NEON #09 2009
Liebe Leserinnen und Leser,
eine Macke haben wir ja alle. Das ist uns schon klar. Wir sagen vielleicht von uns, wir seien viel zu schüchtern. Oder, dass wir in Beziehungen sofort klammern, das sei unser Problem. Gerne gestehen wir auch charmante Eigenheiten: Wir seien einfach totale Verdränger, das wüssten wir selbst. Bloß: Wenn wir unsere Freunde dann mal fragen, wie sie uns denn sehen, hören wir plötzlich ganz andere Dinge. Nein, nicht schüchtern, eher ziemlich zickig! Ein Verdränger? Von wegen, total selbstbezogen bist du in vielen Situationen!
Für die Titelgeschichte dieser Ausgabe haben wir genau diesen Versuch gemacht: Wir haben vier Menschen um ihre Selbsteinschätzung gebeten und danach ihre Bekannten gefragt, wie sie das denn sehen. So ein ehrliches Urteil bekommt man doch eher selten zu hören - und die Ergebnisse waren für beide Seiten, sagen wir, ziemlich überraschend.
Unsere Autorin Anne Lemhöfer hat recherchiert, warum es uns überhaupt so schwerfällt, uns selbst objektiv zu beurteilen. Sie stieß auf Studien, die besagen, dass es sogar gut ist, dass wir uns tendenziell über- und nicht unterschätzen. Weil es nur so gelingen kann, einigermaßen glücklich durchs Leben zu gehen. Das eigene Handeln kommt uns meist ziemlich stimmig vor, so bescheuert es auch auf andere wirken mag.
Der Psychologe Mitja Back hat das sehr schön formuliert: »Der Fisch weiß auch nicht, dass er nass ist, weil er immer im Wasser schwimmt.«
Liebe Grüße,
die NEON-Redaktion




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