NEON #06 2005
Die Blattkritik der Juni-Ausgabe.
Liebe Leserinnen und Leser,
alle reden immer von der Liebe. Als wäre sie das einzige, was uns im Leben hält. Wahrscheinlich ist es leichter, ein Jahr ohne Liebesbeziehung zu überstehen als ein Jahr ohne einen guten Freund. Das Leben wäre nicht auszuhalten ohne einen Menschen, den man jederzeit anrufen kann, mit dem man nur Zeit vertändeln oder auch echte Probleme diskutieren kann. Einer besten Freundin oder einem besten Freund kann man sich noch bedingungsloser anvertrauen als seinem Lebenspartner, niemand kennt uns besser. In unserer Titelgeschichte »Freunde fürs Leben!« erzählen acht NEON-Autoren ab Seite 54, woran bei ihnen Freundschaften zerbrochen sind: an so banalen Dingen wie einem Umzug, an der Liebe oder, besonders schlimm, am blöden Geld...Manchmal wird ein Freundschaftsband auch einfach vom Zahn der Zeit zernagt. Es ist ein bitterer Moment, wenn wir uns darüber klar werden, dass ein ehemals wichtiger Mensch irgendwie nicht mehr in unser Leben passt. Es kommt aber vor. »Es gibt Freundschaften mit Verfallsdatum«, sagt dazu die Soziologin Yan Jager (S. 64) – sie erklärt aber auch, was man tun kann, um eine angeknackste Freundschaft doch noch zu retten. Und selbst ein Verrat, so glaubt sie, muss nicht das definitive Ende sein. Wie wichtig Freunde sind, erzählt auch die Schauspielerin Penélope Cruz im Interview ab Seite 68. In der Schule sei sie nur »die Suppenkelle« gerufen worden, weil sie so dünn war – dann aber fand sie zwei Vertraute, »denen ich all meine Geheimnisse erzählen konnte. Ich lernte etwas fürs Leben: Jeder braucht wenigstens zwei Menschen, denen er blind vertrauen kann. «Das glauben wir ja auch. Bedanken möchten wir uns noch bei den Menschen, die sich für unsere Titelgeschichte gemeinsam mit ihren besten Freunden in Passbild-Automaten gezwängt haben und fotografieren ließen. Die Bilder sind eine Wucht!
Viel Spaß mit diesem Heft!
Liebe Grüße, die NEON-Redaktion
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