Soundtrack meines Lebens

  • 1. ABBA - Dancing Queen

    Der Radiorecorder dudelt Dancing Queen von einer orangen BASF-Kassette. Mit meinen Freundinnen, den beiden Barbaras, stimme ich – lange bevor jemand Karaoke oder Sing Star erfunden hat – abbamäßig ein. Die kleine Barbara ist Agneta, ich bin Annafrid und die große Barbara muss Benny und/oder Björn geben. Die Rollenverteilung erfolgt durch die Haarfarbe und -beschaffenheit. Das Puppen-Bügelbrett dient als Klavier. Wir visionieren, wir stünden auf der glitzernden Bühne und unsere ganze Grundschulklasse jubelt uns zu. Wir sind die Stars!

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 2. The Police - So Lonely

    Wir fahren nach der Schule mit unseren Hollandrädern nach Hause. Wir werden verfolgt. Von Andreas Z.. Der strampelt auf seinem rostigen Klapprad hinter uns her, ist eine Klasse über uns und uninteressant, weil Poppertyp. So geht das tagelang. Wir sind genervt. Meint der, wir bemerken ihn nicht? Am Ende der Woche spricht er uns endlich an, er lädt uns ein. Zu einer Party: Am nächsten Tag! Wir gehen hin, trinken heimlich Apfelkorn, knutschen auf zerschlissenen Matratzen, tanzen Blues und Kopftanz. Allerdings kein Headbanging, sondern taktvolles Langhaarschleudern. Zu So lonely. Ohne Ohnmacht! Ab jetzt bin ich Police-Fan. Im Juni 2008 besuche ich das erste Police-Konzert meines Lebens. Die Wachtmeister spielen in der LTU-Arena. Und Deutschland spielt gegen Polen. Leider sitzen wir extrem weit weg von der Bühne. Auf einem Konzert sitzen ist gewöhnungsbedürftig. Dank großer Leinwände können wir das Konzert dennoch gut verfolgen. Sting gibt netterweise die Fußball-Ergebnisse zwischendurch durch. Er sieht echt gut aus. Drummer Stewart Copeland, mein ehemaliger Lieblings-Polizist, trägt eine Scheiß-Brille und Andy Summers wirkt als käme er gerade von einem schlecht bezahlten Gig in einer drittklassigen Altstadt-Spelunke. Aber sie spielen super. Wie vor 30 Jahren.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 3. Ideal - Blaue Augen

    Ich liege mit meinem Freund auf einer Matratzen meines hellblauen Mädchenzimmers und knutsche. Wir hören Ideal. Blaue Augen. ER hat blaue Augen, ist blond. Und so süß! Ich hoffe, dass er mich niemals verlassen wird. Den Plattenspieler habe ich auf repeat gestellt, der Nachmittag ist gerettet. Leider kommt die Nadel manchmal etwas zu früh runter und verfehlt die erste Rille. Kurz darauf ist Schluss und ich erleide meinen ersten echten Liebeskummer. Nun höre ich „Heut Nacht“ von Spliff auf repeat.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 4. Pet Shop Boys - West End Girls

    Ich fahre mit 4 Freundinnen zum ersten Mal ohne adäquate Aufsichtsperson in den Urlaub. Ibiza. 2 Jungs machen Interrail, wollen nur mal kurz vorbei schauen, uns Hallo sagen. Sie bleiben zwei Wochen, im Bundeswehrschlafsack auf dem Hotelbalkon. Der eine darf das Hotel nur betreten, wenn der Tagportier an der Rezeption steht, der andere wenn der Nachtportier Schicht hat. Am Strand werden Freikarten für diverse Discotheken verjubelt. An Mädchen, für Mädchen. Abends schlürfen wir in Ibiza Stadt ein paar Cocktails und begeben uns daraufhin gut cocolocorisiert zu unserer Lieblings-Disco „Pacha“. Wir haben Freikarten. Der Türsteher freut sich über uns. Bis Susi* an der Reihe ist. „Only for girls“, meint er. Scheiße! Susi ist doch ein Girl... Im Pacha singen die Pet Shop Boys. Zu Hause ist das Lied erst ein Jahr später ein Hit. *Name aus Mitgefühl geändert

  • 5. Mousse T. - Pop muzak

    Emotionale Fehlkopplung. Picken, foppen, vumsen, bögeln. Popp Musik eben. Ist 'n Insider. Muss keiner verstehen. Aber ich finde, die Platte ist ein Hit.

  • 6. Guru - No Time To Play

    Werde gegen meinen Willen Single des Frühjahres. Komischerweise sind ganz viele Leute plötzlich getrennt. Wir teilen unser Leid. Treffen uns in der Stadt. Formieren den Single-Club und machen Nächte zu Tagen. Wir haben feste Zeiten: Freitags starten wir unverabredet gegen 22.30 Uhr im Op de Eck. Dort läuft die immer gleiche CD. Jazzmatazz, Guru. No time to play. Wir haben Time to play. Wir gehen in die Stadt, machen einen Zug durch die Gemeinde. Leben mit der Angst, die Verflossenen zu treffen. Stars in der Manege ist das Codewort, wenn einer der Verräter auftaucht. Wir lecken unsere Wunden, halten zusammen, sind auf der Suche nach neuen Liebhabern, die uns wieder weh tun können. Über die wir uns beim nächsten Clubtreffen ausheulen oder ablästern können. Wir sind stark, denn wir haben uns. Der Sommer ist tragisch, aber macht Spaß.

  • 7. The Cure - Close To Me

    Wir fahren Freitagnachtmittag los. Mit meinem Käfer Richtung Nürburgring. Die Heizung ist leider unabschaltbar und bläst unablässig gegen meinen Kuppelfuß. Damit sie mir kein Loch in den Knöchel brennt, lege ich das Bein neben dem Lenkrad ab. Bin gelenkig... Wir zelten wild im Wald. Das Wetter ist viel zu kalt für die Jahreszeit. Es gibt noch nicht einmal ein Dixie-Klo. Ich hasse Camping. Wir trinken zu viel Bier, essen zu pappige Stullen. Das ist nicht mein Ding, aber dabei sein ist alles. Und lustig ist es trotzdem. Was nicht tötet, härtet ab. Andere trinken noch mehr Bier als wir und liegen bereits bevor das Konzert richtig los geht unter Plastikfolien auf der Erde herum. Das Open-Air-Happening hat sich für die nur wenig gelohnt. Samstagabend spielen endlich The Cure und Simple Minds. Meine Lieblingsgruppen. Wagemutig quetschen wir uns in die erste Reihe zu den Pogotänzern. Wir bleiben unverletzt und schwanken später zu unseren Zelten. Versuchen zu vermeiden, dabei auf plastikfolienbelegte Schnapsleichen zu treten.

    Zu diesem Song haben diese User ebenfalls etwas erlebt:
  • 8. Jamiroquai - When You Gonna Learn (Digeridoo)

    Frisch getrennt besuche ich eine Party in einem Schrebergarten. Ich kenne kaum jemanden, hoffe aber meinen alten Verehrer X zu treffen. X weilt allerdings noch im Ausland. Y, der die Vorliebe seines Freundes X für mich kennt, ist aber da. Auch nett, mir bisher eher unzugänglich, aber heute freundlich. Lädt mich zu sich zum Essen ein. Wieso nicht? Aus Essen wird mehr. Übernachtung mit Frühstück. X ist wieder im Lande. Treffen in der Stadt gestaltet sich amüsant, Alkohol ist im Spiel und späteres Abschleppen nicht ausgeschlossen. Übernachtung mit Frühstück. Schlechtes Gewissen macht sich breit, weil ich innerhalb einer Woche mit zwei Freunden im Bett war. Nacheinander. Gute Mädchen machen das nicht. Ausrutscher. Vorsatz: passiert nicht nochmal. Y lädt wieder ein. Ich folge der Einladung und übernachte. X besucht mich in meiner neuen Wohnung und bleibt. Über Nacht. Ich habe mich nicht im Griff. Was mich besonders beunruhigt, ist die Tatsache, dass X alles Y brühwarm erzählt. Y kann schweigen. Erzählt mir aber, was X ihm berichtet hat. Wusste ich alles schon! Werfe schließlich alle guten Vorsätze über Bord, lasse mich treiben, fahre moralbefreit zweigleisig. Die einzige Konstante ist zu der Zeit Jamiroquai.

  • 9. The Disco Boys - What do you want (Radio Edit)

    Vorab: Eigentlich wollte ich „For you“, den geremixten Manfred Mann-Song der Disco Boys in meinen Soundtrack integrieren. Leider ist das Stück der Neon-Jukebox unbekannt. Nun denn. „What you want“ mag ich auch, schreibe aber trotzdem über „For you“. Ich tanze nach langem selbstauferlegten Party-Erziehungsurlaubs im besten Düsseldorfer Tanzschuppen auf dem Tisch. Die Disco Boys haben Manfred Mann mit frisch geremixtem „For you“ wieder auferstehen lassen. Ich kann mitsingen, da ich das Original mit meinem ersten Freund seinerzeit rauf und runter hörte. Meine Mittänzer sind ebenfalls Mitsinger. Ein Zeichen dafür, dass ich das Durchschnittsalter nicht unbedingt unnötig anhebe. Das ist schön. Das will ich wieder öfter haben. Manfred und ich sind back on the dancefloor.

  • 10. Agent X Ft. Mutya Buena - Fallin (Funky House Remix)

    Blume hinterm Scheibenwischer.

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  
Seite: 1 2 3 4 5 ... 96
Seite: 1 2 3 4 5 ... 6