Soundtrack meines Lebens

  • 1. Northern Lite - Reach The Sun

    Es war unser elektronischer Sommer. Noch mehr elektronische Musik kann ein Sommer nicht beinhalten. Ein ganzer Freundeskreis, und wir alle hatten die Platte das erste mal bei Charles gehört. Seitdem liefen sie ständig, die Northern Lite´s: beim Abspülen, beim Autofahren, zum Aufwärmen für das abendliche Ausgehprogramm. Sobald die ersten Töne von "Reach the sun" sich aus jedweder Art Verstärker schlichen, war das für uns das Signal - so Leute, jetzt wird gefeiert und getanzt, bis keiner mehr laufen kann. Wir haben den ganzen Sommer über nur für´s "Rocken gehen" am Wochenende gelebt. Wir haben den Wald mit Neonröhren und Neonwolle zugesponnen, wir haben uns in unserer eigenen elektronischen Welt bewegt, und wir haben zusammen gehört. Ein Zusammenhalt, den ich bisher kein zweites Mal erlebt habe. Wir haben uns systematisch ruiniert. Und es hat Spaß gemacht. Wir waren Goa. Wir waren Electronic. Das Nonplus-Ultra war das Northern Lite-Konzert in der Münchner "Badeanstalt". Wenige Leute waren dort. Wir als erstes. Viel zu früh. Die Norther Lite´s kannte selbst in eingefleischten Electroniker-Kreisen kaum jemand. Und dann kamen sie, die drei Northern Lite´s. Und wir haben getanzt. In einem leeren Schwimmbecken. Sechs Freunde. Electronic. Wir haben getanzt wie bescheuert. Stundenlang. Es war perfekt. Es gab absolut nichts, nicht das kleinste Detail an diesem Abend auszusetzen. Es war die Höchstform an Lebensgefühl. Und wir waren nach Monaten des Wartens alle gemeinsam dort.

  • 2. The Doors - Riders on the Storm

    Die Küche meiner ersten eigenen Wohnung war in unserer Kleinstadt sehr bald als quasi "öffentliche Einrichtung" bekannt. Machten am Wochenende die Kneipen nachts zu, standen sie alle vor meinem Küchenfenster. Auch wildfremde Leute. Alle wollten sie in "die Küche". Eines Nachts saß ich wie so oft mit einer Freundin, die zu dieser Zeit noch die Besitzerin der Küche war und in der Wohnung lebte, die ich später übernehmen sollte, in "der Küche", wir tranken Rotwein und draußen regnete es. Wir haben geraucht wie Kamine. Zu dieser Zeit haben wir in "der Küche" immer eine alte Doors-Kassette laufen gehabt. In dieser einen Nacht hatten wir schon ordentlich einen im Tee, wir haben uns sauwohl gefühlt, uns prima verstanden und rumgeblödelt. Irgendwann haben wir in unserer "guten roten Laune" eine Tabelle mit den Namen aller unserer männlichen Bekannten gemacht, und diese dann anhand verschiedener Kriterien mit Punkten bewertet. Mein Gott, was für ein Spaß... Wir waren grad fertig mit Bewerten, haben uns das letzte Glas Wein eingeschenkt und den Regen draussen beobachtet. Ich habe das Radio eingeschalten. Es war Punkt Mitternacht. Und da lief es, das Lied, unglaublicher Weise im Radio. Und das auch nur aus einer spontanen Laune der Moderatorin heraus. Die Tatsache, dass es im Radio lief, zufällig um Mitternacht, zufällig bei Regenwetter, dass wir beide zufällig in "der Küche" saßen und dass wir noch zufälliger das Radio eingeschaltet hatten, dass alles hat diesen Moment zu einem ganz besonderen gemacht. Als ich ausgezogen bin, habe ich die Bewertungsliste wieder gefunden. Und ich musste an diese Nacht denken, in der wir beide "Riders on the storm" waren. Und betrunken.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 3. The Notwist - String

    Es war traumhaft. Ein klassisches Notwist-Konzert, wie man derer schon einige erlebt hat. Es hat gerockt. Man selber hat auch fleißig gerockt. Und getrunken. Und alles war toll. Bloß gibt es ein paar Dinge, die in meinem Fall nicht hätten passieren sollen. Zumindest nicht an diesem einen Abend... Ich hatte meine neue Jeans an. Damals war ich der Meinung gewesen, dass es unglaublich cool ausschauen müsste, wenn man den Bund abschneidet. Gesagt - getan. Unglücklicher Weise hielt halt dann die Hose ohne Knopf nicht mehr. Ich hab sie mit einer Sicherheitsnadel zugemacht, das ging dann schon. Besser gesagt - es WÄRE gegangen, hätten nicht die werten Herren Notwist sich eingebildet, drei der unglaublichst rockenden Songs direkt hintereinander spielen zu müssen. Unter anderem "String" - "These are the things you die for...". Ja, da musste freilich die Rocksau rausgelassen werden! Also ab in die Mitte und fröhlich rumgesprungen. Ein Stich in meinen Bauch, die Nadel war offen, die Hose verabschiedete sich - und ich habe es erst gemerkt, als ich mit der Hose in den Kniekehlen hängend nach vorn geschubst wurde. Ich hatte tatsächlich auf einem Konzert meine Hose verloren. Prima Sache. "These are the things you die for" - aber das muss nicht nochmal passieren. (Ist es dann aber doch. Letztes Jahr beim Hives-Konzert.)

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