Ich packe deine Sachen (nochmal musikalisch untermalt)
Ich packe deine Sachen und frage mich, wie wir das alles haben so in den Sand fahren können. Bilanz der letzten 5 Jahre: ein gemeinsamer Haushalt, 2 Kinder, etliche Quadratmeter vollgestopft mit Erinnerungen. Erinnerungen aus deinem Leben, aus meinem und aus dem das wir teilten. - Von dem ich dachte, dass wir es teilten. Und nun sitze ich vor dem babylonischen Scherbenhaufen, den du zurückgelassen hast, als du dich der Exekutive beugen musstest, inmitten dieses alten Traums, dass du deine Versprechen wahr machst und den Grundstein legst für ein besseres Leben, doch alles riecht, schmeckt, hört und fühlt sich nun abgestanden an. So packe ich deine Sachen, Stück für Stück und Tod für Tod in Kartons. Und jeder kleine Abschied macht mich ein wenig leichter, bis du dich von hinten heranschleichst, meine Augen mit deinen kalten, ungreifbaren Händen verdeckst und in meine Gedanken hauchst:"Lass uns auf eine kleine Reise gehen!" Schon im nächsten Augenblick ziehst du mich gegen den Strom der Zeit, hin zu den Anfängen. Du zeigst mir all die schönen Begebenheiten, die ich längst vergessen glaubte und strahlst mehr und mehr, von Moment zu Moment, von verliebter Seifenblase zu verliebter Seifenblase. Ungefähr in der Mitte unserer Historie bleibst du plötzlich stehen, nimmst meine Hand, deine Augen strahlen hoffnungsfroh und du fragst:"Siehst du nicht, wie viel da war, dessen zu vergessen, es viel zu schade wäre?" Ich komme nicht umhin, kurz zustimmend zu nicken und im nächsten Moment legt sich eine tiefe Beklemmung dunkel und schwer über mein Gemüt und ich antworte:"All diese Momente, sollten nicht unter dem Mantel der Vergessenheit vergraben werden und nun, da ich sie wiedersah, wird dies auch nicht geschehen, doch lass uns weitergehen und du wirst verstehen, warum es mir nicht möglich ist, dir mein Herz noch einmal anzuvertrauen." Nun ergreife ich seine Hand und wir springen weiter durch die Zeit, vorbei an dem ersten großen Streit, dem Moment, da du mir zeigtest, wer "der Überlegenere" ist, weiter zu dem Tag, an dem du das erste Mal deine Spuren hinterließt; hässliche Spuren, blau und schwielig, die nach und nach in meiner Seele vernarbten. Wir schleichen uns vorbei an dem Tag, an dem ich mich dir nicht mehr öffnen könnte und du dir nahmst, was dir "zu stand" und einer Endlosschleife gleich, mehren sich all jene Situationen und mein Abbild in dieser Szenerie verstummt nach und nach und reib sich auf, die "Familie" zusammen zu halten, bis sie jeden Moment unter all der Last zusammen zu brechen, die sie sich selbst aufgeladen hatte. So zieht es sich fort und immer fort, um dann letztlich ans finale Kapitel zu gelangen, jenes von den Vieren. Jene Musen, die dir meinen Platz in unserem Bett wärmten, während ich unsere Jüngste trug und gebar. Das Kapitel beschreibt das große Schweigen, dass du dir zum Freund machtest, um mich zu halten, in der schweren und einsamen Zeit, die dir bestimmt war. Ich sehe dich an und nichts rührt sich mehr in mir und so verabschiede ich mich und lasse dich in der Erinnerung zurück. Wieder angelangt im Hier und Jetzt, kehre ich zurück an die vielen Kisten, die aufgestapelt das Wohnzimmer blockieren und packe deine Sachen. - Ach und, sobald ich damit fertig bin, packe ich auch meine und zieh mit wehenden Fahnen hinaus in mein neues Leben, immer meiner Stärke bewusst, denn ich habe dich überlebt. -










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