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Der Flaneur

07.03.2007 21:15 Uhr

Der Flaneur, was will er, was sucht er, was tut er da draußen auf den Straßen, durch die es ihn weht?

von PDK

Der Flaneur, was will er, was sucht er, was tut er da draußen auf den Straßen, durch die es ihn weht?
Er ist fallendes Laub an einem windigen Herbsttag: mal bleibt es/er liegen, stehen, sitzen, windstille, das Denken ist zu einem Punkt (.) gekommen, dann wieder wirbelt es ihn/es schauend und beobachtend und alles um sich aufsaugend über einen Boulevard, eine Straße, durch ein kopfsteingepflastertes Gässchen, bevor er sich hier oder dort wieder findet, Unverständliches hat ihn hergeführt, hat ihn diesen Weg, diese Straßen, diese Ansichten wählen lassen. Vielleicht war es eine junge Frau in vollem Staat, der Ausschnitt einer gefiederten Dirne, ein loses, buntes Herbstblatt, vom Wind durch die sich noch an vergangene Wärme erinnernde Luft getragen, die Fassade eines Hauses, die Perspektive des Blickes unter einem Torbogen hindurch. Natürlich ist es das Denken, dass den Flaneur hinaustreibt. Ob er nach Anregung sucht oder Vertiefung eines Gedankens, einerlei, beides erledigt er, seiner Natur entsprechend, im Gehen. Das Gehen ist sein state of art, seine Lebensführung, seine Welt. Ohne das Gehen und Schauen ist der Flaneur nicht. Ist Nichts. Zumindest kein Flaneur.
Natürlich ist es auch das Beobachten. Der Flaneur versucht immer das Außen, das außer ihm liegende in sich aufzunehmen, sich ganz zu diesem Außen zu machen. Er erhofft sich von dieser Veräußerlichung Erkenntnis. Erkenntnis über die das Leben und die conditio der Gesellschaft, des Zwischenmenschlichen, des Umgangs, der Rituale und, gleichermaßen oder noch entscheidender: Selbsterkenntnis. Das nach außen Streben eines Jeden, Flaneur oder nicht, strebt immer nach diesem Ziel. Das Außen zum Innen zu machen und so das Innen verstehen lernen durch das Außen, durch die Anderen, die Ansichten. Es muss dahingestellt bleiben, ob der Flaneur denkt oder durch die spezielle Form des Spaziergangs, die er pflegt, gedacht wird, ob er durch die Beobachtung sich und den Anderen auf die Spur kommt oder das beschriebene Blatt seiner selbst, seines Ichs – Flaneur wird man kaum vor Mitte Zwanzig – ihn von Falle zu Falle, in die eigene Subjektivität lockt und ihn so beschwindelt. Sicher hingegen ist, dass das schaukelnde, taumelnde Blatt, welches er ist, nicht müde wird, Neues zu entdecken und zu denken zu versuchen. Und dies noch, zum Ende: Der Flaneur ist immer auch Decadent, da die Tätigkeit, der er am liebsten und immer wenn es ihm möglich ist, nachgeht, eine von jeglichem Zweck befreite, eine innerliche, eine, im ersten Augenblick und von der „ökonomischen“ Gesellschaft her besehene, völlig unnütze ist. Sie bringt sozusagen nichts ein, ist, beinahe, Kunst, ist Sinn als solcher.

von PDK


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Kommentare

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odradek

RE: Der Flaneur

Schön finde ich immer, wie du Form und Inhalt zusammenbringst, auch hier wieder, deine Worte sind wie fallende Blätter, sanft wiegen sie im Auge des Betrachters. Und doch, ein Satz, nicht einmal ein Satz, ein einschub stört mich: "Flaneur wird man kaum vor Mitte Zwanzig" - ich weiß nicht wieso, vielleicht weil es die einzige Stelle ist, in der du dem Flaneur eine konkrete eigenschaft zugestehst, es ist mir irgendwie einen Tick zu konkret, die Formulierung ist so unsauber, so dahingeworfen, man erschrickt ein wenig beim Lesen.

11.01.2007 14:54 Uhr



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