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Politik


Neon-Logo Magazin-Text [Politik] Ausgabe [November 2004]

Die besseren Amerikaner

01.11.2004 17:45 Uhr

Deutsche Besserwisserei vor den US-Wahlen: Ein Essay über gefährliches Halbwissen.

von Marc_Deckert

Als Nicholas Kulish 2003 zum zweiten Mal nach Berlin zog, kam ihm Deutschland irgendwie verändert vor. Acht Jahre waren seit seiner Zeit als Germanistik-Student an der Humboldt-Universität vergangen. Nun, nach ein paar Jahren beim Wall Street Journal, war er zurück, als 28-jähriger Journalist mit einem Roman im Kopf. Die größte Veränderung fiel ihm sofort auf: »In Berlin war ich plötzlich von Amerika-Experten umgeben. Damals in den 90er-Jahren stellten mir die Leute Fragen über mein Land. Jetzt glauben sie, alles zu wissen.«

Kulish muss des Öfteren mit seinen deutschen Freunden über Politik diskutieren. Natürlich ist das Klima rauer geworden. Das liegt in der Natur der Sache. Seit zwei Jahren hat er auf jeder Party über den Irak gesprochen. Schließlich war er als »eingebetteter Journalist« selbst vor Ort. Er diskutiert gerne. Anstrengend wird es nur, wenn die Hobby-Experten in Mitte überzeugt davon sind, die Amerikaner besser zu kennen als sie sich selbst. So wie jenes Mädchen, das ihn eine halbe Stunde lang anschrie, bis er hinterher zum ersten Mal das Gefühl hatte, »für den Irakkrieg zu sein«. Nur weil sie so altklug argumentierte und keinerlei Fakten kannte. Manchmal sieht sich Kulish unfreiwillig in die konservative Ecke gedrängt. Ein gebildeter Amerikaner, der sein Land nicht als Inkarnation des Bösen sieht? Das darf nicht sein. »Wenn ich anfange zu argumentieren«, sagt er, »dann höre ich in Berlin-Mitte immer das gleiche selbstzufriedene Lachen als Hintergrundsound.

Am verblüffendsten findet Nicholas Kulish dabei die Fähigkeit der jungen Deutschen, sich zu nahezu allen US-Themen zu äußern. Als politischer Reporter des Wall Street Journal in Washington war er vor allem für das Thema Sicherheit zuständig – er berichtete täglich aus dem Innenleben des neuen Heimatschutz-Ministeriums, das nach dem 11. September 2001 gegründet worden war. Zu so tiefen Einsichten wie die Berliner gelangte er bei seinen Recherchen allerdings nie: »Ich höre hier Geschichten über unsere Sicherheitspolitik, die mir vollkommen neu sind. Und den Satz: ,Das kann nicht sein. Das haben wir bei Michael Moore anders gelesen.‘«

Eigentlich ist es ja nicht die Schuld der Deutschen. Wenn Nick Kulish nach Washington zurück zieht, kann er sich für all den Ärger bei George W. Bush persönlich bedanken. Denn ohne Bush hätten viele Deutsche wohl schlicht keine Meinung über die USA. Sie müssten auch keine haben. Aber Bush polarisiert, provoziert und handelt nun mal so, dass ihn ein großer Teil der zivilisierten Welt am 2. November am liebsten selbst aus dem Amt wählen würde. Laut einer Allensbach Umfrage vom September wollen nur vier Prozent der Deutschen eine weitere Amtsperiode für Bush, selbst unter CDU Wählern sind es nur 6 Prozent. Warum zum Teufel, fragen sich viele, dürfen wir Deutschen am 2. November eigentlich nicht mitwählen? Schließlich ist es ja auch für die Deutschen wesentlich entscheidender, wer die USA regiert als wer im Kanzleramt sitzt. Und würden wir nicht garantiert den richtigen US-Präsidenten wählen – also den anderen? Aber so laufen die Dinge nun mal nicht. Und deswegen müssen sich die Deutschen damit begnügen, eine Meinung zu haben.

Eine Meinung über amerikanische Politik zu haben ist leicht. Sogar verführerisch leicht. Die gewaltigen Erfolge der Michael-Moore-Bücher, die monatelang die ersten Plätze der deutschen Bestsellerliste belegten, sind ein Ausdruck der Meinungsbildung. Moores filmisches Anti-Bush-Pamphlet »Fahrenheit 9/11« sahen hier eine Million Zuschauer. Amerika-Kritik ist zum ersten mal eine eigene erfolgreiche Industrie in Europa. Und noch nie war sie so unterhaltsam und konsumierbar wie heute: Die Fast-Food-Dokumentation »Super Size Me« war ja, abgesehen von den unappetitlichen Bildern riesiger Wampen, wunderbar leicht. Die Botschaften gingen schneller runter als ein Happy Mc-Shake. Wer schwerere Kost schätzt liest »Die Lügen des Weißen Hauses« oder Richard Clarkes »Against all Enemies«. Und wer nicht nur die Bush-Regierung, sondern ganz Amerika auf den Schrotthaufen der Geschichte wünscht, kann im »Schwarzbuch USA« von der Bekämpfung der Ureinwohner über die Sklaverei bis zum Irak das gesamte Sündenregister der USA nachlesen. Im Sommer sind sogar zwei deutsche Verlage mit konkurrierenden Schwarzbüchern auf den Markt gekommen. In Deutschland existiert der dankbarste Markt für solche Anklageschriften. In einer Umfrage eines US-Wirtschaftsinstituts wurden Menschen in 35 Ländern befragt, ob sie mit den Wertvorstellungen Amerikas übereinstimmen. Deutschland lag an letzter Stelle. Andrew Kohut, der Chef des renommierten »Pew Centers«, das weltweit Meinungsumfragen über die USA durchführt, glaubt, dass in den letzten Jahren »eine generelle Entzauberung Amerikas« stattgefunden habe. Und in keinem Land hat sie so tief gegriffen wie in Deutschland.

Fragt sich nur, was die Deutschen überhaupt über Amerika wissen. Der österreichische Journalist und Politologe Eric Frey hat zwar ein »Schwarzbuch USA« geschrieben, glaubt aber selbst, dass sich in den letzten Jahren viele Fehlurteile und Vereinfachungen angesammelt haben. Frey: »Wir sagen ,Die Amerikaner interessieren sich nicht dafür, was die Welt über sie denkt.‘ Das Gegenteil ist der Fall.« Tatsächlich zeigte eine Pew-Umfrage vom Sommer, dass fast 70 Prozent der Amerikaner glauben, das Image der USA habe sich verschlechtert. Zwei Drittel davon halten das für ein »ernstes Problem«. Auch die vielbeschworene »Gleichschaltung der Medien unter Bush«, über die Europäer immer wieder lesen dürfen, habe, laut Frey, so nicht stattgefunden. Kennzeichnend sei eher der gnadenlose Kampf zwischen rechten und linken Stimmungsmachern, und nebenbei »die Arbeit der Qualitätspresse, die nach wie vor unübertroffen ist«. Frey gibt gerne zu, dass ohne die Recherchetiefe von US-Zeitungen und Magazinen wie der »New York Times«, der »New Republic« oder dem »New Yorker« auch keine »Schwarzbücher« möglich seien. So komme die beste USA-Kritik immer noch aus den USA. Und was hat es mit dem christlichen Fundamentalismus auf sich, der angeblich das ganze Land erfasst hat? Für die jüngeren Amerikaner scheint das nicht zu gelten. In Umfragen äußern sich die 18 bis 29-Jährigen – eine Altersgruppe, die auch klar Kerry favorisiert – mehrheitlich liberal zu Fragen wie der Homo-Ehe. Und selbst unter den Republikanern gibt es keinen Konsens dagegen. Das für den US-Wahlkampf von Demokraten produzierte Buch »The Great Divide« behauptete, dass es nicht ein, sondern zwei Amerikas gebe, die beide zutiefst verfeindet seien: das moderne, liberale Milieu der großen Städte und Küstenregionen (»Metro America«) und das ländliche Milieu der Ressentiments, der Religiosität und des Hurra-Patriotismus (»Retro America«). Egal, ob es stimmt oder nicht, Amerika-Kritik begnügt sich leider oft damit, einfach nur die letztere Seite zu zeigen. Retro America ist in Deutschland ein Verkaufsschlager.

»Bei uns konzentriert man sich zu sehr auf die Stimmungsmache der Rechten«, glaubt auch Eric Frey. Über die Integrationsfähigkeit der amerikanischen Gesellschaft werde in Deutschland, dem Land, das immer noch kein funktionierendes Einwanderungsgesetz hat, dagegen lang nicht so viel gesprochen wie es sein müsste.

Aber wer sind die Rechten eigentlich? Nicholas Kulish muss lachen, wenn er die Instant-Analysen in seinem Umfeld hört. »Es wird alles in einen Topf geworfen. Die christlichen Fundis, die Wirtschaftsliberalen. Die sind so weit voneinander entfernt wie FDP und NPD. Und über die wirklich wichtigen Spieler wird sehr wenig gesprochen. Die meisten meiner deutschen Freunde haben noch nie von Karl Rove gehört. Der macht nicht nur Bushs Wahlkampf, sondern ist vielleicht der mächtigste Mann im weißen Haus.« Am widersinnigsten findet Kulish, dass die Deutschen einerseits davon überzeugt sind, dass Bush die letzte Wahl gestohlen hat. Andererseits bemühten sie sich dann trotzdem, nicht die Mehrheit, sondern nur den konservativen Block zu sehen.

Über die »Straussianer«, eine rechte Denkströmung wurde ausgiebig berichtet. Ein Gegen-Phänomen wie Howard Dean, der liberale Kriegsgegner und einstige Kerry-Konkurrent im Vorwahlkampf, wurde kaum beachtet. In deutschen Medien tauchte er nur als »Internet-Wahlkämpfer« auf.

Dabei war an der Dean-Bewegung noch etwas anderes bemerkenswert: dass sie überwiegend von Jugendlichen getragen wurde. Ihre Begeisterung, ihr Engagement – wäre so ein Beleg politischer Aufbruchsstimmung im gefrusteten Deutschland überhaupt möglich? Doch es ist allemal plakativer, über Obskuranten, Sekten-Heinis, Fanatisierte und Spinner zu sprechen: »Die Zeit« widmete ihre große Reportage-Reihe zum US-Wahlkampf »Unkritischen Medien« und »Militanten aller Art«. Die Reihe hieß »Rätselhaftes Amerika«.

Der US-Journalist Eric T. Hansen, der gerade das Deutschland-Buch »Die Nibelungenreise« veröffentlicht hat, glaubt, dass es »vor allem Informationen über das ,Arschloch-Amerika‘ sind, die bei den Deutschen gut ankommen.« Neben Berichten über das Bizarre, »die schon immer gut ankamen» – für Hansen eine Sache, die auf Gegenseitigkeit beruht. Schließlich findet er nichts bizarrer als die Winnetou-Festspiele in Bad Segeberg und das Holzwurmmuseum in Quedlinburg. Weniger schön findet Hansen die Rückkehr von europäischen Überlegenheitsfantasien: »Wir sind in einer Phase gegenseitiger Vorurteile, wie es sie vielleicht seit dem frühen 19. Jahrhundert nicht mehr gegeben hat.« Um 1840 war es der britische Schriftsteller Charles Dickens, der sich entsetzt über die Unbildung der Amerikaner äußerte. Heute ist es Michael Moore, der den Europäern gern damit schmeichelt, dass nur sie politischen Durchblick haben. Die Freude der Deutschen, meint Hansen, sollte aber nicht zu groß ausfallen. In der restaurativen Biedermeier-Zeit wurde auch schon derselbe Bildungs-Dünkel gepflegt. Man neidete den Amerikanern ihre Demokratie, da die Revolution im eigenen Land erfolglos versandet war, »aber immerhin: Man hatte ja Bildung«. Heute lachen wir wieder gerne über Amerikaner, die »Dänemark nicht auf der Landkarte finden« und über Bushs Unfähigkeit, sich den Namen »Abu Ghraib« zu merken. »Aber man muss sehen«, sagt Hansen, »dass Bush auch in Amerika als nicht sehr intelligent gilt.«

Und könnte es sein, dass unsere Witzeleien, genau wie damals, eigene Defizite überdecken sollen? Das jämmerliche Abschneiden unseres Bildungssystems im internationalen Vergleich, das Altern der Bevölkerung und die großen Ungewissheiten? »Wenn ich frage, wie die Deutschen ihr Sozialsystem reformieren sollen, hat keiner eine Antwort«, sagt Nick Kulish. »Zu Amerika hat jeder etwas zu sagen. Ich glaube das hängt direkt zusammen.«

Hansen vermutet dahinter noch mehr: »Die Deutschen fühlen sich ohnmächtig. Sie sind nur Beifahrer der Weltpolitik. Sie benehmen sich wie die meckernde Ehefrau, die selbst nicht ans Steuer darf. Sie kann nicht mal die Landkarte lesen.« Auch in unserem Musterpazifismus, um den uns viele Amerikaner beneiden, mag noch ein Hauch dieser Besserwisserei stecken: Sind wir heute nicht die aufgeklärteste Nation der ganzen Welt? Wenn die verrückten Amis nur auf uns hören würden...

Womöglich werden sie es nicht tun und sich am 2. November noch einmal für Bush entscheiden. Neben den negativen Folgen, die das für Amerika und den Rest der Welt hätte, fällt unser Ärger darüber, nicht angehört worden zu sein, wohl kaum ins Gewicht. Aber vielleicht gäbe es ja einen Trick, wie auch deutsche Bedenken und deutsches Gutmenschentum international wieder mehr Beachtung finden könnten. Dafür müssten die Deutschen erst jemanden wie Michael Moore hervorbringen. Einen, der sie so gnadenlos unfair betrachtet, dass die ganze Welt darüber lachen und sich aufregen könnte. Als Michael Moores »Fahrenheit 9/11« in US-Kinos aufgeführt wurde, hat das Publikum dort tosenden Beifall gespendet. Wo bleibt der deutsche Michael Moore? Die Amerikaner würden ihn sicher lieben.

von Marc_Deckert


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Kommentare

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Schneefrau

RE: Die besseren Amerikaner

ich habe den Text damals schon im Magazin gelesen und war für diesen Text sehr dankbar. Auch ich muss mich ständig rechtfertigen, warum ich amerikanische Freunde bzw. einen Freund mit einem "Amerikanischen Arbeitgeber habe". Der Text gibt wirklich ein paar gute Denkanstösse um mit guten Argumenten die meckernden besserwissenden Deutschen zum Schweigen zu bringen. Dieser Beitrag ist auch deshalb so wertvoll, weil er sich doch mit dem Phänomen der Medien beschäftigt, die sich gerade den Themen, bei denen der Deutschen Rechthaberei umschmeichelt wird, mit Vorliebe widmen.

06.12.2004 20:38 Uhr

toba

RE: Die besseren Amerikaner

Naja.. ich kenn die Leute nicht, mit denen da gesprochen wurde, aber was ich aus der Berichterstattung über Amerika mitnehme, zeichnet imho ein sehr klares Bild: Da sind auf der einen Seite die Machenschaften der Regierung, wie sie den Krieg gegen den Terror für ihre eigenen Profite ausnutzen (Enron, Halliburton.. etc.) und auf der anderen Seite die Nachrichten über das Haushaltsdefizit in den Staaten und dass es mit deren Wirtschaft bergab geht. Das klingt alles sehr eindeutig (grob vereinfacht, klar) und es ist für mich einfach schwer zu verstehen, wie die Urheber dieser Situation so einfach wiedergewählt werden konnten. Es gibt für diese weltpolitische Position in Amerika also offenbar eine breite Mehrheit in Amerika. Entweder das oder eine Mehrheit in Amerika denen Weltpolitik und Wirtschaft ziemlich egal ist, weil "Homoehe verhindern" einfach wichtiger ist, also ganz viele konservative Rechte oder wie man sie nennen mag. Ich finde das doch ganz schön bezeichnend..

Vergleichbar mit der Position in Deutschland ist das nicht so ganz. Immerhin gabs hier ähnliche Skandale (Spendenaffäre) mit den entsprechenden Konsequenzen. Die Unterschiede zwischen unseren großen Parteien sind hingegen jedoch nicht so groß, weil sie entweder eh die gleiche Position vertreten oder beide keine Idee haben, wie sie den Staat reformieren sollen...

Ach ja, und hier noch der übliche Disclaimer: Nein, ich habe nichts gegen Amerikaner. Die, die ich persönlich kennengelernt habe, waren mir sogar durchaus sympathisch. Es geht aber hier auch um das politische Bild, dass ich von Amerika habe und das sehe ich durch die Medienberichte untermauert. Und das bezieht sich nicht nur auf Micheal Moore ;)

07.12.2004 15:26 Uhr

Schneefrau

Re: RE: Die besseren Amerikaner

aber hast du dich mal gefragt in wieweit die Berichterstattung, na sagen wir mal bei der Art von Presse, die auch unterhalten soll noch im Gleichgewicht mit den Geschehnissen die Amerika betreffen steht? Wie viel kriegt der Durchschnittsdeutsch e nicht mit? Hier entsteht ein völlig verklärtes Bild.
Ich denke man kann auch nicht nur Bush für alles persönlich verantwortlich machen. Er ist nur die Spitze eines Eisberges. Selbst die amerikanische Regierung besteht nicht nur aus dem Präsidenten und hat durchaus einige fähige bzw.vielleicht auch unfähige Köpfe. Die Frage ist, wer hier für sich versucht etwas rauszuschlagen und das macht ein Michael Moore sicherlich auch mit dieser Art von Dokumentation wie die Ölwirtschaft indem sie bestimmte Leute "unterstützt".

07.12.2004 22:22 Uhr

toba

RE: Die besseren Amerikaner

Ich beanspruche für mich nicht, ein komplettes und neutrales Bild von Amerika zu haben. Das ist sicherlich auch unmöglich. Selbst wenn ich da gewesen wäre, wäre meine Sicht der Dinge immer durch irgendwas verzerrt. Dessen bin ich mir bewusst. Auch weiß ich, dass Bush allein nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann, klar besteht die Regierung und was da mit dran hängt aus vielen Leuten. Bush allein wäre zu sowas auch nicht fähig *g*
Aber selbst wenn die Berichterstattung verzerrt ist, unterm Strich bleiben sich da aber ein paar Fakten, die ich oben genannt hatte. Und daraus ergibt sich eine Schlussfolgerung, wofür die Mehrheit der amerikanischen Gesellschaft steht. Daraus ergibt sich mein Bild vom politischen Amerika.
Ich denke nicht, dass sich dieses Bild so einfach widerlegen lässt... aber wie gesagt, das ist die politische Seite. Ich würde das nie pauschal auf einen einzelnen Menschen beziehen, der mir gegenüber steht. Ich würde auch niemanden blöd anmachen, weil er amerikanische Freunde hat ;)

08.12.2004 10:55 Uhr

william_wechsler

RE: Die besseren Amerikaner

>Danke für diesen Artikel.
Viele deutsche beanspruchen für sich, mit ihrer amerikakritsichen haltung, eine art moralische Immunität. Anti-USA ist in den letzten zwei Jahren hip und eine modische Trenderscheinung geworden.
Sicherlich gibt es Mißstände sicherlich ist auch mir nicht alles geheuer was in den letzten zwei Jahren geschehen ist.
Aber noch unsäglicher finde ich undifferzierte, scheinbar von Idealismus geprägte Aussagen die oftmals nur auf Grund von breiter Unkenntnis entstehen können.
Vielmehr finde ich faszinierend dass im Gegensatz zu allen Prognosen die Kontrollmechanismen des amerik. parlament. immer noch funktioniern, trotz oder wegen der deutlichen Republikanischen Mehrheit in Kongress und Parlament

03.01.2005 15:38 Uhr

regimekritiker

RE: Die besseren Amerikaner

Sehr guter Artikel. Ich für meinen Teil bin auf Grund der explodierenden Zahl von Amerika-Experten und -Draufhauern schon fast so weit, dass ich demnächst die Bush-Politik verteidige (für mich persönlich reklamiere ich selbstredend den Experten-Status, ist ja klar...). Den Artikel, den ich hier vor ein paar Monaten reingestellt habe, würde ich allerdings heute auch nicht mehr so schreiben.

Zum Thema Michael Moore: Mich würde mal interessieren, wie es um dessen Beliebtheit hierzulande stünde, wenn mehr Deutsche sein Buch "Querschüsse" gelesen hätten. Darin kriegen wir nämlich in ähnlich "sachlicher" Form unser Fett weg. Zitat: "Tatsächlich sind die jungen Deutschen von heute - wenn sie sich nicht gerade den Schädel kahl rasieren und ausländische Arbeiter zusammenschlagen - sehr progressive, pazifistische Menschen guten Willens, die ohne eigenes Verdienst einfach ein gutes Leben führen." Seinen Vorschlag, dass man den Juden damals Bayern anstatt Palästina als neuen Lebensraum hätte zuweisen sollen, finde ich hingegen wieder ganz interessant...

05.01.2005 15:35 Uhr

Sina18

RE: Die besseren Amerikaner

Ich glaube man muss endlich mal ein bisschen mehr differenzieren zwischen Anti-Amerika Haltung und Anti-Bush Haltung worin ein gigantischer Unterschied liegt. Ich wünsche jedem der grundsätzlich meint gegen Amerika zu sein eine Begegnung mit einem US-Soldat der hier in Deutschland stationiert ist. Ich habe das Glück in der Nähe eines gro0en US-Militär-Stützpunk t, Baumholder, zu leben. Abundzu, aber in letzter Zeit leider verdammt selten, begegnet man abends hier in den Dorfkneipen ein paar Soldaten die sich bis jetzt immer wenn ich welche gesehen hab 1000 mal besser benommen haben als alle Deutschen Typ in selben Alter in den Kneipen. Vor garnicht solanger Zeit kam ich durch Zufall ins Gespräch mit ein Marine der gerade aus dem Irak zurück nach Deutschland gebracht worden war. Ich wünsche jedem der denkt alle Soldaten der USA würden gerne lebende Zielscheiben für Terroristen werden und das für eine Politik die nicht ihre ist die Möglichkeit eine solche Unterhaltung zu führen und die Angst in den Augen dieser Männer zu sehen wenn sie davon erzählen wie es ist dazu verpflichtet zu werden Weltpolizei zu spielen und in ein solches Land einmaschieren zu müssen. Der Soldat erzählte mir das er mit 11 seiner Kameraden dorthin ging. 5 kamen zurück nach Deutschland. Die anderen wurden zurück in die USA gebracht. In Stahlkisten.
Vielleicht sollten Leute die denken sie wüssten alles über die USA nur weil sie Stupid White Men gelesen haben sich das mal vor Augen halten.

24.01.2005 17:08 Uhr

Schneefrau

RE: Die besseren Amerikaner

@ Sina: Du hast recht, und es ist schlimm, dass man betonen muss, dass amerikanische Soldaten ganz nette Menschen sind. Vor 60 Jahren sind sie als die großen Befreier gefeiert worden und nun werden sie verachtet. Foltervorwürfe einerseits und das Spiel der Medien andererseits haben den Ruf mächtig kaputt gemacht.
Zumindest die Deutschen rund um das kalte Baumholder, Landstuhl und Kaiserslautern wissen was sie an den Amerikanern haben und ich möchte keinem amerikanischen Soldaten wünschen, dass er mit bösen Worten und Vorurteilen hier in Deutschland konfrontiert wird nachdem er 16 Monate im Irak war...
Ich jedenfalls fand es sehr bewegend im Juli letzten Jahres die Straße Richtung Baumholder zu fahren mit all den Willkommens-Schilder n der Armeeangehörigen und der Einheimischen. Das war so überwältigend, dass mir eine Träne die Wange runtergerollt ist.

27.01.2005 20:08 Uhr

Sina18

RE: Die besseren Amerikaner

@Schneefrau: Ich find die Schilder auch sehr bewegend. Und es ist ein wichtiges Zeichen dafür das die Amis sich hier gut integrieren wollen. Aber leider kennen viele Leute sowas halt nicht und schreiben dann sowas nach dem Motto "Weg mit den Amis"...blablabla... totaler Quatsch.

27.01.2005 20:27 Uhr

napoleon_bonaparte

RE: Die besseren Amerikaner

Ja, ich finde auch, daß jeder Deutsche der Integration wegen sich einen Amerikaner halten sollte. Wär doch putzi, so ein kleiner G.I., oder ?

14.04.2005 08:52 Uhr

peppish

RE: Die besseren Amerikaner

vergessen sie Michael Moore, ich habe selbst auch angefangen "white stupid man" zu lesen, und konnte es nicht beenden. jeder, der weiß, was fundierte literatur ist, kann sich mit diesem buch nicht zufrieden geben. es nerven die einseitigen, oberflächlichen "beweisdarlegungen" von herrn moore, es ist ärgerlich, das dieser mann mittlerweile bekannter ist als z.b. susan sontag.

05.02.2005 11:31 Uhr

mcsolar

RE: Die besseren Amerikaner

Hatte immer ein gutes Bild von Amerika und die Amis, die ich kenne find ich alle sehr nett.
Aber als ich nach der ersten Wahl von W.Bush gelesen hab, was der alles für dumme Sprüche losläßt, da war mir klar, daß der das Land in den Dreck fährt. Wenn so ein Präsident möglich ist, dann ist was faul im System.
Hab neulich eine Statistik gesehen, die besagt, daß das Ansehen Chinas in der Welt nun besser ist als das der Amerikaner.
Hat also nichts mit den besserwissenden Deutschen zu tun, sondern mit der dummen Politik der amerikanischen Regierung.

18.07.2005 00:49 Uhr

CharlesFrost

RE: Die besseren Amerikaner

Natürlich gibt es in Amerika mehr als nur die eine Seite, die uns die Medien in Deutschland zeigen.
Wer sich auf einseitige Berichterstattung verlässt und sich keine eigene Meinung bildet, der wird auch keine Übersicht bekommen.

In Amerika gibt es auch etwas sachlichere Kritiker, die auf einer anderen Ebene arbeiten als nur der Unterhaltsamen.
Leider findet man die nicht in unseren Fernsehprogrammen, die sich von ihrer Qualität von FOX News und CNN auch nicht mehr positiv abheben. Nicht die Kommerziellen zumindest.
Denn wie im Artikel erwähnt, verkauft sich das auch nicht so gut.

Besonders die Partei der Republikaner, deren Mitglied Präsident Bush ja nun ist, ist eine Partei, in der sich viele verschiedene Gruppierungen wiederfinden lassen.
Es gibt die Konservativen genauso wie es die Liberalen gibt.
Man darf einfach nie den Fehler machen und generalisieren.
Egal ob das nun über Amerika oder über Deutschland ist.

Michael Moore ist ein Komiker, kein Kabarettist.
Dass seine Kommentare Aufmerksamkeit erregen sollen, lässt auch an Tiefe und Sachlichkeit zweifeln.
In erster Linie ist es aber Entertainment, keine Politik.
Michael macht nicht sehr viele konstruktive Verbesserungsvorschl äge.

Mal abgesehen davon finden die Menschen, die Michael Moore als Bibel lesen, ja auch die Art der Unterhaltung gut und Kritik gefällt einigen Menschen ja schon lange besser, als Kompromissbereitscha ft.

Wir hatten und haben hier in Deutschland auch Politiker, die viele nicht mögen oder haben wollen.
Aber anstatt immer nur auf Angriffskurs zu gehen, sollte man eben Einigungen anstreben.

Und wer unsere politische Situation JETZT sieht, der soll sich mal fragen, was man in Amerika wohl darüber denkt.

Ansonsten gilt nach Dieter Nuhr: Wer keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!

29.09.2005 19:47 Uhr

buntschlueppi

RE: Die besseren Amerikaner

der aspekt mit dem retro und metroamerika habe ich hier zum ersten mal gelesen, aber muss sagen, dass es vollkommen stimmt...
habe ein jahr in einer der religiösesten, prüdesten gegenden gewohnt, wo es selbst noch "rassentrennung´" an schulen gab (ich war auf einer komplett weißen schule)...nach einer woche new york dachte ich, ich wäre im falschen film, das komplette gegenteil von northeast arkansas -> partys, bars, leute auf der straße nach 22h, trubel jubel heiterkeit...einfach nur new york eben...nix zu spüren von religion, dem prüden lebensstil, gar nix von all dem...
an dem oben genannten aspekt ist echt was wahres dran!!!

danke für die aufmerksamkeit

01.12.2005 21:36 Uhr



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