Job

Der Chefversteher
09.02.2010 12:17 Uhr
»Neulich hat er schon wieder?«, »Nie sagt er Danke«, »Der schikaniert mich aus Spaß«. Der HASS AUF DEN CHEF eint Millionen Angestellte. Aber gibt es wirklich so viele schlechte Chefs in Deutschland? Oder haben die Deutschen nur zu viel »Stromberg« gesehen?
Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich mit einem einzigen Satz so unbeliebt gemacht. Und natürlich wäre es geschickter gewesen, einfach die Klappe zu halten an diesem Freitagabend, an dem meine Freunde nicht nur Rotwein tranken, sondern sich mit dem gleichen kennerhaften Genuss auch am Hass berauschten. Als handelte es sich um ein bekanntes Trinkritual trug einer nach dem anderen eine Anekdote vor, die immer denselben Protagonisten hatte (»Mein Chef...«) und dasselbe Fazit (»... ist ein Arschloch«).
Als dann Verena, die in der Personalabteilung eines Pharmaunternehmens arbeitet, berichtete, wie sie ihr Vorgesetzter vor dem ganzen Team runtergemacht habe, »nur weil ich zehn Minuten zu spät gekommen bin«, fiel ich endgültig aus der Rolle des empörten Mitleidspenders und fragte: »Hast du schon darüber nachgedacht, dass der auch einfach Recht haben könnte?« Hätte ich gesagt: »Bis auf die Autobahnen hat Hitler alles richtig gemacht«, wäre das Feedback kaum anders ausgefallen (»Blödsinn«, »Quatsch«, »Hör nicht auf den, der will nur provozieren! «).
Keine Ahnung, warum ich Verenas Chef verteidigt hatte. Natürlich habe auch ich schon schlechte Erfahrungen mit Vorgesetzten gemacht. Vielleicht nervte mich das aggressive Selbstmitleid meiner Freunde oder ich hielt es für statistisch unwahrscheinlich, dass wirklich jeder von ihnen den schlechtesten Chef der Welt hatte. Warum ist es selbstverständlich, den Vorgesetzten nicht ausstehen zu können? Ist es sinnvoll, sich in den Hass auf eine Person zu steigern, der man kaum entkommen kann? (Es gibt nur 4,4 Millionen Selbstständige in Deutschland, und sogar die haben ihre ganz persönlichen Chefs: die Kunden.) Ich will lernen, den Hass auf die Chefs zu verstehen. Und die Chefs gleich mit. Eine erste Internetrecherche ergibt, dass laut dem Münchener Geva-Institut neun von zehn Mitarbeitern ihren Chef als »schwierig« einschätzen, jeder Fünfte hasst ihn. Laut stern lästern deutsche Angestellte pro Woche vier Stunden (!) über ihren Vorgesetzten. Als ich mich in einer Buchhandlung nach Literatur zum Thema erkundige, führt mich eine Angestellte mit verschwörerischem Lächeln zu einem Regal mit Titeln wie »Das Chefhasser- Buch«, »Mein Chef ist ein Arschloch - Ihrer auch?«, »Und morgen bringe ich ihn um! Als Chefsekretärin im Top-Management«.
Nach vier Stunden Lektüre habe ich drei Spiegelstriche des Hasses identifiziert:
- Der Chef nimmt sich keine Zeit für mich. Und Danke sagt er auch nie.
- Der Chef gibt mir keine Freiräume.
- Der Chef ist total inkompetent (gibt das aber nicht zu).
Erst kurz vor Geschäftsschluss finde ich ganz unten im Regal das Buch, »Ohne Chef ist auch keine Lösung«, geschrieben von Volker Kitz und Manuel Tusch. Die Botschaft: »Wenn Sie merken, dass Ihr Vorgesetzter gar kein Tyrann ist, werden Sie mit Ihrer Arbeit wesentlich zufriedener sein!« Meine allererste Chefin habe ich bestimmt für eine Tyrannin gehalten. Damals beriet ich als Zivi in Marseille Flüchtlinge und Sans Papiers.
Ich war zwanzig Jahre alt, hatte keine Ahnung von Ausländergesetzen und sprach schlecht französisch. Um die Aufenthaltsgenehmigungen abgelehnter Asylbewerber zu verlängern, musste ich permanent mit Beamten telefonieren, die keine Lust auf Menschlichkeit oder Langsamsprechen hatten. Aber immer wenn ich meine Vorgesetzte Françoise Rocheteau um Rat fragte, starrte sie mich durch ihre dicken Brillengläser an (mit denen sie scheinbar direkt in mein Gehirn blicken und meine mangelhaften zerebralen Aktivitäten analysieren konnte) und sagte: »Du siehst doch, ich hab viel zu tun, warum machst du dich nicht einfach selbst schlau!« Wenn ich wirklich zum Chefversteher werden will, muss ich bei Françoise Rocheteau anfangen - und mit ihr sprechen. Schon beim Tippen der Ländervorwahl 0033 fühle ich mich wieder klein und verbal gehandicapt. Françoise hebt sofort ab. »Écoute«, unterbricht sie mein Stammeln, »ich musste mich ja nicht nur um dich kümmern, sondern auch noch um acht andere Angestellte und vielleicht dreißig Freiwillige. Und wir waren doch ohnehin sehr zufrieden mit dir.« - »Was du mir aber auch nie gesagt hast!« - »Na ja, vielleicht hatte ich keine Zeit, zehn Minuten am Tag dein Selbstbewusstsein zu streicheln.«
Als ich auflege, glaube ich immer noch nicht, dass Françoise eine brillante Chefin ist, aber ein Gedanke leuchtet mir ein. Jeder Angestellte hat nur einen Vorgesetzten. Jeder Vorgesetzte aber viele Angestellte. Manchmal mehrere hundert. Wenn sich so ein Chef zweimal die Woche Zeit nimmt für ein Problemgespräch, glaubt er, sich gut gekümmert zu haben. Tatsächlich bekommt aber jeder Angestellte nur alle drei Jahre eine Extraportion Aufmerksamkeit. Sicher zu wenig. Wahrscheinlich sind aber auch unsere Aufmerksamkeitserwartungen unrealistisch hoch.
Als ich Verena, die nicht will, dass ich ihren Nachnamen erwähne, stolz meine ersten Rechercheergebnisse mitteile, entgegnet sie mir: »Dein Problem war, dass dich deine Chefin allein gelassen hat. Ich werde aber immer kontrolliert.« Verena erzählt von ihrem Vorschlag, für ein Firmenseminar einen Familientherapeuten zu engagieren, so eine Abteilung sei ja auch wie eine Familie. In der Antwortmail schrieb ihr Chef hinter Verenas sorgfältig formulierte Sätze nur ein rotes »Nein!«. Weil Verena aus Unzufriedenheit nach einem neuen Job sucht, stapeln sich auf ihrem Küchentisch die Stellenmärkte von »SZ« und »FAZ« und »Junge Karriere«. Auf den Arbeitsannoncen sind die üblichen Farbfotos begeisterter Bürobewohner zu sehen.
»More Business. More Ambition. More Global. More Passion. Tauchen Sie ein in eine spannende Welt voller Leidenschaft «, wirbt L'Oréal. »Wir wissen noch nicht mal, wie man Langewaile schreibt«, behauptet der Versicherer Generali Deutschland. Die Anzeigen wirken wie Reisebüroreklame für exotische Destinationen. Sie locken in eine Welt, wo der Mensch seine Träume und Ideen verfolgen kann, in eine eigene Wirklichkeit oder L'Oréalität. Kein Wunder, dass Verena enttäuscht ist, wenn es in ihrer dunklen Achtquadratmeterbürozelle mit Blick auf einen Discounterparkplatz nicht zugeht wie an einem Karibik strand.
»Es ist in Deutschland in Mode gekommen, den Chef als eine Art Guru zu sehen, der Lebenssinn und Selbstverwirklichungschancen verteilt «, erklärt Manuel Tusch, der Autor von »Ohne Chef ist auch keine Lösung«. »Aber das ist Unsinn. Arbeit ist oft mühsam und langweilig. « Tusch glaubt, dass man immer einen eingeschränkten Entscheidungsspielraum haben wird, sobald man in festen Strukturen und mit Vorgesetzten oder Kollegen zusammenarbeitet, die ihre eigenen Ideen haben. »Nur wenn man ganz für sich alleine hinwerkelt, am besten auch noch ohne Kunden, kann man alles alleine entscheiden. Dann interessiert es allerdings auch keinen.« Ich rede mit Manuel Tusch noch über die Pro- Sieben-Serie »Stromberg«, die er lustig findet und ich eher langweilig, weil sie auf einer einzelnen Botschaft aufgebaut ist: »Der Chef checkt nichts.« Offensichtlich eine identifikatorische Information.
Laut einer DGB-Studie hält jeder zweite Angestellte seinen Vorgesetzten für »fachlich überfordert« und das »Peter- Prinzip« des kanadischen Pädagogen Laurence Peter besagt, dass jeder Angestellte in der Unternehmenshierarchie so weit aufsteigt, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat. Aber ist diese Beobachtung wirklich mehr als eine gute Pointe? Da ich nicht erwarte, von Josef Ackermann eine ehrliche Antwort zu bekommen, rufe ich den einzigen meiner Freunde an, der bereits Personalverantwortung hat. Florian Röhrig hat lange Zeit bei einer großen Hotelkette gearbeitet, jetzt ist er Geschäftsführer eines Restaurants. »Natürlich mache ich Fehler«, meint Florian, »aber ich werde auch für Dinge verantwortlich gemacht, für die ich nichts kann.« Florian erzählt, wie er einmal auf einer Firmenparty die Einteilung der Schichten übernahm. »Die Party sollte bis 24 Uhr dauern. Um Mitternacht hat mir der Kunde gesagt, dass sie noch bis fünf Uhr morgens feiern wollen. Meine Leute hatten schon zwölf Stunden am Stück gearbeitet. Die haben mich gehasst. Und mir vorgeworfen, ich hätte nicht richtig geplant.«
»Der Sündenbock ist kein Herdentier«, hat Erwin Huber gesagt. Huber trat nach der Niederlage bei den Bayernwahlen vom CSU-Vorsitz zurück, weil die Partei ein symbolisches Opfer verlangte. Im Büroalltag ist das ähnlich. Zum Beispiel hat fast jeder Vorgesetzte einen Vorgesetzten: Vielleicht ist ja dieser Chefchef auf die Idee gekommen, das Weihnachtsgeld durch ein Prämienmodell zu ersetzen, und der Chef muss diese Entscheidung begründen, auch wenn er gar nichts von ihr hält. Und wenn der Abteilungsleiter entscheidet, die Kundenkommunikation auf E-Mail umzustellen, drei Monate später aber wieder Briefpapier einführt, dann kann man seine Inkompetenz kritisieren - oder den Mut loben, eine falsche Entscheidung auch zurückzunehmen. Mir ist schon klar, dass ich mir kein ganz einfaches Verständnisobjekt ausgesucht habe. Und natürlich lese auch ich Zeitung und weiß, dass man in Deutschland gekündigt werden kann, wenn man sich zum falschen Zeitpunkt eine Frikadelle vom Büfett nimmt.
Angeblich sollen Psychopathen in Vorstandsetagen achtmal so oft vorkommen wie in der Gesamtbevölkerung (Die Freunde des schlechten Spruchs sind sogar noch häufiger vertreten, wie man unserem Kasten oben entnehmen kann). Aber verstehen heißt ja nicht entschuldigen. Wenn ich begreife, dass meine beiden Chefs bei NEON mehr zu tun haben, als mir täglich mitzuteilen, wie schön die Zusammenarbeit ist, weiß ich ein seltenes Lob besser zu schätzen. Und kann bei Bedarf ein Feedback einfordern, statt stumm vor Wut über eine missverständliche Vorgesetztenbemerkung mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren und zu schwören, nie wieder zurückzukehren nach Berg am Laim in München.
Wenn ich nüchtern dokumentiere, was ich geleistet habe und was ich in Zukunft mehr tun will (»zum Beispiel nicht immer Essays aus der Arbeitswelt schreiben«), sind meine Erfolgsaussichten besser, als wenn ich in Tränen ausbreche und rufe: »Ihr traut mir gar nichts zu.« Es geht darum zu erkennen, wann es sich zu kämpfen lohnt und wann man nur seine Kraft vergeudet. Verena hat mich unter dem Namen »Chefgroupie « in ihrem Handy (und ihrem Gehirn) abgespeichert. Dabei wäre das eigentlich die passende Bezeichnung für sie. Wie eine Rosamunde- Pilcher-Leserin von der perfekten Beziehung träumt Verena vom perfekten Chef, der klug ist, immer Zeit hat und alle ihre Vorschläge berücksichtigt. Verena nimmt ihren Chef viel ernster als ich meine, weil sie jede Begrüßungsfloskel und geknurrte Bemerkung auf negative Vibes abhört - anstatt einfach mal »Hä?« oder »Fuck you!« zu denken. Sie leidet unter einer permanenten Erwartungsenttäuschung. Wie Millionen Deutsche will sie einen Chef zum Verlieben. Dabei reicht schon einer, mit dem man irgendwie auskommt.






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sajoka
RE: Der ChefversteherIch sach nur PETER ! ! ! ! ! ! ! !
24.01.2010 22:49 Uhr
soislbagger
RE: Der Chefversteherverstehe.
chef
09.02.2010 12:42 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteheretwas lang der artikel, ich hab das jetzt nur zur hälfte gelesen (allerdings auf den ganzen text verteilt), weil die diskussion so ergiebig nicht sein kann. dass leute gern hintermrücken nach oben lästern, aber im grunde ja nur umaufmerksamkeit haschen ist ja ein aus der schule bekanntes phänomen, das sich im arbeitsleben eventuell umfassender fortsetzt.
das zentrale problem ist neben dem scheinbaren reiz kollektiver ereiferung vermutlich das mißverständnis, der chef müsse alles besser können als jeder, und dahingehend die fortlaufende untersuchung mit dem anliegen, das gegenteil zu erreichen. sei es zum selbstzweck, oder als schaffung eines gemeinsamen nenners unter kollegen. sonst müssten sie sich noch nmit sich selbst auseinandersetzen, und da ist es natürlich der harmonie dienlicher, sich stattdessen auf den einzuschiessen, dem man ja eigentlich nicht tief genug in den hintern kriechen kann. und sorry, aber gerade bei frauen wirkt die empörung dahingehend mehr servil als irgendwas anderes. bei männern hingegen ist es oft banale eifersucht, obwohl sich laut meiner erfahrung das getratsche gegen den chef auch eher in grenzen hält.
der chef bewegt die äussersten linien, dass innerhalb dessen dadurch konkurrenzen um ressourcen verschärfen, von denen der chef scheinbar wie unbetroffen scheint,ist im hektischen alltag dann mitunter schwierig hinzunehmen. insofern its just part of the deal. ich finde dahingehend fußball ganz praktisch. da ist wenigstens jedem jederzeit halbwegs klar, dass für dieselbe sache gearbeitet wird. wem das nicht paßt, der wird ausgewechselt.
09.02.2010 12:44 Uhr
Surecamp
RE: Der ChefversteherIn welchem Beruf bist du tätig?
09.02.2010 14:41 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteherstaatsgeheimnis. freizeit ist jedenfalls die branche.
09.02.2010 14:53 Uhr
Fiona_Brutscher
RE: Der ChefversteherAlso, meine Chefs sind alle super!
09.02.2010 13:40 Uhr
Mouton86
RE: Der Chefversteherdie Quintessenz, jeder ist ersetzbar. Alles andere ist nur verschönung der Tatsachen. Ich finde den Text sehr polarisierend, und somit zur heutigen Zeit, falsch.
09.02.2010 13:58 Uhr
Kocmonabt
RE: Der Chefversteherdazu nur eins: "asa-theorie".
attraction - selection - attrition.
1) attraction:
bestimmte unternehmen ziehen bestimmte leute an (google zieht opportunistische deppen mit welteroberungsfantas ie an, apple zieht opportunistische deppen mit styledünkel an, porsche ziehen opportiunistische deppen mit autofokus an, die stadtsparkasse delmenhorst zieht ... usw.usf.)
ergebnis: es werden nur "passende" leute angezogen.
2) selection:
das gewählte unternehmen wählt passende kandidaten aus, meist regiert hier der nasen-faktor, selbst moderne diagnostische intrumente wie assessment center kriegen das meist nicht abgestellt ("der chef hat das letzte wort, wer eingestellt wird").
ergebnis: es werden nur "passende" leute reingelassen.
3) attrition:
das unternehmen siebt aus, unpassende mitarbeiter werden rausgeekelt, weggemobbt, weggelobt, bewerben sich freiwillig weg.
ergebnis: es bleiben nur "passende" leute.
fazit: nur rundgespülte steine in chefpositionen, denn die haben den prozess schon komplett hinter sich gebracht.
empfehlung: wenns nicht passt, entweder selber von innen anpassen oder sich nicht weiter verbiegen lassen und das unternehmen wechseln, vielleicht dann zu einer organisation, bei der man sich neben den hochglanzanzeigen auch mit hintergrundinformati onen über bspw. pförtner-info (das sind die fußabtreter in der firma, die wissen am besten, wie das klima ist) versorgt.
[das ganze kann man auch wunderbar auf diese community hier anwenden: es werden hauptsächlich nur passende angezogen, in die community aufgenommen und schließlich drin gelassen...
...hach, diese schönen universaltherorien]
09.02.2010 14:02 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteher"fazit: nur rundgespülte steine in chefpositionen, denn die haben den prozess schon komplett hinter sich gebracht."
echt? oder sind tw nicht die, die den notwendigen spülgang relativ unbeschadet durchgestanden haben? das sind doch alles nur sortierprozesse und am ende will jeder nur seine eigenen praktikantinnen einstellen. hab ich gelesen!
09.02.2010 14:13 Uhr
jana_wolf
RE: Der Chefversteherich würde sagen das geht hand in hand. das unternehmen prägt den chef und umgekehrt - zumindest im idealfall. ist wohl auch sinnvoll, denn würde der chef gar nicht ins profil passen und ständig anecken, wirkt sich das wiederum aufs team aus und das bestimmt nicht positiv. das wird dann eher wildwasser-raften als sanfter spülgang.
09.02.2010 14:21 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteher"eine umfassende und gegenseitige, produktive kompatibilität ist, auf diesem niveau liebe jana, selbstverständliche ehrensache. die von dir angespielten schwankungen bezeugen lediglich die vitalität unseres unternehmens, kreativität kann auf spannung nicht verzichten. schließlich soll doch ihr urlaub auch in zukunft durch einen kleinen zuschuß gefördert bleiben."
09.02.2010 14:38 Uhr
Kocmonabt
RE: Der Chefversteherdas das alles sortierprozesse sind, habe ich ja geschrieben.
positiv aus unternehmerbrille: es bleibt, wer sich aus subjektiver sicht lohnt.
negativ aus unternehmersicht: es bleibt nur, wer sich aus subjektiver sicht lohnt.
@jana_wolf: naja, zumindest in den meisten größeren unternehmen war zuerst das unternehmen und dann der chef, der dich einstellt. patricharchalisch geführte familienunternehmen haben da schon einen anderen geist, da wird häufig auch noch jahre nach dem tod "im sinne des gründers gehandelt"...
09.02.2010 14:29 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteherja ich wollte deine ergüsse auf ein fazit konzentrieren, und vor allem dingen auf das wesentliche zurückführen. vermutlich gehts auch oliver bierhoff bei seinem vetorecht um nichts anderes, er winkt einfach alle durch bis ihm die passende kandidatin für den cheftrainerposten vorgeschlagen wird. frau jogi löw ist nicht einfach so ersetzbar!
09.02.2010 14:40 Uhr
sun-chan87
RE: Der ChefversteherIch hatte schon schlimmerer Chefs als den jetzigen. Den letzten habe ich vors Arbeitsgericht gezerrt. Er hat leider nix daraus gelernt & ist zu seinen übrigen Untertanen immernoch gemein.
Ich bin was Chefs angeht sehr tolerant, solange sie nicht persönlich beleidigend werden.
09.02.2010 14:23 Uhr
Kocmonabt
RE: Der Chefversteher"Den letzten habe ich vors Arbeitsgericht gezerrt. "
schön, dass du nicht so doof bist, deinen echten namen hier zu veröffentlichen - sonst hättest du garantiert probleme, einen neuen job zu finden ;)
09.02.2010 14:30 Uhr
sun-chan87
RE: Der ChefversteherDen hatte ich zu dem Zeitpunkt schon. Mit dem jetzigen Chef ist mein Aktueller gemeint ;o)
09.02.2010 14:33 Uhr
lavish
RE: Der Chefverstehermal aus meinem erfahrungsschatz gesprochen: wenn ich mir meinen chef angucke, dann frag ich mich, "was will der typ eigentlich hier?" na gut, "chef" sein. das könnte er dann ja auch abhaken und das wars. diese "hand-in-hand"-numme r halte ich für naiv, zumal der chef ganz andere aufgaben hat, als mit mir hand in hand zu gehen. im krankenhaus ist der chef derjenige, der versucht, einen gesamtüberblick zu bekommen. die "informelle macht" haben dann ganz andere, die assistenzdoc's und das pflegepersonal. die schnittstelle vom chef wäre dann der oberarzt und wenn die beiden sich nicht grün sind und der chef findet, "och, heute fahr' ich schon mal um drei nach hause", obwohl der laden brennt - dann ist das kein "hand-in-hand", sondern die übliche hierarchische chefkacke, wie sie in einer arztserie nicht schlimmer sein könnte.
ich finde das ganz gut, chefs z.b. vors arbeitgericht zu zerren. ich habe leider in meiner bisherigen laufbahn erst einen kennen gelernt, der gerafft hat, worum es geht, der sich ausgetauscht und gefragt hat. der ist nun in rente und ich trauere ihm eigentlich hinterher. wenn man sich diese emporkömmlinge (gerade die jungen aufsteigertypen, pfui deibel, man sollte sie - bis auf einige ausnahmen - allesamt in die psychiatrie stecken!) anguckt, könnte man fast den glauben ans kollektiv wiedergewinnen.
09.02.2010 14:36 Uhr
coronaria
RE: Der ChefversteherIch bin vom Arschloch-Chef zum Best-Buddy-Chef gewechselt.
Klar ist der neue besser, aber das ist weniger eindeutig als man denken könnte: Der alte Arschloch-Chef (der z.B. Sonntagmorgens um 05.00 Uhr grundlos angerufen und ins Telefon gebrüllt hat) hatte immerhin den Vorteil, dass er einen mit den Kollegen zusammengeschweißt hat. Nichts vereint so sehr, wie ein gemeinsamer Feind.
Der neue nette Chef ("wollen wir zusammen ein Bier trinken gehen? Wie findest du, dass Ruud Niestelroy zum HSV wechselt? Boah, das Lied, hör mal, geil!") ist eher ein Kollege und das auch nicht immer hilfreich, weil ich a) für meinem fachlichen Ärger kein Ventil habe, weil über netten Chef lästert man nicht und weil ich ihn b) nicht ernst nehme. Wie auch, wenn er mir nachdem er gerade gesagt: "Der Flyer ist scheiße" als nächstes sagt "und wollen wir im Sommer mal ne Fahrradtour machen?"
Bald ist der nette Chef weg. Dann bin ich Chef. Ich hab mir fest vorgenommen, weder Arschloch noch Best Buddy zu sein. Ich hoffe, man wird irgendwie mit mir auskommen.
09.02.2010 14:52 Uhr
Transgressor
RE: Der ChefversteherLeute, die mich wegen meiner Freundlichkeit nicht ernst nehmen, nehme ich dann auch nicht mehr ernst, bügle ihre Vorschläge ab und zweifle ihre Fähigkeiten an. Das macht Spaß und außerdem ist spannend zu beobachten, wie sie es dann immmmer noch nicht raffen.
09.02.2010 15:37 Uhr
tschak
RE: Der Chefversteherdas riecht ja nach entwickelten führungsqualitäten. souverän.
hoffentlich entdeckt dich hier niemand und wirbt dich ab, deine armen untergebenen angestellten.
09.02.2010 15:55 Uhr
Transgressor
RE: Der Chefversteher"<Mr_fuzzzzz> ; Du bist do blöd, weisst du überhaupt was ironie ist?
<crissy> Jaaa, witze für schlaue!"
Viel Spaß noch bei neon.de!
10.02.2010 16:19 Uhr
coronaria
RE: Der ChefversteherDen Unterschied macht der Grad der Professionalität in der Freundlichkeit. Freundlich kann man professionell sein, ohne persönlich zu werden. Durch Freizeitpläne von der vorherigen Kritik abzulenken, ohne die Möglichkeit zu geben, darauf einzugehen, ist unprofessionell. Ebenso ist es schwierig, jemanden ernst zu nehmen, der einem ständig Persönlichstes erzählt, Gerüchte auftischt oder nach Lebensrat fragt.
Zu viel persönliche Freundlichkeit schafft mangelnde Distanz.
Das hat nichts damit zu tun, dass man unfreundlich sein muss.
09.02.2010 16:05 Uhr
Transgressor
RE: Der ChefversteherDas klingt schon ganz anders und so würde ich es auch unterschreiben.
09.02.2010 16:15 Uhr
jana_wolf
RE: Der Chefversteherman merkt, dass du bald einen chefposten übernimmst. hoffentlich schaffst du das so umzusetzen, toi toi toi
09.02.2010 17:13 Uhr
jana_wolf
RE: Der Chefversteherist ein guter punkt. ich glaube auch, dass man chefs gerne die arschloch-rolle zuschiebt. es ist immer gut jemand zu haben, der für den eigenen ärger verantwortlich ist.
außerdem: es ist leichter den chef in eine schublade zu packen als zu versuchen ihn zu verstehen.
09.02.2010 15:46 Uhr
tschak
RE: Der Chefverstehereben. denn der chef ist es ja meist in krisenzeiten, der sich nochmal den witz wagt:
"7.30 Uhr FDP-Chef und Minister des Äußersten Westerwelle bringt allein durch überhitzte Argumentation die Frühstückseier zum Kochen ("Gelb muß fest in der Mitte stehen und darf sich nicht von allen Seiten vollschleimen lassen"). Findet dann aber keine Zeit, sie zu essen, weil er sich so sehr über die rote Salami aufregen muß." (titanic online, wer sonst)
09.02.2010 16:16 Uhr
sailor
RE: Der ChefversteherWie kommst Du darauf, das man als Angestellter nur einen Chef hätte?
09.02.2010 16:49 Uhr
Gigante
RE: Der Chefversteherrückzieher im letzten satz?
wenn man position beziehen will, kann man nicht im letzten satz relativieren. verstehen oder auskommen? und dann gibt es doch schlechte chefs? oder nicht?
akzeptiert man auch den schlechtesten vorgesetzten und versucht ihrn sogar zu verstehen und denkt :"der arme macht mir das leben nur zur hölle, weil ich selber das zulasse. und er ist ja auch nur ein mensch.", dann lösst das aber nicht das gefühl das man hat. und mit erwartungshaltung hat das wenig zu tun. das ist ein teil seines jobs, wohldosiert zu loben oder so komplett zu delegieren, dass er seine nase raushält.
meine meinung.
09.02.2010 17:34 Uhr
LudwigMartin
RE: Der ChefversteherSo wie es im Leben, also auch im Berufsleben, einen gewissen Prozentsatz an Leuten gibt, die irgendein beschissenes Ego-Problem haben, gibts diesen natürlich auch unter Kollegen und Chefs.
Das Problem: die Möglichkeit, diesen im Zusammenhang mit den negativen Begleiterscheinungen zu entfliehen, wird bei Arschlöchern auf dem Thron immer geringer, weswegen die Aufmerksamkeit und dadurch auch die Negativ-Erwartungen (denen natürlich auch utopische Erwartungen entgegengestellt werden, s. Text) sich auf den schlechten Chef konzentrieren und das Bild verzerren.
Zusammengefaßt: der Bekloppte wird proportional zu seinem Einflußbereich zunehmend stärker als der Bekloppte wahrgenommen.
Dazu kommt, daß ein Teil der Menschen ein Problem mit Hierarchie, Macht und Unterordnung hat (welches teilweise durch schlechte Erfahrungen, die aber selten die eigenen sind, eher Überlieferungen, genährt werden, aber nicht nur: auch eigene Probleme werden auf ein subkjektives Leiden unter Machtgefällen und Trotzdenken übertragen). Dieses Problem wird naturgemäß auf den Vor-Gesetzten übertragen.
Und schließlich (s.Text und Kommentare) bietet der Chef eine Projektionsfläche, um Spannungen, beispielsweise auch innerhalb des Kollegiums, zu übertragen. Man sollte vielleicht öfter einmal fragen, ob wirklich der Chef schuld ist an Arbeitsbedingungen, die doch sehr stark durch den täglichen Umgang mit Kollegen geprägt sind. Deswegen stehen Chef-Versteher ja auch im schlechten Geruch.
Wenn man sich als Chef nicht aufreiben will, muß man mit dieser latenten Schieflage klarkommen. Meistens bauen sie dafür ihr Ego aus, nutzen Macht ggf. über das Notwendige demonstrativ aus und geben sich pauschal urteilender sowie unerreichbar - v.a. für Gefühle von Untergebenen.
Diesem Kreislauf entgegenzuwirken, hilft für alle Parteien nur Selbstreflektion.
Ich widerspreche hier auch nochmal dem systemtheoretiker Kocmonabt, dessen neues Hobby anscheinend darin besteht, sein angelesenes Wissen über Gruppendynamik hier wie eine Sauce über jedes angeschnittene Problem zu gießen. ;-)
Das Berufsleben ist kein geschlossenes System, welches sich selbst reibungslos optimiert.
Es gibt eine Motiv-Mischung, die Leute in ein Unternehmen bringt, denn neben der Orientierung beim Job gibt es noch einen Lebenslauf, der nicht alle Alternativen zuläßt, ein Bedürfnis nach Sicherheit, welches im Alter zunimmt, Vorlieben und Bindungen (Ort, Familie, sonstige Gemeinschaften).
Deswegen werden mitnichten alle unebenen Beteiligten eines Systems entfernt, sondern ein System wird stets mit Ungereimtheiten weiter existieren. Es bezieht seine Qualität geradezu daraus, diese zu integrieren und seine Potentiale aus den daraus entstehenden Spannungen zu ziehen. Deswegen kann sich eine vielschichtige Persönlichkeit, im Chefsessel angekommen, auch mal offenbaren.
Außerdem ist das Hocharbeiten in der Firma ein aus den USA eingeflogenes Wintermärchen (Das Peter-Prinzip ist ein amerikanisches Buch, was in Deutschland gern unreflektiert gelesen wird), welches vielleicht hier und da auf die öffentliche Vewaltung zutrifft.
Gerade die Geschäftsführungsebe ne rekrutiert sich i.d.R. nicht aus Mitarbeitern.
Ich halte das "Peter-Prinzip" nicht nur für überschätzt, sondern auch für gefährlich, weil es die Scheiß-Chef-Attitüde verstärkt und den konstruktiven Dialog mit dem Vorgesetzten untergräbt.
Und mit Dialog und Kommunikation meine ich nicht das Mitarbeiter-Gespräch , sondern zahlreiche andere Möglichkeiten, Positionen des Chefs (aus Unternehmensstruktur , Prioritätensetzung, Sachzwänge und Innovationen, Personalpolitik) kennenzulernen und durch Entscheidungen und Anträge eigene Signale zu senden.
Kein Chef kann alles tun, was er will, aber jeder Chef muß das in einem gewissen Maß ausstrahlen, damit er Sicherheit verbreitet.
10.02.2010 09:07 Uhr
Icke_un_du_ooch
RE: Der ChefversteherAn alle, die jetzt das Bedürfnis verspüren, ebenfalls über ihren Chef abzuziehen und rumpöbeln, sag ich nur: los!
Beim Lesen in der NEON hab ich mihc schon ein wenig über die Aussage des Autors geärgert. Denn, meiner Meinung nach, ist ein Chef, der ein kleines, aber feines Arschloch ist, ein guter Chef. Denn er sorgt durch seine Macho-Arschloch-Allü ren dafür, dass sein Team(seine Untergebenen) eine Einheit bilden. Eine Sturmeinheit sozusagen. GSG 9 gegen Chef. Mit oralen Schüßen wird hier dann gefeiert. Und sorgt für besseres Betriebsklima zwischen den Mitarbeitern, weil, ja weil sie eben gegen den selben Feind kämpfen.
So!
10.02.2010 10:44 Uhr
sailor
RE: Der ChefversteherBlödsinn...
10.02.2010 12:58 Uhr
LudwigMartin
RE: Der ChefversteherWem's Wetter nicht reicht, muß auf'n Chef meckern... ;-)
10.02.2010 16:11 Uhr
sailor
RE: Der ChefversteherDer ja durchaus manchmal wie's Wetter ist...
11.02.2010 09:55 Uhr
Paradigmenwechsel
RE: Der ChefversteherSpannend, auch wenn ich das Gefühl habe, alle reden hier nur von Personalchefs undso.
Interessieren würde ich mal, wie man das sieht, wenn noch so Punkte wie Verantwortung und Existenz mit reinkommen würden, denn die stellen ja wohl eher die Mehrzahl...
Und für die mesten Chefs ist doch wohl immer noch die Bank der Chef, oder etwas nicht?
12.02.2010 01:54 Uhr
Paradigmenwechsel
RE: Der Chefversteher...oder man einigt sich darauf das immer ein bestimmter Prozentsatz in einer Schicht den gleichen Durchsatz an Deppen hat, dann wird sowohl bei den Chefs, aber auch den Angestellten vieles klarer....
12.02.2010 01:56 Uhr
Junger_Faust
RE: Der Chefversteherklasse meinung! selbst liebe bevor man andere für das verdammt was man eigentlich selber regeln kann. ich könnte fast sagen "meine worte" ("Keiner liebt mich so wie ich").
mein chef ist zwar nicht perfekt aber er ist der chef. nicht weil er reicht geerbt hat oder ein schweinisches glück in der tombola hatte, sondern weil er den mut hatte etwas aufzubauen und zu investieren. zeit, geld, nerven.
chef ist natürlich nicht immer chef (es gibt sicher diktatoren und inkompetente idioten) aber dann muss man das problem trotzdem selbst in die hand nehmen und wenn das heißt kündigen, dann heißt es eben KÜNDIGEN!
25.02.2010 12:35 Uhr