Wissen //

Alltag

Alltag
Kierkegaard

Samstagnachmittag

31.08.2007 15:09 Uhr

Mein Brustkorb hebt und senkt sich plötzlich, ganz unerwartet, obwohl es doch jedes Mal das gleiche ist, auf dem Weg zum Stadion.

von Kierkegaard

Die Flutlichtmasten unseres Stadions kommen näher, der Boden zieht sich unter meinen Füßen weg während ich sie Schritt für Schritt voreinander setze. Ich gehe nicht zum Spiel, das Spiel geht zu mir, es kommt auf mich zu, in die Tiefe meiner Seele, um mir alles abzuverlangen, um um Hilfe zu flehen, indem es mir hilft.

Das Spiel – wir nennen es immer unseren Verein, unsere Mannschaft, aber der Gegner gehört auf eine seltsame Weise dazu, wie die gehasste Wand, die man beschmiert. Es gibt einem Halt im Leben, es öffnet Tore, vereint Menschen indem es sie von anderen trennt und letztendlich befreit.

So also eilen wir aufeinander zu, die beiden Hilfesuchenden. Denn nicht nur ich brauche eine Zuflucht, meine Mannschaft braucht meine Stimme. Was haben wir nicht schon alles geleistet. Niemals aufgegeben, immer Schulter an Schulter gestanden und oft enttäuscht, doch niemals aufgegeben. All diese Momente gehen mir durch den Kopf, während meines allwöchentlichen Weges, vorbei an der Bushaltestelle, vorbei an all den anderen Menschen, die das gleiche denken wie ich, das gleiche wollen und die in ein paar Stunden, für mich nur Wimpernschläge entfernt, mit mir zusammenstehen werden. Diese Momente der bedingungslosen Unterstützung.

Es sind banale Dinge wie die lautstarke Kulisse nach einem Gegentor, die kollektive Liebkosung, wie durchs Telefon nur akustisch vollführt, die unseren Jungs dort unten sagte: Ihr seid nicht allein! Manchmal frage ich mich, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Diese Menschen, die ihr Leben einem Spiel verschrieben haben, nichts anderes im Kopf als dieses verdammte Spiel, als Laufwege, als den Ball, als die hundert mal fünfzig Meter, auf denen sie jedes Wochenende stehen. Wenn ich dann ihre Gesichter erkennen kann, weiß ich es. Sie fühlen, was wir fühlen. Verantwortung für andere. Sie wissen, unser Glück hängt von ihrem Erfolg ab, sie wissen, ihr Glück hängt von unserer Unterstützung ab.

Inzwischen kann ich die Flutlichtmasten schon sehen, hinter der Kaserne. Hier war es. Hier habe ich einem Freund einmal nicht helfen können. Wir waren zwar nur dreizehn, er hat es zwar überlebt, aber zu wissen, dass man nur einhundert Meter entfernt war, während ihm sein ganzes Geld abgenommen wurde, ist ein quälender Gedanke. Nicht einer, der nicht verschwindet. Sondern einer, der einem das Gehirn auffrisst, der sich selbst verdaut. Es gibt dafür keine andere Beschreibung, es fühlt sich genauso an. Wie ein Kreuz an der Bundesstraße wirkt diese Stelle auf mich, an das Versagen erinnernd, an die immerwährende Veränderung des Lebens und daran, dass man es immer noch besser machen kann. Mein Schritt wird schneller, das Stadion zieht mich schneller an sich heran.

Denn dort lauert die Möglichkeit, es besser zu machen. Nie mehr aufgeben, nie mehr zögern, für immer für das einstehen, was einem wichtig ist und für die Menschen, die einem zwar nicht die Welt bedeuten, aber die genau diese sind. Deine Welt. Deine Freunde. Alles, was du hast. Sie lauert in Form einer Entscheidung. Entweder man gibt auf, oder man setzt alles, man setzt sich selber, seinen Verstand für die kleine Möglichkeit, dass alles gut wird. Das hat den Vorteil, dass nichts übrig bleibt, sollte man verlieren. Alles ist verloren, es ist fort, es tut nicht weh, keine Splitter im Herzen.

Ich biege ab, hinter der Schwimmhalle, und gehe vorbei an den Trainingsplätzen. Hier haben wir früher auch gespielt, als es mir noch egal war, dass der Ball meinem Fuß nicht wirklich gehorchte. Als es die Hauptsache war, mit meinen Freunden zusammen zu sein, uns durch nichts aufhalten zu lassen und im Zweifelsfall zusammen zu fallen, wenn die bösen Großen uns keine Chance ließen. Ich lasse die Graffitis hinter mir, die Aufkleber, die von grenzenloser Solidarität zeugen, von einer Seele verteilt auf tausende Körper, von Zusammenhalt, von Fußball.

Als ich schließlich den Eingang erreiche, stehen sie da. Meine Freunde, auch der, dem ich damals nicht geholfen habe. Wir lassen unsere Hände ineinander greifen und ziehen die Brustkörbe aneinander, sieht hart aus und ist das Bekenntnis der einen Seele, die diese Brustkörbe hebt und senkt.

Vor dem Filzen blicke ich nach rechts, auf den Baum, von dem aus ich vor meinem halben Leben die Spiele verfolgte, oder vielmehr die Anzeigetafel. Ich erinnere mich noch an den Kumpel, dem ich damals auf diesen Baum half und der mich hinterher zog.

Das Spiel beginnt und ich fange an, meinen Teil der Abmachung zu erfüllen. Ich brülle mit der gesamten Energie eines Menschenlebens heraus, weshalb ich hier bin.

„Wir stehen zusamm’, egal wo und wann....“

von Kierkegaard


Anzeige

Kommentare

Wenn du angemeldet bist, kannst du hier einen Beitrag zu diesem Text schreiben

Eintrag schreiben »

Eschta

RE: Samstagnachmittag

"Ich gehe nicht zum Spiel, das Spiel geht zu mir, es kommt auf mich zu, in die Tiefe meiner Seele, um mir alles abzuverlangen, um um Hilfe zu flehen, indem es mir hilft."

*lob*

15.06.2007 18:17 Uhr

clodi

RE: Samstagnachmittag

Klasse Text!!
Kann mitfühlen, gehe in Gedanken deinen Weg mit... Sehe alles vor mir - bis ins Detail. auch ich habe früher die "Anzeigetafel verfolgt"... Was blieb mir denn auch anderes übrig ;-)
Ich freue mich auf die neue Saison!
Lieben Gruß nach Rostock

- und -

chapeau!

20.06.2007 23:08 Uhr

Beilagensalat

RE: Samstagnachmittag

Sehr gut! Da geht man als ebenfalls Infizierter Stadionbesuchesüchtl ing so richtig mit. Hat was gewisses masochistisches, so etwas in der Sommerpause zu lesen, geschweige denn auch noch zu schreiben. Trotzdem danke für die schöne Erinnerungsauffrisch ung ...

27.06.2007 09:31 Uhr

RedSonja

RE: Samstagnachmittag

wow.

beeindrduckend und hypnotisch geschrieben

31.08.2007 15:29 Uhr

Ani3

RE: Samstagnachmittag

"... Hansa Rostock ein Leben lang" :)
Sehr geil geschrieben, gefällt mir richtig gut, respekt....und morgen auf einen neuen Samstagnachmittag, ich freu mich schon.

31.08.2007 15:35 Uhr

Anschowi

RE: Samstagnachmittag

hat was:) aber deine fußball texte haben ja meistens so eine wundertolle sogwirkung...

mhm wäre gern morgen in rostock... auch wenns gegen euch is... :)

grüßle

31.08.2007 17:05 Uhr

Moogle

RE: Samstagnachmittag

umso trauriger, dass der text vonnem rostocker ist o.O

31.08.2007 17:45 Uhr

D-Boy

RE: Samstagnachmittag

Natürlich ein guter Text, nur denke/fürchte ich, dass das Glück der Spieler mehr von ihren Kontoauszügen abhängt als von der Stadt, den Fans oder den Farben ihres jeweiligen Vereins....Und wir sollen die Kunden sein! Na ja aber ich weiß, wenn IHR morgen gegen UNS spielt, wird um 17:15 Uhr einer von uns glücklich und der andere ernüchtert sein...also Prost auf die Millionäre und die Helden, die hinter den Zäunen stehen und trotzdem singen...

31.08.2007 19:04 Uhr

murkel

RE: Samstagnachmittag

warum dieser text aus der versenkung vom 15.06.2007 geholt wurde, erschließt sich mir nicht.

31.08.2007 19:25 Uhr

Mewkew

RE: Samstagnachmittag

Endlich mal ein beweiß das mehr als dosenbier und manschaftsschals zum ereignis Fussball-Live gehören.

31.08.2007 19:48 Uhr

begbie7130

RE: Samstagnachmittag

wunderbar, genau so ist es......jeden verdammten samstag. immer und immer wieder.

31.08.2007 21:22 Uhr

ck-africa

RE: Samstagnachmittag

"Das Spiel – wir nennen es immer unseren Verein, unsere Mannschaft, aber der Gegner gehört auf eine seltsame Weise dazu, wie die gehasste Wand, die man beschmiert."

In der Tat kam ich mir als Fan der Gastmannschaft in Rostock wie ein Hassobjekt vor. Die Gastmanschaft und deren Fans sollte man meiner Meinung nach Respekt und nicht Hass entgegenbringen - aber das ist leider auf den meisten Plätzen Alltag. Wieso kann man nicht einfach FÜR etwas sein, sondern muss immer auch GEGEN etwas sein...

"Sie wissen, unser Glück hängt von ihrem Erfolg ab, sie wissen, ihr Glück hängt von unserer Unterstützung ab." Teil 1 finde ich auch so - Teil 2 leider nicht - wenn ich mir vorallem Wolfsburg und Leverkusen so anschaue.


31.08.2007 22:16 Uhr

AluRockt

RE: Samstagnachmittag

Sehr schön geschrieben!

31.08.2007 23:15 Uhr

SpecialNeeds

RE: Samstagnachmittag

Sportartikel lese ich grundsätzlich nicht. Aber so wie Du es in Worte setzt, machst Du mir diese Welt ziemlich zugänglich.

01.09.2007 00:30 Uhr

Trommler

RE: Samstagnachmittag

Ich bin mal in der Dunckerstrasse am Prenzlberg in einer Kneipe,Schliemann glaub ich,von Rostockfans auf's Übelste verprügelt worden.Wenn sich Fankult auf's Stadion beschränkt,bitteschö n,ich arbeite im O.Stadion und ihr seid meist freundlich,aber dann Einheimische,die nicht gepöbelt haben,vermackeln,nei n danke

01.09.2007 09:08 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Sehe ich auch so und tut mir leid, dass du sowas mit uns in Verbindung bringen musst.

04.09.2007 18:21 Uhr

babyblau

RE: Samstagnachmittag

hmm... also, wie jetzt, geht's hier um fußball? ;))

01.09.2007 12:25 Uhr

Keiron

RE: Samstagnachmittag

und jetzt gleich knallen wir euch die bude voll.

01.09.2007 13:19 Uhr

Blaumond

RE: Samstagnachmittag

geil geschrieben! liest sich spannend.....

auch wenn mein verein ein anderer ist....
:)

01.09.2007 19:24 Uhr

sick

RE: Samstagnachmittag

Mein Freund, auch unheimlicher Fußball und vor allem Stadionfanatiker sollte es auch mal lesen , ich glaube, er würde jeden Satz mit "genau" "ja," oder "stimmt" kommentieren......ic h selber kann das Gefühl leider nicht nachvollziehen, bin ja en Mädel, bei einem Stadionbesuch bekahm ich sofort Reizüberflutung, die bis zur siebzigsten Minute andauerte....aber dennoch : Schön geschrieben!!!

01.09.2007 19:56 Uhr

touchthesky

RE: Samstagnachmittag

Fußball ist immernoch wichtig.
Toll geschrieben!

01.09.2007 20:40 Uhr

Frenzi

RE: Samstagnachmittag

Toll geschrieben, man kann mitfühlen wie es dir geht. Obwohl Fußball mich so gar nicht interessiert. Hoffe du hattest gestern Glük.

02.09.2007 08:26 Uhr

LivingInChaoZ

RE: Samstagnachmittag

Football Factory einmal anders ;-)


Aber als eigene Version doch recht gut geworden.
*Gruß*

03.09.2007 12:33 Uhr

GottimHimmel

RE: Samstagnachmittag

Super geschrieben. Ich würde am liebsten sofort aufstehen und mich der Gemeinschaft mit hoch erhobenen Kopf, lauter Stimme und geschwelltem Brustkorb, anschließen. Man fühlt richtig wie das Adrenalin durch die Adern pumpt.

03.09.2007 15:37 Uhr

iananderson

RE: Samstagnachmittag

tolle worte hast du hier gebraucht...

03.09.2007 19:13 Uhr

Ryumei

RE: Samstagnachmittag

i like the way you write

03.09.2007 19:51 Uhr

enfant.terrible

RE: Samstagnachmittag

Keine Ahnung was mit Fußball los ist, dass alle ihr Leben daran hängen. Warum gerade dieser oder jener Verein? Ihr prügelt euch mit den Anhängern anderer Vereine oder pöbelt zumindest rum, aber wieso?! Ich meine, der Fankult um eine Band macht Sinn. Ich steh total auf die Musik und deshalb liebe ich die Band. Aber ein Fußballverein? Sehen die irgendwie besser aus oder rennen schneller als die anderen? Logischerweise müssten immer alle Fan vom Tabellenführer sein. Wenn der Heimatverein immer verliert, würde ich mir einen anderen Verein suchen. Aber wahrscheinlich kann man das als Außenstehender nicht nachvollziehen. Ich weiß, dass ein Kumpel mir zur WM, als Deutschland verloren hat, auf die Schnauze hauen wollte, weil ich gesagt habe "Nun hab dich mal nicht so, du tust ja als wäre deine Mutter gestorben. Der Bessere gewinnt nunmal." Er meinte nur mit tränenden Augen irgendwas wie "Ich bin Deutscher und ich will dass Deutschland gewinnt." Im Eifer des Gefechts beschlossen die Jungs, nie wieder Pizza zu essen (weil Italien nur aus Pizza besteht, natürlich) und am nächsten Tag versuchten sie dann erfolglos eine portugiesische Pizzeria zu finden.

Deshalb kann ich Fußballfans nicht ernst nehmen.

04.09.2007 12:51 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Du verwechselst Fußballfans und "Fußballfans", wenn ich das mal so bescheuert sagen darf :D.

Es geht nicht darum, "Fan" der besten Mannschaft zu sein. Deswegen wird doch Bayern so gehasst! Es geht auch nicht darum, regionstypische Produkte zu boykottieren (Nationalismus hat im übrigen rein gar nichts mit der Liebe zu einem Verein zu tun).

Uns geht es darum, Teil von etwas eigenem zu sein! Sich nicht einfach so vom Leben bedienen zu lassen, irgendeiner Idee hinterherzurennen, die einem von oben in die Köpfe gedrückt wird. In der Kurve hast du es selber in der Hand, du kannst für deinen Verein singen und jedem Idioten, der meint, sich seinen Verein ausgesucht zu haben oder das tatsächlich getan hat, zeigen, "wir sind stolz, auch wenn wir verlieren, aber was seid IHR bitte?!"

Man sucht sich seinen Verein nicht aus, höchstens, was man für ihn tut. Ob man lediglich vor dem Fernseher fiebert, am Radio, ob man es so nicht aushält und jeden noch so trostlosen Kick mit eigenen Augen sehen will, ob man 9o Minuten singt, ob man 8oo km fährt, nur um sich eine Klatsche zu holen, ob man bei Choreografien mitarbeitet und und und.

Um zu deiner Eingangsfrage zurückzukommen. Ich denke, der Auslöser besteht darin, dass man von etwas am Fußball fasziniert ist. Bei mir war es der Gedanke, oder damals, mit vier, vielmehr die Idee oder das Gefühl, dass dort nicht einmal zwanzig Leute, auf dem Feld, der Bank, stellvertretend für jeden, der aus irgendeinem Grund meint, zum Verein zu gehören, spielen.

Indem nun all diese Zuschauer ihre Gefühle darauf projezieren, verdichtet sich dieses bisschen Gekicke auf ein gigantisches Ereignis. Das war es, was mich überwältigt hat, und bestimmt auch viele andere.

Der Rest "passiert" einem dann. Es bilden sich Strukturen auf den Rängen, man durchläuft sie irgendwie, um dann seinen Platz im Stadion zu finden. In meinem Fall ist dies im Supporterblock, wo die Mannschaft neunzig Minuten bedingungslos unterstützt wird, solange sie für unseren Verein, für uns, kämpft.


Fußball hast du wahrscheinlich nur als Arbeitslosenunterhal tung im Fernsehen, durch irgendwelche Pseudowerbestars, Neupromis, die mal Fußballspieler waren und damit vor dem Spielen aufhörten, oder eingebildete Millionäre aus dem Boulevard kennengelernt.

Die Sorte "Fußballfans", die dieses überwältigende Ereignis auf solche Tumore (bösartig) beschränkt, macht nur kaputt, wofür wir Woche für Woche kämpfen. Es geht beim Fußball nicht um verfickte Werbebanden, um das Buffet in der VIP-Lounge, um die Frisur von irgendeinem Idioten. Es geht darum, dass all dies nur dadurch ermöglicht wurde, dass sich vor langer Zeit einmal viele Verrückte um einen Fußballplatz versammelten und sich in diesem Spiel wiederfanden.

Weißt du, was schlimmer ist als verlieren? Nicht dabei sein.

04.09.2007 16:05 Uhr

Anschowi

RE: Samstagnachmittag

eben, wer sich wirklich mit fußball beschäftigt, merkt wo man von fußballfan oder von modefan spricht... fußballfan ist wer in fußball mehr findet als ein läppisches spiel und wer egal wo hinter diesem großen ganzen steht, was auf der tribüne mit der mannschaft steht und fällt... was übrigens nicht gleich heißt, dass man sich keine eigenen meinung bilden kann oder grundlegend gewalttätig ist...

na ja und den letzten satz kann ich voll und ganz unterschreiben... modefans sind nämlich die, die das stadion vor abpfiff verlassen, und fans sind die, die bleiben und mittragen ;)

04.09.2007 17:40 Uhr

enfant.terrible

RE: Samstagnachmittag

nein, ich verstehe das wirklich nicht. ihr macht doch gar nichts! rumgrölen und anfeuern, na und? die typen würden auch so spielen.
die kennen euch doch gar nicht! spieler in einer bundesligamannschaft bekommen einen haufen kohle für ihr rumgerenne und ob da ein paar idioten mehr oder weniger im fanblock stehen interessiert die glaube ich nicht besonders.
am besten sind die dicken alten männer, die nicht mal mehr selbst gegen den ball treten können, weil sie vor lauter bier und bratwurst ihre füße nicht mehr sehen. ich war ein mal mit meinem vater bei einem fußballspiel (regionalliga oder so) und ich fands arschlangweilig.
die ganzen fußball-spinner die in leipzig woche für woche die stadt verschmutzen mit ihrer anwesenheit und ihren parolen sind für mich der letzte abschaum. natürlich gibt es leute, die den sport ernst nehmen und auch selbst spielen und gleichzeitig fans sind.

übrigens schriebst du davon, "nicht irgendeiner idee hinterherzurennen, die einem von oben in die köpfe gedrückt wird.! ich finde aber, dass das bild, was einem im allgemeinen von männern vermittelt wird nämlich das vom grillenden, bier trinkenden, pöbelnden fußballfan ist. mit betonung auf fußballfan.
zum glück gibt es männer, die fußball dämlich finden. noch ist nicht alles verloren.

07.09.2007 12:33 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Wie du eventuell schon gelesen hast, wies ich darauf hin, dass dieses Bild vom "Fußballfan", welches du da beschreibst, nicht gerade beliebt ist. Auch nicht bei den Leuten, die ich beim Fußball kennengelernt habe, bzw mit denen ich hingehe.

Ohne uns würden sie vielleicht spielen. Aber ohne uns würden sie bei Auswärtsspielen untergehen. UND VOR ALLEM MACHEN WIR AUCH ETWAS!! Lies bitte noch einmal meinen Kommentar über dir. Wir basteln Choreografien, Fahnen; und aus Gesprächen mit Spielern meines Vereins WEIß ich zufällig, dass diese das bemerken. Soviel zum Punkt, sie kennen uns nicht. Natürlich sind es keine guten Bekannten, aber was du als abstoßend am Bild vom Fußballfan beschreibst, IST doch, was wir nicht sein wollen!

Dein letzter Absatz zeugt von wenig Textverständnis. Wenn ich solch eine Idee nicht akzeptiere, heißt das, dass ich sie - wie du, nebenbei bemerkt - ziemlich abstoßend finde.


Aber da du dir ja in Leipzig einen gigantischen Überblick über Deutschlands Fußballszene, speziell die in Rostock, gemacht hast, werde ich deine Meinung von nun an nicht mehr in Frage stellen.



Auf Wiedersehen.

07.09.2007 16:44 Uhr

coldplayings

RE: Samstagnachmittag

Jungs, was soll ich dazu sagen, schockierend und erbärmlich, viel mehr fällt mir dazu nicht ein. Ihr macht euch da was vor. In der einen Saison spielt haste nicht gesehen bei haste nicht gehört. In der nächsten Saison spielt dieser Spieler dann bei nem anderen Verein. Und deswegen hasst ihr ihn dann? Der selbe Mensch dem ihr neulich noch zugejubelt habt, dem werft ihr jetzt die schlimmsten Beschimpfungen und vielleicht sogar Flaschen an den Kopf. Aber na gut, wer keine Probleme hat der sucht sich eben welche.

04.09.2007 18:11 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Kennst du Dieter Nuhr? Der hat mal was mit Ahnung und Brotluke erzählt. Ich hoffe, du wolltest mich mit "ihr" nicht ansprechen, denn was du da unterstellst, ist einfach nur traurig.

04.09.2007 18:19 Uhr

coldplayings

RE: Samstagnachmittag

Ja kenn ich, du auch? Stell dir vor manche nenne den Komiker, unglaublich was. Also gut ich wünsch dir noch alles gute mit diesem Pubertätskram und viel Glück bei deiner Suche nach einem guten Therapeuten!

04.09.2007 19:00 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Danke gleichfalls, wenigstens streiten kann man sich mit dir.

04.09.2007 19:10 Uhr

Eschta

RE: Samstagnachmittag

stell dir vor, es passiert wirklich mal, dass verrückte fußballfans (solche wie kierkegaard) nen therapeuten finden. und weißt du was das erstaunlichste daran ist? nachdem die therapeuten sich sehr intensiv mit dem problem ihrer patienten beschäftigt haben, stellen sie fest, dass das trotzdem noch menschen sind, die reden können, die lustig, nett und gebildet sind, die in ihrer freizeit lesen und sich um ihre kleine schwester kümmern.

erstaunlich, was? und das, obwohl der doch samstags in der kurve steht. verrückte welt.

04.09.2007 19:26 Uhr

lalathika

RE: Samstagnachmittag

Mitreißen aber sorry, ich find's viel zu theatralisch. Das ist doch nur Fußball. Wie sieht dann erst ein Text über ein wirklich schlimmes Thema von dir aus?

04.09.2007 19:34 Uhr

Kierkegaard

RE: Samstagnachmittag

Wahrscheinlich sieht er genauso aus... Es geht mir beim Fußball darum, und ging mir beim Schreiben darum zu vermitteln, wie sehr man mehr oder weniger sich selbst, sein Innenleben und alles mögliche auf den Fußball projeziert.

04.09.2007 19:39 Uhr

touchthesky

RE: Samstagnachmittag

gute Antwort.
Es muss nicht immer "wirklich schlimm" sein um zu (ver-) zweifeln.

23.12.2007 17:57 Uhr

Zaubermaus

RE: Samstagnachmittag

hübscher Text

05.09.2007 10:33 Uhr

SVENJA2708

RE: Samstagnachmittag

ach timmü,
mitreißend geschrieben, natürlich. war nich anders zu erwarten. auch wenn mich das, entschuldige meine wortwahl, 90-minuten-ball-hint erherlauf- spiel nicht sonderlich begeistert. ich lebe trotzdem deine worte mit beim lesen. toll. :)
und für deine kommentare hier gibts die empfehlung.

08.09.2007 13:54 Uhr

SuppenJessi

RE: Samstagnachmittag

Hey -
deinen Text habe ich zwar schon vor ein paar Tagen das erstemal gesehen aber eben erst gelesen. Aufgrund deines Fotos, das eher agressiv als freudig erregt rüberkommt, bin ich mit gemischten Gefühlen zum lesen vorgedrungen.

Nun aber zum Text - du hast ihn wirklich gut geschrieben - deine Gedanken und Gefühle zum Miterleben beschrieben, deinem Freund hier ein Entschuldigung geschenkt... Respekt.

Meine Erfahrungen mit Fußballfans waren bisher alle eher positiv und ich war mit meinem Ex öfter mal im Stadion. Die richtige Begeisterung ist bei mir zwar nicht ausgebrochen aber dafür das Gefühl für deine Beschreibung des Ereignisses. Denn das ist es - ein Ereignis das stärker rüberkommt als ein Open-Air Konzert oder so.
Deshalb finde ich einige Kommentare hier eher überflüssig - aber auch hinter diesen Beiträgen stehen Erfahrungen ( oder zumindest vielleicht der Wunsch nach Erfahrungen wie du sie beschreibst ).

In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Freunden noch viele Momente des Glücks und der Erleichterung wie auch die Momente der Ernüchterung. Denn beides gehört dazu. Deine Einstellung als echter Fan und nicht als AgressionsSchlägerPs eudoFan finde ich auf jeden Fall lobenswert.

LG

09.09.2007 11:38 Uhr

JamesConway

RE: Samstagnachmittag

First...sehr geiler Text..sowas braucht dieses Forum hier mal, denn an solchen Themen erkennt man dann mal wie tolerant diese kleinen Pseudo-intellektuell en hier sind. Da bringt jemand mal so ein Thema fein aufbereitet daher und all die Vollpfosten stürzen sich drauf wie die Geier....wenn man keine Ahnung hat dann einfach mal **** halten, oder sich zumindest zu diesem Thema den Beitrag verkneifen.
Übergreifend könnte der ein oder andere aber auch ruhig mal seine grauen Zellen anstrengen und dadurch antizipieren, dass es halt nicht immer nur stumpfe Typen sind die da im Stadion stehen.
Und noch kurz wegen dem aktuellen Anlass: Am Samstag müsst ihr aber leider doch wieder die Kilometer fahren um auf den Sack zu bekommen ;-)

11.09.2007 16:44 Uhr

bateman

RE: Samstagnachmittag

Hoher Wiedererkennungswert !
Jedoch die falsche Mannschaft ;)

12.09.2007 19:17 Uhr

frikadelle

RE: Samstagnachmittag

Ganz ganz guter Text, der das Fandasein als das beschreibt, was es ist: eine Leidenschaft.

Leute, die das nicht verstehen, sollten es nicht mit irgendwelchen Klischees uns Stereotypen angreifen, sondern einfach nur tolerieren.

Und warum soll die Leidenschaft fuer eine bestimmte Musikgruppe verstaendlicher sein? Ob man nun auf der Buehne oder im Mittelkreis steht, die Massen sind aehnlich. Auf Konzerten ist die Gewalt uebrigens auch nicht geringer...

02.10.2007 18:31 Uhr

shinyshoes

RE: Samstagnachmittag

"..Diese Momente der bedingungslosen Unterstützung."

Es gibt nichts Besseres als das Gefühl, im Stadion seiner Mannschaft zu sein.

17.04.2009 11:53 Uhr



Artikel


Sehen


Fühlen


Wissen


Freie Zeit


NEON täglich


Webticker

Reise


Lieblingsorte