Politik
Reisen und Schreiben in Myanmar
26.09.2007 10:18 Uhr
2003 bereiste ich dieses wunderbare Land. Allerdings konnte ich die folgende Mail erst in Indien verschicken, der burmesischen Junta sei Dank.
Kolkata, im Juni 2003
Mit der Ankunft in Indien hatte ich die Meinungsfreiheit zurückgewonnen, die in Myanmar leider ein Fremdwort war. Die Emails, die ich aus Myanmar verschickt habe, sind unter Umständen von der dort herrschenden Junta gelesen worden, bevor sie über einen burmesischen Account versendet wurden. Eine allzu kritische Beschreibung der politischen Lage hätte mir eventuell viel Ärger eingebracht. Aus diesem Grund schrieb ich erst in Kolkata über die heiklen Themen dieses Landes.
Das Leben in Myanmar im Jahre 2003 war vor allem durch die Angst der Militärs geprägt, ihre Macht zu verlieren. Daher wurde mit allen Mitteln versucht, das Volk von jeglicher Information politischer Art auszuschließen. Internet gab es ich nicht. Es wurde lediglich ein E-Mail-Service von einigen Hotels über ihren einheimischen Account angeboten. So können die Machthaber jede E-Mail lesen, zensieren oder gar löschen. Einheimischen war es verboten, mit Ausländern über Politik zu reden. Diese taten dies, soweit ihre Sprachkenntnisse es zuließen aber trotzdem, gerade nach der erneuten Gefangennahme von Frau Suu Kyi, der Friedensnobelpreisträgerin. Noch nie in meinem Leben hatte ich Menschen gesehen, die den wenigen Militärs, die sich auf der Straße blicken lassen, die Zunge herausstreckten. »Government no good« oder »Germany very good democracy« bekam ich täglich mehrmals zu hören. Um das Volk künstlich »dumm« zu halten, sind die Universitäten die meiste Zeit über seit 1996 geschlossen gewesen. Viele der Taxifahrer waren halb ausgebildete Ärzte, Lehrer etc. Einer ganzen Generation blieb die berufliche Entfaltung versagt.
Nun fragt man sich vielleicht, ob es Sinn macht, ein solches Land zu besuchen. In der Tat hatte ich mich dies vor der Reise auch gefragt, zumal Teile der Oppositionspartei zum Boykott Myanmars aufrufen. Außerdem sponserte ich mit meinem Zwangsumtausch von 200 US-Dollar das Regime und nutzte staatliche Fähren, Busse etc. Dazu kommt noch die Tatsache, dass in Myanmar noch die Zwangsarbeit zum Straßenbau und oft zur Renovierung von Touristenattraktionen an der Tagesordnung ist. Schließlich hatte ich mich aber für einen Besuch Myanmars entschieden, da mit dem Geld, das ich in privaten Hotels, Bussen, Restauratns und für Trishaws und Souvenirs ausgab, direkt die Einheimischen unterstützte. Würden die Touristen ausbleiben, hätten diese Menschen ein wesentlich geringeres Auskommen. Die Sehenswürdigkeiten, wie der Palast von Mandalay, der von Zwangsarbeitern renoviert wurde, strich ich von meinem Besuchsprogramm. Ein weiterer Grund, warum ich Myanmar besuchte, war mein Bedürfnis, mir von den Verhältnissen im Land selbst ein Bild zu machen. Letztendlich hatte ich meinen Besuch nicht bereut. Die freundlichen und dankbaren Menschen machten diese Visite für mich zu einem besonderen Aufenthalt, ohne dabei die politische Situation zu vergessen.
Nachdem ich bisher von der Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs in Myanmar verschont blieb, kam ich schließlich doch noch in den Genuss, mit einem so genannten »Pick-up-Truck« die Umgebung von Bagan kennen zu lernen. Auf dem Pick-up war eine Laderampe mit zwei klappbaren Holzpritschen angebracht. Die hintere Ladeklappe war permanent nach unten geklappt und ermöglichte so die Mitnahme von weitereren fünf Passagieren auf Holzschemeln. Auf dieser Reise um die Welt hatte ich bereits gelernt, dass die Definition für Platz ein dehnbarer Begriff ist, der von Land zu Land sehr stark variierte. So dürfte Myanmar weltweit das Schlusslicht bilden, was die Umwandlung dieses Begriffs in konkrete Quadratzentimeter-Größen anbetrifft. »Voll« bedeutete in diesem Land, dass es tatsächlich keinen Raum mehr zum Atmen und Festhalten gab. Um den Stauraum des Pick-ups auch komplett auszunutzen, befand sich über den Pritschen ein Metallgitter, das sozusagen die Treppe zum Oberdeck bildete. Denn ich fuhr teilweise wieder auf dem Dach des Pick-ups mit. Das Metallgitter war mit Bambusrohr ausgelegt, sodass das Sitzfleisch den Ausflug einigermaßen überstehen konnte.
Glücklicherweise fuhren Pick-ups in Myanmar manches Mal nach einem Fahrplan, und nicht erst ab, wenn sie als voll gelten. So durfte ich die Fahrt zum Klosterberg Mount Popa teilweise alleine auf dem Dach verbringen. Die Reise führte an Hüttchen vorbei, die aus Palmwedeln errichtet worden waren. Das Schrägdach reichte wie bei Häusern in Nordeuropa bis auf den Boden hinunter. Der Kamin, aus Backsteinen erbaut, bildet den einzig stabilen Teil der Hütte. Dieser diente eher als Kochstelle denn als Wärmequelle, da es selbst nachts meist mehr als 25 Grad Celsius warm war. Ich bekam in der Region des Mount Popa zum ersten Mal den von Südwesten aufziehenden Monsun zu spüren. Statt feuchter Hitze war ich plötzlich in den Bergen von Wolken umhüllt, und es war sogar relativ kühl. So sah ich von dem Klosterberg gar nichts und konnte getrost auf dem Dach des Pick-up-Trucks wieder nach Bagan zurück tuckern.
Von dort aus, führte die Reise mit einem Bus weiter nach Süden. An anstrengende Busfahrten gewöhnt, erwartete ich bereits das Schlimmste. Aber es bestand immer die Möglichkeit einer Steigerung und das Wort schlimm ist auch ein sehr dehnbarer Begriff. Nachdem der Bus pünktlich abfuhr, stoppte der Fahrer nach sage und schreibe 200 Metern an der nächsten Werkstatt, um einen Reifen wechseln zu lassen. Chef des Busses war ganz eindeutig »Herr Müller«, der Busfahrer, der ein olivgrünes Bundeswehrhemd eines gewissen »Müller« und einen karierten Sarong trug. Nachdem der Reifen nach etwa 50 Minuten zur Zufriedenheit von Herrn Müller gewechselt war, fuhren wir wieder ca. 200 Meter weiter, ehe der erste von mehreren Militärposten auf uns wartete. Alle Passagiere mussten aussteigen, die Pässe zeigen, und das Gepäck präsentieren. Nach einer knappen halben Stunde konnte Herr Müller endlich losbrausen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits dermaßen ermattet von der Fahrt, weil ich mir wie eine Sardine eingequetscht vorkam. Die alte Dame vom Vordersitz lag mit ihrem Sitz auf meinen Knien, da sich die Lehne nicht in die normale Sitzposition klappen ließ. Hinter mir konnte sich ein Pärchen nur eine einzige Fahrkarte leisten, und teilte sich den Sitz. Daher saß er mir permanent mit seinen Armen und seinem Kopf in meinem Genick. Ich machte wie sooft auf dieser Reise den Fehler und rechnete meine erwartete Ankunftszeit an meinem Zielort Pyay aus. Eigentlich sollte ich nach zehn Stunden Fahrt und etwa 300 Kilometern um halb zwei Uhr morgens dort ankommen. Doch mittlerweile ging ich schon eher von drei Uhr aus – eine viel zu optimistische Prognose.
Nach einer weiteren Stunde stand Tanken auf dem Programm. Zapfsäulen existierten noch nicht. Auf einem Schemel stand ein Blecheimer mit einem langen Plastikrohr, das in den Tank gesteckt wurde. Das Tankstellen-Personal schleppte fässerweise den Diesel an und schüttete diesen in den Eimer. Nach einer halben Stunde war schließlich auch diese Prozedur beendet. Danach fuhren wir für ca. eineinhalb Stunden weiter, ehe Herr Müller stoppte, da eines der Fernlichter seinen Geist aufgegeben hatte. Herr Müller hatte sich seine Bundeswehrjacke redlich verdient, da er genauso pedantisch und gründlich war wie der »typische« Deutsche. Trotz aller Unannehmlichkeiten war ich für Herrn Müllers Pedanterie eigentlich froh, denn meist wird in fremden Länder gefahren, bis nichts mehr geht, und manchmal fahren die Busse grundsätzlich mit defekten Lichtern. Es dauerte wieder eine Dreiviertelstunde, ehe der Bordmechaniker das Kabel des defekten Fernlichts ersetzt hatte. Danach rollten wir eine weitere halbe Stunde durch die burmesische Nacht, ehe Herr Müller auf die Idee kam, Abend zu essen. Eine gute Idee eigentlich, aber warum musste dieses Ereignis geschlagene zwei Stunden in Anspruch nehmen? Völlig ermüdet von dieser Schlafen-Unmöglich-Fahrt kamen wir um fünf Uhr morgens in Pyay an.
Eigentlich wollte ich in Pyay weitere archäologische Stätten in der Umgebung besuchen. Doch nach dieser Fahrt und lediglich ein paar Stunden Schlaf in einer Bretterbude, »Guest House« genannt, strich ich mein Besuchsprogramm und ging lieber in der Stadt spazieren. Mir war seit langem klar, dass diese Reise mit Tourismus und Sehenswürdigkeiten abklappern nicht mehr viel gemein hatte. Viel zu sehr wurde ich tagtäglich von meiner Umgebung geprägt. Da waren touristische Highlights eigentlich nur noch Beiwerk. Vielmehr standen die Menschen meiner Gastländer bereits seit Monaten im Mittelpunkt dieser Reise. Im aufziehenden Gewitter von Pyay stapfte ich durch die schlammigen Gassen am Ufer des Ayeyarwady entlang. Kinder rannten aus den ärmlichen, meist aus Bambusrohr errichteten Häusern auf die Straße, um mir zuzuwinken oder mich mit ihren großen Augen anzuschauen. Jedes Kind fing irgendwann zu lächeln oder sogar zu lachen an. Bei dem Spaziergang durch dieses Armenviertel ruhte überall für einen Augenblick die Arbeit, während dieser große Weiße mit dem Regenschirm durch die schlammigen Gassen stapfte. Den Menschen in Pyay ging es vielleicht im Verhältnis zu anderen Armen in der Welt »gar nicht so schlecht«, aber in der Tristesse dieses Augenblicks realisierte ich, wie gut es uns zu Hause doch geht. Vielleicht musste ich zehn Monate hauptsächlich durch die armen Regionen dieser Welt reisen, um zu kapieren, was es bedeutet, ein festes Dach über dem Kopf zu haben, zu wissen, dass ich auch morgen genug zu essen habe, bei Krankheiten einen Arzt aufsuchen zu können und sogar Geld für Investitionen und Rente zurück legen zu können. Dazu kam außerdem die politische Freiheit, über die Bundesregierung zu lästern – wohingegen Leute für politische Witze in Myanmar zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt werden. Dass den Bewohnern Myanmars die Situation ihrer Heldin Frau Suu Kyi nicht einerlei ist, sah ich in Pyay und anderen Orten am laufenden Band. Mit kleinen Transistorradios versuchten sie den Sender der BBC zu empfangen, der auf burmesisch Nachrichten sendet, um die Menschen auf dem aktuellen politischen Stand der Dinge zu halten.
Von Pyay setzte ich meine Reise in die damalige Hauptstadt Yangon, dem früheren Rangoon, fort. Die Stadt bestand aus breiten Boulevards und teilweise aus wunderschönen Häusern der britischen Kolonialzeit. Die großen Straßen waren auch nötig. Erstens gab es tatsächlich relativ viele Autos und zweitens waren die Bürgersteige wie in Bangkok mit Verkaufs- und Essenständen völlig blockiert, sodass ich als Fußgänger am besten auf der Straße vorankam. Von der kulinarischen Seite her betrachtet, bot mir Yangon wieder ein Paradies sondergleichen. Angefangen mit dem typischen Frühstück à la Fischsuppe mit Nudeln, über frisch gemachten Papaya- und Mango-Joghurt bis zu leckeren indischen Gerichten wie »Toeshay« , chineschischen Gerichten, wie mit Hühnchen gefüllte Dampfnudeln oder bestem Lavazza-Kaffee. Letzterer war das eigentlich Groteske in Yangon. Trotz eingeschränkter Meinungsfreiheit konnte ich in den 4-Sterne-Hotels MTV, Deutsche Welle Fernsehen oder HBO empfangen und mich über die aktuelle Situation Myanmars informieren. Anscheinend ging die Junta davon aus, dass sich die Einheimischen beispielsweise einen Lavazza-Kaffee für umgerechnet 50 Cent in diesen Etablissement sowieso nicht leisten können und somit vom politischen Weltgeschehen nichts mitbekommen.
Mainz, im September 2007
Nun im Jahr 2007 scheint sich in Myanmar nicht viel geändert zu haben, außer dass die Menschen sich wieder einmal trauen, massiv zu protestieren. Wir alle können nur hoffen, dass es zu keinem Militäreinsatz kommen wird. Vielleicht hat sowohl das protegierende Peking als auch die Junta Myanmars jeweils aus den Ereignissen von 1989 gelernt. Es wäre wahrlich ein Neuanfang für dieses geschundene Land.




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kleine-steffi
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarVielen Dank für die bildliche Aufklärung der Zustände in Myanmar.
26.09.2007 11:25 Uhr
Sam76
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarSehr schoener Text,
du hast vollkomen recht damit dass es uns in Deutschland wirklich sehr gut geht.. Was kein Vorwurf sein soll...
Ich selbst lebe seit ueber einem Jahr in Indien und werde noch ein Jahr bleiben.
Es tut im Herzen weh jeden Tag Kinder und alte Leute schlafend auf der Stasse zu sehen.
Eins habe ich gelernt, als ich wieder nach Deutschland flog habe ich die kleinsten dinge geschaetzt denen ich frueher keine Beachtung gewidmet haette.
26.09.2007 11:37 Uhr
koallasuu
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarSehr interessanter Artikel. Ich wußte bis jetzt fast nichts über Myanmar.
26.09.2007 11:47 Uhr
latentneurose
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarHabe deinen Text gerade aufgesogen, da mich neben Laos, Thailand und Kambodscha auch Myanmar im asiatischen Raum als Reiseziel sehr reizen würde. Nur ist mir im Gegensatz zur konstitutionellen Monarchie bzw. sozialistischen Volksrepublik doch ein wenig Bange in ein Land mit Militärdiktatur zu reisen, und wie schon schreibst, das Regime mit meinem eingebrachten Geld zu unterstützen.
Danke für einen sehr interessanten Text, der Myanmar mal Abseits der Tempel und Pagodenbauten behandelt!
26.09.2007 12:32 Uhr
herzklappe
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarden bericht fand ich sehr interessant. mir wird ganz flau bei dem gedanken, daßdas militär schon in den startlöchern steht und alles niederballern wird, was ihnen vor die flinten gerät. da frage ich mich: welches systeme haben die waffen verhökert? und wird es auch hier irgendeine form des protestes geben oder ist das dann einfach nur ein weiterer konflikt auf der welt, zu dem sich zwar haufenweise "experten" äußern werden und dann war´s das auch schon wieder?
26.09.2007 14:24 Uhr
ck-africa
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarEs grenzt leider schon an ein Wunder, dass wir von dem Konflikt mitbekommen. Als 2003 das Land bereiste, wurde ein paar Kilometer von meinem damaligen Aufenthaltsort eine Demo gewaltsam aufgelöst und Frau Suu Kyi wieder verhaftet. Das bekam damals innerhalb des Landes erstmal gar niemand mit. Ich hörte es mit meinem Weltempfänger auf der Deutschen Welle - konnte es den Leuten aber gar nicht erzählen, da es dort dermaßen viele Spitzel gibt, die Dich gegebenenfalls sofort verhaften und aus dem Land werfen.
Aber dieses ganze Szenario wird leider wie immer ablaufen: aus den Augen aus dem Sinn. Nächste Woche ist wieder etwas anderes wichtig und niemand interessiert sich noch wirklich für Myanmar. Daher habe ich diesen Text JETZT hier geschrieben. Man kann ja als einzelner nicht viel machen - außer vielleicht auf die Umstände wenigstens mal hinweisen und vielleicht ein wenig aufrütteln. Aber Myanmar ist zu unbedeutend als dass sich da jemand wirklich für interessiert, was da abgeht - denn da geht es bereits seit Jahrzehnten drunter und drüber:
Myanmar war von der Mitte des 19. Jh. bis zum Beginn des 2.Weltkriegs von den Briten besetzt. Die Japaner drängten während des Kriegs die Briten nach Indien zurück. Nach Kriegsende erkämpfte sich Myanmar 1948 die Unabhängigkeit von den Briten.
Kommunistische Gruppen, moslemische Vereinigungen, Bergstämme und buddhistische Mönche ließen sich schwer »unter einen Hut« bringen, und so kam mit der Unabhängigkeit das Chaos ins Land.
1962 putschte sich ein Militärgeneral an die Macht, und Myanmar ist seither eine sozialistische Diktatur. Während andere Länder der Region wirtschaftlich gesehen beachtliche Fortschritte machten, stagnierte die Wirtschaft von Myanmar und die Diktatur brachte das Land auf den Stand vor dem 2. Weltkrieg zurück.
Nach 25 Jahren Diktatur hatten die Bewohner Myanmars genug von der Militärjunta und gingen in den Jahren 1987/88 auf die Straße und protestierten. Allein 3.000Zivilisten wurden bei den größten Demonstrationen während einer sechswöchigen Periode von Militärs getötet. 1989 versprach die Militärregierung endlich demokratische freie Wahlen. Die Opposition einigte sich auf die Kandidatin Aung San Suu Kyi, die Tochter eines populären Freiheitskämpfers, der sein Leben für die Unabhängigkeit Myanmars von den Briten gelassen hatte. Die Militärs setzten Frau Suu Kyi bis zum Wahltag unter Hausarrest. Trotzdem gewann ihre »Nationale Liga für Demokratie« fast Dreiviertel aller Wählerstimmen.
Anstatt die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, wurden Frau Suu Kyi und andere prominente Oppositionspolitiker verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Frau Suu Kyi erhielt während ihrer Gefangenschaft u. a. den Friedensnobelpreis. Dadurch kam 1991 diese Tragödie endlich an das Licht der Weltöffentlichkeit. Im Juli 1995 wurde sie aus der Haft entlassen, durfte die damalige Hauptstadt Yangon aber nicht verlassen. Geheime Gespräche zwischen Frau Suu Kyi und den Militärs zwischen Oktober 2000 und Mai 2002 brachten erneut Hoffnung auf Demokratie. Frau Suu Kyi durfte wieder das Land bereisen und sich politisch betätigen, nachdem die Militärs erkannt hatten, dass Frau Suu Kyi trotz oder gerade wegen des oftmaligen Hausarrestes, unter der Bevölkerung immer noch sehr populär war.
Während ich durch Myanmar reiste, bekam die Demokratiebewegung erneut einen Dämpfer, als Frau Suu Kyi in der Nähe von Mandalay während einer politischen Veranstaltung erneut verhaftet wurde und unter Hausarrest gesetzt wurde und jetzt sogar wohl wieder im Gefängnis sitzt.
29.09.2007 09:33 Uhr
on.the.road.again
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarGrad jetzt natürlich sehr interessanter Reisebericht.
Ich musste mich nachdem ich die, bei mir zensierten, Nachrichten gelesen hab auch direkt an meinen Neonaccount setzen und was schreiben (oh, nein, Schleichwerbung)...< br />Schließe mich auf alle Fälle deinen Hoffnungen und Wünschen bezügl. Myanmar an
26.09.2007 19:20 Uhr
Trommler
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarLeider habe ich heute von 8Toten unter den friedlich Protestierenden gehört,trotzdem China als Nachbar aus Angst vor dem Ansehen in der Welt und als Ausrichter der olympischen Spiele deren Boykott westlicher Länder fürchtet um friedliche Lösung bat.
ich find die Art gut,wie bewusst du abwägst,was du dort in Augebschein nimmst und was aus bestimmten Gründen nicht und wie du dann eh in Viertel gerätst,wo die Menschen ihren Alltag leben und weniger Touristen durchstiefeln.schön beschrieben,umso krasser,was dort gerade abgeht
26.09.2007 19:45 Uhr
kaddaly
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarsehr interessant geschrieben. erinnert mich an ein kapitel aus maries reise von marie pohl.
26.09.2007 21:31 Uhr
Freydis
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarSchöner anschaulicher Reisebericht. Als ich heute hörte, dass das Militär selbst auf betende Mönche schießt, wurde mir sehr kalt. Ich hoffe, dass wir konsequent Sanktionen verhängen - am besten auch gleich über China.
26.09.2007 22:02 Uhr
ck-africa
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarLeider sind uns mal wieder die Hände gebunden, was Sanktionen anbetrifft - gerade gegenüber China. Denn Wirtschaft geht ja immer vor Menschenrechte. Wenn China wenigstens seine eigene Philosophie beherzigen würde und sich als Ausland nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates einmischen würde, hätte in Myanmar längst die Demokratie Einzug gehalten. Ich kenne kein Land der Welt, wo sich so viele Menschen für Politik interessieren wie in Myanmar und die engagierten Bürger Myanmars hätten ihre Revolution längst hinbekommen, wenn nicht Peking diese Junta stützen würde.
29.09.2007 09:59 Uhr
DunKing89
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarAuf jeden Fall ein sehr schöner Bericht, gerade für die Menschen. die Birma aktuell nur aus dem Fernsehen kennen (so wie ich) . Aber auch ohne die dortigen Gepflogenheiten zu erahnen, spüre ich doch, dass an den dortigen Einwohner großes Unrecht zu teil wird. Wenn die skrupellose Junta nicht mal bei den als heilig geltenden Mönchen halt macht und deren Klöster in Beschlag nimmt, ist das kein gutes Zeichen. Das Militär will auf jeden Fall an der Macht bleiben. Auch mit Gewalt. Hier ist vor allem die Politik, insbesondere die UN gefragt, um zusammen mit Cina dem ganzen Treiben entgegen zu wirken . Das kann ja heiter werden. Es gibt Menschenrechte, und es muss gesichert sein, dass diese gewahrt werden. Man kann wirklich nur hoffen auf .... ja auf was denn eigentlich noch?
28.09.2007 21:22 Uhr
herzklappe
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarist es nicht traumhaft - china will keine sanktionen gegen myanmar. natürlich nicht, china unterhält dort pipelines, der zugang zum meer ist nicht unwichtig, denn china hat auch die kontrolle über die "straße von malaka", einem strategisch günstigen und wichtigen seeweg. bald ist in china oympiade: hochleistungs-chauvi nismus in reinkultur. und ob die menschenrechte dort gewahrt werden, ist den fernsehzuschauern doch völlig wumpe. bestzeiten gucken und damit hat sich´s dann auch schon.
29.09.2007 10:45 Uhr
Freydis
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarGute Idee, Boykott der Olympiade wär doch mal was!
29.09.2007 13:36 Uhr
ck-africa
RE: Reisen und Schreiben in MyanmarJa, das würde die Chinesen wohl wirklich ihr Gesicht verlieren lassen - falls sie es noch nicht verloren haben (Doping-Olympioniken , Tibet, Wanderarbeiter, Hinrichtungen, Umweltprobleme, Pressefreiheit, Minderheiten etc.). Und außerdem haben die so einen Komplex, da der Westen sie irgendwie nicht für voll nimmt - da passt der Boykott dann so richtig dazu - wenn keiner aus dem Westen dorthin fährt. Aber da ist wohl wieder der Wunsch Vater des Gedanken - leider.
29.09.2007 15:50 Uhr
on.the.road.again
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarja, ein Boykott der Olympiade ist das Einzige wovor sich die chinesische Regierung fürchtet.
Hier geht deswegen ja schon alles drüber und drunter, Beijing wird komplett umgebaut, selbst in weiter entfernten Städten sieht man überall Werbebanner usw.
Aber, da scheint ja niemand richtig Druck zu machen..
30.09.2007 07:11 Uhr
herzklappe
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarsolche riesenveranstaltunge n bedeuten in der regel: vertreibung der armen. das wird in london für die fußball-wm genauso laufen. dann stellen sie da aufgedonnerte häusln hin, in denen nach dem ganzen hype keiner mehr wohnen kann/darf/mag und die kacke steht leer (wie in athen). die überwachung wird ausgebaut - ganz großes tennis.
china jagt wirtschaftlich ordentlich angst ein - natürlich wird die olympiade nicht boykottiert. geht ja auch kaum um den sport. sondern um reklame und reiche satte säcke, die damit einen haufen schotter verdienen.
es ist mir allerdings weiterhin unerklärlich, wie man einem staat, der von einer militär-junta "regiert" wird und demokratische gegenstimmen zu hausarrest verdonnert, noch nicht mal dann solidarisch unter die arme greift, wenn demonstranten abgeknallt werden. wo stecken denn jetzt z.b. diese ganzen blöden hobby-buddhisten, die sich immer so doll freuen, wenn der dalai lama kommt? immerhin stecken ihre glaubensbrüder reell in der klemme und das lässt sich mit sicherheit nicht wegmeditieren. oder mal ne lichterkette? das wäre doch toll!
01.10.2007 10:46 Uhr
Mary_Entwistle
RE: Reisen und Schreiben in Myanmarich verfolge das geschehen in myanmar so gut es geht seit ca. 2003 , eben die sache mit suu kyi, 2003 wurde das auch etwas populär gemacht - mtv setzte sich für eine unterschriftenaktion ein etc.
Aber mich macht das alles so verrückt, ich kann es nicht glauben dass ir nichts tuen können.
Wobei ich mir denke, dass es viel zu wenige Menschen sind die sich dafür interessieren - wie e ben gesagt ist es in Myanmar so gut wie die ganze bevölkerung und hier mit der schmarrn-medien-verd reckten Bevölkerung sieht das leider anders aus.
Als einzelner hat man keine Chance.
man sollte sich aufraffen. Auch wenn es einen mal nicht selbst betrifft.
30.09.2007 16:32 Uhr