Soundtrack meines Lebens

  • 1. ASP - Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)

    Es war im Jahr 2006, als ich diesen Song dem Mann zukommen ließ, in den ich mich Wochen zuvor in einer schwülen Augustnacht Hals über Kopf verschossen hatte, dem es selbst im Gegenzug nicht anders ergangen war. Schon vom ersten Augenblick an schien alles so richtig. Und je mehr wir redeten, desto richtiger schien es... Die Crux an der Sache allerdings war die noch in Bearbeitung befindliche Trennung von seiner damaligen Noch-Ehefrau - denn genau dort setzten die Zeilen des Songs an. "Nur wer sich öffnet für den Schmerz, lässt auch die Liebe mit hinein." Aus einem karriereorientierten und geldgewohnten Jura-Referendar war wohl nicht zuletzt mit meiner Mithilfe ein Mensch geworden, der seine Freude an kleinen Dingen auszuleben fähig geworden war, zuhörte - und mit diesem erweitereten Horizont nachdachte. Ich erinnere mich noch heute an seine Stimme, als er mir davon berichtete, was allein diese eine Zeile bei ihm in Gang gesetzt hatte. Und so fiel seine Entscheidung zur Rückkehr, während mir die ungeschickten Liebesbriefe blieben. Kennengelernt hatte ich den Song 2003 als explizit angebene atmosphärische Untermalung zu einem Rollenspiel-Post. Die Beschreibung eines fiktiven Charakters, der in einer mittelalterlich angehauchten Fantasy-Welt einen Brief an seine Liebe schreibt - und ihn doch nicht abschickt, weil er im Glauben ist, daß er ihr doch nichts bedeute, daß sie ihn als bloßen Zeitvertreib eine Weile als Gefährten geduldet habe. Dabei waren es nur die Pflichten gewesen, die Ränke, die um sie geschmiedet worden waren und denen sie sich entgegenzusetzen hatte, dazu seine Abkehr von der Gemeinschaft, für die zu kämpfen sie sich geschworen hatte, die sie davon abhielten, ihm entgegenzukommen. Ich weiss es, weil die Spielerin dieser Liebe ich selbst war. Schon damals bedeutete mir der Song viel, weil mir der Spieler hinter dem anderen Charakter über viele nächtlichen Gespräche abseits des eigentlichen Spiels ans Herz gewachsen war - und wir beide bis zu einem persönlichen Treffen so manches Mal an mehr gedacht hatten. Doch auch wenn sich danach so vieles klärte... ... erinnere ich mich immer wieder an zwei Menschen, aber auch an so viele andere Augenblicke, denn der Titel legte den Grundstein zu meiner ASP-Vorliebe und wann immer er auf den Konzerten und Festivals gespielt wird, überfällt mich eine Gänsehaut nach der anderen.

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  • 2. Kettcar - 48 Stunden

    Hätte ich den Song eineinhalb Jahr zuvor gekannt... Es war in Berlin gewesen, wir hatten noch darüber gefrozelt, daß wir beide keine Menschen sind, die 48 Stunden dauerhaft in der Gegenwart anderer nur schwer überstehen können. Es wurden (vielleicht steht sie noch immer auf dieser Holzmöwe, die Rechnung, die ich mit einem schwarzen Edding als ein Resumée eines langen Wochenendes auf eine ihrer Flügel niederschrieb) über 96 Stunden. Wir hatten getan, was die Herzen uns sagten, gegen jeden Stolz. Herzen, nicht verloren, aber ein Stück begraben an einer Flußbiegung. Und das meine erinnerte sich, dieses Stück, als ich das Lied hörte... Ein Jahr und etliche Monate später stand es fest. Wir bereuten nichts.

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  • 3. Foo Fighters - Pretender

    Nicht mehr Winter, noch nicht ganz Frühling, die Nächte waren kalt genug, um sich an einem späten Samstag abend auf den Strassen der Großstadt nicht zu sehr auf die Füße zu treten. Und es waren viele dieser Abende, die je mit einem Anruf begannen. Mal war es ein "Kommst du vorbei?", dann wieder ein "Bock, rauszugehen? Dann komm ich rum...". Klamotten gepackt, ein Kasten Bier oder eine Flasche Wein dazu, ab ins Auto. Gegessen wurde, was da war, oder was die Bistros auf den Straßen zu bieten hatten. Im Hintergrund der Fernseher, manches Mal ein ausgewählter Film, neue Songs im Austausch. Hin und wieder ein drittes Gesicht. Und immer Gespräche. Zur Geisterstunde dann parat gemacht für die Clubs - das Bier vom Kiosk gegenüber für den Weg zu den Clubs ebenso ein Ritual wie die Reihenfolge der Besuche und die Besuche selbst - und wie der Gang beim Bäcker vorbei auf dem Heimweg mit dem Gruß der Morgensonne im Nacken. Gelöst, angeheitert, zufrieden und müde. An jedem dieser Abende spielten sie diesen einen Song. Und erinnert mich (und ihn) jedes Mal wieder an diesen Frühling, in dem das Blut dicker schien denn je.

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  • 4. Dredg - Bug Eyes

    Endlich. Dredg in concert. Es hatte Jahre gedauert, endlich hier zu sein, zu sehen, zu hören, zu fühlen. Es zu dürfen und zu können. Ich erinnere mich an die erste Gelegenheit. "Leitmotif" war hier in Insiderkreisen gerade aktuell, "El cielo" in Deutschland noch nicht ganz angekommen und sie spielten für lau, da noch hochgradig unbekannt, in den Rheinauen. Am Wochenende. Und ausgerechnet an einem, an dem ich arbeiten mußte. Es war bitter - aber gut, es würde andere Gelegenheiten geben. Die zweite kam - und verging. Der kurzfristige Anruf eines Bekannten. "Dredg spielt! Kommst du mit?" Fuck. Seit zwei Tagen ungeduscht, mitten in Aufräumarbeiten. "Wann?" "In zwei Stunden. Wenn du nicht sofort loskommst, sind die Karten vermutlich weg." "'Kay, knick es." Gut, die Gesellschaft wär keine optimale für Konzerte gewesen. Ich hätte mir die Zerpflückung antun müssen. Aber es würde ja andere Gelegenheiten geben. Die dritte kam. "Sie sind wieder da!". Mein Herzblut. Damn. "Du, ich kann den Notdienst nicht umlegen. Geht wieder nicht, wie in den Rheinauen..." Einer der Momente, in denen ich meinen Job ob der Bedingungen hasse. Er reagierte mitfühlend. Und brachte mir im Anschluß die (leere) Flasche Becks Gold mit, die Gavin ihm (und weitere den anderen) nach dem Konzert und während einer Diskussion am nahe gelegenen Kiosk ausgegeben hatte. Sie steht noch immer auf dem obersten Küchenboard. Die vierte. Mit Feuer und Flamme war "my best friend" mit dabei. Oder sie wollte es, obwohl sie sie nicht kannte. Als der Tag da war - hatte sie es vergessen. Und ich dermaßene Kopfschmerzen von einem harten Arbeitstag und mit Ausblick auf einen weiteren dergestalten (es war gleich Montags), daß wir es im Einvernehmen cancelten. Und irgendwie war ich es ja auch schon gewohnt. "Dredg in der Nähe? - Kommt mir eh was dazwischen." Es war ein frustrierender Gedanke. Inzwischen hatte ich es insgeheim aufgegeben. Dann fiel mir just zu meinem Geburtstag eine Konzertkarte aus einem Geschenk meines Herzblutes und seiner Freundin in die Hände. Ich werd wohl nie den Anblick vergessen. "Kreuterhexendepot" steht noch immer und eben mitsamt des Rechtschreib- wie auch des gedanklichen Fehlers darauf eingraviert. Und dahinter die blaugraue Standardkarte (ja, auch die Orgenisatoren von Konzerten müssen inzwischen sparen, aber das ist eine andere Geschichte). Es kam, wie es kommen musste. Mitten in der Woche, Chefin im Urlaub - bis auf die eine an sich schlechte Karten. Aber die Zeit spielte für mich. Die abendliche und nächtliche Rufbereitschaft war umzulegen.... ... und so war es zwar nicht "Is not everything", das für mich DER Dredg-Song schlechthin bleiben wird, den ich als erstes kannte und lieben lernte - aber sie spielten ihn nicht. Und so war es dann doch "Bug Eyes", recht am Anfang, das mir aufzeigte, wo ich endlich doch gelandet war. Mitten in einem Dredg-Konzert. Mit einem wenige Minuten zuvor erstandenen Shirt, das ich just diesen Abend trage. Girly, Größe M, damit sehr klein. Gerade passt es wieder. Und erinnert mich mitsamt der leeren Becksflasche und all der geliebten Songs an so viele Jahre und das "dazwischen".

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  • 5. Dredg - Bug Eyes

    Endlich. Dredg in concert. Es hatte Jahre gedauert, endlich hier zu sein, zu sehen, zu hören, zu fühlen. Es zu dürfen und zu können. Ich erinnere mich an die erste Gelegenheit. "Leitmotif" war hier in Insiderkreisen gerade aktuell, "El cielo" in Deutschland noch nicht ganz angekommen und sie spielten für lau, da noch hochgradig unbekannt, in den Rheinauen. Am Wochenende. Und ausgerechnet an einem, an dem ich arbeiten mußte. Es war bitter - aber gut, es würde andere Gelegenheiten geben. Die zweite kam - und verging. Der kurzfristige Anruf eines Bekannten. "Dredg spielt! Kommst du mit?" Fuck. Seit zwei Tagen ungeduscht, mitten in Aufräumarbeiten. "Wann?" "In zwei Stunden. Wenn du nicht sofort loskommst, sind die Karten vermutlich weg." "'Kay, knick es." Gut, die Gesellschaft wär keine optimale für Konzerte gewesen. Ich hätte mir die Zerpflückung antun müssen. Aber es würde ja andere Gelegenheiten geben. Die dritte kam. "Sie sind wieder da!". Mein Herzblut. Damn. "Du, ich kann den Notdienst nicht umlegen. Geht wieder nicht, wie in den Rheinauen..." Einer der Momente, in denen ich meinen Job ob der Bedingungen hasse. Er reagierte mitfühlend. Und brachte mir im Anschluß die (leere) Flasche Becks Gold mit, die Gavin ihm (und weitere den anderen) nach dem Konzert und während einer Diskussion am nahe gelegenen Kiosk ausgegeben hatte. Sie steht noch immer auf dem obersten Küchenboard. Die vierte. Mit Feuer und Flamme war "my best friend" mit dabei. Oder sie wollte es, obwohl sie sie nicht kannte. Als der Tag da war - hatte sie es vergessen. Und ich dermaßene Kopfschmerzen von einem harten Arbeitstag und mit Ausblick auf einen weiteren dergestalten (es war gleich Montags), daß wir es im Einvernehmen cancelten. Und irgendwie war ich es ja auch schon gewohnt. "Dredg in der Nähe? - Kommt mir eh was dazwischen." Es war ein frustrierender Gedanke. Inzwischen hatte ich es insgeheim aufgegeben. Dann fiel mir just zu meinem Geburtstag eine Konzertkarte aus einem Geschenk meines Herzblutes und seiner Freundin in die Hände. Ich werd wohl nie den Anblick vergessen. "Kreuterhexendepot" steht noch immer und eben mitsamt des Rechtschreib- wie auch des gedanklichen Fehlers darauf eingraviert. Und dahinter die blaugraue Standardkarte (ja, auch die Orgenisatoren von Konzerten müssen inzwischen sparen, aber das ist eine andere Geschichte). Es kam, wie es kommen musste. Mitten in der Woche, Chefin im Urlaub - bis auf die eine an sich schlechte Karten. Aber die Zeit spielte für mich. Die abendliche und nächtliche Rufbereitschaft war umzulegen.... ... und so war es zwar nicht "Is not everything", das für mich DER Dredg-Song schlechthin bleiben wird, den ich als erstes kannte und lieben lernte - aber sie spielten ihn nicht. Und so war es dann doch "Bug Eyes", recht am Anfang, das mir aufzeigte, wo ich endlich doch gelandet war. Mitten in einem Dredg-Konzert. Mit einem wenige Minuten zuvor erstandenen Shirt, das ich just diesen Abend trage. Girly, Größe M, damit sehr klein. Gerade passt es wieder. Und erinnert mich mitsamt der leeren Becksflasche und all der geliebten Songs an so viele Jahre und das "dazwischen".

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  • 6. Lamb - Gorecki

    Erstmalig als Geschenk an einem zweisamen Abend vernommen, um nicht selbst reden und erwidern zu müssen. Der Mann ist fort, die Liebe hat sich verflüchtigt - aber der Song bleibt in seiner Bedeutung weiterhin eine der schönsten Illusionen über die zu Tränen rührende Liebe.

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