Soundtrack meines Lebens

  • 1. Dire Straits - Brothers In Arms

    Sommer 1990, was für eine Zeit. Wir waren jung, tranken literweise billiges Dosenbier und hörten schreckliche Musik. *rrrriiiiing* "Yo!" "Hi, was geht ab heute?" "Keinen Plan, Alter...Lass uns im Garten abhängen und grillen und saufen." "Ok" "Alles klar, bis gleich." Um 15 Uhr ist die Meute versammelt, und während die Einen den Grill anfeuern, bau ich mit dem Schwenki ein Zelt auf, vielleicht schafft man es ja später nicht mehr zurück ins Haus, sind immerhin locker an die 30 Meter Wegstrecke. 18 Uhr, das Fleisch ist fertig, das Bier warm, und das Zelt steht. "Brauchen wir Decken?" "Hol ich später raus, hab jetzt keinen Bock wieder rein zu latschen." "Denk dran." "Ja ja, Du §$&%$." Der Abend nimmt den gewohnten Lauf, laute Musik, grölende Teenager, meine Oma regt sich wieder mal darüber auf, dass der Fußball ständig in ihre Blumen fällt, und Raputans hängen hinter ihren Vorhängen und beobachten uns "verdeckt", alles ist wie immer. Irgendwann als alle weg sind, wanke ich mit'm Schwenki zusammen auf das Zelt zu, ziehe den Reißverschluss auf, und sehe nichts weiter, außer den blanken, durchlöcherten Zeltboden. "Scheiße Alter, wir haben die Decken vergessen." "Egal, gehen wir halt rein, ist eh viel zu kalt für den Scheiß." "Ok." "Ok." Wir torkeln also gemütlich Richtung Haustüre und kommen dort auch nach einigen Zwischenstopps wohlbehütet an. Jetzt nur noch aufschließen, und dann.... "Wo ist der Schlüssel?" "Wat weiß denn ich?" "Wie?" "Keine Ahnung, wo du den scheiß Schlüssel hingetan hast, Mann!" "Er ist weg Alter." "Fuck!!!" Was tun, sprach Zeus, aber was? „Um 2 Uhr Nachts kann ich unmöglich meine Oma aus dem Bett klingeln, die dreht mir locker den Hals um. Gehen wir ins Zelt, ich hab ne super Idee.“ Am Zelt angekommen greife ich mir die Rolle Alufolie und baue mit Hilfe von 6 glühenden Kohlestücken so ´ne Art überdimensionalen Taschenwärmer. Wir legen uns hin, und hören „Brothers in Arms“ von Dire Straits, ganz was schmieriges, aber irgendwie trotzdem ganz nett zu diesem Zeitpunkt. Das Lied gefällt uns so gut, dass wir beschließen, es noch mal zu hören, und noch mal, und ein viertes Mal nehmen wir auch noch mit. Der selbst gezimmerte Kohleofen bringt überhaupt gar nichts außer jeder Menge Gestank und akuten Sauerstoffmangel im Zelt, sehr schön, raus damit. Aber was ist denn das da vorne, eine 1A Stablampe, hübsch, und irgendwie……irgendwie warm, her damit. Im Minutentakt schieben wir uns das kleine Lämpchen zu, und versuchen damit die Kälte wenigstens ansatzweise zu reduzieren, im Hintergrund trällert sich Mark Knopfler immer noch einen ab, das Lied läuft jetzt schon seit Stunden, aber keiner hat noch genug Kraft um etwas dagegen zu tun, und gegen fünf Uhr Morgens fallen wir endlich in eine barmherzige Ohnmacht. Der nächste Tag: 14 Uhr, ich wache auf. Was ist das bloß für eine Affenhitze hier drinnen? Mein Kopf zerplatzt bei der kleinsten Berührung in Millionen winzig kleine Stücke, wieso guckt mir eigentlich ein Kabel aus dem Hosenbein, und was ist das für ein schreckliches Lied, was da die ganze Zeit volles Rohr läuft? „He Schwenki, wo sind meine Kippen?“ „Mir egal, Hauptsache, Du machst diesen Scheiß aus.“ „Geiler Song, was? Lief nur die ganze Nacht durch.“ „Aaaaaaaaahrgh.“ Ich ziehe das Boxenkabel aus der Anlage und öffne die Zelttüre, der Planet brennt… „Wo sind die Fluppen, Du Vollotto?“ „Auf’m Tisch glaube ich.“ Ich krieche aus dem Zelt, gehe zum Tisch, wühle ein bisschen rum und finde….meinen Haustürschlüssel… „Brothers in Arms“ von den „Dire Straits“….was für ein Lied, ich will’s nie wieder hören in meinem Leben…

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 2. Ohrenfeindt - Schmetterling

    Ende Februar 2007, endlich zieh ich aus dieser nervigen und langweiligen WG in Niehl aus und breche auf in neue Gefilde, die in Form einer Zweier-WG in Köln Ehrenfeld auf mich warten. Anfangs war ich sehr skeptisch was mein neues Domizil anbelangt, denn die Bude war nicht mal ansatzweise das, was ich mit vorgestellt hatte, aber meine zukünftige Mitbewohnerin war einfach zu geil drauf und hat mich dadurch, für sie unbewusst, in meiner Entscheidung bestärkt. Am Abend vor dem Umzug, zu dem ich Gott und die Welt zur Hilfe aufgefordert hatte, klingelte es plötzlich unverhofft an der Türe und zwei Menschen, mit denen ich aufgrund der weiten Entfernung nie im Leben gerechnet hätte, standen, mit einer hübschen Kiste Bier im Gepäck, vor mir: Latusek und Frieder aus Zwickau! Die Freude war riesig und der Abend fröhlich und feucht. An diesem Abend spielte Frieder besagtes Lied vor und was soll ich sagen, ich war sofocht™ begeistert. Wenn ich von etwas begeistert bin, dann bin ich das richtig, mit Schmackes, wie der Kölner sagt, und mit ganzem Herzen. Was Musik betrifft, bedeutet das, dass ich ein Lied aufsaugen muss bis in die letzte Pore meines Körpers, bis ich total vollgesogen damit bin, also höre ich es immer und immer wieder, solange bis das Sättigungsgefühl eintritt. Zugegeben, der Text des Liedes ist nicht gerade wirklich fröhlich, aber bei manchen Songs spielt es einfach keine Rolle was gesungen wird, sie brillieren allein durch ihre musikalische Darbietung. Ich weiß nicht mehr wie oft wir an dem Abend das Lied gehört haben, aber es war vermutlich sehr, sehr oft und am Tag darauf sollte es nicht weniger werden. Samstagmorgen, mein Kopf platzt nach einer miserablen, weil viel zu kurzen Nacht bei jeder kleinsten Bewegung in 1000 Stücke und auch das Konter- und Abschiedsbier in der Kupferkanne macht’s nicht gerade besser, wie soll ich da umziehen? Im Kopf läuft die ganze Zeit der Schmetterling, erst leise, dann immer lauter. Als wir aus der Kneipe kommen sind schon jede Menge Leute da, die alle gut gelaunt und voller Tatendrang sind, klasse organisiert das Ganze, aber irgendwie ganz schön laut. Mein Leidgenosse Latusek und ich treffen die Entscheidung, den Lärm und das Pochen im Kopf mittels Bier zu bekämpfen was auch vorzüglich funktioniert, worunter der Umzug allerdings zu leiden hat, denn nach der dritten Kanne bin ich lattenstramm, hüpfe durch’s Treppenhaus und singe "Sie is’n Schmetterliiiing…" Innerhalb einer Stunde ist die Bude leergeräumt, unglaublich aber wahr und endgeil, denn damit hatte ich nie im Leben gerechnet. Auf geht’s, alle in die Karren und nach Ehrenfeld, auf in den nächsten Abschnitt meines Lebens. Dort angekommen das Chaos pur, meine Mitbewohnerin ist nicht da, nach ‘ner Viertel Stunde macht uns irgendein glatzköpfiger Vogel in der Unterhose die Türe auf, mault irgendwas und verschwindet wieder in einem der Zimmer. Die Küche, die bis zu meinem Einzug auf jeden Fall fertig sein wird, hat das Rohbaustadium nicht verlassen, der winzige Flur ist vollgestellt mit Kram und in meinem Zimmer steht ein Trümmer von Schrank, den wir erstmal in den Keller schleppen müssen, was für ein Einstieg! Dann geht wieder alles ganz schnell, ich stehe mit Bier bewaffnet am Auto und sage im Sekundentakt: "Keller, hoch, Keller, Keller, hoch". Um 14:00 Uhr ist alles soweit verstaut und es kann gefeiert werden, als erstes wird die Anlage aufgebaut und der Schmetterlingssong eingelegt, das ganze Haus dröhnt und während ich durch die Sphären schwebe und immer wieder dasselbe Lied höre, arrangiert Frieder die Einrichtung meines Zimmers. Das Bier floss in Strömen, die Musik wurde lauter und lauter und alle hatten einen Heidenspaß. Ich weiß gar nicht mehr wie lang wir überhaupt gemacht haben, ich weiß nur noch, dass wir der Zeit weit voraus waren, denn die gefühlte Zeit lag stets um Stunden vor der realen. Dieser Umzug war, im Nachhinein betrachtet, ein entscheidender Schachzug für mein jetziges Leben und jedesmal, wenn ich den Schmetterlingssong höre, denke ich grinsend an dieses eine Wochenende zurück und sage mir: "Junge, du hast alles richtig gemacht."

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  
Seite: 1 2 3 4 5 ... 6