Soundtrack meines Lebens

  • 1. Blur - Coffee & TV

    Als ich mit meinem besten Freund nach Lloret de Mar gefahren bin, hatten wir nur 2 Absichten: 1. wilde Parties feiern und 2. braun werden. Nun, braun wurden wir nicht, da wir tagsüber im stickigen Hotelzimmer komerten (komern=entspannen nach langen, harten Feiern). Wir gingen höchstens auf unseren 1x1m² großen Balkon um Zeitung zu lesen. Das höchste der Gefühle war der tägliche Gang zum Sparmarkt um Weintrauben und Getränke zu besorgen. So wird man nicht braun. Was die erste Absicht betrifft, so wurde sie schon erfüllt (nicht zuletzt auf Kosten einer Haut, die anstatt Broiler-braun eher mayonese-weiß war). Doch mein Freund und ich hatten das gleiche Problem: So richtig Feierstimmung wollte nicht aufkommen. Wir litten unter Liebeskummer. Seine Flamme war für ein ganzes Jahr nach Neuseeland ausgewandert und ich konnte MEINE ERSTE GROSSE LIEBE zweieinhalb Wochen nicht sehen.Sicherlich traf es meinen Freund härter als mich, doch eine Handyrechnung von 200€ lässt erahnen wie groß meine Sehnsucht war. Ja, sie fehlte mir sehr! Dieser Liebeskummer führte dazu, das wir fast täglich ein und dieselbe CD hörten. Es war eine von den vielen selbstgemixten und gebrannten CD's die wir mitgenommen hatten. Vorallem HipHop aber auch Electro wurde gern und oft gehört, doch diese eine CD war immer zwischen Abendessen und in-die-Disko-gehen zu hören. Fast täglich. Fast immer zur gleichen Zeit. Es war die "Melancholie-CD" von meinem Freund. Wenn diese CD lief, hörte man(n) traurige und gefühlvolle Songs, kein Party-HipHop oder Schranz. Lieder zu denen man mit der Liebsten im Bett lag oder zu Abend aß. Lieder die uns an unsere Freundinnen erinnerten. Lied Nummer drei war Coffee & TV von Blur. Das Lied passte auch gut zu unserer damaligen Situation: Fernsehen und 'nen Käffchen trinken anstatt in der Mittagssonne brutzeln. Wir beide mochten das Lied sehr. Als ich mal wieder auf dem Bett lag und mich seelisch und moralisch auf den Abend einstellte und Coffee & TV lief, bekam ich eine sms von meiner Freundin. Sie war zu der Zeit an der Ostsee zelten. Sie schrieb das sie "schon voll betrunken sei und sie von irgendwelchen Typen aus Berlin abgefüllt werde und von denen betatscht werde, aber ihre Freunde auf sie aufpassen würden". Als ich das laß, vermischten sich urplötzlich die verschiedensten Gefühle in meinem Körper und ergaben eine explosive Mischung. Liebesschmerz, Wut, Traurigkeit, Aggression, Hass und der Gedanke nicht bei ihr sein zu können und sie zu beschützen, ließen mich ausrasten. Ein seltener Anblick. Ich zeige nicht oft Aggression oder Wut. Und schon gar nicht entleert sie sich so, wie in diesem Falle. Ich schmiss das Handy weg, schrie auf einmal laut rum, fluchte. Mein Freund erschrickte sich sofort. Ich konnte diesen Typen nichts entgegensetzen. Sie konnten mit meiner Freundin alles machen, jedenfalls im schlimmsten Fall. 2500 Kilometer zwischen uns. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung mischten sich zu dem "Aggro-Cocktail" in mir dazu. Meine Gefühle purzelten aus mir heraus, das ich mich beinahe selber über mich wunderte. Die Aggression stieg. Ich musste nun auf irgendetwas einschlagen. Das Kopfkissen, der Wasserball. Alles keine Gegner für meine Faust. Auf einmal hatte ich das Gefühl meine Faust gegen die Wand schlagen zu müssen. Es gab ein lautes Geräusch. Das Hotel war scheinbar nicht so stabil gebaut. Man konnte den Faustabdruck wunderbar sehen. Es war ein richtiges Relief im Stein. Immernoch lief Coffee & TV. Dann hörte alles aber schnell auf. Mein Freund beruhigte mich und meine Faust war komischerweise auch nicht verletzt (bis auf ein paar Kratzer und einem kleinen Schnitt). Diese Gefühlsentladung tat gut. Hätte Coffee & TV noch ein hartes Gitarrenriff als Unterlegung dazu gehabt, hätte der Titel wunderbar gepasst. Der Urlaub war nichtsdestotrotz schön. Als Zugabe nach den "schönen" Momenten gab es noch eine Bombendrohung im Hotel. Diesmal war es nicht die ETA sondern nur ein Scherz. Ich hörte noch oft Coffee & TV während ich mit meiner Freundin zusammen war. Doch wie fast jede Liebe in jungen Jahren verging auch diese. Meine Freundin hatte plötzlich den Drang sich zu trennen und kam kurze Zeit später mit einem Freund von mir zusammen. Heute habe ich keine große Meinung mehr von ihr. Sie ist untreu und hat sich sehr verändert. Sie war alles für mich und ist nichts geblieben. Und daran erinnert mich heute Coffee & TV.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •