Soundtrack meines Lebens

  • 1. Down by law - I'm Gonna Be (500 Miles)

    Der Song lief damals jeden Samstag in meiner Stammdisko. Ich war 17, kam gerade in die Oberstufe, war wie immer verliebt und hüpfte gerne zu diesem Lied auf der Tanzfläche herum. Insgesamt eine sehr gute Zeit. Der Song war eine Coverversion des gleichnamigen Songs von den Proclaimers aus dem "Benny & Joon" Soundtrack, interpretiert von einer obskuren Punk-Band namens Down by law. Ein Freund und ich begaben uns in sämtlichen verfügbaren Plattenläden auf die Suche nach der CD. Als wir sie dann endlich gefunden hatten, konnten wir das Lied allerdings kaum noch hören.

  • 2. Die Sterne - Was Hat Dich Bloß So Ruiniert?

    Ein Februarmorgen, Oberstufe, kurz vor dem Abi. Fünf-Minuten-Pause, zwischen Biologie und Mathematik. Ort: die Raucherecke, trotz Nichtaucher-Daseins. Das Wochenende war kurz, und man hat sich eh in denselben Kneipen gesehen. Was gibt es noch zu sagen außer: A: "Warst du nicht fett und rosig?" B: "Warst du nicht glücklich?" C: "Bis auf die Beschwerlichkeiten..." A: "Mit den anderen Kindern streiten." C: "Mit Papa." B: "Und Mama!" A: "Wo fing es an.." B: "...und wann!" A: "Was hat dich irritiert?" A,B,C: "Was hat dich bloß so ruiniert???" Damit wäre auch wirklich alles gesagt. Es geht weiter mit Mathematik.

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  • 3. Jimmy Cliff - I Can See Clearly Now

    Klassenfahrt in den Osterferien 1996 nach Israel (ja, das ging damals noch; und ja: ich war auf einer katholischen Schule). Erste Station: eine Woche am Toten Meer. Es regnet ununterbrochen, wir sitzen praktisch in der Jugendherberge am Toten Meer fest und hören den Regen draußen fallen. Wüste, ha! Die Christen in der Gruppe vertreiben sich die Zeit - wie so oft - mit Singen. U.a. den Reggae-Klassiker "I can see clearly now the rain has gone". Wohl so eine Art Wunschgebet. Es bleibt leider unerhört. Dafür setzt sich das Lied in meinen Erinnerungen fest.

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  • 4. Tocotronic - Letztes Jahr Im Sommer

    "Es ist wahr - ich hab - noch nie so viel gedacht - doch irgendwann - hab ich mal mehr gelacht: zum Beispiel letztes Jahr im Sommer". Tocotronic haben wir damals ziemlich viel gehört, ein guter Soundtrack für eine gesunde Melancholie. Außerdem beschleicht einen mit 18 langsam das Gefühl, dass man früher vielleicht weniger nachgedacht dafür mehr erlebt hat. Stellt sich dann aber auch nur als Phase heraus.

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  • 5. The Cranberries - Ode To My Family

    Ich bin auf Inter-Rail mit einem Freund, er möchte seine neue Freundin besuchen, die in Bournemouth, England gerade einen Sprachkurs macht. Wir landen in einem schnuckligen Bed & Breakfast in Meeresnähe, beim Frühstück läuft "Ode to my family" von den Cranberries, später gehen wir alle gemeinsam zum Strand, und ich verliebe mich mal wieder, woraus natürlich nach der Rückkehr aus dem Urlaub nichts weiter wird. Was ja trotzdem nichts an dem Glück dieser paar Tage ändert, an das mich der Cranberries-Song erinnert.

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  • 6. Pearl Jam - Alive

    Grunge war die erste Musikrichtung, die ganz uns gehörte und nicht unseren älteren Geschwistern. Holzfällerhemden waren damals ganz schick, und alle Bands die aus Seattle kamen. Ich kaufte mir ein Pearl-Jam-T-Shirt mit einem Strichmännchen drauf und dem Aufdruck "Alive", darüber trug ich ein Holzfällerhemd, dazu zerschlissene Jeans, in die ich mühsam selber die notwendigen Löcher hineingeschnitten hatte. So uniformiert kam ich mir doch ziemlich cool vor. Schade, dass ich mir noch kein Ziegenbärtchen wachsen lassen konnte.

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  • 7. Guns n' Roses - You Could Be Mine

    Axl Rose war ein ganz schlimmer Finger Anfang der 90er. Das ideale Rollenmodell also für einen Frühpubertierenden wie mich mit meinen 13 Jahren. "You could be mine" war der Titelsong für Terminator 2, den Blockbuster des Herbstes 1991. Klar, dass "man" den einfach gesehen haben musste. Der Haken war nur: ich war 13, der Film war ab 16. Wer Jungs mit 13 kennt, weiß, dass sie auch meistens aussehen wie 13 und keinen Tag älter. Trotzdem haben ich und meine damaligen Freunde es probiert. Mit Anstrengungen wie: sich Asche ins Gesicht schmieren, um so etwas wie einen Bartwuchs zu simulieren, Sonnenbrillen tragen, obwohl es ein Winterabend ist, Kleider der älteren Geschwister anziehen. An der Kinokasse erkannte man in uns: schmutzige, verhaltensauffällige Kinder. Und schickte uns wieder nach Hause. Erst als der Film schon mehrere Wochen lief und ich an eine apathische Kartenverkäuferin geriet, kam ich hinein. Trotzdem war selbst das noch der Triumph, den ich brauchte.

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  • 8. Liquido - Narcotic

    Im Winter 1998 war ich gerade am Anfang meines Studiums, Germanistik in Bamberg, und besuchte allerlei Studentenpartys auf denen alle die waren, die ich gerade neu kennengelernt hatte. "Narcotic" wurde da unter Garantie immer gespielt, und der ganze Raum tanzte dazu. Am besten gefiel mir der Moment, wenn beim Einsetzen des Chorus plötzlich alle zu hüpfen anfingen, als hätte die Schwerkraft ausgesetzt. Liqudo waren eine Heidelberger Studentenband, und als junger Student hatte ich einen ähnlichen Kleidungsgeschmack wie die Jungs der Band, Pullunder und Hemden zu Cordhosen. Die Band blieb ein One-Hit-Wonder, und mein Studium ist inzwischen auch vorbei.

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  • 9. The Fugees - Killing Me Softly

    Sommerferien 1996, die letzten vor dem Abitur. Statt nochmal richtig Urlaub zu machen, verbringe ich eine ganzen Monat damit, bei archäologischen Ausgrabungen an einem Keltengrab in der oberhessischen Provinz mitzuarbeiten. Klang irgendwie ganz spannend vorher. Stellte sich dann aber doch nur als maskierte Baustellenarbeit heraus: "Schaufeln Sie den Berg da mal weg, ich will mal sehen, was drunter ist", sagte der Grabungsleiter. Und so schippe ich einen Monat lang Erde, unterbrochen von monsunartigen Regenfällen. Ein paar Dorfjugendliche arbeiten auch da, darunter der hessische Jugendmeister im Steinweitwurf. Er hat immerhin ein Radio dabei, das nun vier Wochen ununterbrochen läuft. Alle Sommerhits des Jahres 1996 kann ich dadurch bis heute auswendig, neben Fugees "Killing me softly" auch "Wannabe" von den Spice Girls und "Breakfast at Tiffanys" von Deep Blue Something. War ich froh, als die Schule wieder weiterging.

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  • 10. Manau - Mais Qui Est La Belette

    Der Jahreswechsel 1999/2000 steht unmittelbar bevor, wir ziehen uns in eine Hütte in den Schweizer Alpen zurück - vielleicht war ja doch etwas dran an dem Millennium Bug und dem Zusammenbruch der westlichen Zivilisation. Dort wohnen wir für einige Tage in einer größeren Gruppe ziemlich autark und bekommen von der Außenwelt nicht viel mit. Der Jahrtausendwechsel geht dabei fast unmerklich vorüber. Die Schweizer in der Gruppe haben eine CD mit franko-keltischem HipHop dabei von der Gruppe Manau, der in Endlos-Rotation auf dem Ghetto-Blaster läuft. Es war beruhigend, festzustellen, dass es noch eine Zivilisation gab, als wir die Berghütte wieder verließen. Sonst hätte ich womöglich bis zum Ende meiner Tage in dieser Hütte mit den Schweizern und dem Franko-keltischem HipHop in Endlos-Rotation verbringen müssen.

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