NEON #02 2008
Die Blattkritik zur Februar-Ausgabe.
Liebe Leserinnen und Leser,
von allen negativen Gefühlen hat die Eifersucht das größte Imageproblem. Während Wut und Streitlust oft noch etwas Gutes bewirken können, den gerechten Aufstand oder den Aufbruch in eine bessere Zukunft, ist die Eifersucht einfach nur eine unattraktive Charakterschwäche; Ausbund an Destruktivität und anstrengendem Kleingeist. Zunächst glaubt man auch, es gebe sie gar nicht mehr so oft, die böse alte Eifersucht. Kaum jemand gesteht sich ein, dass er, zumindest bei seinem eigenen Partner, nicht zulassen will, was doch allgemein als erstrebenswert gilt: größtmögliche Freiheit und Selbstentfaltung. Eifersuchtsszenen in einer Beziehung gelten als sinnloser Stress oder sofortiger Trennungsgrund. Aufgerieben wird sich bestenfalls im Job oder beim Sport, aber doch nicht zu Hause. Was aber, wenn es sich doch lohnt? NEON-Redakteurin Annabel Dillig hat sich lange mit dem Thema Eifersucht beschäftigt und ihre durchaus positiven Effekte für das Liebesleben beschrieben (ab S. 56) – wie bei jedem Gift kommt es nur auf die richtige Dosierung an. Auch wenn die guten Seiten von Eifersuchtsattacken schwer zu sehen sind: Nichts ist doch trauriger als eine Liebe, der man sich zu sicher ist. Die kein Herzrasen mehr verursacht. Für die man meint, nichts tun zu müssen, als bloß Händchen zu halten.
Liebe Grüße, die NEON-Redaktion
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