Soundtrack meines Lebens

  • 1. Kettcar - 48 Stunden

    Mach immer, was dein Herz dir sagt - die Essenz des schönstes Songs der wunderbaren Hamburger, den ich eigentlich nur im Auto auf offener Strecke hören kann (dann aber immer griffbereit haben muss). Es ist beängstigend, wie biographisch manche Lieder in Nachhinein wirken. Gut, bei mir war es kein Umzug. Aber es war Berlin, und es war die schiere Entfernung und die Aussichtslosigkeit. Beide Male, das eine schmerzhafter als das andere, weil so verflucht desillusionierend und weil mit der Gegenwart auch die Vergangenheit ihren Zauber verliert. "48 Stunden" steckt so voller Wehmut, so voller Schmerz, der so achselzuckend und tapfer ertragen wird, wie ich es wohl nie könnte.

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  • 2. underworld - Two Months Off

    500 Kilometer zwischen Pretoria und Kimberley, 500 Kilometer durch das nichts. Staub, Rote Erde, alle zehn Minuten ein auto und wir weit hinter dem Zeitplan zurück. Dem VW-Bus im Linksverkehr alles abverlangt, mit den Gedanken irgendwo anders, mit 160 Richtung Sonne. Vier surreale Stunden lang, aber mit dem perfekten Soundtrack. Die Hookline grandios, der "Text" ein wirres Gebrabbel bis auf die zentrale Zeile: "you bring light in/to a dark place". Immer und immer wieder, 9:09 Minuten lang. Und repeat...

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  • 3. Placebo - Special Needs

    Luna Park, Buenos Aires. 45 Grad, 6000 Wahnsinnige auf den Stehplätzen unter uns. Irgendwie surreal... Also, die Gedanken geordnet: Drei Wochen schon in Südamerika unterwegs, sonnenverbrannt in Ecuador, ausgeraubt in Peru, höhenkrank in Bolivien, von einem deutschen Seifenoper-Autor in Uruguay abgefüllt worden, so ziemlich jedem überlebenen Nazi in Paraguay über den Weg gelaufenen, schon zum Mittagessen den herrlichsten Caipirinha der Welt am schönsten Fleck der Welt in Rio in den Kopf gegossen. Nun Argentinien, kurz vor Mitternacht, acht Quilmes im Tank, blaues Licht, unter uns die wogende Menge. Und diese Band: „Remember me, when you’re the one you’ve always dreamt”. Von allen großartigen Placebo-Songs der berührendste. An diesem Abend war es das pure Leben, die Essenz, das Konzentrat von allem. Vier Minuten, in denen ich nur noch aus Gefühl, nicht mehr aus Kopf bestand.

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  • 4. Garbage - You Look So Fine

    Das erste Mal ist immer das schönste. Na gut: "immer" ist natürlich Unsinn. Aber manchmal eben, und das oft bei prägenden Dingen. Zum ersten mal Greers "Max Tivoli" lesen zu dürfen beispielsweise. Oder zum ersten Mal l'Alpe d'Huez" zu erleben. Oder eben das erste Mal Rock am Ring. Die Truppe war die beste, die Bands waren die besten, der Nürburgring wie nie danach - eben weil alles neu war. Spätestens am zweiten Abend kam das unvermeidbare Zwischentief. Bei Cypress Hill mitten im "Kiffer-Klub e.V. Pirmasens" gestanden, bei Metallica Shirt und Schuhe verloren, dazu völlig überhopft. Irgendwann lehnte ich an der rückwand des damaligen "Alternatents", lauschte mit sparsamen Blick den unvergleichbaren Garbage mit der grandiosen Shirley Manson. Und obwohl ich "You look so fine" zuvor unzählige Male gehört hatte, wurde mir erst jetzt klar, wovon der Song eigentlich handelt: die schönsten Dinge sind oft die gefährlichsten, die schönsten Momente die zerbrechlichsten - "I want to break your heart and give you mine."

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  • 5. R.E.M. - Find The River

    gäbe es diesen soundtrack wirklich, dieses lied wäre der titeltrack, war er doch damals so etwas wie der große weckruf. ein tag und eine nacht im mai wie ein gedicht, warm, sonnig, später sternenklar, dazu r.e.m. für umme auf der domplatte. mittendrin dieser song, so herzensgut, so unendlich tröstlich, der sagt: das leben ist so wunderbar, so voller unendlicher möglichkeiten, wenn man nur den mut hat, hinauszugehen und sie zu suchen. „this song is for john selway“, kündigte ihn michael stipe damals an. paperlapapp: an diesem abend war er für mich...

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  • 6. Moloko - Forever More

    Keine Frage: Moloko machen fantastische Musik, und Roisyn Murphy ist eine Traumfrau. Brittany Murphy ist das übrigens auch, aber alles drei tut zunächst herzlich wenig zur Sache. Vielmehr hatte ich seit frühester Kindheit einen engen Bezug zu Südtirol und die wunderhübschen Dörfer Eppans. Es war eines der frühesten Urlaubsziele mit meinen Eltern, und das blieb es über Jahre. Für einen Achtjährigen was es herrlich, das blieb es für einen 13-Jährigen. Hier erlebte ich meine erste Sommerliebelei mit einem Mädel aus dem tiefsten Schwaben - unschuldiges Händchenhalten und den ersten Kuss. Harmlos, sicher, aber prägend: völlig verzweifelt wollte ich aufgrund der Entfernung nach der Rückkehr das Kapitel Frauen endgültig ad acta legen - mit knapp 14. Die Jahre vergingen, dies aber blieb in meinem Herzen - vielleicht auch in ihrem, wo auch immer sie heute sein mag. Fast zehn Jahre später kehrte zurück, und an den traumhaften Orten der Kindheit schien die Zeit fast stehengeblieben zu sein. Stundenlang, tagelang fuhr ich durch einen Teil meiner Vergangenheit, an jeder Straßenecke, hinter jedem Hügel erinnerte ich mich an neue Geschichten. Und dabei lief immer wieder Moloko, nebensächlich (wie gesagt), aber so treffend. "endless tears/forever joy/to feel most every feeling/forever more". Eigentlich hätte thematisch wie biographisch auch "Land in Sicht" von "Ton, Steine, Scherben" mit seinem so rührenden Text gepasst: "Ich seh die wälder meiner Sehnsucht/den weiten sonnengelben Strand/der Himmel leuchtet wie Unendlichkeit/die bösen Träume sind verbannt". doch das ist ja eigentlich ein "Meeres-Lied" - und außerdem hat Roisyn Murphy bessere Zähne als Rio Reiser damals...

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  • 7. Oleta Adams - Get Here

    Als ich das erste Mal nach Madrid kam, war die Stadt eher nebensächlich, bloße Kulisse. Wieder in Deutschland war sie für mich der Stein gewordene Herzschmerz, jeder Gedanke an Madrid und alles, was damit zu tun hatte, voller Wehmut und emotional bis an die Schmerzgrenze aufgeladen. Dennoch flog ich wieder dorthin, obgleich Madrid alleine für mich kaum zu ertragen war, mich zu verschlingen drohte, erkämpfte es mir zurück und lernte es zu lieben, wie ich jene zu lieben dachte, wegen der ich es zum ersten Mal besucht hatte. Und weil es ein seltsamer Umstand ist, dass mitunter andere, fremde Leute, die eigene Lage viel klarer sehen und umschreiben können, schrieb der wunderbare Thees Uhlmann: "Ich erinnere mich, Sachen so zu tun, wie du sie tust, damit ich dich nicht vermisse. Ich erinnere mich daran, den Menschen Denkmäler setzen zu wollen, weil sie selber nicht fähig dazu waren und weil es einer machen muss." Wie Madrid, „la villa noble“, das edle Dorf, ist „Get here“: Stolz, aber nie selbstverliebt. Voller Sehnsucht, aber nie selbstmitleidig. Herzzerreißend, aber immer ehrlich – und so voller Leben. Jedes Mal, wenn ich in diese fiebrige Metropole, nun ja: flüchtete (wovor auch immer), schob sich mir dieses Lied in den Kopf: Komm her, egal wie, egal wie die Konssequenzen sein mögen – und alles wird gut. Drei Frauen, nacheinander freilich, waren mittlerweile damit gemeint. Keine kam, keine blieb mir. Madrid schon. Nochmal Uhlmann: "Ich erinnere mich an alles. Ich gehe ohne Furcht." Das ist für mich die Magie dieser Stadt: Wenn ich dort bin oder auch nur daran denke, erinnere ich mich nur an die positiven Dinge, dich mit jenen verbinde.

  • 8. 2Pac - To Live & Die In L.A.

    In Zeiten, wo Halbwüchsige wirres Zeug brabbelnd durch Marzahn und Chorweiler laufen und ihre ganze Misere via Viva ins Land rufen, erinnert man sich umso lieber daran, wie guter Hiphop einst klang. 2Pac war einer der besten seiner Zeit, "To Live & Die In L.A" die zarteste Liebeserklärung an eine Stadt, die man so schwer lieben kann. 1999 fuhr ich mit Thilo im Mietwagen über die unfassbar weiten Highways, diesen Song per Tape in voller Lautstärke im Ohr, das Gesicht in der Sonne. Es war einer der Momente, in denen man sich mit 21 unverwundbar fühlt - bis man die falsche Ausfahrt nimmt...

  • 9. George Michael - Fastlove

    Rein sportwissenschaftlich war unser Auftritt eine mittlere Zumutung: Eher wie die Bloodhound Gang auf Tour denn wie Schwimmer führten wir uns an jenen fünf Tagen im Mai auf. Dennoch: Wir hatten Erfolg, und vor allen Dingen hatten wir Spaß – so wie man eben nur mit 18 Spaß haben kann. Heute erinnert mich dieses Lied vor allem daran, wie leicht es damals war, sich zu verlieben. Und wie schwer, verliebt zu sein.

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