wenig Nähe das, was wir beide in dieser Nacht gebraucht hatten. Gewißheit gab der Morgen, an dem aus nächster Nähe zwei grüne Augen zurücklächelten. Die Verhaltenheit und die Unsicherheit bei ihr und mir – sie kamen erst später. Alles, was bis zum Morgen natürliches Empfinden war, wurde durch Cake begleitet und macht meine Erinnerung froh.
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15. Cake - Tougher Than It Is
Angefangen hat es schon lange. Schleichend. Angefangen, aufzubrechen, hat es an jenem Wochenende. Die schleichenden Konflikte, die absolute Nichtkommunikation zwischen Menschen, die gegenseitige Abwertung und die fehlende gegenseitige Unterstützung. Ich verließ das Haus am ersten Ort im Krieg (wenn auch nicht im Krieg gegen sie) und auf Rückzug. Ich wußte, daß ich das Haus lange nicht mehr betreten werde, möglicherweise war ihr das nicht so klar. Was ich gebraucht hätte, wäre sie an meiner Seite - wenigstens eine Nacht - unter Umständen, die man halbwegs als normal bezeichnen könnte. Vielleicht hab ich zu wenig gejammert, vielleicht hatte sie zu wenig Mut, mich zu unterstützen. "Take it all away." Komplette Mutlosigkeit weicht einer schleichenden Resignation. Die Texte und Melodien von Cake werden zu Recht als lakonisch bezeichnet. Es hat genau diesen Grund, warum ich diese Musik seit Tagen in Dauerschleife höre. Am nächsten Ort bin ich unter Freunden. Eine wohltuende entspannte, heimatliche Atmosphäre umgibt mich. Ich bin der reisende Musiker, der nur ein paar Menschen und eine Gitarre braucht, um wenigstens glücklich träumen und böse Gefühle vergessen zu können. "Something keeps him going Miles and miles away To find another place to play" Leben nur für den Moment. Freundschaft, Schwärmerei, Mitgefühl sind die Dinge, die man immer ausleben kann. Einer größeren Weitsicht war ich nur teilweise fähig. Ich sehe meine Fehler nicht in dieser Nacht am zweiten Ort. Aber ich hätte alles einfach auf sich beruhen lassen können. Ich weiß nur, daß mir diese Art von Nähe außerordentlich gut tat und mich ein wenig getröstet hat. Aber sie hat mich auch ein wenig durcheinander gewirbelt. Diese Verwirbelung nahm ich mit an den dritten Ort. "The more you try to qualify The more it all will pass you by" Hätte ich diese Wort ernstgenommen, dann hätte ich eine Dummheit und Grobheit wohl unterlassen. Eine, die zwar Illusionen aufgedeckt hat, die aber gleichzeitig Gräben aufgeschüttet hat, die so tief eigentlich dann doch nicht sind. Unsere Liebeskonzepte kann man so getrennt darstellen, wie wir es getan haben, nachdem Du mich in Bestürzung und Traurigkeit angerufen hast. Sie sind sich aber doch näher und sie sind auch miteinander gewachsen. Ich habe eine Geschichte über den zweiten Ort geschrieben, in der Du lediglich als böse, hinderliche Kraft auftauchst. Das war der große Fehler, den ich in meiner resignativen Stimmung begangen habe. Vielleicht dachte ich unbewußt nicht nur, daß ich etwas geleistet hätte, sondern auch: "Eventually we began to see that we could be completely free" Der Segen Gottes führte mich letztlich an den vierten Ort. Nachdem x-ten Gespräch über meine, oder eher unsere Situation hab ich zum ersten Mal Klarheit darüber bekommen, was ich eigentlich getan habe. Die, mit der ich zusammen als die Guten gegen das Böse, welches uns als Sprachlosigkeit, Verbitterung und Mißverständnis umgibt, streiten will, hatte in meiner Geschichte eine Rolle, die das Gute, das Natürliche, beeinträchtigt. Als Kraft der Vergangenheit. Habe ich Dich wie Judas einst aus Enttäuschung und Resignation verraten? Der Segen Gottes gab uns beiden die Kraft, versöhnliche Zeichen auszusenden. Jetzt bin ich wieder hier bei mir. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber ich kann damit leben. Ich muß nicht wieder zu besonderen Maßnahmen greifen. Ich kann uns Zeit lassen, uns einen Weg zu bahnen, bis wir die Kraft für eine gemeinsame Entscheidung finden, von der ich hoffe, daß es nicht die letzte sein wird. "How can you say forever is at your command? How can you say the future's in the palm, In the palm of your hand?" "Well the more you try to shake the cat The more the thing will bite and scratch Its best I think to leave its fur and to listen to its silky purr Some people like to make life a little tougher than it is"
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16. Depeche Mode - Precious
"precious and fragile things need special handling my god, what have we done to you?" my girl, what have i done to you? du hast mir diese cd mit diesem text und diesen seelentiefen melodien geschickt. seelentiefer melodie und seelen-melodiöser stimme, wohlweislich sanft und schwebend musikalisch, demo-typisch eben, untermalen. so sitze ich hier sinnend. aufatmend und voll freude an dich denkend. und doch trauernd. trauernd um schmerzen, die sein hatten müssen, um wieder zusammenzufinden. "things get damaged. things get broken." wir haben es im letzten jahr geschafft, worte nicht unausgesprochen zu lassen. aber es hätte paradisisch sein können, wenn sie nicht nötig gewesen wären. so begleiten uns demo mit ihren erkenntnissen von "enjoy the silence" zu "... but words left unspoken." - passend zum paarungs-seelen-zustand unseres doppelsterns. die worte klingen in meiner seele und werden zum gebet, bitte, bitte immer wieder fein wahrnehmen zu können, wie kostbar und fragil, und wie leicht verletzlich doch oft das schönste ist, das uns im leben begegnet. "precious and fragile things need special handling my god, what have we done to you?"







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