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chiquito-loco

Die vergessene Wahl

05.11.2008 21:20 Uhr

Obama ist Präsident, die Welt in Euphorie. Aber eine Wahl in den USA wurde fast vergessen: Die Abstimmung über die Homo-Ehe.

von chiquito-loco

Mittwoch der fünfte November 2008: Die Ära Bush ist zu ende, die Welt atmet auf. Hoffnung und Freude legen sich über die Welt und die „Obamania“ schwappt wie eine Welle bis weit über die Grenzen der USA hinaus. Die Welt scheint die konservativen Einstellungen Bushs und Sarah ´Doppelmoral´ Palin hinter sich lassen zu wollen. Aber vor allem in den USA sind viele Mauern in den Köpfen noch nicht gefallen, deren Abriss Obama in seiner Berliner-Rede forderte.

In Kalifornien, dem wohl mit Abstand liberalstem Staat Amerikas, schienen noch im Mai diesen Jahres stabile Mauern gefallen zu sein: Das Oberste Gericht des Staates erklärte das Verbot der Homo-Ehe für verfassungswidrig, nachdem die Bevölkerung einige Jahre zuvor in einer Volksabstimmung gegen diese Form der Ehe gestimmt hatten. Gleichgeschlechtliche Paare nutzten den Sommer um ihre Liebe zu besiegeln. Auch Prominente wie die Moderatorin Elle DeGeneres und die Schauspielerin Portia de Rossi („Ally McBeal“) besiegelten ihre Liebe ganz in weiß.
Im Ursprungs-Staat der Hippie-Bewegung der 60er Jahre währte der Friede der freien Liebe jedoch nicht lange: Während die Anhänger McCain’s und Obama’s anfingen sich im Internet eine Wahlschlacht zu liefern und Sarah Palin sich durch ihr grenzenloses Unwissen ins Abseits schoss, entstand in Kalifornien ein neues Schlachtfeld – Der Kampf um die Prop(osition) 8. Kurz erklärt: Prop 8 sichert die Ehe als eine Institution zwischen Mann und Frau. Um für die Homo-Ehe zu sein, muss man gegen Prop 8 sein. Um dagegen zu sein muss man also dafür sein, zugegeben etwas verwirrend.
Es dauerte nicht lange, da flimmerten neben den Wahlwerbespots der Republikaner, in denen der farbige Gegner als Terrorist dargestellt wurde, auch Spots auf den Bildschirmen die der neuen Form der Ehe den Kampf ansagten.
In einem der Werbefilmchen betritt ein Mädchen nach der Schule die Küche: „Mama ich habe heute in der Schule gerlernt, dass ein Prinz einen Prinzen heiraten kann und ich eine Prinzessin.“ Schockiert reißt die Mutter des freidenkenden Kindes die Augen auf und ein Mann kommentiert, dass die Einführung der Homo-Ehe dazu führt, dass man den Kindern gleichgeschlechtliche Liebe in Schulen nahe bringen wird. Sexualität als lehrbares Konzept? Propagiert wird die Liebe in einer traditionellen Ehe, aber Propaganda die für die grenzenlose Liebe zu den eigenen Kindern wirbt, egal welche Sexualität sie haben, finden sich von Seiten der Prop 8-Befürworter nicht.

Auf der anderen Seite werben Lokalprominenz, Einwanderer, Senioren und andere für die weitere Öffnung der Ehe und gegen Hass. In einem Spot unterhalten sich zwei Comicfiguren über die Homo-Ehe: Sie ist dagegen, er dafür. Sie sieht den Sinn nicht, bis er ihr eröffnet: „Ich bin schwul.“ Sie reagiert geschockt:„Du? Aber du bist so normal und nett.“ In dem kindergerechten Spot einigt man sich darauf, dass es im Endeffekt um die Liebe geht – Liebe.

Ein Gedanke der noch nicht überall verbreitet ist in einem Land, das sich als Reedemer-Nation, als eine von Gott auserwählte Nation sieht, deren Bestimmung es ist die Welt zu erretten. An diesem fünften November geht in der Euphorie unter, dass in vier Staaten über die Öffnung der Ehe oder das Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren abgestimmt wurde: In Kansas, Arkansas, Florida und Kalifornien. In Arizona stimmten 56% der Bevölkerung gegen die Homo-Ehe, in Arkansas sind 57% der Wähler gegen ein Adoptionsrecht. In Florida, dem Altersdomizil von Senioren aus dem ganzen Land, stimmten 62% gegen die grenzenlose Liebe, auch wenn nur 49% für McCain stimmten. Natürlich gilt: Nicht jeder Wähler der Demokraten unterstützt die Homo-Ehe. Kalifornien? Bei 95% an ausgezählten Stimmen waren 52% der Wähler gegen die Homo-Ehe. Too close to call? Zu knapp um den Wahlausgang vorherzusagen? Nein, wohl eher ein sehr knapper Sieg der Konservativen als ein Sieg für die Liebe.

Und Barack Obama? In seinem Wahlprogramm sucht man vergeblich nach dem Punkt same-sex marriage. Er hat keinen Platz zwischen Punkten wie Wirtschaft, Irakkrieg, Bildung, oder Behinderung gefunden, sicherlich weil dieser Punkt den einen oder anderen Wähler abgeschreckt hätte. Sucht man im Internet nach Obamas Meinung zum Thema Homosexualität wird man nicht von einer Wucht an Informationen erschlagen, aber man findet Zitate: „Ich höre Leute Dinge sagen, die nicht sonderlich christlich sind gegenüber schwulen und lesbischen Menschen.“ Ein Präsident gegen Homophobie, ein Statement, das man von George W. nicht erwarten durfte. Und die Homo-Ehe? Zu ihr wird Obama wie folgt zitiert: „Ich denke nicht, dass man es [eine gleichgeschlechtliche Verbindung] Ehe nennen sollte, aber ich denke, dass es ein Recht ist, das sie haben sollten.“

Vielleicht bringt die Amtszeit Obama’s den Change in den Köpfen vieler Amerikaner. Vielleicht schauen einige bibelfeste Amerikaner nocheinmal genauer hin: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Matthäus 7, 12 f.) Gerade in der Liebe.

Links:

von chiquito-loco


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Kommentare

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volumINA

RE: Die vergessene Wahl

War mir bis dato nicht bewusst. Tolle Info!

06.11.2008 09:10 Uhr

marco_frohberger

RE: Die vergessene Wahl

that´s amerika.
veränderungen wird die neuwahl bringen, aber welche das sein werden, wird sich zeigen!
obama ist schließlich auch nur ein politiker, mit welcher tragkraft muss er noch beweisen!

06.11.2008 09:20 Uhr



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