NEON #12 2011
Die Blattkritik zur Dezember-Ausgabe.
Liebe Leserinnen und Leser,
Stoff für unendlich viele Lieder, Filme, Romane, für Diskussionen mit Freunden oder dem Partner und auch für NEON-Titelgeschichten: das Fremdgehen.
Die Möglichkeiten für Erzählungen fangen an bei der Frage, wann Betrug am Partner beginnt (In Gedanken? Mit einem Kuss? Mit Sex?), ob uns eine intakte Beziehung wirklich vor dem Reiz einer Affäre schützt, wie man mit seinem schlechten Gewissen zurechtkommt (wenn man eines spürt), wie schlimm es wirklich ist, mit anderen zu schlafen, ob man dem Partner davon erzählen sollte, was nach einem Geständnis passiert …
Unter den vielen Möglichkeiten hat sich NEON-Redakteur Jakob Schrenk in seiner Titelgeschichte ab Seite 58 mit einer ganz einfachen und gleichzeitig sehr guten Frage beschäftigt: Wenn wir voraussetzen, dass wirklich fast alle Menschen den Liebesbetrug verurteilen - wie zur Hölle kann es dann sein, dass es doch so viele tun? Betrüger und Betrogene versuchen zu erklären warum.
Liebe Grüße,
die NEON-Redaktion
Wie hat euch die neue Ausgabe gefallen? Sagt es uns hier in der Blattkritik!










Kommentare
Der grenzenlose Egoismus der "betrügenden Autorin" ist hochnotpeinlich.
03.12.2011, 19:23 von hoekSie soll ruhig das beste aus beiden Welten genießen - warum auch nicht?
Aber dann bitte dem Freund auch die Möglichkeit geben, das selbe zu tun.
Im Moment entscheidet *sie* für ihn, ob er bereit wäre, dass sie mit anderen Typen vögelt. Sie entscheidet für ihn ohne ihn zu fragen. Das ist die definition von "Benutzen".
Jemanden zu seinen eigenen Gunsten benutzen. Ob er will oder nicht.
Dabei schreibt ihr niemand vor, wie sie zu leben hat - warum nicht polyamorös? Nur dann sollten alle Parteien eingeweiht werden - und wer nicht will, macht eben nicht mit. Nicht fragen und damit jemandem die Entscheidung gar nicht erst lassen, ist blanker Egoismus.
Ich wünsche der Autorin, dass sie eine ähnliche Situation aus anderer Perspektive mal am eigenen Leib mitbekommt. Manche Menschen können sich den Schmerz gar nicht vorstellen und denen sich, Fremdgehen ist halb so wild, wenn's der andere nur nicht mitbekommt. (Nach dem Motto "einmal ist keinmal")
bei den protokollen über utoya musst ich krass anfangen zu weinen....
03.12.2011, 17:33 von klaum
03.12.2011, 17:32 von klaumHat mich mal wieder vor der Langeweile beim Zugfahren gerettet. Jedoch ein paar Artikel dabei, die mir negativ in Erinnerung bleiben
30.11.2011, 12:08 von Mortica_IndustrialisWirklich eine tolle Ausgabe! Hat mir den Tag versüßt.
Mal ehrlich, das verschwomme Foto der Redakteurin, die ihren Freund betrügt, ist doch ein Witz. Wenn er auch nur einen Blick in die Zeitung wirft, und auf das Foto guckt, wird er sie doch erkennen?!
27.11.2011, 14:34 von topfbluemchenUnd "ich tue ihm doch einen Gefallen" find ich den größten Sch***. Ich kann zwar schon die Beweggründe nachvollziehen, warum sie es tut, das konnte man schon herauslesen, aber diesen Satz zu nennen, ist größtmöglichste Verhöhnung.
Da kann ich mich nur anschließen!!
habe den utoya artikel einer freundin aus oslo gezeigt. sie war sehr berührt und angetan, dass auf diese weise in einem dt. magazin darüber gesprochen wird. danke dafür! (:
25.11.2011, 18:33 von tee.tanteden utoya artikel fand ich eine tolle idee . sehr bewegend !
22.11.2011, 19:20 von leandie gesamte ausgabe ist übrigens wirklich gelungen. allein der utoya-artikel... krass.
22.11.2011, 14:57 von halbkindmfDen fand ich auch wirklich genial. Hab danach fast weinen müssen.
22.11.2011, 15:53 von MadElaineScheißleben...
Manchmal kann das auch bedeuten, psychosomatische Hilfe anzubieten.
Eine so schwer verlaufende chronisch entzündliche Darmerkrankung ruft bei diesem Patienten anscheinend die chirurgischen und internistischen Fachdisziplinen auf den Plan, die alles heute Mögliche an Hilfe aufzubieten versuchen, bis sie leider aufgeben müssen.
"Das ist kein Leben mehr" sagt der Mann, ist dabei gut aussehend, lebendig und lacht laut. Und dennoch scheint es für ihn kein Leben (mehr) zu sein. Der Zusammenhang dieser ganz offensichtlichen Diskrepanz bleibt im Dunkeln (und ist wohl lebensgeschichtlich in diesem Mann viel früher angesiedelt): Wie kann ein so lebensbejahend wirkender Mann gleichzeitig fest davon überzeugt sein, dass "alles Scheiße" ist?
Ganz klassisch psychosomatisch drückt er dieses Erleben ja sogar körperlich aus. Und zeigt immer wieder deutlich, dass er seine Hinwendung zum Leben ausschließlich durch sein Gegenüber erleben kann: "Was soll ich machen, Doc?", "...so kann man doch nicht leben, ODER, Schatz?", "Austherapiert?" - eine bemerkenswert passive Haltung, die die Abhängigkeit des Mannes von seinem jeweiligen Gegenüber sehr deutlich macht.
Sofern man den Mann selbst befragte, erführe man wohl, dass er sein Leben nicht lebenswert empfinde und sterben wollte, wenn andere ihn nicht am Leben erhielten. Das findet sich in der ersten und in der letzten geschilderten Begegnung mit Dr. Moor (und auch in denen dazwischen mit seiner Verlobten).
Wir alle müssen körperlich / mit unserem Verhalten das ausdrücken, wofür es keine Sprache (keine Bewusstheit) gibt. Man könnte vermuten, dass der Mann mit seiner Erkrankung eine Frage stellt, die er nur allzu gut kennt aus einer Zeit, in der es für ihn noch keine Sprache gab: "Darf ich leben?" (selbst, erfüllt, unbeschränkt...). Vielleicht eben eine Frage, die am Anfang seines Lebens nicht mit "Ja!" beantwortet werden konnte - darum muss er sich vielleicht in vielen Begegnungen vergewissern (eine Antwort holen).
Seine Krankheit ist verstehbar - sowohl als Ausdruck des "Scheißlebens", das er empfindet als auch als die fortbestehende Chance, im jeweiligen Gegenüber mehr Lebenswillen als den eigenen zu finden. So lange eben, bis auch im Gegenüber die Hoffnung langsam erlischt. Der Mann bekam wohl letztlich die große (unbewusste?) Frage seines Lebens wieder genauso beantwortet, wie er es am Anfang seines Lebens erfahren hatte.
Im Alter von 35 Jahren des Mannes hätte eine solche psychosomatische Sichtweise und Besprechung dieser vermuteten "Lebensfrage" vielleicht ebenfalls (natürlich neben notwendigen internistischen und chirurgischen Therapien) zu einer Heilung beitragen können, weil der Mann seine Erkrankung besser versteht, seine wohl dahinterliegende Frage begreifen lernt und sie im Laufe der Zeit anders (und vor allem für sich selbst!) beantworten kann.
Manchmal kann Hilfe also bedeuten, sie woanders zu finden als gewohnt: Der Patient könnte die Antwort auf seine Frage nicht mehr wie gewohnt beim Gegenüber suchen, sondern bei sich selbst finden. Und der Internist und/oder Chirurg könnte zusätzliche Hilfe aus dem (noch ungewohnten) psychosomatischen Bereich finden, lang bevor alle Beteiligten (und vor allem letztlich dieser Mann) die Hilfe/Selbsthilfe einstellen müssen.