Soundtrack meines Lebens

  • 1. Elliott Smith - Angeles

    Es regnete wie in Strömen und ein paar Freunde und ich fuhren in unserem VW-Bus über die Autobahn. Man konnte keine zehn Meter weit sehen, die Scheibenwischer des Wagens schafften nur ein Bruchteil der Wassermassen. Die Stimmung war ausgelassen, ein grandioser Surf-Urlaub lag hinter uns. Einer meiner Freunde hatte vor eingen Minuten sein neues Tape ins Autoradio geschoben, ja und plötzlich kam dieser Song von Elliott Smith. Ein leises, ein langsames Lied. Eine Melodie, die jedes Gespräch verstummen lässt und die Erinnerungen hervor holt. Schlagartig war es ruhig im Wagen und alle lauschten, durstig nach mehr von diesen schönen Tönen, gespannt auf die eigenen Gedanken. Wir haben dann bestimmt acht mal zurückgespult. Und jeder hat sich in die Wassertropfen an der Scheibe seine eigenen Bilder gemalt.

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  • 2. Iggy Pop - The Passenger

    Ich war frisch von einem kleinen Ort in die Großstadt umgezogen. Ein wahrer Genuß, nicht immer auf den letzten Bus des Abends achten zu müssen. Ich lebte in der Innenstadt von Wiesbaden, hatte mich auf meinen 12 Quadratmetern häuslich eingerichtet und war doch kaum zu Hause. Stattdessen viel unterwegs in Deutschland und auch in Europa - ein Passagier eben, dessen Berufung die Reise ist. Iggy Pop und sein wohl bekanntester Song war da ein ständiger Begleiter. Der Song gab mir Auftrieb, puschte mich und überließ mir konstant das Gefühl von stetem Aufbrauch und Spontanität. Der Weg war das Ziel, denn mein eigentliches Ziel kannte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Eigentlich kenne ich es auch heute noch nicht richtig. "I´m the passenger. Abnd I ride and I ride."

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  • 3. Alphaville - Forever Young

    Die Pubertät war in vollem Gange. Die Gefühle wechselten schneller als das Wetter, der Ruhepuls lag konstant bei guten 100 Schlägen. Irgendwie war ich in diesen Jahren innerlich immer ein wenig unruhig. Die Mädchen oder zumindest die Gedanken an sie spielten eine zunehmend größere Rolle. Ich war noch jung und es war aufregend. Und irgendwie verbinde ich diesen Song von - der meiner Ansicht nach häufig unterschätzten Band - Alphaville mit dieser spannenden Zeit. Die Welt hätte für mich damals stehen bleiben dürfen. Verliebtsein war irgendwie so einfach, so direkt. Und so konstant. In irgendwen war ich immer verschossen. Heute zieht man bei der Partnerwahl doch unbewusst auch noch ganz andere Kriterien in Betracht oder ist davon zumindest nicht ganz unbeeinflusst. Klar, verliebt sein ist auch heute noch ausgesprochen schön - aber doch ein wenig anders als in den Jugendtagen, in denen ich mir oft wünschte, für immer jung bleiben zu dürfen.

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  • 4. Counting Crows - Mr. Jones

    Ich habe diesen Song zweimal im Radio gehört und ihn dann vergessen. Irgendwann wachte ich auf und hatte diese einprägsame Melodie wieder im Kopf. Es dauert einige Tage, bis ich mich erinnerte, um welche Melodie es ich hier drehte. Dann rief ich bei der Radiostation an und musste dort bei einer Art 'Telefoncasting' vorsingen, immer in der Hoffnung, endlich den Interpreten zu entdecken. Der Moderator kannte den Song nicht. Aber wer das Stück schon gehört hat, wird wissen, wie schwierig es ist diesen Track zu singen. Ja, und genauso hat es sich auch angehört. Es war eine Art Wolfsgeheul und der Sender weigerte sich, mein musikalisches Talent öffentlich zu machen. Natürlich hat dann auch kein Hörer angerufen, um zu sagen, wie der Song heißt. Später am Tag hörte ich ihn dann noch einmal im Radio. Diesmal mit Ansage. Eine knappe Stunde später stand die Single in meinem Regal. Ich tanze auch heute noch dazu. "Pass me the bottle, Mr.Jones."

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  • 5. Kruder & Dorfmeister - Big Powder Dust

    Ich war endlich in einer Großstadt angekommen. Mein Herz schlug schneller, ich genoss mein neues Leben in vollen Zügen. Die Stadt pulsierte, hier waren die Straßen auch noch um 20.00 Uhr mit Menschen gefüllt. Und erst die Nächte. Beats bis zum Abwinken. Es gab so unendlich viele - für mich neue - Sounds zu entdecken. Und mittendrin die CD meines Mitbewohners: The K+d Sessions. Ein kleines Meisterwerk der Wiener DJs und Produzenten Richard Kruder und Peter Dorfmeister. Nein, eigentlich ein verdammt großes Meisterwerk. Der Song Bug Powder Dust war sozusagen unser Taktgeber für die Nacht. Dezent und doch voller Energie. Einmal eingelegt und die Sache war rund. Genial.

  • 6. Jim White - Static On The Radio

    Ab und zu sträune ich wie ein alter Hund durch Plattenläden in Köln und dabei hat es mir einer besonders angetan. Die Mitarbeiter schreiben dort immer ihre Platte des Monats auf eine Tafel und in den meisten Fällen sind da wirklich ein paar gute Songs dabei. 'Static On The Radio' stand allerdings nicht auf der Tafel sondern drang aus den Lautsprechern. Ich habe gleich die ganze CD vom Jim White gekauft und sie seitdem ein dutzend Mal gehört, einfach deshalb, weil sie so abwechslungsreich ist. 'Static On the Radio' ist ein Duett mit der ebenfalls grandiosen Aimee Mann. Die beiden Stimmmen sind unterschiedlich und passen trotzdem hervorragend zusammen. Der Song klingt wie ein Liebeslied, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich eins ist. Dennoch: Man wird von der schönen Melodie wahrhaftig betört. Es gab für mich 2004 kaum ein schöneres Lied um jemanden zu küssen.

  • 7. The Notwist - Consequence

    Es war Winter in Köln und es regnet dort dann nahezu unaufhörlich. Auch, wenn man große Fenster hat, die Wohnung wirkt dunkel. Langsame Musik bestimmt das Flair im Zimmer, sofern man deratigen Sound besitzt. Die CD "Neon Golden" von The Notwist wurde in diversen Zeitschriften derart gelobt, dass man nur mit sehr schlechtem Gewissen an dieser Platte vorbei kam. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle und griff im CD-Regal mal wieder unbeherrscht zu. Ein Glücksgriff wie sich heraus stellte - insbesondere wegen dem letzten Lied "Consequence". Wer dieses Stück geschrieben hat muss ein wahrer Meister der Töne sein. Ganz ehrlich. Das Lied hat ein einzigartiges Thema. Es ist unkompliziert und geht doch so unglaublich tief. Eigentlich könnte ich immer jemanden umarmen, wenn ich diesen Song höre. Mit dem Lied verbinde ich lange Abende allein in meinem Zimmer, Gemütlichkeit, Rotwein, selbstgedrehte Zigaretten und jede Menge sentimentaler Gedanken. Allerdings eine angenehme Art von Sentimentalität. Wem bei "Consequence" nicht warm wird, der ist verloren.

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  • 8. Maná - En El Muelle De San Blas

    Wir haben einen Freund in Nicaragua besucht und sind dann weiter nach Costa Rica gereist. Hauptverkehrmittel sind dort relativ marode und in aller Regel überfüllte Linienbusse. Man sitzt zu dritt auf einem Doppelsitz. Es riecht nach Schweiß und Benzin. Der Diesel-Motor rasselt, aber in den Bussen läuft glücklicherweise immer Musik. Nur seltsamerweise keine spanischen Lieder. Im tiefsten Nicaragua hörten wir aus den Lautsprechern die Stimme von Eros Ramazotti. Einfach grotesk das Ganze. Musikalisch besse aufgehoben fühlte ich mich in einigen Cafés, denn dort lief ab und auch mal was von der Band Maná. (Neben Shakira sicherlich der Top-Export aus Kolumbien). Maná hat es mir seitdem angetan. Der Song "En El Muelle De San Blas" beginnt mit einer Gitarre, die wie zugeschnitten scheint auf die wirklich wunderschöne Stimme des Sängers. Obwohl ich kein Wort Spanisch spreche, glaube ich fast alles verstanden zu haben.

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  • 9. Keane - Somewhere Only We Know

    2004 war kein einfaches Jahr für mich, besonders die zweite Jahreshälfte nicht. Mein Studium klang so langsam aus und das bisher vorbestimmte Leben mit Schule, Zivildienst und Studium war plötzlich zu Ende. Die Zukunft lag offen vor mir. Ich war frei zu bestimmen, wie es nun weiter geht. Worüber viele jubeln machte mir eher Sorgen. Ich finde es nach wie vor unglaublich schwer sich zu entscheiden. Und in mitten solcher Überlegungsprozesse platze die CD von Keane. Gleich das erste Lied hatte es mir angetan und berührt mich auch heute noch genauso wie in den vergangenen Monaten. Es beschreibt für mich irgendwie eine Form des Erwachsenwerdens, in der ganz schleichend alles irgendwie schwieriger und unverblümter wird. Die volle Melancholie made by Keane. Die Sorglosigkeit im Leben ist dahin und dabei wünsche ich mir sie doch so oft zurück. "Oh simple thing where have you gone? I'm getting old and I need something to rely on."

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  • 10. Bob Dylan - The Man In Me

    Es muss so um 1998 gewesen an als mit "The Big Lebowski" ein weiteres Highlight der Coen-Brüder ins Kino kam. Der Titelsong von Bob Dylan hat es mir angetan. Nicht sofort, aber nach mehrfachem Hören fängt er an zu wirken - ähnlich wie ein Tee, der länger zieht. Mit dem Song fühlte ich mich immer ein wenig träge, aber das gefiel mir gut. Es zeigte eine gewisse Lässigkeit dem Leben gegenüber, die man haben sollte, aber nicht immer hat. Wenn ich mir bis heute etwas wünsche, dann nicht unbedingt die coolste Sau zu sein, sondern den Ungereimtheiten des Lebens lässig entgegen zu sehen - auch wenn der Text das nicht unbedingt aussagt. "The man in me will do nearly any task, And as for compensation, there's little he would ask. Take a woman like you To get through to the man in me."

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  • 11. mia - Hoffnung

    Mia rockt. So heisst nicht nur die Homepage dieser grandiosen Band. Neben dem Song "Hungriges Herz" hat es mir gerade auch der Track "Hoffnung/Mit diesem Trick" angetan. Gibt halt derzeit viele Situation, in denen ich kämpfen muss. Die sind nicht hoffnungslos, aber ein klein wenig Motivation ist nicht verkehrt. Tricks? Ja nicht immer einfach einen zu finden. Aber wenn man dann einen hat und ihn festhält, glaubt man fast wieder an alles. Etwas übertrieben, aber zumindest glaubt man wieder an sich. Und da ist gut so.

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