NEON #12 2007
Die Blattkritik zur Dezember-Ausgabe.
Liebe Leserinnen und Leser,
schon vor dem runden Geburtstag der 68er-Bewegung wird mal wieder über ihre Wirkung gestritten. Haben die lang haarigen Wilden damals das freie Leben der NEON-Generation erst möglich gemacht oder die Fundamente für ein anständiges Miteinander aufgeweicht, wie ausgerechnet BILD-Chefredakteur Kai Diekmann aktuell beklagt? Was bei dem ideologischen Streit um das Erbe der 68er in den kommenden Monate kein Thema mehr sein wird: Drogen. LSD bis Hasch: kein Grund zur Aufregung, Sixtiesfolklore. Dabei ist der Wertewandel sehr interessant. High sein und frei sein: Das sollten ja mal ernsthaft das Gleiche sein. Dies hat sich grundlegend gewandelt.
Für unsere Titelgeschichte (ab Seite 56) haben wir die derzeit wichtigen Gründe zusammengetragen, Drogen zu nehmen. Pillen und Pulver werden längst nicht mehr zur Bewusstseinserweiterung und bloß zum Spaß genommen. Die Sinnsucher, die uns auf alten Schwarz-Weiß-Fotos stolz ihren Joint entgegenstrecken, wurden abgelöst von rationalen Konsumenten, die durch Drogen gezielt Bedürfnisse befriedigen: im Job durchhalten, sich mit dem eigenen Körper arrangieren, der Angst vorm Leben oder der Langeweile entfliehen. Drogenforscher Günter Amendt sagt im NEON-Interview: »Drogengebrauch bewegt sich in Richtung Selbstmedikation.« Ernüchternd. Viel Spaß dann wenigstens mit dieser Ausgabe!
Liebe Grüße, die NEON-Redaktion
Wie hat euch die Ausgabe gefallen? Sagt es uns hier in der Blattkritik!




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