Wissen //

Job

Job
Marc Schürmann
[Artikel] [Job]

Nachteulen

20.10.2009 10:00 Uhr

Würdet ihr gerne später arbeiten?

von Marc_Schuermann

Spätaufsteher gelten als faul – ganz egal, ob sie im Gegenzug bis spät abends arbeiten oder nicht. Dieses Vorurteil kostet unsere Gesellschaft viel Kraft und Geld, wie unser Autor Stephan Seiler herausgefunden hat: Er besuchte Firmen in Dänemark, in denen jeder zu arbeiten anfangen kann, wann er will. Diesen Firmen – und ihren ausgeschlafenen Mitarbeitern – geht es besonders gut. Seilers Reportage findet ihr in unserer NEON-Ausgabe von November 2009.

Damit ihr mit eurem Chef demnächst leichter diskutieren könnt: Hier ein Merkzettel mit den zehn wichtigsten Argumenten für das Ausschlafen.


1. Jeder fünfte Mensch lebt gegen seinen Rhythmus, indem er zu früh aufsteht.

2. Deutsche Chronobiologen haben bewiesen, dass die Gene entscheiden (nicht die Bequemlichkeit), wann man am Morgen wach und wann man am Abend müde wird. Das Gehirn der Spätaufsteher ist selten vor zehn oder elf Uhr leistungsfähig. Diese Menschen sind, wenn sie gegen ihre Natur leben müssen, besonders anfällig für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Depressionen. Sie greifen häufiger zu Nikotin und Alkohol.

3. Was nützen diese Menschen also vor zehn Uhr im Büro?

4. Wenn nicht mehr jeder zwischen acht und neun Uhr anfangen muss zu arbeiten, gibt es weniger Staus.

5. Jobs werden immer individueller und globaler, Kreativität ist wichtiger als das Herstellen von Gütern – aber unsere Arbeitszeiten sind noch die des Industriezeitalters.

6. Nur jedes dritte Unternehmen in Deutschland bietet Arbeitszeitkonten an, die die Arbeitnehmer einigermaßen selbständig nutzen können. Das sind zu wenige.

7. Flexible Arbeitszeiten heißt zufriedenere Mitarbeiter; zufriedenere Mitarbeiter heißt Wettbewerbsvorteil im Kampf um die klügsten Köpfe auf dem Arbeitsmarkt.

8. Wenn jeder arbeiten kann, wann er will, arbeitet am Ende keiner mehr? Dänische Unternehmen, die freie Arbeitszeiten zulassen, haben gezeigt: Dieses Vorurteil ist falsch.

9. Der Umsatz pro Mitarbeiter ist in solchen Unternehmen gestiegen.

10. Keine Sorge: Wenn es sein muss, kann natürlich auch ein Spätaufsteher mal frühmorgens ins Büro kommen.

von Marc_Schuermann


Anzeige

Kommentare

Wenn du angemeldet bist, kannst du hier einen Beitrag zu diesem Text schreiben

Eintrag schreiben »

frl_smilla

RE: Nachteulen

Ich arbeite on demand.
Wenn Arbeit da ist, wird sie gemacht. Ob Wochenende, abends oder nachts. Ich verweise auf einen früheren Kommentar zu mir bei einem anderen Thema:
Wenn es sein muss, in Doppelschichten, also 8-23 Uhr. In meiner Branche fängt man selten vor 9 an.
Wenn viel zu tun ist, sitze ich um 7 am Schreibtisch.

Wann ich arbeiten WILL, kann ich leider nicht sagen, ich mag es so, wie es ist.

15.10.2009 16:26 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

Jupp... Stand vor 15 Jahren auch mal was in der ZEIT zu drüber...

Ich bin sehr froh, daß ich arbeite, wie ich's für richtig halte...

Und Punkt zwei... Punkt zwei kann ich bestätigen...

15.10.2009 16:30 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

»Flexible Arbeitszeiten heißt zufriedenere Mitarbeiter«

Das heisst auch: selbständig denkende und handelnde Mitarbeiter. Das heisst nicht per Dekret lenkbare Mitarbeiter was in einen Machtverlust und weniger Druckmittel mündet.

DAS mus die Hierachie auch erstmal wollen.
So in Gänze...

Das sowas in Skandinavien mehr Freunde findet, wundert mich nicht.

15.10.2009 16:44 Uhr

frl_smilla

RE: Nachteulen

Da sehe ich übrigens auch einen Knackpunkt. Ich kenn viele Leute, die bei 10 Überstunden im Monat schon ächzen, wie anstrengend das alles ist. Obwohl sie meiner Meinung nach sehen sollten, dass das einfach mal drin sein muss.

Sprich: Später anfangen wollen viele, aber kaum einer will länger bleiben.
Und wenn ich mir bei jedem Wochenende am Schreibtisch anhören muss "ach, du Arme, musst du so viel arbeiten!" nachdem ich von Mo bis Fr fast nix gemacht habe, dann denke ich mir, da muss in den Köpfen noch einiges passieren.

15.10.2009 16:56 Uhr

Matsumoto

RE: Nachteulen

Hm,

ist Büroarbeit nicht grundsätzlich gegen die Natur des Menschen?

15.10.2009 16:55 Uhr

Kocmonabt

RE: Nachteulen

naja,

am zwang kann doch auch was gutes sein: denn wer steht schon freiwillig früh auf.

ich habe mitbekommen, dass ich zwischen 8:00 und 9:00 super arbeiten kann, aber da issts sich auch so schön frühstück. das verpasste hole ich dann von 20-22 uhr nach, denn abendbrot issts sich auch noch prima um 23:00 uhr. insofern geben mir meine selbst bestimmbaren arbeitszeiten zwar ein gutes gefühl, steigern paralell aber nicht unbedingt meine effizienz.

was ein argument gegen stephan seiler wäre.

20.10.2009 10:26 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

Ich kenne da einige...

20.10.2009 10:32 Uhr

Kocmonabt

RE: Nachteulen

u.a. seine initialen ;-)

20.10.2009 10:38 Uhr

oceaneyes

RE: Nachteulen

Später anfangen als jetzt (8:30) fände ich nett, abends länger arbeiten als jetzt (16:30) nicht immer. Wobei das ja ohnehin sehr zivile Arbeitszeiten sind.
10 bis 18 Uhr wäre z.B. noch ganz ok, am besten aber gleich eine Zweidrittelstelle, morgens später anfangen und abends früher aufhören. ;-)

20.10.2009 10:29 Uhr

Guelle

RE: Nachteulen


Ich schätze mal, euer Aufruf richtet sich eher an Selbstständige, Büroangestellte, etc.?

Mir ist nämlich nicht ganz klar, wie ich als Handwerker meinem Chef klarmachen soll, dass die Maschinen doch bitte so laufen sollen, dass ich später anfangen kann.
:D

20.10.2009 10:32 Uhr

glowinthedarkstar

RE: Nachteulen

so eine verlegung der arbeitszeiten käme mir im winter ganz recht - auch wenn man um 17.00 uhr aus dem büro geht ist es ja schon dunkel. dann kann man auch gleich bis 20.00 uhr machen, dafür später anfangen. nämlich dann wenn's hell ist. dann steht sich's auch besser auf, finde ich.

zudem hab ich meine sternstunden sowieso erst gegen mitternacht. und so eine (fast) 24h bereitschaft macht eine firma ja auch attraktiv!

20.10.2009 10:36 Uhr

LudwigMartin

RE: Nachteulen


Im akademischen Bereich ist man weitgehend flexibel, im Dienstleistungsberei ch richtet man sich nach den Kunden, im Sozialbereich ebenfalls vorwiegend nach Notwendigkeiten. Viele Bereiche in Sozialwesen und Industrie sind Schichtdienst.

Bleiben also nur noch Angestellte und Beamte - selbst dort gibt es oft Gleitzeiten, die meist so genutzt werden, daß die Leute lieber Mo-Do 8.00-18.00 arbeiten, um Freitag Mittag den Bleistift fallen zu lassen.

Und damit sind wir bei der Grundlage: ich erlebe das Frühaufstehen als deutsche Mentalität. Mein Sozialbüro muß ab 8.00 geöffnet haben, weil dann schon erste ALG-II-Empfänger auf der Matte stehen, weil es sie selbst nach Jahren der Arbeitslosigkeit zusammen mit den Hühnern aus den Betten treibt. Welcher Angestellte möchte wirklich bis 20.00 oder später arbeiten???

Die Mehrheit fängt lieber den frühen Wurm - auch entgegen ihrer Leistungskurve - und hat noch etwas von Feierabend und Wochenende.

Für Selbständige ist prinzipiell ein früherer Arbeitsbeginn ratsam, denn dadurch verlängert sich die mögliche Tagesarbeitszeit.

20.10.2009 10:52 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

Ich richte mich allenfalls nach den Projekten, aber wenn es irgend geht, nicht nach den Kunden...

Die ham' doch alle keine Ahnung.

:D

20.10.2009 17:21 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

»Für Selbständige ist prinzipiell ein früherer Arbeitsbeginn ratsam, denn dadurch verlängert sich die mögliche Tagesarbeitszeit.«

Witzbold...

:D

20.10.2009 17:23 Uhr

schauby

RE: Nachteulen

Auf kreative Hochtouren komm ich zuweilen genau dann, wenn alles um mich herum in seliger Ruhe schlummert. Wenn nichts und gar nichts ablenkt und man ganz zu sich kommt, Abstand hat zu den alltäglichen Quengeleien und Nichtigkeiten.

Wie bescheuert oder einfach nur dumm sich manche gegen ihre innere Uhr ein Leben lang verrenken und verkorksen lassen, zeigt sich bei klassischen Robotniks und reinen Erwerbsarbeitern gern auch in der leichten Reizbarkeit, stets überheblich und selbstgerecht gegen jeden zu wettern, der sich nicht ebenso wie sie ins nine to five Korsett zwängt und auf kurz oder lang um seine Nerven und Gesundheit bringen lässt. Völlig gleich, was genau, wofür oder wie, ob einer nachts doppelt soviel schuftet die Woche wie sie - mit dogmatischen Arbeitszeiten aus dem vorletzten Jahrhundert der Bauern und Fabrikarbeiter, lässt sich im Proletariat immer noch wohltuend auf die Künstler, Akademiker und das ganze schnöselige Pack Konsens stiften untereinander.

20.10.2009 18:14 Uhr

Kocmonabt

RE: Nachteulen

und so fragt sich der selbstüberzeugte "sozial"demokrat schauby, warum die spd diese traditionellen verluste einfährt...

weil sie so unglaublich unglaubwürdig ist, wie du "kreativ"schnösel. weil sie wie du das prolet- und prekariat komplett aus den augen verloren hat (und gar verspottet). weil sie vor lauter dummschiss dünnschifft - und deswegen droht zu kentern.

ahoi, mr. leichtmatrose...

20.10.2009 19:47 Uhr

schauby

RE: Nachteulen

Beruhigend zu sehen, wie unser verwirrter Assi-Prinz sich gierig jeden Schuh anzieht, für andere Fragen erfindet die niemand außer er selbst sich stellt und weder billigen Vorwand zum Sozialneid von Sozialdemokratie, noch Tradition von Dogmatismus unterscheiden kann.

21.10.2009 20:32 Uhr

Kocmonabt

RE: Nachteulen

auch der blindeste findet mal ein korn - schaubinger, du hast geschickt meinen schuhfetisch entlarvt!

dafür belohne ich dich mit einem kleinen tipp: beim argumentieren a) das gegenüber nicht unterschätzen und b) nachdenken statt schlichtem buzzwordbingo.
naja, immerhin haste auf den gebrauch des (in deinerlei pseudokreisen inflationär die deutsche sprache verpestenden) "von daher"s verzichtet...

26.10.2009 10:36 Uhr

Cyro

RE: Nachteulen

Es lebe die flexible Arbeitszeit.
Wobei ich feststelle - so schwer manchmal das frühe Aufstehen auch ist - dass ich mehr vom Tag habe wenn die Arbeit relativ früh getan ist.
Andererseits bin ich eine Nachteule, privat aktiv bin ich am liebsten spät am Abend, auch wenn man eigentlich ins Bett sollte um am nächsten Tag wieder fit zu sein.
Ich wünsche mir 48-Stunden-Tage ... wovon die zusätzlichen 24 ausschliesslich der Freizeit dienen sollten und dürften. :)

20.10.2009 13:03 Uhr

Club-Fan82

RE: Nachteulen

Früh aufstehen ist zwar meine Sache auch nicht, aber trotzdem fange ich lieber etwas früher an zu arbeiten. Dann hat das Elend zumindest früher ein Ende.

20.10.2009 13:03 Uhr

Charlie_B

RE: Nachteulen

Ich arbeite z.Z. in der Nachtschicht. Da hat man das Problem mit dem frühen Aufstehen nicht...

20.10.2009 17:00 Uhr

Lag

RE: Nachteulen

Hmmm.
Die Arbeitszeitregelung ist definitiv ein "plus" meines Jobs.

Ich purzele meist so gegen 9 bei meinem Kaffeeröster vorbei, kassiere ein paar Sprüche oder teile aus, man kennt sich. Nett da.

0930 Schreibtisch. Und los.

Meine Chefs tolerieren das ganz bewusst, wissen sie doch, dass ich dann erstens ausgeschlafen, zweitens bei Bedarf zu jeder anderen Tag- und Nachtzeit da bin.
Handy?
Ist im Urlaub immer an.
Ich weiß, dass es nur klingelt, wenn es wirklich brennt.

Ganz ohne Regelung würde ich aber zur Nachteule wider Willen. Dass da Leute einen so anderen Rhythmus haben, glaube ich einfach nicht.
Kann-ich-nicht liegt aufm Friedhof.
Will-ich-nicht liegt gleich daneben.

20.10.2009 17:06 Uhr

sailor

RE: Nachteulen

Man kann können und wollen wollen.
Keine Frage.

Die Frage ist nur, wie man sich fühlt, wenn mit dem können und wollen dann irgendwann mal durch ist.

20.10.2009 17:27 Uhr

_papillon

RE: Nachteulen

Ein Job in der Medienbranche ist auch nicht unbedingt verkehrt. Da gibt es beim Radio z.B. Früh- und Spätschichten.. da muss ja immer einer da sein ;]
Interessant und spannend ist es dabei auch noch. Praktisch.

20.10.2009 17:07 Uhr

frl_smilla

RE: Nachteulen

Ja. Schichtarbeit gibt es auch in folgenden Berufen:
Kellner, Sozialarbeiter, Filmvorführer, Arzt, etc.

In der Medienbranche haste meist eher Doppelschichten.

20.10.2009 17:25 Uhr

evrika

RE: Nachteulen

Ich entscheide jeden Tag neu, wann ich anfange zu Arbeiten. So lange ich um 10.00 Uhr an meinem Schreibtisch sitze, ist alles in Ordnung. Meistens bin ich jedoch eine Stunde früher da und mache um sechs Feierabend. Haben wir Redaktionsschluss, kanns auch mal länger dauern. Ich bin der Meinung, dass man da ein gesundes Mittelmaß finden muss. Ich will immerhin auch meine Freizeit genießen... der 48 Std.-Tag ist da keine schlechte Idee...

20.10.2009 17:41 Uhr

CandlelightBreakfast

RE: Nachteulen

Also noch quäle ich mich auch jeden Morgen aus dem Bett. Zum Glück habe ich ab nächstes Jahr einen Job mit komplett freier Zeiteinteilung und kann dann um 7 anfangen oder um 12, Hauptsache die Arbeit wird fertig

20.10.2009 20:22 Uhr

girlcalledm

RE: Nachteulen

Ich bin froh, dass ich sozusagen kommen und gehen kann, wann ich will. Muss keine Stunden schreiben oder so. Arbeit ist Arbeit, die muss erledigt werden. Bei gewissen Besprechungen soll man halt da sein, Präsenz im Büro halt... Und genau so lässt sich Beruf und Studium vereinbaren.
Ich komm halt meist um neun, zehn - genau wie alle anderen. Und wenn ich mal morgens einfach nicht ausm Bett kann, na, dann komme ich auch mal gegen Mittag.
Dafür kann's aber natürlich auch mal vorkommen, dass man irgendwo hinfahren muss und dann mehr als zwölf Stunden unterwegs ist. Oder was am Wochenende tun muss. Oder halt so viel zu tun ist, dass ich auch mal um sieben in der Arbeit bin und dann erst gegen neun raus geh...

Ich kann mich Smilla nur anschließen - ich mag es, so wie es ist.

21.10.2009 01:12 Uhr

Bibermann

RE: Nachteulen

Folgendes:
Die Argumentation, daß wenn ich früh anfange, dann ja mehr vom Tag habe, bringt mich persönlich nicht weiter! Wieso sollte ich meine kreative/hellwache Phase des Tages nicht in meinen geliebten Job stecken? - Schön wäre es im Umkehrschluß, wenn ich dann nachts noch einkaufen oder ähnliches könnte. Da es ja mehrere Menschen aus unserer chronobioligischen Gattung der "Eulen" gibt, wäre es auch kein Problem und vor allem nicht unmenschlich, wenn man Personen in den Dienstleistungsberei chen die Möglichkeiten gäbe, entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit (bezogen auf die Tageszeit - nicht auf Charakter oder Bildung!) eingesetzt zu werden! - Betriebswirtschaftli ch wäre das lediglich eine Umverteilung - mit erheblicher Effizienzsteigerung! Und Kostenumverteilung! Zwar müßte 24 Stunden am Tag das Licht brennen, etc. - auf der anderen Seite bräuchte ich bei 100 Mitarbeitern aber auch nur 60 oder 70 Arbeitsplätze.... Die Kunden würden sich auch freuen, wenn man sich ihrem Tagesablauf anpassen würde. Aber die Gewerkschaften würden weinen, die Politik hätte Angst und die Menschen an sich haben leider und immernoch allzu oft ein Problem im Umgang mit zu viel Freiheit..... Es fehlen in Deutschland einfach immer noch die Rahmenbedingungen. Noch....

06.11.2009 13:23 Uhr



Artikel


Sehen


Fühlen


Wissen


Freie Zeit


NEON täglich


Webticker

Reise


Lieblingsorte