Soundtrack meines Lebens

  • 1. Blur - Ambulance

    Zunächst das Schlechte: dieses Lied hat 2 gräßliche Minuten, die letzten beiden, damit kann ich nicht wirklich was anfangen. Sie nerven, und ich bin immer froh, wenn sie vorbei sind oder wenn ich rechtzeitig auf "Repeat" gedrückt habe. Nun das gute: dieses lied hat die 3 schönsten Minuten Musik, die ich kenne, zu Beginn bis eben erwähnter Bruch eintritt. Das ist zauberhaft und hypnotisierend, die gebrochene stimme singt: "I ain't got nothing to be scared of" oder "I was born out of love, it's the only way to come into this world". Es ist eine Predigt, ein Hohelied in Minimalform und zum Schluss dieses ersten teils klatscht blechern und dröhnend das Schlagzeug: "No, i ain't got anything to be scared of...'cause i love you". Nach so viel Erregung braucht man erst einmal 2 schlimme Minuten, um wieder zu sich zu kommen, insofern: es sei den Künstlern verziehen! Ihr wollt ein Erlebnis, hier ist eines und sicherlich nicht gering zu werten: Auf einer Geburtstagsparty sitzen wir nebeneinander, seit fast 3 Monaten getrennt. Sie hat es noch nicht überwunden und mir (obwohl der Initiator der Trennung) geht es ähnlich. Ich mache das Lied an und fange an leise vor mich hin zu singen, nur aus einer Begeisterung um des Liedes heraus: I was born out of love It's the only way to come into this world I know i'm not all there But i'm getting getting getting there If you let me live my life I'll stay with you to the end And i know, lord I'm nearly there I wanna tell you this ... No, i ain't got anything to be scared of 'Cause i love you Ich öffne die Augen, sie schaut mich an: "Das beschreibt dich nur zu genau." Ich blicke auf mein Glas, lächle teils versonnen, teils hintergründig, teils gequält und widme mich wieder dem Gin.

  • 2. Radiohead - How I Made Millions

    Meine Lieblingsband. Es gibt wohl keine, die so perfekt die Gitarre beherrscht, mit Rhythmus umzugehen und musikalische Untiefen auszuloten weiß. Doch sind meine beiden Lieblingslieder von Radiohead keine Gitarrenstücke, es sind kleine, einfache Meisterwerke am Klavier. Da wäre zum einen die Live-Version von "Like Spinning Plates" und zum anderen eben dieses "How I Made Millions". Thom Yorke spielte es aus einer laune heraus am hauseigenen Klavier und nahm dies auf. Da sitzt er nun und spielt und singt vor sich hin. Im hintergrund hört man seine Freundin Gemüse schneiden (manche meinen auch Einkaufstüten auspacken). Er spielt und singt und spielt und singt, intensiv, seelenreich, weil unbeobachtet und eigentlich auch nicht zur Veröffentlichung gedacht. Das Zuhören wird so ein wenig indiskret und durch Neugierde angeregt auch genauer, konzentrierter und faszinierender. Da ist jemand, der sitzt zuhause und macht nicht mehr und nicht weniger als Musik, einfach so. Und je länger und öfter man hört, desto mehr wünscht man sich, er würde auf ewig dort sitzen und einfach singen und spielen. Nun ist dieses Lied zwar nicht mit einem besonderen Erlebnis verknüpft, aber ist es nicht auch persönlich, wenn einen die Unerhörtheit und Besonderheit des Liedes immer wieder fasziniert? Wenn jedoch ein persönliches Erlebnis verlangt wird, dann soll es folgendes sein: wir sind in einer Disco, zufällig haben wir uns getroffen und ich dachte schon, wir hätten uns aus den Augen verloren. Gerade auf dem Nachhause-Weg treffe ich sie. "Ich ruf dich dann an", meint sie nur und ich: "ich gehe noch gar nicht, wollte nur mal was Luft schnappen". Drinnen auf der Tanzfläche sagt sie, dass ich immer so viele tolle Dinge erzähle und wie gerne sie sich mit mir unterhalte. Ich erzähle von dem Lied und sie bricht fasst vor mir zusammen: "Ich will das haben, gib mir das!" Und auch wenn nichts draus geworden ist und auch wenn ich die CD nicht finde und mein Brenner nicht funktioniert, so bleibt dieser merkwürdige Moment voll übertriebener Sehnsucht nach einem Lied. Kann der Musik etwas schöneres passieren?

  • 3. Tocotronic - Jackpot

    Früher mochte ich tocotronic nicht. Ich kannte "Let there be Rock", das fand ich ganz ordentlich, wenn auch aufgesetzt gesellschaftskritisch; "_Hi Freaks", das fand ich grauenvoll und "This Boy is Tocotronic", was auch nicht viel besser wegkam. Meine meinung zu diesen liedern hat sich mit der Zeit nicht sonderlich geändert, dafür habe ich aber songs wie "Die Grenzen des guten Geschmacks (1)", "Führe mich sanft" oder auch und nicht zuletzt "Das böse Buch" kennengelernt, welche meine Ansichten der Band gegenüber durchaus wandelten, ja, das Album "Tocotronic" muss ich sogar zu meinen Lieblingsalben zählen. Mit der Gruppe auseinandergesetzt hätte ich mich allerdings nicht, wäre ich nicht eines Abends zufälligerweise in mein Zimmer gegangen, um mir - glaube ich - Geld für Zigaretten zu holen und wäre dort nicht der Fernseher angewesen, auf dem - aus welchem Grund auch immer - Viva lief. Fast Forward, Tocotronic waren zu Gast, ich bekam gerade noch den Abschiedgruß Charlotte Roches mit und es beginnt dieses Video. Rin wenig zögerlich wird da zunächst an der Gitarre gezupft, vom Schlagzeug schleppend-unaufdringlich begleitet, bevor eine gewaltige Explosion einsetzt, kontrolliert, aber irgendwie euphorisch-rasend-besinnungslos, die Seele schmirgelnd, dass es einem die Brust aufbricht. Ich blicke hinüber zum Fernsehgerät. Das sieht alles sehr normal aus, nicht wirklich toll, ein paar Leute in Alltagssituationen, Spannung wird aufgebaut, aber mich lässt es eher kalt. "Und wenn du lachst, gehen drei Sonnen auf" erklingt auf einmal. Oho, denke ich, der Satz gefällt mir. Dann kommt SIE, dieses Mädchen aus dem Video, mit den glänzenden Wangen. Sie hält den Fuß zwischen die Aufzugstür, damit diese sich nicht schließt. Ihr blick verschämt, neckisch, trotzig, als wolle sie sagen "ich hab doch gar nichts gemacht". Ich verliebe mich in sie. Das mache ich sonst nicht, Frauen, die ich Fernsehen sehe, anzuhimmeln. Einmal kam das bislang vor, da verguckte ich mich in Diane Keaton im "Stadtneurotiker", vielmehr in Annie Hall, aber eigentlich scheue ich mich davor, zu Menschen, die auf einem Bildschirm erscheinen, eine irgendwie geartete emotionale Bindung aufzubauen. Bei dem Aufzugmädchen geht das nicht. Dieser blick, diese Wangen! Die Sendung ist vorbei, ich setze mich an den PC und schaue mir 3 Stunden am Stück das Video an, immer wieder. Seit diesem Abend mag ich zwar nicht Tocotronic, aber ich liebe dieses Lied, irgendwann auch ohne Video. Das Mädchen lässt übrigens die Aufzugstür nicht schließen, weil davor ein Junge seine Gitarre spielt, um genau zu sein eine von Blitzen umzischte Erscheinung eines Jungen, der Gitarre spielt. Sie scheint sich in dieses Fernbild verliebt zu haben.

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